Script 5 - Die Klassiker-Neuauflage

Das Jahr hat gut angefangen. Ein guter Beweis dafür sind die neuen und sicherlich interessanten Updates und Upgrades bekannter Atari-Programme.

Script gehört dazu. Es hat bisher seinen guten Ruf, als leistungsfähige Textverarbeitungssoftware intuitiv bedienbar zu sein aufrecht halten können. Jede Erweiterung und Verbesserung kann allerdings so ein bestehendes Konzept ins Wanken bringen.

Konzept

Script ist eine Textverarbeitung, die über einen jahrelangen Zeitraum kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Sicherlich flossen auch bei dem Upgrade auf Version 5 viele Anregungen seitens der Anwender mit ein.

Anfang Januar '96 hat Purix eine Vorabversion an eingetragene Anwender versendet und gratet so bald als möglich kostenlos auf den vollen Funktionsumfang der Version 5 ab. So kann jeder schon einmal mit dem neuen Script arbeiten und die Wartezeit überbrücken. Ein guter Zug der Firma Purix. Was hat sich geändert bzw. kam neu hinzu?

Die Fontauswahl

Als erstes wird das stark geschrumpfte Menu "Font" auffallen. Ganze zwei Einträge "Font laden" und "Font auswählen" blieben übrig.

"Font laden" ruft eine eigene File-Selektorbox auf, von welcher aus Script-, Signum2- und Signum3- Fonts (auch mehrere auf einmal) eingeladen werden können. Die eigentliche Neuerung versteckt sich aber hinter "Font auswählen". Die nicht-modale Dialogbox bietet alles Nötige für die Arbeit mit Bitmap- und Vektor-Fonts und bietet darüberhinaus noch eine interessante Möglichkeit der Markierung im Textfenster.

Im einzelnen:

Bitmap- und Vektor-Fonts lassen sich im Sichtfeld getrennt ein- und ausschalten. Der Button "markieren" markiert alles im Textfenster, was mit Häkchen versehenem Font und angewählten Optionen identisch ist. Dabei bedeutet: Fo = nur der selektierte Font, Pt = nur die eingestellte Pixelhöhe eines Fonts, At = nur das aktuell eingestellte Attribut. Ein jeweils ausgeschriebenes Wort statt dieser Kürzel stände der Dialogbox sicher besser. "unbenutzt" zeigt leider nur die im Text nicht benutzten Bitmap-Fonts, "anzeigen" ruft die Zeichenanzeige der Tastaturbelegung auf. Von hier ist auch die übersichtliche Anzeige nach ASCII-Code 33 bis 146 und 1 bis 255 erreichbar. "Cache" und "aufrastern" rechnet die Vektor- in Bitmaps-Fonts, in der eingegebenen Punktgröße für die Darstellung im Fenster, um. Danach werden sie in einem Ordner namens Cache aufbewahrt. Dadurch wird das Arbeiten mit Vektor-Fonts (die eine enorm hohe Rechenzeit benötigen) zu einer bei Bitmaps- Fonts gewohnten Schnelligkeit möglich.

Die Fontauswahl bietet auf kleinem Raum viele Funktionen und bleibt dennoch übersichtlich. Wer mit verschiedenen Fonts, Größen oder Attributen in einem Text arbeitet spart allein schon an der Funktion "Markieren" viel Zeit.

Diskontinuierliche Blöcke

Besonders hilfreich ist die Möglichkeit, bei gedrückter Shift-Taste beliebige Textteile, auch per Doppelklick, zu selektieren und danach zu verändern. Um bestimmte Textzeilen, beispielsweise bereits unterstrichene Überschriften, mit einem anderen Font und vergrößert zu setzen, kann alles mit wenigen Mousebewegungen in der oben beschriebenen Fontauswahlbox geschehen. Einfach Button "At" für Attribut (unterstrichen muss natürlich eingestellt sein) und "markieren" anklicken, "At" wieder ausschalten, "Fo" für Font und "Pt" für Größe anklicken, den neuen Font auswählen die Größe einstellen und "OK" klicken - fertig.

Natürlich kann jetzt zum Selektieren auch "Suchen und Ersetzen" benutzt werden. Einfach ein Suchwort angeben, "markieren" klicken und alles, was dem Wort entspricht ist zur Weiterverarbeitung selektiert. Wenn beispielsweise unter Überschriften und zwischen Absätze der Zeilenabstand geringer werde soll, schreibt oder kopiert man einfach ein paar Spacezeichen in die jeweiligen Zeilen, selektiert sie über die Suchfunktion und kann im Lineal komfortabel den Zeilenabstand den Wünschen entsprechend anpassen.

Nicht-modale Dialogboxen

Einigen Dialogboxen ist nicht anzusehen, dass sie etwas Besonderes dazu programmiert bekommen haben. Ein Klick mit der rechten Maustaste auf "OK" lässt diesen Dialog auf dem Desktop. Es bleibt aber nicht oben: Das Fenster in dem die Änderung zu sehen ist, überdeckt eventuell den jeweiligen Dialog.

