Chip Ahoi! TOS 2.06-Erweiterungskarten

Die TOS Extension Card (oben) ist wesentlich schwieriger einzubauen als die TOS Card 2.06 (unten)

Der Mega STE bietet gegenüber einem normalen ST viele Vorzüge. Er besitzt unter anderem eine interne Festplatte, eine CPU mit 16 MHz Taktfrequenz und ein neues Betriebssystem. Viele Anwender haben in der Vergangenheit ihren ST so aufgerüstet, daß sich die Computer nur noch durch die TOS-Version unterscheiden.

Die »TOS Extension-Card« des Herstellers Artifex erhielt nun Konkurrenz durch die »TOS-Card 2.06« der Firma Hard & Soft Herberg. Beide Karten arbeiten in jedem Atari vom Typ 520, 1040 oder Mega ST. Die neueren 1040 STE-Rechner sind nicht auf die Karten angewiesen. In diese Computer stecken Sie die neuen ROM-Bausteine direkt ein. Im Einbau unterscheiden sich die beiden Lösungen erheblich. Die Lösung der Firma Artifex beschreitet den konventionellen Weg. Zum Einbau entfernen Sie die ursprünglichen ROM-Bausteine und befestigen dann auf einem ROM-Sockel ein Flachbandkabel, das auf einen DIL-Stecker geführt wird. Der weitere Einbau gestaltet sich je nach Computertyp oder -ausbau mehr oder weniger schwierig. Besitzer eines jungfräulichen, also noch nicht mit diversen Erweiterungen ausgestatteten Tastaturcomputers müssen 22 Leitungen an die CPU löten. Dies ist eine so diffizile Arbeit, daß wir Ihnen nahelegen, einen Einbauservice in Anspruch zu nehmen. Vertauschen Sie nämlich eine Leitung, kann sich der Computer beim Einschalten mit einem Rauchwölkchen verabschieden.

Einfacher ist der Einbau, wenn Sie einen Mega ST mit noch freiem Steckplatz besitzen. Dann sollten Sie nämlich zu der 198 Mark teuren Karte den 25 Mark kostenden »TECbridge Bus« bestellen. Die 22 in einem Flachbandkabel von der TOS-Karte wegführenden Leitungen klemmen Sie dann in eine Adapterplatine. Diese stecken Sie in den Systembus des Mega ST. Besitzer eines ST mit gesockelter CPU oder auf den Prozessor gelöteten Sockel haben es besonders leicht. Sie verwenden einen speziellen Adapter namens »TECbridge CPU«, der ebenfalls 25 Mark Aufpreis kostet. Er findet seinen Platz auf oder unter der CPU. Befindet sich oben auf dem Verbund aus 68000er und Zusatzkarten ein leerer Sockel, steckt man die Teebridge in diesen. Befindet sich oben kein Sockel, plazieren Sie die Karte einfach irgendwo im Stapel.

Die eigentliche ROM-Karte findet ihren Platz an einer freien Stelle im Computer. Dort befestigt man sie mit einem doppelseitigen Klebekissen, wodurch man natürlich nie in Platzprobleme gerät.

Besonders Besitzer eines ST mit TOS-Version 1.00 werden anfangs böse überrascht sein. Viele ältere Spiele arbeiten nämlich nicht mit dem neuen Betriebssystem. Es empfiehlt sich dann, die Erweiterung so einzubauen, daß man je nach Bedarf zwischen den ROMs umschalten kann. Leider ist dazu ein erheblicher Mehraufwand erforderlich.

Das für unseren Geschmack zu unübersichtliche Handbuch ist nur für sehr erfahrene Anwender gut verständlich. Anfänger stoßen schnell auf Unklarheiten. Speziell wenn Sie auch das alte ROM weiternutzen möchten, sollten Sieden Einbau dem Händler überlassen. Gut finden wir, daß das 48seitige Anleitungsheft den Anwender in die Arbeit mit dem neuen Betriebssystem einführt.

Auf einer Diskette finden Sie das neue modulare Kontrollfeld Maccel und das Programm »Noroach«. Es verkürzt die unnötig lange Zeit, die der Computer beim Kaltstart auf die Festplatte wartet. Leider muß sich dazu eine Diskette mit dem Programm im Laufwerk befinden.

