Kunterbunt: Elektronische Farbbildverarbeitung auf dem Atari, Teil 2

Nachdem wir uns im ersten Teil mit den wichtigsten Grundlagen der Farbverarbeitung vertraut gemacht haben, geht es im aktuellen Teil um die Farbkorrekturen, Graubalancen und die verschiedenen Aufbautypen eines Farbbildes.

Beginnen wir zunächst mit der Farbmaskierung. Ihre Aufgabe ist die Reduzierung oder Beseitigung der auftretenden farblichen Fehler, die durch mangelhafte Farbstoffe entstehen. Diese Aufgabe sollte die Farbseparationssoftware übernehmen, die ja für die Umwandlung der RGB-Signale in Cyan, Magenta, Gelb (und Schwarz) zuständig ist. Prinzipiell muß man für jeden Vorlagentyp und jede Druckfarbenskala eine bestimmte Farbmaskierung einsetzen. Die Farbmaskierung ist eine Farbkorrektur, die auf das ganze Bild wirkt. Sie ist nicht zu verwechseln mit Farbkorrekturen, die der Kunde wünscht und oft nur Teile eines Bildes betreffen.

Bild 1. So ermittelt man die Werte für die Farbmaskierung

Wie können wir die Werte für die Farbmaskierung praktisch ermitteln? Als Vorlage verwendet man mit den entsprechenden Druckfarben hergestellte Farbfelder (S, W, C, B, M, R, Y, G). Diese Vorlage wird anschließend zum Beispiel mit verschiedenen Farbdiapositivfilmen fotografiert. Die in den Farbauszügen auftretenden Fehler lassen sich nun erfassen und korrigieren. Setzt man dieses Verfahren für alle möglichen Anwendungen ein, erhält man eine Reihe von Basisprogrammen für die Farbkorrektur. Die korrekte Farbmaskierung ist eine Voraussetzung, aber sie gibt noch keine Gewähr für eine gute Reproduktion. Eine optimale Tonwertwiedergabe (Gradationseinstellung) trägt bedeutend mehr für eine hohe Wiedergabequalität bei. Daraus leiten sich folgende Regeln ab:

  1. Licht (Minimum) und Tiefe (Maximum) einstellen.
  2. Gradation an die Vorlage, das Druckverfahren und die Kundenwünsche anpassen.
  3. Farbwiedergabe prüfen und eventuell korrigieren.

Die Kontrolle der Farbwiedergabe am Bildschirm darf nie allein visuell erfolgen. Im Farbbildbereich gibt es kein 100prozentiges »WYSIWYG«, auch nicht mit den teuersten Farbmonitoren. Zur genauen Beurteilung ist es notwendig, im Monitorbild die Rastertonwerte zu messen. Sehr hilfreich in diesem Zusammenhang sind die sogenannten Farbbücher. Darin sind Übereinanderdrucke von Cyan, Magenta und Gelb zu finden. Sind die Rastertonwerte für die Grundfarben bekannt, findet man schnell das entsprechende Farbfeld und kann so die Farbwiedergabe einfach und präzise kontrollieren (vgl. Bild 1).

Die farblichen Abweichungen sind klar ersichtlich und lassen sich messen. Mit diesen Abweichungen wird die Farbseparation gesteuert, das heißt die Stärke der Farbmaskierung bestimmt.

Beim farbigen Aufbau mit den subtraktiven Grundfarben müssen auch neutrale Grautöne wiedergegeben werden. Diese Notwendigkeit bezeichnet man als Graubedingung. Selbst kleine Abweichungen in der Grauwiedergabe werden, je nach Bild, zum Teil sehr störend empfunden. Dies gilt besonders für Bilder, die vor allem aus neutralen Grauwerten aufgebaut sind und keine großen Farbkontraste aufweisen. Aber auch in Farben mit hohem Unbuntanteil (Tertiärfarben), wie zum Beispiel Braun und Oliv, machen sich Abweichungen früher störend bemerkbar als in bunten Farben. Abweichungen in der Farbbalance zwischen Cyan, Magenta und Gelb werden also zuerst in den Grautönen sichtbar.

Unter dem Begriff Graubalance versteht man die neutrale Wiedergabe von Grautönen im Druck mit den bunten Farben Cyan, Magenta und Gelb. Die Einflußgrößen sind Druckfarben, Bedruckstoff, Druckbedingungen und Druckverfahren. Beim autotypischen Farbendruck resultiert bei gleichem Flächendeckungsgrad und gleicher Volltondichte in den drei Buntfarben eine bräunliche Grauwiedergabe an Stelle des gewünschten neutralen Grau. Die Ursache dieser Fehlerscheinung liegt zur Hauptsache in den mangelhaften Grundfarben des Druckes. Die Druckfarben Cyan, Magenta und Gelb weichen zum Teil stark von den idealen Grundfarben ab. Wenn man keinen weißen Bedruckstoff verwendet, muß man dessen Färbung ebenfalls entsprechend kompensieren.

