Der neue LINK96 MegaSTE

Zwar ist der MegaSTE mit einem internen SCSI-Hostadapter zum Anschluss von SCSI-Peripherie ausgestattet, aber die Palette der Festplatten, die sich an diesen Adapter an schließen lassen, wird zunehmend kleiner. Grund genug, sich nach Alternativen umzuschauen.

Im Gegensatz zum ATARI ST besitzen die Geräte der MegaSTE-Serie einen eingebauten SCSI-Hostadapter. Dieser setzt die Signale des ATARI DMA-Bus auf die SCSI-Norm um. So lassen sich in einen MegaSTE ohne besonderen Aufwand SCSI-Festplatten "von der Stange" einbauen. Ausgeliefert wurde der MegaSTE meist mit einer SCSI-Festplatte ST157N der Firma Seagate mit einer Kapazität von 48 MB. Diese Platte wurde von ATARI auch im TT eingesetzt.

Festplatten mit einer solch geringen Kapazität gehören heutzutage zum alten Eisen und sind bei vielen Anwendern vermutlich schon ausrangiert worden. Sei es, weil die Platte in die Jahre gekommen war und Defekte aufwies oder weil eine Platte mit größerer Kapazität benötigt wurde. Die freie Auswahl beim Einbau,einer neuen Festplatte in den MegaSTE hat man allerdings nicht mehr, wenn es sich um eine aktuelle Platte handeln soll. Der interne SCSI-Hostadapter besitzt diverse Einschränkungen, die immer mehr zum Tragen kommen. Eine Reihe neuer Fest- und Wechselplatten lässt sich daher mit diesem Adapter nicht betreiben.

Eingeschränkte Auswahl

Eine externe SCSI-Festplatte zusätzlich zur internen Platte kann der im MegaSTE eingebaute Hostadapter nicht ansteuern. Es wird nur eine einzige SCSI-Platte unterstützt, die die SCSI-ID 0 erhalten muss, Als interne Platte sind nur Geräte sinnvoll, die eine Kapazität von weniger als einem Gbyte aufweisen. Bei größeren Platten kann der Hostadapter des MegaSTE lediglich die Sektoren des ersten GBytes ansprechen, die Restkapazität ist verloren. Selbst wer weniger als 1 GByte Plattenspeicher benötigt, wird meist zu einer größeren Platte greifen. "Kleine" SCSI-Platten sind kaum noch zu bekommen, die Mindestkapazität bewegt sich langsam aber sicher auf 2 GByte zu. Und wenn man schon dazu gezwungen ist, sich eine große Platte zuzulegen, dann wird man in aller Regel auch die gesamte Kapazität dieser Platte nutzen wollen.

Verwaltungstechnisch machen große Platten dem ATARI keine Probleme, da je nach Betriebsystem Partitionen mit einer Größe zwischen 256 MB und 1 Gbyte unterstützt werden. Bei maximal 14 Partitionen unter TOS oder gar 23 und mehr Partitionen mit MagiC und Big-DOS ist nach oben hin also noch reichlich Luft. Nicht nur bei der Anzahl der unterstützten Platten und deren Kapazität stößt der interne Adapter an seine Grenzen. Viele Platten bedienen sich eines sogenannten "Paritychecks", um die vom Computer geschickten Daten einer Überprüfung zu unterziehen. Der Adapter des MegaSTE unterstützt dies nicht, was zur Folge hat, dass solche Platten gar nicht erst erkannt werden.

Immerhin ist es bei manchen Platten möglich, den Paritycheck per Software (SCSITOOL, HDDRIVER) abzuschalten. Allerdings muss die Platte dazu vorübergehend an einen anderen ATARI angeschlossen werden, dessen Hostadapter Parity unterstützt. Im Idealfall handelt es sich um einen TT oder Falcon, da deren SCSI-Bus das Parity-Problem nicht kennt.

