DTP-Grundlagen Teil 2: Visitenkarten & Briefbogen

Am Anfang war das Logo - oder doch zumindest die Idee desselben. Die Praxis wird Ihnen zeigen, daß gerade Ihre Kunden eine ganze Menge „konkreter“ Ideen von dem Logo haben, das Sie Ihnen entwerfen sollen. Auch wenn Sie denken, daß sich an dem Entwurf bestimmt nichts mehr ändern ließe: Ihr Auftraggeber wird Änderungswertes finden!

Aber er muß mit dem Entwurf, den Sie ihm ja verkaufen wollen, oft viele Jahre leben -und zwar zufrieden! Und er will Alternativen sehen, und aus diesen dann vielleicht wieder Ihre allererste Idee wählen. Jedoch ist es dann seine Entscheidung, und die sollten Sie ihm immer durch Entwurfsvarianten ermöglichen.

Die ersten Schritte

Ich will solch einen Gestaltungsablauf und die damit verbundenen Überlegungen einmal anhand eines Visitenkartenentwurfs darstellen. Wie Sie mit solch einem Entwurf im Calamus eine professionelle Druckvorlage erstellen können, mit der Ihr Drucker auch etwas anfangen kann, wird dann im nächsten Monat ausführlich behandelt (Bild 1).

Der Schriftzug Subito wurde nach der handschriftlichen Vorlage des Auftraggebers bearbeitet und gescannt. Es kommt gar nicht so selten vor, daß in die Neugestaltung einer Geschäftswerbung schon vorhandenes grafisches Material eingebunden werden muß. Ein Scanner ist hier also unerläßlich, jedoch reicht einer der handelsüblichen „Handyscanner“ für diese Zwecke völlig aus. Zur weiteren Bearbeitung nun zwei Arbeitsschritte, die Ihnen im weiteren Verlauf einiges an Streß ersparen können. Ist der Entwurf gelungen. werden Sie mit diesem unter Umständen eine ganze Geschäftspapierfamilie zu gestalten haben und zusätzlich (das ist jedenfalls meine Erfahrung) vielleicht auch noch KFZ-Aufkleber, Tüten, Prospekte usw. Im Falle Subito wurde aus dem eingescannten Schriftzug zuerst ein Mini-Vektor-Font erstellt, der nur aus den 6 Buchstaben besteht (Bild 2). Zu diesem Zweck benötigen Sie einen Fonteditor (DMC, Didot). Ich selbst arbeite mit Didot Linear, einer tollen Kombination aus Vektorgrafikprogramm und Font-Editor. Mit LineArt haben Sie unter anderem die Möglichkeit, Vektorvorlagen zu erstellen und diese jederzeit als „CFN“ (Font) oder „CVG“ (Calamus-Vektorformat) zu exportieren, was für die weiteren Arbeiten eine erheblich große Flexibilität und Zeitersparnis bedeutet. Mit dem fertigen Mini-Font können Sie dann im Calamus einfache Schriftvarianten erstellen, um spielerisch eine erste Entwurfsidee zu entwickeln. Ist der Entwurf „abgesegnet“, das heißt, hat der Auftraggeber sein OK für die weitere Gestaltung und den Druck gegeben, sollten Sie versuchen, das gesamte Logo soweit wie möglich als Vektorgrafik zu entwickeln. Auch wenn der Zeitaufwand anfangs etwas groß ist. haben Sie so das Logo für spätere Gestaltungen in unterschiedlichen Größen immer in den gleichen Proportionen vorliegen. Versuchen Sie das mal mit einem Gemisch aus Rasterbild und Vektor Fonts!

Nicht unbedingt identisch

In unserem Beispiel war innerhalb anderer Subito-Werbemaßnahmen die Form eines gleichschenkligen Dreiecks schon vorgegeben. Es wäre nun aber sicher ganz falsch, zur Gestaltung der weiteren Arbeiten diese schon vorhandene Form einfach auf das neue Logo zu übertragen und nur noch mit den nötigen Zusätzen zu versehen - auch wenn dieses der in diesem Zusammenhang häufig anzutreffende Begriff corporal identity zu suggerieren scheint. Unter CI versteht man. einfach ausgedrückt, das einheitlich gestaltete Erscheinungsbild einer Firma in allen Bereichen: gleicher Firmenschriftzug. gleiches Layout in Broschüren und Pressemitteilungen, gleiche Farben usw. Die Farben einer Firma können in manchen Fällen sogar einen höheren Wiedererkennungswert haben als das Logo selbst. Sie sollten daher auf allen Gestaltungen vorhanden sein, auch dort, wo das Logo selbst gar nicht erscheint.