Wie ist nun, etwa im Offsetdruck, eine Wiedergabe von neutralen Grautönen erreichbar? Entsprechend den Fehlern der Druckfarben muß in neutralen Grautönen der Rastertonwert für das Magenta und Gelb kleiner sein als im Cyan. Als Richtwert für den mittleren Grauton bereich werden folgende Werte empfohlen: Cyan 50 Prozent, Magenta und Gelb je 40 Prozent. Die ideale Voraussetzung zur Bestimmung der Graubalancewerte bieten fein abgestufte Zusammendrucke von Cyan, Magenta und Gelb. Damit der Drucker die notwendigen Informationen liefern kann, braucht es eine spezielle Testform (vgl. Bild 2).

Aus diesen Graunuancen wird jetzt visuell der neutralste Grauton herausgesucht und dessen prozentuale Zusammensetzung aus Cyan, Magenta und Gelb abgelesen. Wenn für den Cyan-Rasterton mehrere Werte (z.B. 20 Prozent, 40 Prozent, 60 Prozent, 80 Prozent) verwendet werden, kann man daraus die genaue Graubalance-Kurve über den ganzen Tonwertbereich ableiten. Die Ergebnisse der Graubalancebestimmung sind aber nur verbindlich:

Kommen wir zum letzten Theorieteil. Die Abkürzung »UCR« stammt von der englischen Bezeichnung »Under Color Removal«, was soviel wie Unterfarben-Rücknahme bedeutet. Wenn wir in einem Farblitho eine schwarze Bildstelle im Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz messen, resultieren bei allen Farben Rastertonwerte von 100 Prozent. Man spricht dann von einer Flächendeckung von 400 Prozent im Druck. Das bedeutet, daß im Vierfarben-Offsetdruck in einer schwarzen Bildstelle je eine Vollfläche Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz übereinander gedruckt wird. Dies ist aus verschiedenen Gründen nicht sinnvoll und bringt dem Drucker zusätzliche Probleme. Bei schnell laufenden Vierfarben-Druckmaschinen kann die Farbe auf dem Weg von einem Farbwerk zum nächsten nicht vollständig trocknen. Werden nun Vollflächen übereinandergedruckt, ergeben sich Schwierigkeiten mit der Farbannahme. Es kann dann nur ein Teil der Farbe von der Druckform auf den Bedruckstoff übertragen werden, was zum Beispiel zu einem mangelhaften Kontrast in den Bildern führt. In einer schwarzen Bildstelle ist es gar nicht notwendig, die Buntfarben Cyan, Magenta und Gelb als Vollfläche zu drucken. Wird in diesen Bildstellen der Buntfarbenanteil reduziert, spart man beim Druck sehr viele Buntfarbenanteile. Da die Buntfarben wesentlich teurer sind als die Schwarz-Druckfarbe ergibt diese Maßnahme eine zum Teil hohe Kosteneinsparung für den Drucker. UCR bedeutet also, Buntfarben um einen bestimmten Anteil in den schwarzen Bildstellen zu entfernen. Viele Druckereien verlangen von der Reproduktion eine bestimmte, maximale Flächendeckung für schwarze Bildstellen. Im Offsetdruck liegen die Werte zwischen 260 Prozent und 320 Prozent. Wie diese Summe auf die einzelnen Auszugsfarben verteilt wird, ist Aufgabe der Reproduktion. Damit man einen genügend hohen Kontrast erreicht, wird Gelb als hellste Farbe am stärksten und Cyan am wenigsten reduziert. Bei einer Flächendeckung von 300 Prozent könnte die Verteilung so aussehen: Cyan 95 Prozent - Magenta 70 Prozent - Gelb 55 Prozent - Schwarz 80 Prozent. Eine Flächendeckung unter 250 Prozent ist nicht empfehlenswert, weil dann mit einer Kontrasteinbuße zu rechnen ist.

Bild 2. Aus dem Farbenbuch den passenden Grauton suchen

Der Wirkungsbereich des UCR sollte getrennt nach Färb- und Tonwertbereich eingestellt werden. Im Normalfall wirkt das UCR nur in den neutralen Grauwerten, vom Mittelton einsetzend bis in die dunkelsten Bildstellen. Im heutigen Mehrfarbendruck werden Grautöne und Farbtöne mit hohem Unbuntanteil praktisch durchweg mit den drei Buntfarben Cyan, Magenta und Gelb aufgebaut. Speziell in diesen Farbtonbereichen machen sich aber die technologisch bedingten Schwankungstoleranzen der Farbführung und der Punktverbreiterung im Druck stark bemerkbar. Auch die modernsten, elektronisch gesteuerten Kontroll- und Korrektureinrichtungen an Druckmaschinen können die Toleranzbereiche nicht so eng halten, wie es wünschenswert ist.

