Mag!X der Magier? Mag!X, Multitasking von Bela

Bei der Schlacht um’s Multitasking ist ein weiterer Bewerber in die Schranken getreten. Neben Ataris MulfiTOS und dem Vorreiter des Multitasking auf dem ST, dem MultiGEM von Maxon, behauptet sich Mag!X mit ein paar zusätzlichen Tricks.

Der Zauberlehrling aus dem Hause Bela wartet natürlich mit dem Kunststück auf, mehrere GEM-Programme parallel nebeneinander laufen zu lassen. Und ähnlich MultiGEM bewerkstelligt er dieses »kooperative Multitasking« über die AES-Aufrufe der laufenden Programme bzw. Prozesse. Beim Absetzen eines solchen Betriebssystemaufrufs schaltet Mag!X zwischen den Anwendungen hin und her. Diese sogenannten »Task-Switches« geschehen in der Regel unbemerkt vom Anwender, so daß der Eindruck von der friedlichen Koexistenz einzelner Programme entsteht. Im günstigsten Falle wechseln Sie mit einem Mausklick aus Ihrer Textverarbeitung in das CAD-Programm, starten hier eine aufwendige Berechnung, und tippen unterdessen munter an Ihrem Dokument weiter.

Bei Mag!X handelt es sich um einen komplett neu programmierten Betriebssystemzusatz, der weite Teile des TOS ersetzt und mit zusätzlichen Erweiterungen versieht. Aufgrund der hohen Kompatibilität zum TOS verträgt sich das Multitaskingsystem mit allen TOS-Versionen ab 1.02. Die Installation auf Festplatte oder nötigenfalls Diskette bewerkstelligen Sie über das Installationsprogramm. Nach Eingabe Ihrer persönlichen Daten, wichtig für künftige Updates, und der Wahl des Bootlaufwerkes befördert das Programm die benötigten Dateien an Ort und Stelle. Das eigentliche Programm »Magxboot« startet aus dem Auto-Ordner und sollte sich dort sinnvollerweise vor allen anderen Applikationen befinden. Lediglich Bootselektoren wie X-Boot und ähnliche dürfen in der physikalischen Reihenfolge vor Mag!X stehen. Da Mag!X umfangreiche Umbauten im Betriebssystem vornimmt und anschließend resetfest im Speicher verbleibt, erfolgt zur korrekten Installation ein automatischer Reset. Erst danach starten weitere Auto-Ordner Programme und das Laden von ACCs beginnt. Einige verktorverbiegende Programme, wie zum Beispiel der Butler Mortimer, verschaffen an dieser Stelle übrigens einen bombigen Ausstieg.

Bild 1. Inmitten des Durcheinanders ein Miteinander

Nach dem Abarbeiten des Auto-Ordners startet »MAGXDESK«, der als Ersatz für den gewohnten TOS-Desktop fungiert. Aus dieser Shell heraus verfügen Sie dann über die Multitasking-Eigenschaften von Mag!X. Freunde alternativer Desktops können diese zwar weiterhin einsetzen, aber nur als Autostart-Applikation. Auf ein direktes paralleles Starten von Programmen müssen Sie dann verzichten, solange keine Anpassung der Programme erfolgt. Unter Mag!X laufen bis zu 16 Programme gleichzeitig, darin sind die maximal sechs Accessory-Einträge, der Desktop und der sogenannte »Screen-Manager« enthalten. Die Beschränkung der ACC-Anzahl läßt sich leicht umgehen, da viele dieser Helferlein nach entsprechender Umbenennung auch als eigenständige Applikation lauffähig sind. Entsprechend der Prozeßanzahl ist auch das GEM-übliche Fensterlimit von bisher sieben auf maximal 15 heraufgesetzt. Was nicht heißen soll, daß Sie nunmehr 15 Laufwerkfenster öffnen können. Hier bleibt es bei fünf Fenstern. Der Rest bleibt den Ausgabe- und Arbeitsfenstern der jeweiligen Prozesse Vorbehalten. Diese Anzahl ist allerdings voll ausreichend, denn bei 16 gleichzeitig geöffneten Fenstern geraten sowohl der Anwender als auch ein nur mit 8 MHz getakter ST ganz schön ins Schwitzen.