Die Vorgehensweise für die verschiedenen Subito-Gestaltungen bestand nun darin, die besonderen Merkmale, oder, ohne gleich Plato zu zitieren, die den Gestaltungsmitteln zugrundeliegende Idee aufzunehmen und sie auf das jeweils andere Medium anzuwenden. Für Subito waren dies: Liniendreieck, Schriftzug und Farbgebung.

Bild 1: Der erste Entwurf - frisch aus dem Laserdrucker
Bild 2: Ein Logo-Mini-Font. in Calamus etwas gedreht, ermöglicht das Durchspielen vieler Entwurfs-Varianten.
Bild 3: Die Gestaltung der Visitenkarten-Vorderseite...

Mit dem Logo auf die Karte

Die einheitliche Gestaltung besteht in diesem Fall also in der Verwendung eines „Liniendreiecks" und nicht unbedingt in dessen geometrischer Form (rechtwinklig, gleichseitig). Genau so, mit etwas Kreativität Ihrerseits, sollte corporate identity im Sinne eines einheitlichen Erscheinungsbildes auch verstanden werden. Gleiches gilt für die Verwendung der Farbe. Da das gesamte Logo in Weiß und Grau angelegt ist, kommt der Verwendung einer „echten" Farbe, in diesem Fall Gelb, sowieso eine herausragende Bedeutung zu. Die der Gestaltung zugrundeliegende Idee war es. Gelb als „grafisches Element" zu übernehmen, und nicht, entgegen mancher Gestaltungsregeln, die Verwendung dieser Farbe auf „i-Punkt“ und „T -Querstrich" (so die Farbgebung der Fensterbeschriftung) auch für die weiteren Arbeiten festzulegen. Man sollte auch daran denken, daß z.B. ein Ladenfenster nicht nur ein ganz anderes Format zur Verfügung stellt als eine Visitenkarte, sondern auch mit einem völlig anderen Zweck verbunden ist und somit eine entsprechend andere Wirkung auf den Betrachter ausüben soll.

Für die Visitenkartengestaltung wurde aus diesen Gründen das gelbe Rechteck in die linke obere Ecke der Visitenkarte positioniert. Das Resultat ist eine ausgewogene Aufteilung der zu gestaltenden Fläche, wobei durch das Absetzen der beiden Elemente voneinander auch noch ein kleiner Bruch in der Gestaltung bewirkt wird. Reine Ausgewogenheit unter homogenen Gestaltungselementen wirkt langweilig! Der Pfiff oder das „Besondere Etwas" , das manche Gestaltungen auszeichnet, wird oft nur durch solch eine Auflösung der Gleichmäßigkeit bewirkt (Bild 3).

Auf der Rückseite der Karte kann auf den Schriftzug Subito verzichtet werden. Das Gleichgewicht wird durch die Positionierung des Adressenfeldes auf die linke Seite unten hergestellt. Alle übrigen Elemente sind vorhanden: Liniendreick, gelbes Rechteck, Schriftzug (Bild 4).

Bild 4: ...und der Rückseite

Grundsätzlich sollten Sie vor Beginn einer Visitenkartengestaltung genau wissen, in welchen Bereichen diese vorwiegend genutzt werden soll. Als reine „Besuchskarte", auf der lediglich Name, Anschrift und Telefonnummer vermerkt sind, wie es noch bis vor wenigen Jahren üblich war. läßt sie sich selbst im privaten Bereich kaum noch finden. Anwendung findet sie zum Beispiel als Werbekarte, zur Leistungsübersicht einer Firma, zur reinen Selbstdarstellung usw. Zur Gestaltung werden die wichtigsten Elemente des Briefbogens übernommen: Logo, Name/ Funktion des Mitarbeiters, Farbgestaltung, typographische Stilmittel. Auch aufgrund des kleinen Formats sollten Sie auf der Visitenkarte nur wenig Schriften in unterschiedlichen Größen verwenden.

