Die Peripherie denkt mit: Der SCSI-ßus

Über einen Mangel an Schnittstellen kann sich der ST wahrlich nicht beklagen. Neben den mehr oder weniger üblichen Standard-Schnittstellen definierte Atari auch eine eigne, den ACSI-Bus, der sich an den weit verbreiteten SCSI-Standard anlehnt. Erst der TT und Falcon verfügen über einen »echten« SCSI-Bus.

Ende der siebziger Jahre entwickelte die amerikanische Firma Shugart ihr »Shugart Associates System Interface«, kurz SASI, das ein Disk-Controller-Interface darstellte. Es diente dazu, hochwertige Massenspeicher problemlos an einen Computer anzuschließen. In den achtziger Jahren erreichte Shugart, daß diese Schnittstelle unter der Bezeichnung SCSI (Small Computer System Interface) standardisiert wurde.

In der Praxis dient der SCSI-Anschluß, der im Techniker-Jargon übrigens »Skasi« ausgesprochen wird, bereits seit längerem nicht mehr ausschließlich zum Anschluß von Massenspeichern. Hersteller bieten heute auch Scanner, Laserdrucker und andere SCSI-Peripheriegeräte an.

Im Gegensatz zu einer »normalen« Festplattenschnittstelle, die Pegelorientiert arbeitet, also den Wechsel einer Funktion durch den Wechsel eines bestimmten Signalpegels an der Schnittstelle signalisiert, arbeitet SCSI nach einem ganz anderen Prinzip. SCSI-Geräte verfügen immer über einen internen Controller. Die Verbindung zwischen Computer und SCSI-Anschluß am Peripheriegerät übernimmt ein Host-Adapter. Um das Gerät anzusprechen, sendet der Computer keine Impulse, sondern ganze Befehlswörter, einzelne Laufwerke werden dabei über sogenannte Device-Nummern ausgewählt.

Durch dieses relativ aufwendige Verfahren erreicht man maximale Übertragungsraten von bis zu 40 MByte pro Sekunde. Nicht zuletzt aus dieser Tatsache resultiert, daß sich SCSI schnell als Standard durchsetzen konnte.

Diese Entwicklung schätzte Atari beim Entwurf des ST offensichtlich falsch ein, denn man verzichtete auf eine vollwertige SCSI-Schnittstelle und lieferte den ST mit einem Atari-eigenen »Atari Computer System Interface« ACSI-Bus. Diese DMA-Schnittstelle dient wie der SCSI-Bus zum Anschluß »intelligenter« Peripherie wie beispielsweise Festplatten, Laserdrucker oder CD-ROM-Laufwerke.

Die Besonderheit der Atari-Entwicklung besteht darin, daß der 50polige SCSI-Bus auf 19 Leitungen reduziert wurde. Das Protokoll und das Verhalten der ACSI-Schnittstelle ähnelt aber weiterhin sehr stark dem des SCSI-Buses. Atari reduzierte also SCSI auf seine Bedürfnisse und verwendet zur Steuerung lediglich SCSI-Kommandos der Klasse 0.

Der ACSI-Bus läßt im Gegensatz zu SCSI nur einen Initiator, nämlich den ST selbst, zu. Als Zieleinheiten erlaubt er bis zu acht Targets, die über einen eigenen Kontroller verfügen müssen, der dann seinerseits die zum Target gehörenden Peripheriegeräte steuert. Ein Target kann dabei durchaus auch mehrere Geräte, beispielsweise Festplatten, steuern. Wie man unschwer feststellt, änderte Atari am SCSI-Prinzip tatsächlich nichts. Den schematischen Aufbau des ACSI-Busses entnehmen Sie bitte unserer Abbildung.

Der ACSI-Bus mit seinen möglichen verschiedenen Komponenten

Dies führte dazu, daß praktisch die meisten Anbieter von Festplatten-Subsystemen für den ST gewöhnliche SCSI-Laufwerke nahmen, einen Host-Adapter, der die ACSI-Befehle in SCSI-Kommandos übersetzt, zwischenschalteten und so eine anschlußfertige Lösung präsentieren. Wenn Sie sich eine solche Festplatte zulegen möchten, sollten Sie darauf achten, daß sowohl der 19polige DMA-Bus wie auch der 50polige SCSI-Bus nach außen geführt sind. Benötigen Sie später eine weitere Harddisk, dann lassen sich am SCSI-Bus auch TT- oder Falcon-Laufwerke betreiben. Diese sind in der Regel preisgünstiger, da sie ohne Host-Adapter geliefert werden.

In der Praxis lassen sich heute praktisch alle SCSI-Geräte auch am ST betreiben, angefangen vom Festplatten- oder Wechselplattenlaufwerk über Photo-CD und Bandstreamer bis hin zu Laserdruckern und Scannern - ein geeignetes Treiberprogramm einmal vorausgesetzt. Da aber jedesmal der Umweg über einen ACSI-SCSI-Host-Adapter gegangen werden muß, entschloß sich Atari bei der Einführung des TT, die Entwicklung im Markt zu berücksichtigen und diesen Computer mit einer vollwertigen SCSI-Schnittstelle auszustatten. Der jüngste Sproß des amerikanischen Computerherstellers verfügt sogar über ein SCSI-2-Interface. Dadurch eröffnet sich für die Besitzer der neueren Ataris der gesamte Markt an SCSI-Geräten zu einem günstigeren Preis als für ST-Besitzer.

Da sich heute praktisch kein Peripheriegerät und kein Computer mehr ohne SCSI-Schnittstelle verkaufen läßt, stellen wir Ihnen auf den nächsten Seiten die Geschichte und die Funktionsweise dieses Standards ausführlich vor.


Ulrich Hofner


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