Um der Fensterflut, gerade auf kleinen Monitoren, Herr zu werden, zaubert Mag!X zu den üblichen Fensterelementen noch ein paar zusätzliche Fähigkeiten. Alle Fenster lassen sich im Hintergrund, also ohne vorherige Aktivierung, verschieben. Besonders sinnvoll ist der »Backdropper«, ein neues Fensterelement, mit dem Sie durch Anklicken das oberste Fenster gezielt in den Hintergrund befördern. Das leidige Geschiebe und Gesuche mit den Fenstern reduziert sich dadurch enorm. Ein weiteres interessantes Feature bietet die horizontale Fensterleiste. Der Scrollbalken dient nicht mehr wie bislang dem Verschieben des Fensterinhaltes, der ist immer automatisch angepaßt, sondern Sie lesen hier den momentanen Belegungsgrad des betreffenden Laufwerks ab.

Bild 3. Wichtige Voreinstellungen

Der weiße Balken repräsentiert dabei die belegten Bytes. Wer's genauer wissen will, klickt hier einmal an und erhält die Auslastung im Klartext.

Zum Multitaskingbetrieb starten Sie die Applikationen wie gewohnt aus den Laufwerkfenstern. Alternativ dazu rufen Sie das Mag!X-eigene Pop-Up-Menü durch Mausklick in einem freien Bereich der Menüleiste auf. Nach Anwählen des Menüpunktes »Laden« starten Sie mit Hilfe der File-Selectbox die entsprechenden Programme. Das Pop-Up-Menü ist selbstverständlich auch aus allen GEM-Programmen, die über eine Menüleiste verfügen, erreichbar. Auf diese Weise starten Sie weitere Prozesse direkt aus laufenden Applikationen heraus. Über den Eintrag »Magxdesk« gelangen Sie jederzeit auf den MagX-Desktop zurück. Alle bislang aktivierten Applikationen finden Sie mit deren Namen als Eintrag in diesem Menü. Mit einem Klick auf einen dieser Einträge wechseln Sie augenblicklich in das betreffende Programm. Schade nur, daß die ACC-Einträge nicht auch hierzu finden sind. Natürlich dürfen Sie auch durch einen Mausklick in das jeweilige Ausgabefenster die Programmumgebung wechseln. Im Regelfall stehen dann auch die zugehörge Menüleiste und Programm-Icons bereit. Allerdings ist der Weg übers Pop-Up einfacher und sicherer. Mit Hilfe des Befehls »Aufräumen« reorganisieren Sie den Bildaufbau, so daß Sie Pixelreste aus unsauberen Programmen schnell beseitigen. Leider gestaltet sich Multitasking nicht immer so einfach, wie es hier scheint. Viele Programme drücken sich ums GEM, verzichten auf AES-Aufrufe und laufen somit nicht im parallelen Betrieb. Für diese Spezies ist ein Single-Betrieb vorgesehen. Beim Start eines solchen Programmes stoppt unser Zauberlehrling alle bereits laufenden Applikationen, schließt artig alle Fenster und friert deren Status bis zum erneuten Einsatz ein. Für die Laufzeit derartiger GEM-Ignoranten verlassen Sie MagXDesk und kehren erst nach Programmschluß zurück. Benutzen Sie unter Mag!X häufiger solche Programme, sollten Sie unter »Optionen/Anwendungen anmelden« deren Single-Status dauerhaft festlegen. Bei gelegentlichem Einsatz oder wenn Sie sich nicht sicher sind, erfüllt das Drücken der Alternate-Taste den gleichen Zweck. Den unmäßigen Speicherhunger einiger Programme, die sofort sämtlichen verfügbaren Speicher an sich raffen und damit keinen Raum für weitere Anwendungen lassen, bekämpfen Sie wirkungsvoll mit dem Zusatzprogramm »Limitmem.TTP«. Neben dem Pfad geben Sie als zusätzliches Argument die KByte-Zahl an, die Sie dem Programm künftig zugestehen möchten. Diese künstliche Speicherbegrenzung ist mit einem erneutem Aufruf von »Limitmem.TTP« ohne Speicherangabe rückgängig zu machen. Ein Blick in die unterste Zeile des Pop-Up-Menüs gibt übrigens Auskunft über den momentanen freien RAM-Speicher.