Als Standardformat für die Größe einer Visitenkarte galt ursprünglich DIN A7 (halbe Postkarte). Dieses Format werden Sie aber kaum noch antreffen: es ist einfach zu groß. Heute gilt als Maßstab die Größe einer Kreditkarte da die für sie vorgesehenen Plazierungen (z.B. in Brieftaschen, Scheckkarten und Taschenrechnern) sich dann auch für Visitenkarten nutzen lassen.

Bild 5: Auf das richtige Maß gebracht, paßt Ihre Gestaltung auch in jeden Briefumschlag.

Ein Blatt für viele Zwecke: Briefbogen

Wenn Sie bei der Gestaltung einer Visitenkarte noch relativ frei Ihrer Kreativität nachgehen können, müssen Sie bei der Anlage eines Briefbogens einige Normen beachten (Bild 5), und sei es auch nur, damit eine Adresse auch nachher im Fenster des Langumschlags noch zu sehen ist. Das Firmenlogo selbst findet sich in der Mehrheit aller Briefbogengestaltungen rechts oben in der Kopfleiste eines DIN A4-Bogens. Diese Plazierung erleichtert auch ein Wiederfinden beim Durchblättern im Ordner. Für die Schrift einer Briefbogengestaltung gilt das Gleiche wie für die Farbe: Die von Ihnen gewählten typographischen Mittel gehören wie das Logo zum äußeren Erscheinungsbild der Firma und sollten auf allen Gestaltungen Anwendung finden. Aufgrund der mitunter recht teuren Mehrfarbdrucke werden in vielen mittelständischen Unternehmen farbig angelegte Briefbogen auch für den Formulargebrauch benutzt. Auch Sie selbst können mit dieser Methode Eigenkosten sparen, indem Sie in Ihrem Calamus den Briefbogen gleich so anlegen, daß der schwarz zu druckende Text erst via Laserdrucker mitgedruckt wird. Sie speichern für diesen Vorgang die für den Schwarzdruck vorgesehene Seite als einzelnes CDK-Dokument. Wenn Sie nun ein Formular anlegen, z.B. eine Rechnung schreiben müssen, wird dieses Leerformular geladen und wie gewohnt ausgefüllt. Danach speichern Sie es mit Datei!sichern unter... unter einem neuen Namen, zum Beispiel der Rechnungsnummer, ab. Mit diesem Verfahren haben Sie das Leerformular immer auch leer zur Verfügung.

Die weiteren Informationsfelder des Briefbogens (Telefon. Adressen, Bankverbindungen) können Sie beliebig plazieren. Üblich ist hier: unter das Logo oben rechts oder in die Fußleiste. Für den Zahlensatz von z.B. Telefon und Bankverbindung gibt es aber dennoch einige Regeln, die Sie aus Gründen der besseren Lesbarkeit beachten sollten.

Telefonnummern: werden bei mehr als 3 Ziffern, von hinten angefangen, in 2er-Gruppen unterteilt. Bankkonten: von hinten in 3er-Gruppen. Bankleitzahl (hat immer 8 Stellen): von links in 3er-Gruppen, am Schluß eine 2er-Gruppe. Postfach: von hinten immer in 2er-Gruppen.

Jetzt aber Schluß mit den Formalitäten! Im nächsten Monat werden wir uns nach Typographie und Satz endlich mit der Bearbeitung unserer Dokumente für den Druck beschäftigen: Das Aufbereiten der Dokumente für die verschiedenen Druckverfahren, Nutzenerstellung für Aufkleber und Visitenkarten, Vorbereitung zur Filmbelichtung, DTP-relevante Unterschiede im Sieb- und Offset-Druck: mit dem nötigen Wissen zur Druckvorlagenerstellung lassen sich nicht nur Frust, sondern auch eine Menge unnötiger Kosten sparen.

Ich möchte Sie auch jetzt noch einmal bitten, mir Ihre Fragen und Anregungen zukommen zu lassen. Im 4. und letzten Teil dieser DTP-Grundlagen werde ich auf Anwenderfragen und -probleme aus der DTP-Praxis eingehen - also ran an die Tasten!


Jürgen Funcke
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