Im praktischen Einsatz fällt der umgebaute Computer durch ein etwas höheres Bildflimmern auf. Das liegt wohl an Einstrahlungen auf die frei durch den Rechner geführten Daten- und Adreßleitungen. Leider gibt es praktisch keine Möglichkeiten, diese Störungen durch Abschirmungen zu vermindern.

Die TOS Card aus dem Hause Herberg muß man in jedem Fall auf die CPU stecken. Genau wie bei der TECbridge CPU findet Sie ihren Platz irgendwo im Verbund aus CPU und Emulator- oder Beschleunigungskarten. Befindet sich ganz oben kein freier Sockel, steckt man sie zwischen CPU und eine Zusatzkarte.

Die Herberg-Lösung verdrängt keinesfalls das ursprüngliche Betriebssystem, so daß auch zum neuen Betriebssystem unkompatible Programme keine Probleme bereiten. Die alten ROM-Bausteine verbleiben nämlich in ihren Sockeln. Sie müssen nur die Select-Leitungen (Pin 20) zweier ROM-Chips hochbiegen und über mit Steckfassungen vorbereitete Kabel mit der TOS-Card verbinden. Eine dritte Leitung stecken Sie in den nun freien Sockelkontakt. Mit einem kleinen Schalter wechseln Sie nun das Betriebssystem.

Dazu müssen Sie aber den Reset-Taster drücken oder den Rechner ganz ausschalten.

An Lötarbeiten ist nur das Anbringen eines Sockels auf dem Prozessor nötig. Da hier keine Gefahr besteht, Leitungen zu vertauschen, ziehen wir diese Lösung dem Anlöten etlicher Kabel vor.

Besitzen Sie einen Mega ST mit freiem Systembus können Sie anstatt zu löten auch die SpeedBridge verwenden. Sie stecken dann die Platine einfach auf diesen Adapter. Wie uns der Herstellers mitteilte, finden in der laufenden Serie noch flachere Steckleisten Verwendung, so daß es in keinem Rechner Platzprobleme geben dürfte. Befinden sich auf der CPU schon mehrere Erweiterungen, so daß der Platz wirklich knapp wird, benutzen Sie ein spezielles Adapterkabel, das den »CPU-Steckplatz« verlegt. Entgegen früheren Berichten gibt es die TOS Card ab sofort nicht mehr ohne Betriebssystem. Dafür sinkt der Preis auf 179 Mark inklusive ROMs. Auf der beigelegten Diskette finden Sie ebenfalls das modulare Kontrollfeld »XControl«, ein Autoordner-Programm, mit dem man die HD-Formatierroutine des neuen TOS aktiviert, sowie eine knapp 100 KByte lange Bedienungsanleitung zu dem neuen Betriebssystem. Diese können Sie mit der ebenfalls mitgelieferten Demoversion einer neuen Textverarbeitung ansehen oder ausdrucken. Für die TOS-Card 2.06 der Firma Herberg spricht vor allem der sehr einfache und auch Anfängern zumutbare Einbau. Nur für Anwender, die solche Umbauten auf jeden Fall vom Händler vornehmen lassen wollen ist es egal, für welche der beiden Lösungen man sich entscheiden. (uh)

Artifex Computer GmbH, Holbeinstraße 60, 6000 Frankfurt 70

Hard & Soft Herberg, Obere Münster Straße 33-35, 4620 Castrop-Rauxel, oder gute Fachhändler

WERTUNG

Name: TOS Extension Card
Hersteller: Artifex Computer GmbH
Preis: 198 Mark

Stärken: geringer Platzbedarf auf der CPU

Schwächen: umständlicher Einbau bei normalen STs und/oder Weiterverwendung der alten ROMs

Fazit: Nur Anwendern, die den schwierigen Einbau nicht scheuen, zu empfehlen.

Name: TOS Card 2.06
Hersteller: Hard & Soft Herberg
Preis: 179 Mark

Stärken: Sehr einfacher Einbau □ problemlose Weiterverwendung der alten ROMs

Schwächen: Etwas höherer Platzbedarf

Fazit: Die TOS Card ist für alle Besitzer eines älteren Ataris eine lohnende Anschaffung.
Gerhard Bauer


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