Falcon Scene - Unter der Trikolore

Salut, nahezu ein halbes.Jahr gibt es hier die Falcon-Scene, aber Routine hat sich irgendwie noch nicht bei mir eingestellt. Jeder Artikel ist für mich immer noch etwas Besonderes. Wenn man bedenkt wie viele Menschen mein Geschreibe lesen und was sie wohl davon halten? Jedesmal wenn ich von jemanden höre, daß ihm ein Artikel von mir gefallen hat, bin ich doch ganz schön stolz. Also geht jetzt ein herzliches Dankeschön an Euch alle!

Es ist vielleicht ein bißchen spät, aber nachdem mich einige Leser darauf hingewiesen haben, daß ich mich selbst noch gar nicht richtig. vorgestellt habe, möchte ich dies zunächst nachholen: Ich bin ein echter, wahrer ATARI-Freak! Alles fing vor sieben Jahren mit einem ATARI-800XE und einer Datasette an. Nie werde ich vergessen, wie begeistert ich nächtelang "RIVER RAID" spielte und die Tiefen des 8-Bit-BASICs auslotete.

Die guten alten Zeiten - meinen 800XE, habe ich immer noch.

Nachdem ich mit einem joystickgesteuerten BASIC-Malprogramm meine Leidenschaft für Computergrafik entdeckt hatte, schien mein Schicksal besiegelt. Dann war es auch nur eine Frage der Zeit, bis ein "farbgewaltiger ST" auf meinem Schreibtisch funkelte, an durchwachsen Nächten waren jetzt Demos von TEX, TCB und Spiele wie Dungeon- Master schuld. Natürlich wich der 520er bald einem 1040er, der daraufhin gegen die "Krone der Schöpfung", den ATARI 1040 STE, mit dem ich lange Zeit sehr zufrieden war, eingetauscht wurde. Bis zur jener ATARI-Messe, auf der die Verführung in Form eines Falcon030 den STE in den Schatten rückte. Es sollte noch ein Jahr dauern, bis ich das Geld für diesen Traum zusammen hatte, zum Glück war ATARI so rücksichtsvoll, den Zeitraum abzuwarten, bevor sie den Falcon030 auch wirklich auslieferten. Dann ging alles ganz schnell: Ich streife durch ein Elektrohaus in Hamburg, und da blinzelt mich ein Lynx für erschwingliche 98 DM an. Gibson, Pratchett und Adams bekamen also auf langen Bahnfahrten und in "wenig erbaulichen"

Unterrichtsstunden Konkurrenz. Ein paar Monate später schlug das Schicksal wieder zu, der Nostalgiker in mir konnte einem VCS 2600 für 30 DM (nagelneu) nicht widerstehen. Und das unvermeidbare Ende bildet natürlich ATARIs sagenumwobene Raubkatze die, dank eines Ferienjobs, seit drei Wochen einen Platz an der Scart-Buchse meines Fernsehers hat. Was braucht man noch'? Freunde, die dann Bleich den Spaß an den ganzen Sachen mit mir teilen und sich immer wieder anhören, Aktie ich von Falcon-Demos oder zukünftigen Jaguar-Spielen schwärme. Vielen Dank, Alex, Janosch und Peter für Eure Geduld und Anteilnahme, ein Augenzwinkern für Silke und ein "Peace Brüder" an alle Leute, die ich im Verlauf der letzten drei Jahre in der Szene getroffen habe; sie alle aufzuzählen wäre aber etwas zuviel. Wow, das war jetzt aber genug Sentimentales! Was ging denn in letzter Zeit auf unserem Lieblingscomputer ab?

