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Die geradezu explodierende Leistungssteigerung der Computer beschert den Anwendern Zugriff auf gestalterische Möglichkeiten, die vor fünf Jahren noch reinen Profis Vorbehalten waren. Jedes DTP-Programm und alle besseren Textverarbeitungen bieten heute skalierbare Schriften, Grafikeinbindung, Spalten- und Formelsatz. Leider mißachten viele der frischgebackenen Do-It-Yourself-Grafiker die elementarsten Layout-Grundsätze. Eine Einladung zur Gartenparty enthält dann neben 23 verschiedenen Schriften in 13 Größen auch 17 Pictogramme.

Der »Dektop Knigge« aus dem Tewi-Verlag ist ein weiterer Versuch eines professionellen Grafikers, dem oft überforderten Laien die Grundsätze eines ansprechenden Layouts nahezubringen.

Philipp Luidl unterteilt sein Werk in drei wesentliche Abschnitte. Beim Anfertigen eines neuen Dokumentes fragt das DTP-Programm nach den Maßen der Seiten. Genauso beginnt dann auch der Abschnitt »Instruktion«. Darauf folgen kurze Ausführungen über Punkt- und Linienraster. Etwas seltsam muten die verschiedenen Auflösungen der Laserdrucker an - laut Autor 200 beziehungsweise 400 dpi. Kurze, aber wichtige Abhandlungen über die Anwendung von zwei- oder dreiteiligen Bruchziffern, Seitenschmuck und Begrenzungslinien schließen dieses Kapitel.

Die Anatomie der Buchstaben leitet das zweite Kapitel »Basistypografie« ein. Es gibt verschiedene Merkmale, eine Schrift gut lesbar erscheinen zu lassen. Sowohl Serifen als auch unterschiedliche Dicken der einzelnen Buchstaben führen das Auge des Lesers schneller und besser über den Text. An mehreren Beispielen zeigt der Autor diesen Umstand klar auf. Ebenso erschweren schon kleinste Abweichungen vom normalen Buchstabenabstand das Lesen. Der Verfasser erläutert auch solche Mängel anhand mehrerer Beispiele.

Der Zeichensatz muß auch zum Text passen. Anhand des Wortes »Bundesrepublik« zeigt das Buch, welche Assoziationen man schon aufgrund der Schriftart knüpft. Liest man »Bundesrepublik« in einer altväterlich wirkenden Rotunda-Schrift, denkt man wohl unwillkürlich an Adenauer, den VW Käfer und das Wirtschaftswunder. Setzt man das gleiche Wort in einer serifenlosen Antiqua, vermeidet man aufgrund der Nüchternheit der Schrift solche Gedankenverbindungen.

Die Hervorhebung einzelner Wörter, die richtige Größe der Zeichensätze, Zeilen- und Buchstabenabstände runden diesen didaktisch ausgezeichneten Abschnitt ab.

Im letzten Teil des Buchs gibt der Autor seine Empfehlungen zur Gestaltung von Drucksachen. Anstelle einer Gegenüberstellung zwischen einem guten und einem schlechten Beispiel findet man nur eine ganzseitige Abbildung mit wenig erläuterndem Text. Besonders der Einsteiger ist auf mehr Erläuterungen angewiesen, um eigene Vorstellungen grafisch ansprechend zu verwirklichen. Ob es aber wirklich notwendig ist, sogar Postkarten, Karteikarten und Faltschachteln zu beschreiben, mag der Leser beurteilen. Hier wäre etwas weniger mehr gewesen. In diesem sehr professionell wirkenden Abschnitt kommt sich der interessierte Heimanwender manchmal verloren vor. Ein weiterer Mangel ist die Anordnung der Gestaltungsbeispiele nach den DIN-Größen der Dokumente. Philipp Luidl beginnt seine Beispiele beim Plakat in A0 und endet beim Ausweis in A 7.

Insgesamt ist der Desktop-Knigge eine gute Einführung in professionelles DTP auf dem Computer, Für den Normalanwender ist es wohl etwas zu sehr überfrachtet mit Informationen. Dem wirklichen Einsteiger möchten wir eher »Looking Good In Print« ans Herz legen. All jene, denen dieses Buch nicht weit genug geht, können beim Knigge beruhigt zugreifen.

