Soft Arts »Soundsystem S-612« im Test: Vergißmeinnicht

In unserer schnellebigen MIDI-Zeit, in der Soft- wie Hardwareproduzenten stets den neuesten Trends und Geraten hinterherjagen und Instrumente schneller an Aktualität verlieren als man das von ihnen in den Geldbeutel gerissene Loch stopfen kann, ist jede Unterstützung eines Oldies willkommen. Nutznießer ist in diesem Fall der Akai S-612, den Soft Arts »Soundsystem« ordentlich auf Vordermann bringt.

Ein »Oldie but Goldie« ist der kleine Akai 12-Bit-Sampler S-612 gewiß, erfreut er sich doch trotz seines stattlichen Alters bei vielen weniger gut betuchten Musikern größter Beliebtheit. Kein Wunder, wechselt ein S-612 auf dem Gebrauchtmarkt bereits für weit unter 1000 Mark den Besitzer.

Soundsystem S-612 beschert diesem Oldie bequeme Editierung am ST

Doch mag der Sampler noch so günstig sein, das Erzeugen eigenen Klangmaterials erweist sich auch in dieser Preisklasse als mühseliges Unterfangen, zumal unser »Kleiner« nicht gerade mit übertriebenem Bedienungskomfort glänzt. Als preiswert-patenter Retter in größter Sample-Not kommt daher vielen S-612 Benutzern der frischgebackene Sample-Editor »Soundsystem S-612« wie gerufen.

Nach seinem Start erfreut sich das Testerauge an einer angenehm aufgeräumt wirkenden Hauptseite, deren überwiegener Teil das Fenster zur grafischen Samplebearbeitung einnimmt. Links daneben finden sich fünfzehn Icons zur Sample-Nachbearbeitung sowie Buttons für die Anwahl der sechs Sample-Buffer. Ein Fenster mit den Systemparametern sowie ein kleines »Mausklavier« am unteren Bildschirmrand komplettieren den Editor.

Neben den Standard-Funktionen wie z.B. Setzen von Start-, Ende-und Loop-Points, »Umdrehen« (Reverse) oder Digital-Echo beherbergen die eben erwähnten Icons auch einige »Schmankerl«, die dem S-612 von Haus aus eigentlich versagt waren. So bietet das Soundsystem z.B. einen Digitalfilter mit den vier Charakteristika: Treble Boost/Cut und Bass Boost/ Cut. Die Eckfrequenz und Intensität dieses Filters läßt sich aber leider nicht festlegen.

Als ausgesprochen nützlich dürfte sich die Compress-Funktion erweisen, halbiert sie doch den Speicherbedarf des Samples oder eines bestimmten Blocks. Zwar reduzieren Sie so den Übertragungsbereich Ihrer Sounds um die Hälfte, doch dürfte der Gewinn an Speicherplatz den Verlust an Klangtreue, insbesondere bei obertonärmeren Klängen, mehr als wettmachen.

Aufgrund des nur 512 KByte großen Speichers des S-612 erlaubt unser Prüfling den bequemen Transfer des kompletten RAMs in einem Rutsch vom ST zum Sampler oder umgekehrt. Selbstverständlich gestattet der Editor auch das Speichern und Laden von Dis-kette/Festplatte, hier würden wir uns für die nächste Version aber eine Konvertierungsroutine für die gängigsten Sampleformate wünschen.

Mit dem Soundsystem S-612 erhält man einen kleinen, aber feinen Editor zum ausgesprochen fairen Preis, angesichts dessen sich auch kleinere Schwächen wie die etwas magere Filtersektion leicht verschmerzen lassen. Die Arbeit mit dem Soundsystem geht flott von der Hand, der Blick ins dünne, aber angemessene Handbuch bleibt die seltene Ausnahme. Allen Musikern, die einen preiswerten, schnörkellosen Editor für ihren S-612 suchen, sei das Soundsystem, das auch für den S-700 zu haben ist, wärmstens ans Sample-Herz gelegt. (wk)

Soft Arts, Postfach 127762, 1000 Berlin 12

WERTUNG

Name: Soundsystem 612
Preis: 189 Mark
Hersteller: Soft Arts
Stärken: preiswert □ übersichtlich □ einfach zu handhaben □ gute Nachbearbeitungsfunktionen
Schwächen: etwas karge Filtersektion □ nur ein Sampleformat □ Diskettenkopierschutz

Fazit: Gelungenes Oldie-Tuning zum fairen Preis.
Kai Schwirzke


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