Die Franzosen

center

Während es nach der Fried-Bits-II-Demoflut ein Weilchen nur vorsichtig tröpfelte (Sommerloch?), schwappte plötzlich eine Woge aus ganz unerwarteter Richtung an die Küste meiner Lieblings-Mailbox. Der Geist guter französischer Demogruppen wie Overlanders, Next, Hemoroids etc. scheint wieder erwacht zu sein. Während die bisherigen Sachen aus dem Lande der Trikolore es fast nie über das Prädikat "nett" gebracht haben, hat sich das Blatt jetzt gewendet. Aber der Reihe nach. Letzten Monat, ich war noch mächtig damit beschäftigt, die in den Ferien auftretende Langeweile verbittert zu bekämpfen, haben sich die Franzosen ohne Vorwarnung zu einer Party namens "Place to buy again" getroffen. Und offensichtlich wehte dort ein frischer Wind, denn die "releasten" Produkte sind cool. Die drei besten möchte ich mal vorstellen.

Zuerst wäre da das Demo der DNTCrew. Diese Gruppe brachte in der Vergangenheit schon eine Crime-Demo raus, die nicht besonders überzeugen konnte, und reichte erst kürzlich die Chaos-A.D,-, Demo nach, die schon einen beachtlichen Sprung nach vorn darstellte; nicht so frische, aber dennoch gute Effekte wurden in anständigem Design rübergebracht.
Der neueste Beitrag trägt den spannenden Namen "AGONY" und ist von Anfang bis Ende toll durchdesignt. Technisch gute Effekte wechseln sich mit schönen Übergängen ab, und die Musik paßt hervorragend dazu. Ich konnte gut gemachte Vektorgrafiken entdecken, neue Plasmaarten bestaunen und mich an alte Amiga-Zeiten erinnern. Danke Jungs, weiter so!

Der nächste Kandidat ist "MJJ-Prod"; diese Gruppe ist mir schon auf dem ST/E positiv aufgefallen. Relativ spät lieferten sie ein tolles Demo mit guter Grafik ab, welches auch technisch ansprach. Nun haben sie den Sprung zum Falcon geschafft und sich auch gleich gut profiliert. Für ihr Demo, welches den witzigen Namen "Mostly Harmless" trägt, gelten dieselben Dinge wie für das der DNT-Crew, Highlight dabei ist die Möglichkeit, die Weltmal aus der Perspektive eines betrunkenen Fisches betrachten zu dürfen. Endlich weiß ich, wie sich die schuppigen Kameraden hinter der Glasscheibe so fühlen. Übrigens läßt sich ein ähnlicher Effekt erzeugen, wenn man sich als Nichtbrillen- träger mal die Brille eines stark weitsichtigen leiht und versucht, auf einem Bein stehend ein interessantes Gedicht zu improvisieren. Aber Spaß beiseite, das Demo ist wirklich zu empfehlen!
OK, das beste zum Schluß. EKO! Ja, sie durfte nicht fehlen, die einzige französische Gruppe, deren erstes richtiges Demo "Papa was a Blade Runner" schon gut einschlug; immerhin sahnten sie den ersten Platz auf der "Intermedia 93" ab. Dieses Demo zeigte erstaunliche Texturemapping-Routinen, nette Vektorgrafik und einen flüssigen Flug in ein Fraktal, das Ganze war mit Graffity-Grafik und stimmungsvollen Samples untermalt. Einziger Kritikpunkt war das Design, mir war die Sache etwas zu langatmig.

