Merge - Bilder mischen und maskieren im Calamus

Einkopieren von Grafiken und Text in Fotos, Bildmaskierungen, das Mischen von unterschiedlichsten Bildvorlagen, Bildüberblendungen und das Einfärben von Bildelementen - all das sollte zum Leistungsumfang einer guten Bildverarbeitungs-Software gehören. Mit dem neuen Merge-Modul der Firma „adequate Systems" ist dies nun auch direkt im Calamus-Layout möglich.

Bild 1: Halbtransparenz. Ganz links im Formular werden im „Zusatz" alle Rahmen dargestellt, die nicht angewählt sind. Das sind in unserem Beispiel einige Rasterflächenrahmen. Im nächsten Feld, der „Maske", wird die Transparenz eingestellt. Im Feld rechts daneben wird der ursprüngliche Rahmen dargestellt („Original vorher"), ganz rechts das „Ergebnis" der Mischung.

Die Idee für das MERGE-Modul entstand, um vor allem das Erzeugen von Halbdurchsichtigkeit zu ermöglichen. Eine Beschränkung auf allein diese eine Anwendung schien den Programmierern von „as" aber nicht sonderlich sinnvoll zu sein, und so können mit Merge nun auch viele neuartige Effekte und oft benötigte EBV-Anwendungen durchgeführt werden. Die Programmierer von „Merge" sind allen Calamus-Anwendern bestens bekannt, handelt es sich doch um die ehemalige Calamus-Entwickler-Crew, die mit ihrer neuen Firma „as" ganz eigene Modulentwicklungen für ihr Programm realisieren will.

Wozu „Merge"?

Der erste Schritt in Richtung „Bildverarbeitung direkt im Calamus-Layout" wurde bereits mit dem Maskenmodul beschritten. Freisteller mit Vektormasken, Text oder auch Pixel-Grafiken, in dieser Kombination auch in ausgereiften EBV-Programmen nur selten anzutreffen, wurden damit im SL präzise und schnell durchführbar.

In „Merge" können aber nicht nur Bilder gemischt werden, wie der Name des Moduls vermuten läßt. Jedes Objekt, das sich auf der Calamus-Dokumentenseite befindet, kann mit anderen Objekten mit Hilfe einer beliebigen Maske zu einem einzigen Bild verschmolzen werden. Das Ergebnis ist dann immer ein neues Bild, wahlweise Grau, RGB oder CYMK. Die möglichen Anwendungen reichen dabei von der Erzeugung einfacher Halbdurchsichtigkeit in Bildern über Farbveränderungen bis hin zu weichen Maskierungen oder Verfremdungseffekten.

Da sich zur Arbeit mit „Merge" beliebige Rahmen in Bildrahmen umwandeln lassen, sind die kreativen Anwendungsmöglichkeiten des Moduls nahezu grenzenlos. Um unterschiedliche Rahmentypen des Calamus mit Merge zu bearbeiten, müssen diese als Pixel-Bild vorliegen. Eine unter Umständen notwendige Konvertierung, z.B. bei der Nutzung eines Textrahmens oder Vektorobjektes, übernimmt Merge dabei automatisch. Eine Funktion, die sich natürlich auch unabhängig vom Modul nutzen läßt, z.B. zur Konvertierung problematischer Calamus-Objekte wie Outlinetexte ins RGB-oder (vorseparierte) CYMK-Format zur Belichtung oder auch das Einfärben von Grafiken, was sonst nur sehr umständlich über die Kennlinien möglich ist. Hierzu können dann auch definierte Palettenfarben genutzt werden.

Bild 2 und 3: Das Prinzip: Mischen in MERGE

Grundsätzlich sind in Merge zwei Werkzeuge für die Bildarbeit vorhanden: „Rahmen umwandeln". Diese Funktion wandelt einen beliebigen Rahmen um in einen Bildrahmen mit einstellbarem Format. Es können somit auch Textrahmen, Rasterflächen, Vektorobjekte und die unterschiedlichsten Bildtypen in Merge verarbeitet werden.

„Rahmen mischen" führt dann die eigentliche Mischfunktion aus: Der Inhalt eines selektierten Rahmens wird dabei über eine beliebige Maske (z.B. ein weiteres Bild) mit einem beliebigen „Zusatz" (das sind in Merge alle nicht selektierten Objekte, die sich auf der Dokumentenseite befinden) gemischt.

