Alles, was ein Musiker braucht? Hybrid Arts Universaleditor »GenEdit« jetzt in der Version 2.0

Bereits in der Premieren-Ausgabe der TOS (5/90) stellten wir Ihnen den Universaleditor GenEdit aus dem Hause Hybrid Arts vor. Unser Urteil über die »1.0« lautete damals: Ab zwei, drei Geräten ist dieser Editor bereits kostengünstiger als einzelne Programme. Welche Verbesserungen hat nun die inzwischen auf 399 Mark preisgesenkte »Zwonull« aufzuweisen?

Besonderes Lob vermochten vor zwei Jahren die gute Benutzerführung sowie die hohe Betriebssicherheit einzuheimsen. Weniger gut gefiel uns damals die etwas unterentwickelte Library. Doch sind zwei Jahre gerade im Bereich der Entwicklung von Benutzeroberflächen eine lange Zeit: Was vielleicht Anno 1990 noch andächtiges Staunen hervorrief, sorgt heute oft bestenfalls für mildes Lächeln. Auch der Mitbewerber C-Lab war in der Zwischenzeit nicht faul und legte mit »Polyframe« ein höchst beachtliches Konkurrenzprodukt vor. Es gelten also bei diesem Test ungleich schärfere Grundvorraussetzungen als noch vor zwei Jahren. Für all diejenigen, die zu faul sind, ihre Ausgabe 5/90 aus dem Schrank hervorzukramen oder aber erst seit der Ausgabe 6 treue TOS-Leser sind, hier noch einmal eine kurze Übersicht über Gen-Edits grundsätzliche Funktionsweise. Um mit MIDI-Geräten beliebiger Manufaktur zu kommunizieren, benötigt GenEdit zunächst einmal eine sogenannte »Configuration«, die festlegt, welchen MIDI-Dialekt das jeweilige Instrument oder Effektgerät spricht. Diese Configuration erstellen Sie mit einer integrierten, Basic-ähnlichen Programmiersprache. Flaben Sie diese Flürde (gute Sys-Ex-Kennt-nisse schaden bei dieser Aufgabe nichts... ) gemeistert, dürfen Sie sich an das Zusammenbasteln des eigentlichen Editors wagen.

Baukasten für Editor-Bastler

Zu diesem Zweck stellt Ihnen GenEdit eine Art Baukasten zur Verfügung, aus dem Sie alle für einen Editor notwendigen Elemente wie z.B. Fader, Drehregler oder Hüllkurvenfenster auswählen und auf bis zu acht Bildschirmseiten verteilen. Ein solches Konstrukt hört auf den schönen Namen »Template«. Zum Lieferumfang von GenEdit gehören eine ganze Reihe von Demo-Templates und Configurations, die das Einarbeiten in die Materie erheblich erleichtern. Hybrid Arts bietet außerdem eine Vielzahl von Configuration- und Template-Disks zum Preis von je 20 bis 40 Mark an. Doch nun zu den Neuheiten der Version 2.0. Die von uns gerügten Library-Funktionen wurden geringfügig aufgewertet. Immerhin lassen sich Ihre »Patches« - so nennt sich in GenEdit-Diktion ein Einzelsound - jetzt alphabetisch sortieren oder nach Duplikaten durchsuchen. Die Duplikat-Suche erstreckt sich entweder nur auf die Soundnamen (GenEdit sucht in diesem Fall z.B. alle Patches mit dem Namen »E-Piano«) oder aber auch auf alle Patch-Parameter, so daß sich auch »Klangzwillinge« aufspüren lassen.

Schmerzlich vermißt haben wir auch in dieser Version eine Attributfunktion, mit deren Hilfe sich Sounds in übersichtliche Untergruppen einteilen lassen. Besonders bei der Verwendung von sogenannten »Multi Blocks«, das sind Dateien, die Patches mehrerer Instrumente enthalten, wäre es äußerst hilfreich, einzelne Sounds mit einem Kurzkommentar versehen zu können. Künftige GenEdit-Besitzer haben leider auch das Nachsehen, wenn es um komfortable Library-Suchfunktionen geht. Unser Proband gestattet nämlich noch nicht einmal das bloße Auffinden von Patchnamen. Spätestens an dieser Stelle wendet man den Blick sehnsüchtig in Richtung des eingangs erwähnten hanseatischen Vergleichsprodukts, das auf diesem Gebiet doch deutlich mehr zu bieten hat.

