1581 - Alternative in 3,5-Zoll?

Wem die Speicherkapazität der Disketten-Laufwerke für den C 64 bisher nicht ausreichte, für den ist das 3,5-Zoll-Laufwerk »1581« eine interessante Alternative. Es bietet Platz für über 800000 Byte auf einer Diskette.

Was auf Computern wie dem Atari ST oder dem Amiga bereits gang und gäbe ist, wird nun von Commodore selbst für den C 64 angeboten: Ein Diskettenlaufwerk, das mit den handlicheren und wesentlich stabileren 3,5-Zoll-Disketten arbeitet. Das Laufwerk wurde auf der Winter-CES in Amerika zum ersten Mal offiziell vorgestellt. Wir hatten die Chance eines der ersten Geräte in Europa ausführlich zu testen.

Was als erstes beim Arbeiten mit einem 3%-Zoll-Laufwerk auffällt, ist der höhere Bedienungskomfort, der zum Teil schon durch die verwendeten Disketten bedingt ist. Diese haben von ihrer Konstruktion her immense Vorteile gegenüber den 5!4-Zoll-Disketten, mit denen die 1541 arbeitet. Die 3,5-Zoll-Disketten sind in einem stabilen Kunststoff-Gehäuse untergebracht. Dadurch können Sie beim Transport in einer Tasche nicht mehr geknickt werden. Außerdem besitzen die 3,5-Zoll-Disketten statt einer separaten Hülle einen Metallschieber als Schutz gegen versehentliches Berühren der empfindlichen Diskettenoberfläche. Dadurch ist die Datensicherheit bei diesen Disketten wesentlich größer als bei den biegsamen 5,25-Zoll-Disketten, die man sehr leicht durch bloßes Berühren der Oberfläche beschädigt. Ein weiterer Vorteil ist der mechanische Schreibschutz, mit dem man die Diskette nach Bedarf verriegeln oder entriegeln kann. Das lästige Aufkleben und Ablösen der »klassischen« Schreibschutzetiketten entfällt damit. Statt dessen genügt das Verschieben eines kleinen Plastikschiebers.

Das Innenleben der 1581 verrät die Unterschiede zur 1541 auf den ersten Blick. Die 1581 enthält weniger Bauteile.

Die 1581 hat aber neben dem Gebrauch stabilerer Disketten noch weitere Vorteile. So beträgt zum Beispiel die Diskettenkapazität einer Diskette 808960 Byte und ist damit fast fünfmal so groß wie die einer einseitig bespielten 514-Zoll-Diskette im 1541-Format. Beim Laden des Directories erscheint die stolze Meldung »3160 Blocks free«. Das deutet schon an, welche Anwendungen von diesem Laufwerk besonders profitieren werden. Zum Beispiel besonders Programme, die mit großen Datenmengen arbeiten, wie etwa bei Dateiverwaltungen. Beim Arbeiten fällt auf, daß man nur auf den Knopf auf der Vorderseite zu drücken braucht, um die Diskette aus dem Laufwerk zu nehmen. Das ist wesentlich einfacher als bei der 1541. Der Auswurfknopf ist nur erreichbar, wenn eine Diskette im Laufwerk ist. Die Form der Diskette verhindert, daß man die Diskette verkehrt herum in das Laufwerk schiebt, denn eine leicht abgeschrägte Ecke kennzeichnet die richtige Lage und blockiert bei falschem Einlegen.

Vom Design her macht die 1581 einen guten Eindruck. Sie wird nicht mehr in dem bei C 64-Laufwerken schon zum Standard gewordenen klobigen Gehäuse angeboten, sondern hat nun ein wesentlich kleineres Gehäuse. Das Netzteil ist zwar nicht mehr in das Laufwerk integriert, die Platzersparnis auf dem Schreibtisch beträgt dafür immerhin 60 Prozent. Die Anschlüsse für die beiden seriellen Kabel befinden sich wie gewohnt auf der Rückseite.

Neu sind zwei DIP-Schalter zum Umschalten der Gerätenummer.

Leider hat das neue Diskettenlaufwerk aber auch einige Schwächen.

Das »DOS 10« (Disk Operating System) der 1581 arbeitet mit vielen Programmen, die auf das 5!4-Zoll-Laufwerk zugeschnitten sind, nicht zusammen. Gerade Programme, die direkt auf die Diskette zugreifen, indem sie das Betriebssystem des Laufwerks ansprechen, bereiten , Schwierigkeiten. Man kann der 1581 in diesem Punkt leider keine Kompatibilität zusprechen. Lauffähig sind nur die Programme, die nicht auf das DOS der 1541 angewiesen sind. Einteilige Programme, die komplett im Computer stehen und nicht nachladen, arbeiten einwandfrei. Aber auch Zugriffe auf das DOS in Form von Open- und Close-Befehlen bereiten keine Schwierigkeiten. Ebenso Programme, die sequentielle Dateien verwenden.

