Soft Story: Jeff Minter

Jeff Minter ist eine der schillernden Figuren der Software- Szene. Leslie B. Bunder hat sich mit dem Autor von »Batalyx« und »Colourspace« getroffen und ihm interessante Stellungnahmen entlockt.

Der Brite Jeff Minter (24) ist zweifelsohne einer der etabliertesten und respektiertesten Programmierer in der Computerspiele-Branche. Mit seinen langen Haaren und seiner lässigen Art wirkt er ein wenig phlegmatisch, in Wirklichkeit ist er aber alles andere als ein schlaffer Typ.
In vier Jahren schrieb er zehn Spiele-Bestseller und veröffentlichte sie unter seinem eigenen Label »Llamasoft«. Darunter befinden sich Klassiker wie »Gridrunner«, »Revenge of the Mutant Camels« und »Hover Bover«.
Jeff ist ein recht eigenwilliger Mensch. Er hat eine spitze Zunge und ist ein fleißiger Kritiker der Branche, der Software-Hitparaden keinerlei Glauben schenkt. Neulich hatte ich die Gelegenheit, mich mit Jeff in Ruhe zu unterhalten. Seinem Image als einsilbiger Interview-Partner wurde er auch in diesem Gespräch gerecht.

Happy: Wie sah Dein Einstieg in die Software-Branche aus?

Jeff: 1982 fing ich mit dem Programmieren professioneller Spiele an. In diesem Jahr gründete ich auch meine eigene Firma Llamasoft. Das war noch die gute alte Zeit des VC 20, bei der alle nach Spielen für diesen Computer lechzten.

Happy: Warum nanntest Du Dein Label ausgerechnet »Llamasoft«?

Jeff: Warum nicht? Ich halte es für einen hübschen Namen. Außerdem, was noch viel wichtiger ist, mag ich Lamas wirklich gerne. Ich finde, sie sind sehr nette Tiere.

Happy: Welches Deiner vielen Spiele gefällt Dir selbst am besten?

Jeff: Mein Liebling ist mein neuestes Spiel für den C 64, das »Iridis Alpha« heißt. Ich bin sehr stolz darauf, wie es sich im Lauf der Zeit entwickelt hat. Im Durchschnitt brauche ich etwa 3 bis 4 Monate, um ein Spiel zu schreiben. Generell ist »Star Raiders« (Atari XL/XE) mein liebstes Programm. Es ist ein tolles Ballerspiel; ich liebe es.

Fan-Post erwünscht

Happy: Hast Du eine spezielle Adresse für Fan-Briefe?

Jeff: Ja, und wenn mir jemand aus Deutschland einen Brief schreiben möchte, würde ich mich sehr darüber freuen. Meine Adresse ist 49 Mount Pleasant, Tadley, England. Es ist sehr schön zu erfahren, wer alles meine Spiele kennt. Für mich ist es am wichtigsten, daß meine Spiele den Leuten Spaß machen.

Happy: Wie ist Dein Kontakt zu anderen Programmierern?

Jeff: Ganz gut. Neulich nahm ich an einem Computer-Wettspiel mit ein paar Kollegen teil, den Zzap! 64 organisierte. Vor ein paar Monaten habe ich mit Tony Crowther zusammen Skiurlaub gemacht. Tony programmiert für Alligata und hat zum Beispiel »Loco« und »William Wobbler« geschrieben. Ich könnte es mir aber nur schwer vorstellen, mit einem anderen Programmierer zusammenzuarbeiten. Ich glaube, ich bleibe lieber solo.

Happy: Du bist ja ein sehr kritischer Mensch. Was geht Dir in der Software- Branche am meisten auf die Nerven?

Jeff: Oh, da gibt es einiges. Am schlimmsten finde ich es, daß alles immer kommerzieller und unehrlicher wird.

Happy: Arbeitest Du nach einem festen Konzept?

Jeff: In der Regel nicht. Das kommt immer ganz drauf an; meistens habe ich meine Ideen, wenn ich in Ruhe nachdenken kann, Die meisten Einfälle zu meinen Spielen sind mir zum Beispiel im Pub gekommen.

Happy: Was wird man als nächstes von Dir erwarten dürfen?

Jeff: Ich habe gerade »Iridis Alpha« fertig geschrieben und arbeite momentan an »Colourspace II«, dem Nachfolger zu meinem Original-»Colourspace«.

Happy: Hast Du auch einen Lieblingscomputer?

Jeff: Ich mag den Atari ST sehr, er ist eine aufregende, fantastische Maschine. Ich habe sehr viel Spaß gehabt, »Colourspace« für den ST umzusetzen und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden.
Ich habe mich schon mit einigen Computern beschäftigt. Als ich vor ein paar Jahren anfing, schrieb ich Programme für den VC 20. Momentan arbeite ich nur mit C 64, Atari ST und Atari XL/XE. Ich beschäftige einige Programmierer, die mir die Umsetzungen für andere Computer wie Schneider, Spectrum und BBC machen.

VC 20-Veteran

Happy: Durch was zeichnen sich Deine Programme aus?

Jeff: Mit wenigen Worten gesagt durch individuellen Stil und haarige Tiere!

Happy: Wird es von Dir auch einmal ein Spiel zu einem bekannten Buch oder Film geben?

Jeff: Nur dann, wenn mir die Vorlage auch wirklich gefällt. Lediglich aus kommerziellen Gründen würde ich so etwas nie machen.

Happy: Für wie wichtig hältst Du die Musik bei einem Computerspiel?

Jeff: Musikbegleitung ist eine schöne Sache, aber bei weitem nicht so wichtig wie ein gutes Spielprinzip.

Happy: Und wo sind Deine musikalischen Vorlieben »ohne Computer«?

Jeff:Ich stehe vor allem sehr auf Heavy Metal. Meine Lieblingsinterpreten sind Pink Floyd, Genesis, Iron Maiden, Dio, Black Sabbath, Steve Hillage und die Scorpions.

Heavy Metal-Fan

Happy: Hast Du noch weitere Hobbys?

Jeff: Oh ja. Ich spiele gerne »Stargate« und »Colourspace«. ich gehe auch gerne ins Pub und jogge hier und da mal eine Runde.

Happy: Was wird uns die Software-Brauche Deiner Meinung nach in Zukunft bringen?

Jeff: Ausgesprochen leckere Sachen wie komplexe Echtzeit-Simulationen.

Happy: Vielen Dank für das Interview, Jeff. Es war sehr schön, mit Dir zu reden. Viel Glück in der Zukunft. Einen Test von »Iridis Alpha« findet man übrigens in dieser Ausgabe im Spiele-Teil.

Leslie B. Bunder/hl


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