Erfreut nimmt der Tester jedoch die neue Studio-Setup Funktion zur Kenntnis. Für bis zu sechzig »Devices« legen Sie hier so wichtige MIDI-Parameter wie Übertragungsgeschwindigkeit (wichtig bei einigen älteren Synthesizern, die sich bei »Vollast« gehörig verschlucken), MIDI-Kanal, und MIDI-Filter fest. Weiterhin gestattet es das Studio-Setup, einen Befehlsstring an eine MIDI-Patchbay zu senden, so daß sich Ihr MIDI-Setup immer korrekt konfiguriert, sobald Sie mit einem der »Devices« per MIDI kommunizieren möchten. Glückliche Besitzer der »MIDIPLEXER«-Erweiterung (je zwei zusätzliche MIDI Ins und Outs) von Hybrid Arts wählen per Studio-Setup natürlich auch noch den passenden MIDI-Port.

Trotz deutlich sichtbarem Zahn der Zeit noch effektiv: die Editor-Seite eines Templates

Die Auto-Learn erleichtert das Erstellen eigener Templates. Mußte man in der Version 1.0 noch für jedes Bedienelement die entsprechende Sys-Ex-Befehlsfoige mühsam per Hand eintippen, übernimmt GenEdit nun die entsprechenden Controller-Daten automatisch, sobald sie am entsprechenden MIDI-Gerät ausgelöst wurden.

Da die Produkte der amerikanischen Firma Hybrid Arts auf dem Kontinent eher spärlich Verbreitunggefunden haben (einzige Ausnahme: das erfolgreiche HD-Recording-System ADAP II, bzw. Digital Master), wird es GenEdit-Aspiranten besonders freuen, daß die amerikanischen Programmierer auch für eine Anpassung an die hierzulande weit verbreiteten Ml-Dltasking-Systeme SoftLink und M-ROS gesorgt haben. Zwar entfällt für Benutzer einer MIDEX-oder UNITOR-Erweiterung die komfortable Umschaltmöglichkeit der MIDI-Ports per Studio-Setup, doch läßt sich auf diese Weise GenEdit wenigstens komplett auf einen der zur Verfügung stehenden Ports routen und im Multitasking-Betrieb mit dem eigenen Leib- und Magensequenzer betreiben.

Die Konkurrenz schläft nicht

Am Ende dieses Tests hinterläßt GenEdit einen etwas zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite handelt es sich nach wie vor um einen relativ einfach zu bedienenden Universaleditor mit hoher Betriebssicherheit. Zum anderen aber brachte die Version 2.0 nicht die Neuerungen, die man nach zweijähriger Entwicklungszeit erwarten durfte. Defizite hat GenEdit eindeutig bei der Soundverwaltung aufzuweisen, und auch die grafische Gestaltung der Template-Elemente kann 1992 den Zahn der Zeit nicht völlig verleugnen. Ärgerlich ist zudem, daß sich einige Objekte - z.B. der Drehknopf -sogar unter Zuhilfenahme von Software-Beschleunigern wie NVDI durch eine kaum noch zu akzeptierende Arbeitslangsamkeit auszeichnen. Etwas mehr Sorgfalt auf diesem Gebiet hätte der Neuauflage gewiß nichts geschadet. Mochte 1990 ein Editor mit acht Bildschirmseiten noch als reiner Luxus anmuten, gerät man 1992 sicherlich häufig in arge Bedrängnis, versucht man der Parameterflut moderner Synthesizer übersichtlich auf acht Pages Herr zu werden. Bedauerlicherweise gestattet es GenEdit auch nicht, mehrere Templates auf einmal im Speicher zu halten. Arbeitet man mit einem größeren Setup, ist man gezwungen, die benötigten Templates immer erst von Diskette oder Festplatte nachzuladen. Dies erstaunt um so mehr, da GenEdit durchaus mehrere Configurations für die Soundverwaltung im RAM unterstützt.

Unsere Kritik soll nun nicht den Eindruck erwecken, GenEdit sei ein schlechtes oder untaugliches Programm, im Gegenteil. Seine Aufgaben erfüllt es im Prinzip souverän und zuverlässig. Nur im Hinblick auf den angestrebten Verkaufspreis vermag unser Proband nicht so recht zu überzeugen. Bei einem Preis um 200 Mark erhielte GenEdit den ungeteilten Segen des Testers. Für 400 Mark aber muß es sich der direkten Konkurrenz des um 100 Mark günstigeren C-LAB Monoframe stellen. (wk)

Hybrid Arts, Eschborner Landstr. 99-101, 6000 Frankfurt a.M. 90

WERTUNG

Name: GenEdit 2.0
Preis: 399 Mark, weitere Template-Disks 20 bis 40 Mark
Hersteller: Hybrid Arts

Stärken: einfaches Handling □ hohe Betriebssicherheit □ Studio-Setups

Schwächen: etwas angestaubtes Konzept □ leicht schwachbrüstige Soundverwaltung □ nur jeweils ein Template im Speicher □ Preis

Fazit: Für die gebotene Leistung deutlich zu teuer.


Kai Schwirzke
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