Der interne Aufbau der 1581 stimmt nicht mit dem der 1541 überein. Zwar verrichtet auch in der 1581 ein Mikroprozessor vom Typ 6502 seine Arbeit, doch das ist eine der wenigen Gemeinsamkeiten beider Laufwerke. Ein Floppy-Controller vom Typ WD1770, eine ROM-Kapazität von 32 KByte statt 16 KByte bei der 1541 sowie eine RAM-Kapazität von 8 KByte an Stelle von 2 KByte bei der 1541 zeigen den großen Unterschied. Um die hohe Speicherkapazität zu erreichen, verwendet das Laufwerk nur doppelseitige Disketten mit insgesamt 80 Spuren. Das Directory wurde nicht auf Track 18 belassen, sondern befindet sich jetzt auf Track 40. Auch die Verwaltung des Floppy-RAM ist mit der der 1541 in keiner Weise identisch. Das sind die Hauptprobleme, mit denen Software, die direkt auf das DOS zugreift, zu kämpfen hat.


Das kompakte 3,5-Zoll-Laufwerk

Allerdings bietet das DOS der 1581 einige neue Fähigkeiten. So ist zum Beispiel vorgesehen, im Directory der Diskette sogenannte Sub-Directories (Unter-Verzeichnisse) einzurichten. Durch sie kann man die Diskette ordentlich in verschiedene Bereiche aufteilen, und muß nicht alle Programme im Hauptdirectory haben, wie bei der 1541. Ferner erlaubt das DOS ein Autoboot-File, das beim Anschalten des Computers automatisch geladen wird, ohne daß man eine Taste drücken oder einen Befehl eingeben muß. Das entsprechende Autoboot-Programm braucht nur den Namen »Copyright CBM 86« zu tragen, was wohl keine sonderlich glückliche Namensgebung ist. Ein besonders interessanter Punkt ist die Geschwindigkeit des Laufwerks. Unsere Tests brachten folgendes Ergebnis: Die 1581 ist nicht mehr ganz so langsam wie die 1541, was man dieser immer zum (berechtigten) Vorwurf machte. Es ergab sich aber nur eine Geschwindigkeitssteigerung von 50 Prozent (1,5mal so schnell) gegenüber der 1541. Das ist ein eher klägliches Ergebnis.

Hier fragt man sich erneut, warum Commodore nicht größeres Augenmerk auf Zugriffszeit und Übertragungsgeschwindigkeit seines Diskettenlaufwerks gelegt hat. Immerhin gibt es für das alte Laufwerk genügend Hardwareerweiterungen, die dieses Manko beheben und Geschwindigkeitserhöhungen um den Faktor 30 bringen. Hier haben wohl die schlechten Erfahrungen mit dem Laufwerk »SDF 1001« ihre Wirkung getan. Dieses Laufwerk wurde an den User-Port angeschlossen, was bei vielen Programmen und Hardware-Erweiterungen zu Problemen führte. Um bei der 1581 die volle Kompatibilität zu erhalten, wird sie nur an den seriellen Bus des C 64 angeschlossen, genau wie die 1541. Da am C 64 nichts verändert wird, braucht man sich über die langsame Übertragungsgeschwindigkeit nicht zu wundern. Der Anwender, der nicht gerne bastelt, wird das mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Trotzdem muß sich Commodore die Frage gefallen lassen, ob man angesichts der offensichtlichen Inkompatibilität nicht gleich einen Schritt weiter hätte gehen sollen, um durch eine schnellere Datenübertragung die 1581 noch attraktiver zu machen.

So kann man zusammenfassend sagen, daß die 1581 sicher nicht als Ersatz und erst recht nicht als Nachfolger für die 1541 geeignet ist, da es einfach viel zu viel Software auf 5,25-Zoll-Disketten gibt, die auf die Hardware der 1541 zugeschnitten ist. Ob es spezielle Adaptionen geben wird, ist ungewiß. Der Redaktion ist bislang nur bekannt, daß »GEOS« bereits auf die 1581 angepaßt wird.

Dafür bietet die 1581 einige neue interessante Aspekte beim Arbeiten mit größeren Datenmengen ohne häufigen Diskettenwechsel. Für Software-Entwickler und eifrige Programmierer steht ein großer Speicherplatz für eigene Source-Codes und Programmversionen zur Verfügung. Was man früher auf viele Disketten verstreuen mußte, kann man jetzt auf einer Diskette halten. Als Zweitlaufwerk kann es für diese Anwendungen eine sehr interessante Alternative sein. Leider stand der Preis der 1581 bei Redaktionsschluß noch nicht fest. (wo/gn)

Technische Daten

Geräteart: Diskettenlaufwerk
Diskettenformat: 3,5 Zoll
Kapazität: 808960 Byte
Computer C 64, C 128, C 16/116/Plus 4


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