Zwei Richtige: Literatur zu Mega STE und TT

Endgültige oder totale Hardware-Handbücher gibt es für die Atari-Rechner in ausreichender Menge. Die meisten müssen aber passen, wenn es um die Technik der Mega STE- oder TT-Modelle geht. Wir fanden zwei Bücher, die Ihnen bei Fragen zu diesen Computern wirklich weiterhelfen.

Das bekannteste Buch rund um die alten und neuen Ataris stammt von dem Autorentrio Jankowski, Rabich und Reschke. Das auf mittlerweile 1502 Seiten angewachsene Werk erklärt die Soft- und Hardware aller ST- und TT-Computer. Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich mit dem der Programmierung unter Zuhilfenahme der Funktionen des Betriebssystems. Die verschiedenen BIOS-, XBIOS-, GEMDOS-, VDI- und AES-Funktionen erläutern die Autoren durch Beispiele in C und Assembler. Eine ausführliche Erklärung der jeweiligen Parameter trägt zusätzlich zum Verständnis bei. Wir vermissen eine spezielle Aufstellung der mit den Mega STE und TT neu eingeführten Funktionen. In der jetzigen Form dient der Betriebssystem-Teil sehr gut als Nachschlage-Referenz. Als Lehrbuch ist zumindest dieser Teil des Profibuchs weniger geeignet. Die Autoren machen dieses Manko jedoch mit der Erklärung der Cookie-Jar-Methode und insbesondere den aufgestellten Programmierrichtlinien wieder wett.

Es stimmt uns immer wieder traurig, wenn wir Programme zum Test oder zur Veröffentlichung erhalten, die sich nicht im geringsten an die gängigen Programmierrichtlinien halten. Auch im Public Domain- oder Shareware-Bereich findet man noch viele solche Programme. Diese stammen aber keineswegs alle aus Zeiten der TOS-Version 1.0, sondern sind oft nur wenige Monate alt.

Die Programmierer solcher Werke dürfen nicht überrascht sein, wenn spätestens beim Erscheinen des MultiTOS solche Programme nicht mehr ordnungsgemäß arbeiten. Für solche Fälle empfehlen wir, den Teil »Richtlinien zur Benutzerführung und Programmierung« einmal durchzulesen.

Innerhalb unseres Hardware-Specials gilt natürlich unsere besondere Aufmerksamkeit dem Hardware-Teil des Profibuchs. Die Autoren unterteilten ihn in drei Sektionen. Die erste schildert die Technik der »alten« 520, 1040 und Mega ST. Teil zwei ist der Technik des Atari TT gewidmet. Verschiedene Sektionen beschäftigen sich unter anderem mit dem 68030-Prozessor, mit dem Coprozessor 68882 und den verschiedenen neuen Schnittstellen. Auch den VME-Busanschluß würdigen die Autoren, zeigen aber für unseren Geschmack zuwenig die Möglichkeiten dieses Interface auf.

Der in anderen Büchern sehr sparsam ausfallende Anhang ist im Profibuch so ausführlich, daß man ihn durchaus als Sektion drei bezeichnen kann. Aber auch hier gibt es Stellen, mit denen wir nicht hundertprozentig zufrieden sind. Anscheinend trauten die Autoren dem Mega STE keinen großen Erfolg zu. Anders ist es nicht zu erklären, daß sie ihn hier nur ansatzweise besprechen.

Sollten Sie einen solchen Computer besitzen, müssen Sie sich die Informationen zu diesem Gerät leider aus den übrigen Kapiteln zusammensuchen. Unseres Erachtens sollten die Autoren das Profibuch hauptsächlich auf Mega STE und TT, also die modernsten Ataris ausrichten. In einem besonderen Teil am Ende jedes Kapitels könnte man dann die Unterschiede zu den alten STs schildern.

Trotz dieser kleinen Schwächen gilt das Profibuch als die Referenz zu den 680x0-Computern von Atari. Teilweise ist dafür aber auch die schwache Konkurrenz verantwortlich.

Mit Massenspeichern jeder Art beschäftigt sich das Werk »Scheibenkleister II«. Die beiden Autoren Claus Brod und Anton Stepper beschreiben die Technik von Festplatten, Disketten-, CD-ROM-Laufwerken und ansatzweise auch Flopticals.

Besonderer Augenmerk gilt in Scheibenkleister dem SCSI-Bus. Nachdem der Falcon 030 und sogar der neue Laserdrucker SLM 606 mit einer solchen Schnittstelle ausgestattet sind, ist sie wohl das wichtigste Interface der neuen Ataris.

Scheibenkleister-Fans müssen nun schon seit zwei Jahren auf eine echte Überarbeitung des Buches warten. Mittlerweile wird es höchste Zeit, daß die Autoren die neuen Rechner einbinden. So findet man durchaus Fehler, die man mit Hilfe moderner Quellen vermeiden könnte. So ist nur noch bei sehr alten Laufwerken Pin 2 des Shugart-Busses mit »Head Load« belegt. Sogar bei Diskettenlaufwerken, die schon einige Jahre alt sind, findet man die »HighDensity«-Umschaltung auf diesem Anschluß. An dieser Stelle wünschen wir uns eine stärkere Berücksichtigung neuerer Technik.

Trotzdem ist Scheibenkleister eine gute Ergänzung zum Profibuch. Während jenes nur die aktuelle Peripherie des STs oder TTs schildert, geben Brod und Stepperauch weiterführende Informationen. Der exzellente Schreibstil des Scheibenkleisters verdient besondere Erwähnung. Stellen, an denen Gefahr droht, daß die Aufmerksamkeit des Lesers einmal abschweift, würzten die Autoren daher mit Zitaten aus dem Kultbuch »Per Anhalter durch die Galaxis«. (uh)

Jankowski/Rabich/Reschke, »Atari Profibuch ST/STE/TT«, Sybex-Verlag, Düsseldorf, 1991, ISBN 3-88745-888-5, 1504 Seiten, 79 Mark

Brod/Stepper, »Scheibenkleister II - Massenspeicher am ST«, Maxon Computer GmbH. Eschborn, 1990, ISBN 3-927065-00-5, 877 Seiten, 89 Mark
Gerhard Bauer


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