Wählerische Festplatten

Schließlich gibt es noch einen dritten Grund, der die Zusammenarbeit von SCSI-Geräten mit dem internen Adapter des MegaSTE verhindern kann. Manche Platten, insbesondere neuere Festplatten der Firma Quantum sowie einige MODs, erwarten vom Computer, dass dieser sich mit einer eigenen SCSI-ID am Bus identifiziert. Dies wird mit "Initiator-Identifizierung" bezeichnet und ist beim ACSI-Bus des ST/STE nicht vorgesehen. Daher lassen sich solche Platten an den handelsüblichen Hostadaptern nicht betreiben. Ähnlich wie bei fehlender Unterstützung des Paritychecks werden sie entweder nicht erkannt oder verhalten sich nicht in allen Situationen zuverlässig. So gibt es MODs, die bei fehlender Initiator-Identifizierung dem Computer keinen Medienwechsel melden.

Als ATARI-Anwender ist man gewohnt, dass solche Probleme durch findige Bastler aus der Welt geschafft werden. Und in der Tat ist es in diesem Fall nicht anders. Der bereits in [1] als externe Lösung vorgestellte Hostadapter LINK96 liegt inzwischen auch als interne Variante für den MegaSTE vor. Der LINK96 ist weiterhin der einzige SCSI-Hostadapter, der den Anschluß beliebiger SCSI- bzw. SCSI-2-Peripherie ermöglicht. Andere Adapter unterstützen zwar in vielen Fällen die Ansteuerung von Platten mit großer Kapazität sowie den Paritycheck, scheitern aber an der Initiator-Identifizierung. Der LINK96 bietet alle diese Eigenschaften von Haus aus. Dem ATARI wird die SCSI-ID 7 fest zugewiesen, und der Hostadapter sorgt dafür, dass diese ID zum richtigen Zeitpunkt an die angeschlossenen Geräte weitergereicht wird. So kann man beim Kauf einer neuen Platte sicher sein, dass sich diese mit dem ST/STE vertragen wird. Fragen an den Händler, inwiefern eine Platte- Paritycheck oder Initiator-Identifizierung erfordere, erübrigen sich somit. Viele Händler können mit diesen Begriffen ohnehin nicht viel anfangen, manchmal weniger als der Kunde. Ob ein Gerät Initiator-Identifizierung erfordert, lässt sich überdies nur im laufenden Betrieb feststellen.

Der Einbau

Ein Handbuch im eigentlichen Sinne gibt es zum LINK96 nicht, und dies ist wohl auch nicht erforderlich. Ein Faltblatt erklärt den Einbau und die Leistungsmerkmale. Da es keine Einschränkungen hinsichtlich der SCSI-Peripherie gibt, die der LINK96 ansteuern kann, erübrigen sich weitere Hinweise. Es ist die Aufgabe der Treibersoftware, sei es für Fest- und Wechselplatten, CD-ROM-Laufwerke oder Scanner, den Rest zu erledigen. Soll der LINK96 lediglich für die Ansteuerung einer internen Platte benutzt werden, ist der Einbau in wenigen Minuten erledigt. Lötarbeiten sind nicht erforderlich, der LINK96 kann daher auch von Laien installiert werden. Der interne Hostadapter wird vom LINK96 vollständig ersetzt. Um externe Geräte an die interne Variante des LINK96 anzuschließen, muss eine Öffnung in das Gehäuse des MegaSTE gesägt werden. Der bereits vorhandene DMA-Ausgang kommt nicht mehr als Anschluß in Frage. Der LINK96 kann bis zu 7 Geräte ansprechen, die die SCSI-IDs 0 bis 6 besitzen können.

Wir erinnern uns: ID 7 wird bereits vom LINK96 belegt. Wenn es um Fest- oder Wechselplatten geht, betreibt man den LINK96 im Idealfall mit einem Treiber, der sich auf die Ansteuerung großer Festplatten am DMA-Bus versteht. Ein Hostadapter kann dies nicht von sich aus erledigen, sondern lediglich die Hardware-Voraussetzungen schaffen. Zur Zeit sind CBHD, der ICD-Treiber sowie HDDRIVER in der Lage, Platten mit einer Kapazität von mehr als einem GByte mit dem LINK96 anzusteuern. Bei kleineren Platten eignen sich auch andere Treiber. Für CDROMLaufwerke kommen alle bekannten Treiberpakete in Betracht. Eine GByte-Grenze gibt es bei CD-ROMs ja nicht zu beachten.