center

Gut, also EKO die zweite! Um es vorwegzunehmen: meine hochgesteckten Erwartungen wurden nicht enttäuscht! Das "Are you Experienced?"-Demo von EKO ist fett (Achtung, lernbegierige Oldies, fett = große Sause, supertoll, heiß ... alles klaro?). Den Anfang macht ein hin- und herwippendes Raytrace-Logo, das gleichzeitig immer näher zoomt. Cool! Dann gibt's Vektorgrafik satt, mit Lightshading-Objekten. Wir sind dabei, wie sich einige alte Bekannte aus den Starwars-Episoden ein wenig befighten, wirklich beeindruckend und toll mit der Musik abgestimmt. Jetzt dürfen wir noch einigen Z-BufferObjekten zusehen, wie sie ineinander eintauchen, um dann einen Battletech aus 135 Polygonen zu bewundern. So, auf geht's zum zweiten Teil ... jetzt gibt es einen Feuereffekt, den ich aber schon mal woanders gesehen habe - allerdings ist er sehr gut gemacht-, und als Nachschlag kommt ein Texturemapping und Garaud-Shading-Würfel. Aber der Schlußeffekt ist DER Hammer, wir fahren ein bißchen auf einer Fraktalmarslandschaft herum aber das ganze ist im vollen Overscan-Screen und in ziemlich guter Auflösung. Als ob das alles nichts wäre, ist auch noch der Credits-Greets-Schlußakt perfekt. Während Texttafeln in den Bildschirm kommen und verschwinden, erklingt stimmungsvolle Musik in der ein verspieltes Klavier klimpert; und der Witz ist, daß synchron zum Klavier so Seifenblasen durch den Screen schweben. Voilà, Regardez! Ansonsten gab es noch kleine und große Demos, die nicht besonders erwähnenswert sind, da sie nur "schon mal Gesehenes " bringen, aber es ist gut zu wissen, daß es da noch eine entwicklungsfähige Basis gibt.

MOD-Player

Da wir uns aber schon mal in Frankreich befinden, möchte ich noch zwei interessante Produkte dortiger Coder erwähnen. Wer kennt nicht die allseits beliebten MOD-Files? Es handelt sich hierbei um Musikstücke, die ursprünglich auf dem Amiga mit sogenannten Soundtrackern erstellt wurden. Da sich das 4stimmige digitale Musikformat aber mittlerweile durchgesetzt hat, kann man diese Musikstücke auch auf dem PC, Mac, STE/E und natürlich auf dem Falcon anhören. Während beim Amiga der Soundchip die vier Soundkanäle abspielt und die Sampels transportiert, haben alle anderen Rechner nichts an derartiger Soundhardware, also wurden die vier Stimmen vom Prozessor rechnerisch transportiert und zu einer vermischt, die dann z.B. beim STE durch den 8-Bit-DA-Wandler gejagt wurde. Das kostet Rechenzeit; was aber die meisten nicht wußten - es gab auf dem ST/E auch bald viele Soundtracker, mit denen man diese Module (MOD-Files) auch auf dem ATARI erzeugen konnte. Es liegt daher nahe: Der Falcon-Prozessor ist schneller, also müßte man noch mehr Stimmen berechnen können - aber es kommt noch besser: der Prozessor kann sich diesmal ausruhen, weil der DSP ja schließlich für solche Jobs "gemacht" wurde. Es gibt aus Frankreich einen neuen Soundtracker für den Falcon - der Name ist "DIGITAL Tracker V.2x" - , der es ermöglicht, bis zu sage und schreibe 24 Sound-Kanäle zu editieren bei 8 und 16 Bit Qualität und bis zu 5OKHz! Da kann ein geschickter Musiker schon ein kleines Orchester loslegen lassen. Der Tracker ist übersichtlich gehalten und recht gut zu bedienen.
Außerdem gibt es noch den Megatrakker, der allerdings erst in einer Betaversion kursiert, er bietet bei 8-Bit-Sample- Qualität (interpoliert zu 16 Bit) satte 32 Soundkanäle, hat aber eine absolut konfuse Oberfläche und ist damit zur Zeit nur schlecht benutzbar. Demoversionen mit allen nötigen Infos gibt es in den gängigen Mailboxen oder bei: Phobyx Demo section, Postfach 1 141, 25801 Husum, für die Modemlosen. Viel Spaß bei den Demos!

Au revoir,
Euer A. -t- of Cream


Links

Copyright-Bestimmungen: siehe Über diese Seite
Classic Computer Magazines
[ Join Now | Ring Hub | Random | << Prev | Next >> ]