Daß sich innerhalb einer Druckform diejenigen Bilder mit vielen Grau-, Braun- und Olivtönen bei Farbschwankungen zuerst störend bemerkbar machen, liegt zu einem großen Teil an den physiologischen und psychologischen Merkmalen des Farbsehens. Die Vermutung, daß das Auge Farbdifferenzen in den einzelnen Farbbereichen unterschiedlich bewertet, bestätigte der Amerikaner Munsell. Aus seinen Untersuchungen zur Ordnung der Farben nach ihrer visuellen Gleichabständigkeit geht hervor, daß das menschliche Auge im Graubereich kleinere Abstufungen wahrnimmt als in anderen Farbbereichen. Wird das Auge aber durch starke Farbkontraste belastet, wirken Unterschiede in kleinformatigen Grauflächen kaum störend. Im umgekehrten Fall, also flächenmäßig viel Grautöne und wenig Buntfarben, nimmt man die kleinsten Differenzen im Graubereich deutlich wahr. Die entscheidenden Schritte, die zu einer stabilen Wiedergabe von Grau- und Tertiärtönen im Fortdruck führen, müssen in der Reproduktion erfolgen. Der Grundgedanke dazu basiert auf einer anderen Art der Farbmischung, als dies üblicherweise der Fall ist:

Druckt man 100 Prozent Magenta und 100 Prozent Gelb übereinander, ergibt dies ein warmes Rot. Wird nun über dieses Rot die dritte Grundfarbe Cyan gedruckt, so verschiebt sich die Farbe mit zunehmendem Cyananteil von Braun nach Schwarz. Natürlich erreicht man diese Verschwärzlichung anstelle von Cyan genau so gut mit Schwarz. Für die Herstellung von Farblithos hätte dies zur Folge, daß sämtliche Buntfarben (Cyan, Magenta und Gelb) um den Anteil Schwarz, den der Farbauszug bringt, reduziert werden müßten. Einfach ausgedrückt bedeutet dies: Gleichstarker Anteil von Cyan, Magenta und Gelb wird durch einen entsprechenden Anteil Schwarz ersetzt. Im dreifarbigen Zusammendruck (ohne Schwarz) sind also nur bunte Farben enthalten, die mit höchstens zwei Grundfarben gemischt sind.

Bild 3. Grau in unterschiedlicher Art aufgebaut
Bild 4. Das Gleiche für einen Braunton
Bild 5. Ganz ohne Farben geht es auch nicht

Bei bunt aufgebauten Farblithos dient das Schwarz vor allem der Erhöhung des Kontrastes und trägt zur Farbtonbildung praktisch nichts bei. Man verwendet in der Regel ein sogenanntes »Skelettschwarz« beziehungsweises ein »kurzes« Schwarz. Diese Begriffe umschreiben die Gradation des Schwarz. Die ersten Tonwerte setzen ungefähr bei den Mitteltönen der Grauskala ein und verlaufen in einem steilen Anstieg bis zu den Tiefen. Der Schwarzauszug zeichnet generell nur im Unbuntbereich und dort vor allem in den dunklen Partien. Die Gradation des Schwarz für unbunt aufgebaute Bilder hingegen muß vom Licht über die Mitteltöne bis zu den Tiefen verlaufen, weil hier das Schwarz auch zur Farbtonbildung im Tertiärbereich beiträgt. Man spricht daher von einem »langen« Schwarz (vgl. Bild 3 und 4).

Farbbilder werden in der Praxis meist nicht 100prozentig unbunt aufgebaut. Die Stärke des Unbunt sollte variabel einstellbar sein. Man spricht in diesem Fall dann auch von »Graustabilisierung«. Die eventuell vorhandenen Fehler treten dann entsprechend abgeschwächt in Erscheinung und ergeben ein besseres Ergebnis. Obschon der Unbuntaufbau von Farbbildern enorme Vorteile für den Auflagendruck ergibt, konnte sich dieses Verfahren der Farbsatzherstellung nur für den Zeitungsdruck auf breiter Basis durchsetzen. Aus folgenden Gründen reproduziert man nicht alle Farbbilder nach diesem Prinzip:

Damit sind wir am Ende des zweiten Teils angekommen und haben endlich auch die notwendige Theorie geschafft. Im nächsten Teil konzentrieren wir uns dann voll auf die Praxis der Farblitho-Herstellung. (wk)


Fritz Maurer
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