Falcon-Scene: Goldener Herbst

Musikmachen in Hightech-Umgebung, der Digital Tracker

Heho, schon wieder Zeit für einen Artikel, dabei kommt es mir vor, als hätte ich gerade gestern den letzten getippt. Tja, nach etwas Hektik zieht jetzt wieder Ruhe ein, und auf mich warten zwei Wochen Ferien. Vor meinem Fenster läuft einer dieser goldenen Herbsttage ab, an denen man mit weit ausholenden Schritten durch Laubberge rauschend Spazierengehen sollte (hallo Wiebke!); aber wenn dieser Artikel erscheint, ist das nur noch Erinnerung und jeder zerbricht sich schon wieder den Kopf über Weihnachtsgeschenke.

Nun, mit der Falcon-Szene verhält es sich offensichtlich umgekehrt. Während es in der Sommerhitze niemanden an den Computer zieht, besinnt man sich bei den kürzer werdenden Tagen wieder auf sein Hobby, und überall regt sich Aktivität. Neben mir liegt eine Einladung zu Avenas „SILIconvention“, die sehr viel Spaß verspricht und gleich daneben ein Schreiben von Lazer, welche zu „DAN's lustigem Kinderfest“ laden, um auch der Computerei in der Gruppe zu frönen. Da diese Party zeitlich parallel zur proTOS in Hennef und auch in deren Nähe stattfindet, werden wir uns vielleicht alle mal sehen. Na, das verspricht wieder viele tolle Demos und Inovationen in den nächsten Monaten. Außerdem trudelte noch ein Schreiben aus Frankreich bei mir ein, in welchem zur „MEGAFUN 5“ eingeladen wird. Das ist für mich ein guter Brückenschlag, um noch einen Nachschlag zum letzten Artikel zu liefern. Etwas verspätet kamen noch Demos von der „Place to buy again 2“-Party an, die ich den Lesern nicht vorenthalten möchte.

Zuerst ein kleines „Dentro“, einer mir bisher nicht bekannten Crew namens NCC (New Computer Concept). In den ca. 100 KB großen „Waiwala“-Demos haben sie erstaunlich viel untergebracht. Eigentlich sind keine weltbewegenden Effekte zu besichtigen, aber ein sauberes Design und coole Musik machen auch was her. Nach ein paar Linienspielereien bietet einem das Demo einen interessanten Zoomeffekt, um dann mit etwas Parallax-Scrolling zu enden. Nicht überragend, aber ein guter Einstieg für die Gruppe.

Texturemapping aus finanzieller Sicht
Während der Würfel sich dreht, zoomt das Fractal immer weiter...
So sieht's in der Introsequenz von "Moonspeeder" aus.
Und hier geht’s zur Sache, race!
Raytracing wirkt immer gut!
Leider kann man (noch) keine Animationen drucken, dieser Effekt wirkt in motion sehr cool!

Als zweites gesellte sich noch ein „großes“ Demo in die Reihe der schon beschriebenen und findet seinen Platz im besseren Mittelfeld. Die Jungs von ABSTRACT haben wohl ähnliche Gedanken wie EKO gehabt, denn sie tauften ihre Schöpfung „X-perience“. Nicht nur der Name ist verwandt, auch beim Inhalt liegt der Schwerpunkt auf Vektorgrafik. Aber keine Angst, es wird mehr geboten als die üblichen Gouraud-Shading- und Texturemapping-Objekte. Da wäre z.B. ein Part, bei dem dreidimensionale Objekte aus 4096 Dots (Pixeln), mit Hilfe des DSPs berechnet, superflüssig auf dem Bildschirm umherschlingern und hemmungslos ineinandermorphen. Und auch „normale“ Vektorgrafik wird gemorpht, an einer Stelle gibt es einen Blick auf die „Abstract-World“, welche aus vielen morphenden Objekten, die recht phantasievoll designt sind, besteht. Dann darf man auch das von EKO bekannte Z-Buffering bewundern. Zwei Vektorgrafikobjekte fliegen aufeinander zu und tauchen ineinander ein, was oft (siehe Screenshot) ziemlich beeindruk-kend wirkt. Aber weiter, jeder hat inzwischen die zahlreichen „Flug in ein Fractal“- und „drehende, zoomende Grafik“-Screens gesehen, ABSTRACT reichte dies nicht mehr; sie projizieren also besagte Effekte einfach auf die 6 Seiten eines Würfels und lassen diesen über den Bildschirm wirbeln. Das ganze wird angereichert durch jede Menge Raytracing-Grafik und megacoole Musik von Jester/Sanity, einer der besten Amiga-Musiker. Zum Ende der Demo gibt’s nochmal Vektorgrafik satt. Eine fiktive Kamera schwebt durch eine komplette Stadt; da sind nicht nur Häuser - nein, sogar kleine Bäume, Bänke, Tankstellen etc. sieht man.