(Gerhard Bauer/wk)

Philipp Luidl, »Desktop Knigge«, München, 1988, ISBN 3-921803-85-3, 79 Mark

DFÜ und Btx

Datenfernübertragung oder kurz DFÜ und Bildschirmtext - Btx -ermöglichen den weltweiten Informations- und Datenaustausch. Allerdings ist vielen Computeranwendern hierzulande der Umgang mit diesen neuen Medien noch nicht vertraut. Das Buch »DFÜ und Btx - Eine Einführung in Datenfernübertragung und Bildschirmtext« von Dirk Astrath, erschienen in der Reihe Beck EDV-Berater im Deutschen Taschenbuch Verlag, stellt ausführlich die wichtigsten Systeme vor. Der Autor erläutert Schritt für Schritt den Umgang mit Modems und Decodern ebenso wie die Bedienung der nötigen Software. Leider orientiert sich Astrath ausschließlich am PC und stellt dementsprechend auch nur MS-DOS-Programme näher vor. Dennoch finden auch Atari-Besitzer, die in die weite Welt der Datenfernübertragung einsteigen, genügend Tips und Tricks. Beispielsweise nehmen die Erklärungen zur Bedienung verschiedener Mailboxen und Mailboxnetze einen wichtigen Teil des Buches ein. Viele Hinweise aus der Praxis und zahlreiche Hardcopies ergänzen die Ausführungen zu einem kompetenten und kompakten Ratgeber für DFÜ-Einsteiger. DFÜ und Btx vermittelt für 19,80 Mark ein solides Basiswissen über diese neue Art der Kommunikation. (uh)

Dirk Astrath, »DFÜ und Btx - Eine Einführung in Datenfernübertragung und Bildschirmtext«, dtv, München, 1992, ISBN 3-423-50106-5, Preis 19,80 Mark. 312 Seiten

Monster Macht und Mordmaschinen

Computerspiele finden nicht in dunklen Kellerlöchern oder Spielhöllen statt, sondern in gestylten Kinderzimmern und feinen Büros. Computer gelten als Attribut leistungsbewußter, erfolfgreicher, intelligenter Leute. Warum sollten also Kinder ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie mit ihnen umgehen, sie im Spiel zu erobern versuchen?

Wolfgang Poeplau wendet sich mit seinem Buch »Monster Macht und Mordmaschinen: Computerspiele - digitale Illusionen und soziale Wirklichkeit« vor allem an Eltern, da sich Computerspiele ausgezeichnet zur Abschottung der Kids gegenüber der Welt der Erwachsenen eignen. Denn Insider-Wissen und Fachchinesisch schaffen Freiräume, zu denen die Eltern meist nur schwer Zugang finden. Wer nicht weiß, wie man einen Computer bedient, kann auch nichts kontrollieren.

In sieben Kapiteln stellt Wolfgang Poeplau dieses Phänomen unserer Zeit dar; er informiert, analysiert und gibt wertvolle Hinweise auf Auswüchse, Besonderheiten und Chancen. Ein praktischer Informationsanhang rundet das Werk ab. Hier finden Sie wichtige Ausschnitte aus einem Sitzungsprotokoll, bei dem die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften in Bad Godesberg ein Kriegsspiel indizierte. Wie andere Entscheidungen der Bundesprüfstelle war auch diese Indizierung äußerst umstritten. Die Passagen verdeutlichen den Standpunkt dieser Behörde. Eine Kurzvorstellung populärer Computerspiele und eine Literaturliste zum Thema komplettieren den Anhang. Monster Macht und Mordmaschinen ist als Taschenbuch im Wuppertaler Peter Hammer Verlag erschienen und kostet 19,80 Mark. (uh)

Wblfgang Poeplau, »Monster Macht und Mordmaschinen: Computerspiele - digitale Illusionen und soziale Wirklichkeit«, Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 1992, ISBN 3-87294-476-2, Preis 19,80 Mark, 175 Seiten



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