Das Preview

Das Vorschauformular ist die kreative Werkzeugkiste von Merge. In diesem Formular werden alle Eingaben für die Bildarbeiten getätigt. Das zukünftige Ergebnis der aktuellen Einstellungen erscheint dabei sofort in der jeweils bestmöglichen Bildschirmdarstellung in einem Preview! Man kann hier also beliebig mit den Farbebenen, Invertierungen und unterschiedlichen Prozentwerten spielen und sieht immer sofort das Endergebnis, das sich dann bei Bedarf ohne Aufwand korrigieren läßt. Erst dann, wenn man mit dem gezeigten Resultat zufrieden ist, wird die eigentliche Berechnung ausgelöst,

Im Formular ist für jede Bilddefinition (Original, Maske, Zusatz) ein Preview-Fenster vorhanden. Unter diesen sind die Farbebenen aufgelistet, die zum gewählten Bildtyp gehören. Durch Anklicken des entsprechenden Farbebenenknopfes wird das Formular „Farbebene wählen" aufgerufen. Eine hier getroffene Auswahl ersetzt dann die bisherige Einstellung für die jeweilige Farbebene und führt sofort zu einer Änderung der Darstellung im entsprechenden Preview. Zusätzlich ist noch eine Einstellung zum Invertieren der jeweiligen Farbebenen vorhanden.

Um einen kleinen Einblick in die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten dieses Moduls zu bekommen, sollen uns einige Beispiele helfen.

Bilder überblenden

Nehmen wir einmal an, zwei Bilder sollen so miteinander verknüpft werden, daß sie sanft ins jeweils andere Bild laufen. Dieses „sanfte Hinüberlaufen" wird über einen Grauverlauf gesteuert, der zu diesem Zweck z.B. mit LineArt oder über eine externe EBV-Software angelegt wird. Ist dieser Verlauf von LineArt erzeugt worden, wird er durch Merge automatisch in ein Pixel-Bild konvertiert werden. Der Verlauf wird dann nur noch zwischen die Vorlage im Hintergrund und das Bild im Vordergrund gelegt. Sowohl der Verlauf (Maske) als auch das Bild (Original) sind dabei selektiert.

Das mag auf den ersten Blick vielleicht etwas verwirrend sein, die Regeln für die Arbeit mit den Merge-Rahmendefinitionen wie „Original", „Maske" und „Zusatz" sind dennoch einfach: Wenn im Calamus-Dokument mehrere Rahmen gleichzeitig selektiert sind, ist der vorderste selektierte Rahmen das „Original", alle weiteren selektierten Rahmen bilden die „Maske", die übrigen, nicht selektierten Rahmen den „Zusatz", der über die Maske in das Original gemischt wird.

Wenn jetzt das Merge-Formular aufgerufen wird, erscheint im Preview für die Maske der Verlauf. Im Preview für das Ergebnis ist die Vorlage weich in das Bild eingeblendet.

Halbtransparenz

Um Halbdurchsichtigkeit zu erreichen, muß die Maske verändert werden. In unserem einfachen Beispiel soll der Rahmen über die gesamte Fläche eine gleichmäßige Durchsichtigkeit bekommen.

Man stellt also im Eingabefeld des Formulars einen Wert von zum Beispiel 30 Prozent ein. Die Darstellung der Maske im Preview wird hellgrau, und das Originalbild ist durchsichtig geworden!

Wenn man jetzt auch noch „Invertieren" anwählt, wird die Maske dunkelgrau, und im Ergebnis erscheint das Bild noch transparenter.

Bild 4: „Echter" Schatten. Das „G" liegt als Vektorobjekt vor. Eine Kopie dieses Objekts wird über MERGE in den Bildhintergrund gemischt. Die Struktur des Hintergrundes bleibt so auch im Schatten erhalten.

Je dunkler also die Maske ist, desto transparenter wird das Bild im Ergebnis. Im einen Extremfall bei 0% bleibt die Maske weiß und das Bild unverändert, im anderen Extremfall bei 100% wird die Maske schwarz, und das Bild wird vollständig durch die Vorlage ersetzt.

Nach wie vor ist das Bild aber nicht wirklich verändert worden. Wenn man das Formular jetzt mit „ABBRUCH" verläßt, hat sich gar nichts im Dokument geändert. Um die Einstellungen wirksam zu machen, muß das Vorschauformular mit „OK" bestätigt werden. Erst dann rechnet Merge, und der bisherige Rahmeninhalt wird durch ein Pixel-Bild in frei wählbarer Bildgröße (Bytes, dpi oder Pixel) ersetzt.