Transfertest

Werfen wir nun einen Blick auf die Übertragungsgeschwindigkeiten, die mit dem LINK96 erreichbar sind. Nicht nur die Hardware des Adapters kann die Geschwindigkeit beeinflussen, sondern auch der Festplattentreiber. Daher wurde eine Messung sowohl mit AHDI, dem Standard-Treiber von ATARI als auch mit HDDRIVER durchgeführt.

HDDRIVER kann gegen einen Aufpreis zusammen mit dem LINK96 bezogen werden. Alle Werte wurden mit dem Geschwindigkeitstest des SCSITOOL ermittelt, jeweils unter identischen Bedingungen. Bei diesem Test handelt es sich um einen reinen Lesetest, der die Hardware der Platte nicht direkt anspricht, sondern hierzu den zum Zeitpunkt des Tests aktiven Festplattentreiber heranzieht. SCSITOOL differenziert bei der Messung zwischen den Übertragungsraten bei großen und kleinen Datenblöcken. Dies ist sinnvoll, weil bei kleinen Blöcken die Zeit, die innerhalb des Treibers verbraucht wird, stärker zum Tragen kommt. Diese Zeit dient nicht der eigentlichen Datenübertragung, sondern der Kommunikation mit der DMA-Hardware und der Platte. Als Hardware für die Messung diente eine Platte des Typs Quantum Fireball 1280S. Diese Platte war für einen Paritycheck konfiguriert und erwartet überdies eine Initiator-Identifizierung vom Computer. Mit einem anderen Adapter als dem LINK96 hätte diese Platte somit gar nicht erst am ST/STE betrieben werden können. Hier die erzielten Übertragungsraten:

    AHDI 6.06: 930 KB/s .. 136 KB/s 
    HDDRIVER 6.2: 1389 KB/s ... 504 KB

Diese Messungen beziehen sich auf Sektoren innerhalb des ersten GBytes der Platte. Dies ist insofern erwähnenswert, als AHDI bei SCSI-Platten grundsätzlich nur auf Sektoren zugreifen kann, die sich innerhalb des ersten GBytes befinden. Diese Einschränkung weist AHDI auf allen Plattformen auf, also auch bei TT und Falcon. Wie man an den stark unterschiedlichen Werten sieht, hat die Treibersoftware bei identischer Hardware gerade bei kleinen Blöcken deutlichen Einfluß auf die Geschwindigkeit der Datenübertragung.

Eine gute Wahl

Eine Reihe weiterer Tests, bei der auch andere Festplatten sowie Wechselplatten, Phasenwechsel-Laufwerke und CD-ROM-Laufwerke am LINK96 betrieben wurden, bestätigten den ausgezeichneten Gesamteindruck. Sei es also externe Version, die ebenfalls für Tests verfügbar war, oder als interner Adapter: Der LINK96 überzeugt. Für alle, die SCSI-Peripherie am ST oder STE betreiben wollen, ohne auf bestimmte Geräte festgelegt zu sein, gibt es zum LINK96 keine Alternative. Da mehrere Treiber auf dem Markt sind, die die speziellen Möglichkeiten des LINK96 unterstützen, gibt es auch von der Software-Seite her nur Positives zu vermelden. So zeigt der LINK96, dass alte ATARIs sich durchaus mit moderner Peripherie kombinieren lassen und daher noch lange nicht zum alten Eisen gehören.

Preise: LINK96 MegaSTE
intern ohne Treibersoftware: 179,
mit HDDRIVER: 199,-
LINK96 extern ohne Treibersoftware: 135,-
mit HDDRIVER: 159,-
Bezugsquelle:
WB Systemtechnik GmbH
Habichtseck 43
44575 Castrop-Rauxel
WWW: http://members.aol.com/norwiecz

Literatur: [1] Uwe Seimet, "LINK96 - Brückenschlag zur SCSI-Welt", ST Computer 7,8/1996
Uwe Seimet


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