Speicherkonfiguration

Script hatte den Nachteil, sehr speicherhungrig zu sein. In der Dialogbox "Speicher" kann jetzt eingestellt werden, wieviel Speicher Script beim Start maximal in Anspruch nehmen kann und wieviel Speicher mindestens frei bleiben soll. Eine -1 bedeutet, Script kann belegen, was es braucht. Mit 2 MB lässt sich gut arbeiten, unter 1,5 MB beschwert sich Script doch zu häufig.

Dokumenten- und Kapitelformat

Unter dem Menüeintrag "Parameter" befinden sich zwei neue Einträge "Dokumentformat" und "Kapitelformat". Hinter ersterem verbirgt sich die bekannte Dialog-Box für die Einstellung einer Seite. Zweiteres ermöglicht die Einrichtung der Spalten. Auch hier kann mit Rechtsklick auf "OK" schnell die richtige Aufteilung gefunden werden.

Dateibehandlung

Script gibt für Dateien die Extension *.STX vor, besteht aber nicht unbedingt auf dessen Benutzung. Das hat den Vorteil, dass der User eigene, beispielsweise zur besseren Unterscheidung, verwenden kann. Bei maximal 8 + 3 Zeichen für einen Namen ist das sehr hilfreich. Beispiel: *.BRF für Brief, *.FAX für Telefax, *.BCH für Buch oder Script5.TST für diesen Test. Dennoch kann Script das *.RTF-Format und eine ASCII-Datei erkennen.

Licht hat auch Schatten

Leider beherrscht Script 5 das Drag & Drop noch nicht. Einfach eine Datei mit der Maus auf das Script- Icon bewegen und Script startet - aber leider mit der Einstellung der INF-Datei. Script fragt vorsorglich bei Beendigung, ob ein eventuell nicht gesicherter Text noch gesichert werden soll. Es wäre gut, wenn Script auch fragen würde, ob die Arbeitsumgebung in die INF-Datei übernommen werden soll. Bei Neustart könnte so an der gleichen Stelle weitergearbeitet werden. Wer nur kleine Fenster öffnen kann, der braucht den Platz, den das vertikale Lineal verbraucht. So muss es sehr oft ein- und ausgeschaltet werden. Das wäre mit einem Eintrag im Menü "editieren" und einem Tastaturkürzel schneller möglich. [Ctrl] und [<] oder [alt] und [ü] wären beispielsweise noch frei.

Das automatische Weiterscrollen des Textes um ca. die Hälfte des Fensterinhaltes ist eine interessante Funktion. Sie muss aber im Fenster "Systemparameter" abschaltbar sein.

Zwei letzte Punkte

Als zweitletzten Punkt möchte ich aber doch noch auf etwas zu sprechen kommen, das selten gebraucht wird - das Handbuch. Es ist sehr gut gegliedert, sehr verständlich geschrieben und gibt Tips. Im Handbuch ist ein Einführungskurs mit eingeflochten, der anhand der mitgelieferten und vorbereiteten Texte eine exzellente Einarbeitung bietet. Dieses bietet jedem, der Script zum ersten Mal vor sich auf dem Monitor hat, einen einfachen und fundierten Einstieg. Wer sich außerdem von der Leistungsfähigkeit des Programms überzeugen möchte, der blättert einfach das Handbuch durch; es ist komplett mit Script erstellt worden.

Der letzte und sicher wichtigste Punkt ist natürlich der Preis. Dieser sorgt mit nur noch 99.- DM für ein sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis.

Fazit

Wer als Scriptkenner Script 5 zum ersten Mal startet, wundert sich, denn vieles ist beibehalten worden und alles befindet sich an seinem gewohntem Platz. Umstellen braucht man sich nicht. Die beschriebenen Neuerungen sind gut in das bestehende Konzept integriert worden, so dass sich weiterhin einen positiver Gesamteindruck ergibt.

Somit eignet sich Script 5 nun außerordentlich für User, die ganze Bücher, Bedienungsanleitungen o.ä. schnell und unkompliziert umsetzen müssen. Aber auch die, die schnell mal etwas schreiben oder faxen wollen, finden mit Script ein wertvolles Arbeitsmittel. Unbeachtet darf an dieser Stelle natürlich nicht bleiben, dass Script über des RTF-Format eine Kommunikationsmöglichkeit mit anderen Textverarbeitungen und Plattformen hat. Damit verliert Script den Anschluß nicht. Ein Upgrade von 4 auf 5 müßte, denke ich, gravierendere Neuerungen bringen. Aber es stehen ja noch die Verbesserungen des Spaltensatzes und der Kapitelunterteilung von Dokumenten sowie die HP-Druckeroptimierung (bis zu 720 dpi über GDOS) aus. Diese lagen zum Redaktionsschluß dieser Ausgabe noch nicht vor. Lesen wir die nächste Atari-Inside, da steht es drin. Das Upgrade kostet übrigens DM 59.-
Klaus Sommer


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