Weiches Maskieren

Maskieren mit Merge, vielleicht sogar wie mit dem Maskenmodul? Grundsätzlich ja. Auch mit Merge können beliebige Objekte miteinander maskiert werden. Sogar echte Freisteller sind hier möglich, wenn man den Bildhintergrund als „nicht selektierten Zusatz" mit ins Bild einrechnen läßt.

Für harte Maskierungen ist das Maskenmodul sicher ideal. Maskierungen sind schnell durchführbar (einige Sekunden, länger braucht das Modul nicht), und bei Bedarf kann man die erzeugten Masken auch wieder auflösen. Merge dagegen legt seine Mischergebnisse unwiderrufbar (es sei denn, man hat eine Kopie auf dem Clipboard liegen) als Pixel-Bild ab. Und spätestens beim Belichten wird der Geschwindigkeitsvorteil des Maskenmoduls relativiert, da diese Objekte deutlich längere Belichtungszeiten als die von Merge erzeugten Pixel-Bilder verursachen können.

Man kann also eher schlecht als recht Maskenmodul und Merge miteinander vergleichen. Freisteller lassen sich in beiden Modulen erzeugen, wobei dieses im Maskenmodul erst einmal eleganter durchzuführen ist. Die Erzeugung „weicher Maskierungen", bei denen die Bildränder weich in den Bildhintergrund auslaufen, ist dagegen nur über Merge realisierbar. Merge ersetzt also nicht das Maskenmodul, es ergänzt es jedoch um eine Vielzahl kreativer Möglichkeiten.

Doch auch Merge ist, zumindest für einige interessante Anwendungen, auf die unterstützende Vorbereitung zusätzlicher Module oder externer Programme angewiesen. Ist Merge doch nach dem Maskenmodul erst der zweite wichtige Schritt in Richtung „EBV im Calamus", der in Kürze durch weitere Module der „as"-Programmierer wie z.B. den „Bildfilter" und natürlich das „Paint-Modul" ergänzt wird.

Zum weichen Maskieren muß eine Maske erzeugt werden, die an den Rändern weich ausläuft. Will man den Rand einer Vektormaske aufweichen, muß dies also im Moment noch in externen EBV-Programmen vorbereitet werden. Ideal wird sich für diese und andere Aufgaben die Zusammenarbeit von Merge mit dem Paint-Modul erweisen, in dem für diese Zwecke einfach eine Pixel-Maske mit weichem Brush erzeugt werden kann.

Das freigestellte Motiv kann dann durch das MERGE-Modul mit beliebigen Hintergründen so verbunden werden, daß der Übergang weich und natürlich aussieht - im Gegensatz zu messerscharfen Vektorfreistellungen des Maskenmoduls.

Echter Schatten

Die Maske bestimmt, wie stark das Originalbild verändert wird. Je dunkler die Maske an einer Stelle ist, desto stärker wird der Zusatz an dieser Stelle in den Originalrahmeninhalt eingemischt. Man kann sich dieses Verhalten von Merge also auch sehr gut für die Anlage eines „echten" Schattens zunutze machen. Der Schatten deckt dann den Hintergrund, auf den er fällt, nicht einfach schwarz ab, sondern wird in die Struktur des Hintergrunds eingemischt.

Auf diese Art und Weise kann auf ein Bild auch jede andere Struktur „aufgeprägt", und z.B. abhängig von der Helligkeit des Originalmotivs in dieses eingemischt werden.

Es ist noch vieles mit Merge möglich, was allein aus Platzgründen hier nicht weiter vorgestellt werden kann (z.B. ein gezieltes Umfärben von Bildern, wobei der Inhalt einer Farbebene teilweise in eine oder mehrere andere Farbebenen des Bildes gemischt wird, usw.).

Wer im Calamus viel mit Bildmaterial arbeitet, sollte sich Merge unbedingt einmal anschauen. „Merge" wird mit einem Handbuch ausgeliefert, das die Möglichkeiten des Moduls auch anhand farbiger Abbildungen illustriert. Es ist ab sofort lieferbar und kostet DM 400,-.

Infos bei:
„adequate Systems“
Am Steinernen Kreuz 19
64297 Darmstadt

Bild 5: MERGE in der Anwendung, am Beispiel einer Verpackungsgestaltung. Die Strahler wurden als Grauverlauf mit LineArt erzeugt (Verlaufskopie), der harte Rand in DA's Picture aufgeweicht und der fertige Lichtkegel invertiert in das Bild gemischt. Auch die Stadt im unteren Teil der Abbildung und ein Teil des Himmels wurden mit MERGE bearbeitet.


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