Bild 2. Zaubern nur für Fortgeschrittene

Den Mag!X-eigenen Zauberstab halten Sie mit dem »Programm-Manager« in den Händen. Durch die Tastenkombination Alt Ctrl Esc rufen Sie zu jedem beliebigen Zeitpunkt einen Hilfsbildschirm auf den Plan. Neben dem Abfragen von detaillierten Informationen wie Name und Anzahl der geladenen Prozesse, deren Speicheraufteilung, Programmstatus und Event-Handle, greifen Sie auch aktiv in das Geschehen ein. So frieren Sie momentan nicht benötigte Programme ein, klemmende Applikationen versuchen Sie durch Ändern des Event-Status zu lösen, oder Sie werfen Programme kurzerhand ganz aus dem Rennen. Letztes aber bitte nur mit äußerster Vorsicht, da die Applikationen u.U. nicht korrekt terminiert sind und Daten so ins Computernirwana verschwinden. Aufgrund seiner kniffligeren Bedienung und etwas spartanischen Aufmachung sollten nur die Geübteren unter Ihnen diesen Teil von Mag!X benutzen. Insgesamt verdaut Mag!X selbst kritische Programme ohne großes Murren. Lobenswert die spezielle Fehlerbehandlung, die selbst nach Abstürzen häufig noch ein Arbeiten mit anderen Applikationen erlaubt. Fehlermeldungen erscheinen übrigens im Klartext.

Neben den eigentlichen Multitasking-Eigenschaften stellt Mag!X noch eine Fülle von zusätzlichen Verbesserungen bereit, die für sich schon ein komplettes Programm bilden. Kein Wunder, denn der neben den Gebrüdern Behne als Co-Autor fungierende Andreas Kromke greift mit vollen Händen in die Trickkiste seines Chaos-Projekts. So gibt es unter Mag!X fliegende Dialog- und Alertboxen serienmäßig, die auch in Programmen mit GEM-Dialogen erscheinen. Überhaupt sind alle Dialogroutinen mit erweiterter Editierfunktion, wie wortweises Springen und volle Tastaturbedienung inklusive Help- und Undo-Unterstützung, versehen. Selbst die gute alte File-Selectbox ist trotz des unveränderten Aussehens völlig neu programmiert. Kleiner Schönheitsfehler: die Laufwerkwahl per Shortcut reicht nur bis Laufwerk F, danach bitte wieder mit Maus. Dafür aber fliegt die Box ebenfalls, ausreichenden Speicherplatz vorausgesetzt. Überhaupt scheint die Tastatursteuerung, insbesondere bei den Fenstern, noch einer der kleinen Schwachpunkte im Programm zu sein, in manchen Fällen kommt der Tastaturprozessor den entsprechenden Befehlen nicht nach, so daß häufigeres Betätigen der Taste oder der Umweg über andere Kombinationen als Ausweg dienen muß.

Bild 4. Fliegende Wechselreden und neue Information

Umfangreiche Konfigurationsmöglichkeiten runden das Bild des Magiers ab. Leider etwas verstreut, mal als Zusatzprogramm, mal als Menüpunkt im MagXdesk, haben Sie die Wahl zwischen Pull-Down-oder Drop-Down-Menüs, Kompatibilitäts-Einstellungen, Modus-Wahl und vielem mehr. Daneben tragen Sie Ihren hauseigenen Editor als Ausgabeprogramm für beliebige Daten ein oder legen den Start von Applikationen auf die Funktionstasten 1 bis 10. Neben der etwas knappen Zahl finden derartig gestartete Programme nicht immer ihre RSC-Dateien, sobald diese nicht im Wurzelverzeichnis des betreffenden Laufwerks stehen. Neben seiner Vielfältigkeit ist der Zauberer Mag!X auch noch wieselflink. Gerade in Verbindung mit »NVD1« erfahren der Bildaufbau und andere (GEM)Funktionen einen ordentlichen Geschwindigkeitsrausch. Nur das Handbuch, trotz seiner tollen Aufmachung, ist nicht gar so zügig zu handhaben. Mangelnde Übersicht, fehlendes Register sowie Anfänger- und Profiinformationen im trauten Durcheinander erschweren den Einstieg in dieses recht komplexe Programm. (wk)

Bela Computer GmbH, Schwalbacher Str. 20,6263 Eschborn

WERTUNG

Name: Mag!X
Preis: 149 Mark
Hersteller: Bela

Stärken: Hohe Geschwindigkeit □ sehr betriebssicher □ viele Funktionen

Schwächen: Handbuch □ teilweise umständliche □ Bedienung

Fazit: Komplexes Multitasking-Programm mit kleinen Schönheitsfehlern


Andreas Wischerhoff
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