Falcon: Digitale Visionen

Welche Anwendungen bringt uns die neue Falcon-Serie? Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick in die Zukunft werfen.

Ataris neuer Falcon zeichnet sich nicht nur durch die hohe Leistung seines 68030-Prozessors aus, sondern birgt in seinem Gehäuse weitere Prozessoren. Noch wenig bekannt, da noch nicht in einem Computer für den Massenmarkt verwendet, ist der Digital Signal Prozessor. Beeindruckende Daten über diesen Prozessor machen die Runde. Was heute viele noch gar nicht abschätzen können, ist die Vielzahl an neuen Lösungen, die darin schlummern.

Vorgesehen ist der Digital Signal Prozessor Modell 56001 von Motorola. Seine Stärken liegen in der Signalaufbereitung. Speziell dafür entwickelt, zeichnet er sich durch Leistungen aus, die ein Allround-Prozessor nie erreichen kann. Allerdings kann dieser Prozessor immer nur die zweite Geige spielen, aber das richtig. Was heißen soll: Er ersetzt beispielsweise einen Synthesizer. Aus diesem Grund horchen natürlich besonders die MIDI-Firmen auf. Zielgruppe dieser Anbieter von Sequenzer- oder Samplingsoftware waren bisher nur die Kunden, die einen Computer und einen Synthesizer haben. Anrufbeantworter sind heute ziemlich stupide Geräte. Jeder Anrufer bekommt die gleiche Ansage aufgetischt. Manche verfügen über eine Uhr, um Datum und Zeit des Anrufs zu speichern.

Im Geschäftsbereich vertröstet der elektronische Telefonbutler die Anrufer während der Bürozeiten oft wegen überlasteter Leitungen. Um nach den Bürozeiten eine andere Ansage zu hören, eine, die die Bürozeiten nennt, muß man den Beantworter manuell umschalten. Der DSP schafft da Abhilfe. Die Kombination unterschiedlicher Ansagen beherrschen heute nur teuere Geräte. Per Knopfdruck lassen sich unterschiedliche Ansagen kombinieren. Neben der Uhrzeit bietet eine Kalenderfunktion die richtige Ansage während des Wochenendes oder während eines Feiertages.

Die Nachricht des Anrufers enthält vielleicht wichtige Daten: „Unsere Adresse und Telefonnummer hat sich geändert. Sie erreichen uns ab sofort unter ... Die komplizierte Auswertung dieser Nachricht und Umsetzung in Text ist zwar auch für einen solchen Prozessor eine harte Nuß, aber bis zu einem gewissen Grad durchaus machbar. Liegt die Nachricht als Text vor, ist das Transferieren in eine Datenbank schnell gemacht, ln den USA praktizieren Firmen das Werben bereits heute per Computeranruf. Das geht so: In einen Computer liegt eine Liste der anzurufenden Telefonnummern vor. Zu vorgegebenen Zeiten ruft der Computer die Kunden an und spielt die Werbeansage ab. Dieses Abspielen übernimmt allerdings häufig noch ein Tonband.

Eine weitergehende Automatisierung ist nun vorstellbar: Durch eingrenzende Fragen kann der Computer auf Anrufe reagieren. Beispiel: „Möchten Sie Informationsmaterial zugesandt bekommen? Bitte antworten Sie mit Ja oder Nein." Nach dem Auswerten wird das Kuvert für das Informationsmaterial sofort mit der Adresse beschriftet, der Formbrief mit Namen, direkter Anrede und dem Dank für den Anruf mit Datum und Uhrzeit versehen.

Andere Idee: Wie Werbestrategen aus Untersuchungen wissen, hängt die Erfolgsquote beim Verkauf vom Geschlecht ab. Der Computer analysiert bei der Begrüßung die Stimmhöhe und schaltet dann auf eine weibliche Stimme um, falls es sich um einen männlichen Teilnehmer handelt oder umgekehrt. Um seinem Namen als Personal Computer noch mehr gerecht zu werden, assistiert der Computer künftig als Vermittler. Wie oft müssen Sie sich durchfragen nach dem richtigen Gesprächspartner. Speichern Sie beim ersten Anruf neben dem Namen und der Telefonnummer auch Ihre Frage, so steht sie beim nächsten Anruf zu Verfügung. Sie klicken am Bildschirm den Namen an, der Computer wählt so lange die Nummer an, bis er Anschluß bekommt und erfragt den gewünschten Gesprächspartner. Datenfernübertragung wird immer wichtiger. Heute ist es äußert wichtig, Daten, besonders schnell übertragen zu können, da die benötigten Datenmengen stark anwachsen. Ein Beispiel ist das Faxen von Farbvorlagen. Im Werbebereich ist immer öfter Farbe im Spiel. Wichtig wird deshalb das schnelle Packen und Entpacken von Daten. Auch dafür ist der Digital Signal Prozessor geeignet. Das liegt an einer technischen Besonderheit: In der Palette der Digital Signal Prozessoren nimmt das für den Falcon vorgesehene Modell 56001 eine Sonderstellung ein.

Der Microcode legt die Funktionen des Prozessors fest. Während fast alle in großen Stückzahlen verwendeten Prozessoren den Microcode unveränderbar verinnerlicht haben, ist das beim 56001 nicht so. In seinem 64-KByte-Speicher läßt sich Code laden. Seine Funktionen ändern sich also je nach Code, genauso wie bei einem Computer und den Programmen. Dieser Prozessor ist quasi ein Computer im Computer. Naturgetreue Darstellung von Bildern erfordert viele Farben. Viele Farben benötigen viel Speicherplatz. Heute kostet eine preiswerte Zusatzkarte im MS-DOS-Bereich, die eine Palette von 32768 Farben gestattet, zirka 500 Mark. Bald werden die Zusatzkarten für 24-Bit-Darstellung, also 16,7 Millionen Farben, auch unter 1000 Mark zu haben sein. Wer Bilder in solcher True-Color-Darstellung von Festplatte lädt, muß 24mal mehr Daten laden als für ein Schwarzweiß-Bild. Handelt es sich um ein Bild, ist das kein Problem. Es kostet eben nur Zeit, beeinflußt aber ansonsten nicht die Arbeit.

Packen und Übertragen

Anders bei Animationen. Je mehr Farben, desto weniger ist der Computer in der Lage, die Animation im RAM zu speichern. Er muß auf die Festplatte zugreifen und da spielt die Datenübertragung eine große Rolle. Durch neue Übertragungsstandards wie SCSI 2 sind Geschwindigkeiten von bis 4 MByte pro Sekunde theoretisch machbar. Praktisch ist dieses Limit nur durch sehr teure Hardware zu erreichen. Was liegt also näher als die Daten zu packen, dadurch reduziert sich die Menge beim Laden. Die Geschwindigkeit beim Entpacken der Animation entscheidet über deren Qualität. Im Hinblick auf das Thema Multimedia wird das für den Falcon wohl eine der Hauptanwendungen sein. (hb)

Dieser kleine Ausblick in die neue Atari-Welt kann nur unvollständig sein, da heute noch niemand das gesamte Spektrum erfaßt, das uns bevorsteht.

Aus diesem Grund eine Bitte: Lehnen Sie sich gemütlich in Ihrem Sessel zurück und lassen Sie Ihrem Geist freien Lauf. Bitte teilen Sie uns Ihre Ideen mit. Senden Sie Ihren Brief an:

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Hubert Schmidt
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