Interview mit Sam Tramiel - Präsident Atari Corp. USA

Sam Tramiel (l.) und Richard Miller mit dem Falcon 030

TOS: Die Messe in Düsseldorf ist zugleich die Weltpremiere für den Falcon 030. Wie sieht die laufende Produktion des Falcon aus?

Sam Tramiel: Die Produktion hat gerade mit den ersten 500 Stück begonnen. Die nächste Serie besteht aus 1000, dann 3000 und schließlich 10000 Falcons. Schon im ersten Monat produzieren wir 25000 Stück. Im nächsten Jahr werden wir mindestens 500.000 Falcons herstellen.

TOS: Wie viele Falcons sind davon für den deutschsprachigen Raum vorgesehen?

Tramiel: Oh, da kann ich im Moment nur raten. Eine grobe Schätzung liegt bei 100.000 bis 150.000 Maschinen.

TOS: In Deutschland gibt es einen Schwerpunkt bei professionellen Anwendern. Kehrt Atari mit dem Falcon in den Spiele-Markt zurück?

Tramiel: Wir wollen unsere Basis verbreitern und uns im Consumer-Bereich stärker engagieren. Gleichzeitig werden wir die Profis nicht aus den Augen verlieren. Der Falcon zielt aber eindeutig auf den Consumer-Markt. Dieser Bereich wird derzeit vom Commodore Amiga dominiert. Genau diesen Markt werden wir mit dem Falcon 030 erobern, egal wer hier noch eine Spitzenstellung einnimmt.

TOS: Welche Schlüssel-Anwendungen sehen Sie sonst noch für den Falcon?

Tramiel: Nehmen Sie zum Beispiel den Voice-Mail-Einsatz. Der Falcon übernimmt nebenbei die Aufgabe eines intelligenten Anrufbeantworters, speichert die gesprochene Nachricht des Anrufers und legt sie in das Fach des Empfängers. Dank des DSP geht das sehr einfach. Voice-Mail und ein Telefax-Modem sind bereits softwaremäßig realisiert. Wir denken gerade darüber nach, jedem Falcon diese Programme kostenlos beizulegen. Harddisk-Recording sehe ich auch als sehr interessante Anwendung.

TOS: Neben dem Falcon 030 plant Atari noch andere Modelle. Welche?

Tramiel: Die Frage kann ich heute noch nicht beantworten. Richtig ist aber, daß wir an weiteren Versionen des Falcon arbeiten. Das Erscheinen des Falcon 040 steht in kürze an. Wir arbeiten sehr hart daran.

TOS: Was geschieht mit dem Mega ST und dem TT?

Tramiel: Wir verkaufen beide Modelle solange der Markt sie will. Vergleichsweise eignet sich der TT besser für DTP als der Falcon 030.

Im TT-Markt können auch unterschiedliche Modelle nebeneinander existieren.

TOS: Wie sieht es mit dem ST-BOOK aus?

Tramiel: Wir arbeiten gerade an der 4 MByte-Version des ST-Book. Sie wird ab November auf dem Markt sein.

TOS: Mit dem gleichen Display der 1 MByte-Books?

Tramiel: Ja. Sie wollen ein hintergrundbeleuchtetes Display? Sehen Sie, wir versuchten so clever zu sein. Netzunabhängigkeit war für uns sehr wichtig. Aber Sie können keine lange Lebenszeit der Akkus und ein hintergrundbeleuchtetes Display haben. Aber sehr viele Leute möchten lieber das gute Display. Also nehmen wir für künftige Versionen ein hintergrundbeleuchtetes Display.

TOS: Auf der Messe zeigen Sie keinen ST-PAD. Warum?

Tramiel: Schon vor ein paar Monaten beschlossen wir, den ST-PAD auf Eis zu legen. Wir hatten die Prototypen, alles war fertig und dann fragten wir uns: Gibt es überhaupt einen Markt, wollen die Käufer ein solches Produkt? Wir waren uns nicht sicher und haben uns vorläufig auf andere Produkte wie den Falcon konzentriert. Scheint der Markt lohnend, kommen wir mit dem ST-Pad heraus.

TOS: Atari hatte in letzten Zeit starke Probleme mit Händlern, deren Anzahl stetig abnahm. Was unternehmen Sie, um dem Vertrieb wieder auf die Beine zu helfen?

Tramiel: Viele Leute sind vom Falcon begeistert, viele Händler nach der Einführung des Falcon wieder zu uns gekommen. Ich bin davon überzeugt, daß uns der neue Schwung die Kundschaft wieder zurückbringt.

TOS: Mr. Tramiel, vielen Dank für das Gespräch.

Mit Sam Tramiel sprachen Horst Brandl und Armin Hierstetter



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