Im großen und ganzen hinterläßt das Demo also einen guten Eindruck und hat echte Highlights, einzig nervig ist, daß man aus einer ca. 900KB großen Datei nach dem Entpacken 3,5 MB an Files auf der Festplatte hat, bei meiner chronisch vollen Platte ist das ziemlich lästig, dafür läuft’s aber auch im VGA-Modus!

Moonspeeder

Auch für unsere Gamefreaks gibt es Neuigkeiten. Die vielbesungenen Jungs von EKO machen ein Falcon-Spiel, und das bereits herausgegebene Preview sieht sehr gut aus! Jeder Mensch, der fernsieht, kam vor einiger Zeit nicht umhin, ständig die Super-Nintendo-Werbespots ansehen zu müssen, bei denen Mario in einem kleinen Rennauto gegen Dino und Co. fährt. Super Mario Kart läuft auf dieser Konsole im sogenannten Mode 7, das heißt, man sieht die Landschaft von schräg oben. Nun das SNES hat Hardware für so etwas und der Falcon genug Rechen-Power. „Moonspeeder“ soll das Rennspiel von EKO heißen und läuft ziemlich ähnlich ab, nur daß die Autos hier Fluggleiter aus Vektorgrafik sind. Die Spielgrafik sieht im Preview zwar noch nicht so spektakulär aus, aber ich denke, da wird sich auch noch etwas tun. Ein paar Screenshots kann man schon mal bewundern, und zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Artikels sollte das Spiel auch schon zu haben sein, denn die fertige Version ist für November angekündigt.

Stardust

Und noch ein interessantes Preview landete auf meiner Harddisk. Diesmal ist es ein actionlastiges Game für STE, Mega STE, ADSpeed 16 und Falcon RGB/VGA ab 1MB. Hier heißt das Zauberwort AGRESSION, diese Gruppe hat sich schon durch fantastische STE-Demos einen Namen gemacht und bürgt für Qualität. Das Spiel „STARDUST“ gibt es bereits für den Amiga, und wenn ich mich recht erinnere, ist es eine Art „Meteroids“-Clone mit Supergrafik. Die Sequenz im Preview ist jedenfalls atemberaubend, man fliegt mit einem kleinen Raumgleiter durch einen Textur-Korridor und ballert auf entgegenkommende, rotierende Raytracing-Objekte, das Geschwindigkeitsgefühl ist irre. Obwohl es eigentlich ein STE-Spiel ist, macht es selbst für Falcon-Verhältnisse eine gute Figur. Zu haben sein soll es auch bereits im November, also Augen auf, das muß man sich besorgen.

Digital Tracker

Und noch einen Nachtrag zum letzten Artikel möchte ich machen. Dort berichtete ich über ein Shareware-Musikprogramm namens „Digital Tracker v2.x“. Auch hier hat sich Neues ereignet. Die Jungs haben einen Distributor gefunden, und jetzt gibt es dieses Programm als „Digital Tracker V1.0 Commercial“. Das Outfit hat sich auch etwas (futuristisch) geändert. Nebenbei kann man jetzt auch mit 32 digitalen Soundkanälen arbeiten. Dazu kommt, daß der Tracker sich mit fast allen existierenden Arten von Musikmodulen verträgt. Man kann also sowohl ganz normale 4stimmige Protracker-Module und 8 stimmige Oktalyzer-Module vom Amiga laden als auch die vielstimmigen Stücke von PC-Trackern wie z.B. dem Screamtracker. Dazu kommt, daß man Falcon-spezifisch auch mit 16-Bit-Samples hantieren kann, was die Soundqualität natürlich wesentlich verbessert. Ein im Programm eingebauter Sampler macht es dann auch einfach, sich genügend Instrumente selbst zu besorgen, und für Fans des Traditionellen kann man auch noch ein MIDI-Keyboard anschließen, um damit die einzelnen Spuren einzuspielen. Wenn man bedenkt, was für eine erstaunliche Qualität von einigen Virtuosen schon aus den 4 Stimmen in 8-Bit gezaubert wurde, darf man auf Musikstücke, die mit diesem Instrument auf dem Falcon030 erschaffen werden, sehr gespannt sein - der gute alte CD-Player kann wohl erst mal pausieren. Lag der Preis bei der Shareware-Version bei ca. 30,- DM, wurde für das neue Produkt noch kein Preis bekanntgegeben. Wer Interesse hat, wende sich an:

Frontier Software
4, square Eugene Varlin
F-91000 Evry

Alle hier besprochenen Demos und Programme kann man über die bereits in früheren Ausgaben der Falcon-Scene veröffentlichen Bezugsquellen beziehen und mal selber ansehen. So, das war's dann auch schon wieder, ich schätze, im nächsten Artikel gibt's dann wieder 1000 interessante News von den Partys.

Euer A.-t- of Cream


Kay Tennemann
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