Post Scriptum: CompoScript, Postscript-Interpreter von Compo

PostScript ist mittlerweile auch auf dem ST ein anerkanntes und verbreitetes Ausgabeformat. Nicht nur Software für DTP, sondern auch für Textverarbeitung und Präsentationsgrafik unterstützt dieses Format. Der Vbrteil: sehr saubere Ausgabe. Der Nachteil: Man braucht einen Postscript-Drucker.

Wer das Geld für einen Postscript-Drucker oder die entsprechende Hardware-mäßige Aufrüstung sparen möchte, der ist auf einen Software-Interpreter angewiesen, der fertige Postscript-Dateien verarbeitet und die fertige Grafik an den Nadeloder Laserdrucker schickt. Atari selber hat bisher fast als einziger Anbieter das Programm »Ultrascript« vertrieben, das genau diese Aufgabe übernimmt. Allerdings war die Ausführung von Ultrascript nicht besonders üppig und auch die Schriftenauswahl fiel spärlich aus.

Nachdem PostScript nun immer stärker als Ausgabeform von den Software-Herstellern akzeptiert wird, ist es an der Zeit, daß sich einmal ein Nachfolger für das alte Ultrascript auf dem Markt zeigt. Denn trotz fallender Preise für Postscript-Drucker ist die Software-Lösung für viele Anwender wesentlich attraktiver. Wer relativ selten auf die qualitativ hochwertige PostScript-Ausgabe zurückgreifen will, für den rentiert sich eine Zusatzsoftware zur Ausgabe wesentlich eher als ein entsprechender Drucker oder die Aufrüstung des eigenen Druckers.

Bild 1. Composcript in voller Druckarbeit

Die Firma Compo beweist ja seit längerem in unterschiedlichen Bereichen ein sehr gutes Gespür für solche Trends. So auch in diesem Fall, denn mit »Composcript« erscheint nun ein PostScript-Interpreter, der zwar noch nicht die Erfüllung aller Testerträume bietet, aber schon einen großen Schritt in die richtige Richtung unternimmt. Composcript berechnet aus einer PS-Datei eine Grafik und stellt diese wahlweise auf dem Bildschirm dar oder schickt sie an einen Nadel- oder Laserdrucker. Entsprechend bekommen Sie beim Druck die bestmögliche Auflösung Ihres Ausgabegerätes und eine hervorragende Ausgabequalität. Normalerweise arbeitet Composcript bis zu 600 dpi; eine spezielle Belichterversion für die Hell Imagesetter Belichter von 3K-Computerbild löst bis zu 2400 dpi auf. Für die Darstellung auf dem Bildschirm läßt sich die Auflösung frei bestimmen.

Eine besondere Bedeutung kommt natürlich den verfügbaren Fonts zu. Hier erreicht Composcript einen hohen Qualitätsstandard, denn zum Lieferumfang gehören 35 Typei PostScript Fonts von Bit-stream, die praktisch den original Adobe Fonts entsprechen. Diese Fonts enthalten auch alle Angaben zur besseren Darstellung von kleinen Fontgrößen, die sogenannten »Hints« sowie erweiterte Kerning-Informationen.

Installation und Handhabung von Composcript sind einfach. Nachdem man alle nötigen Dateien gemäß Handbuch auf die Festplatte kopiert und die selbstextrahierenden Fontarchive gestartet hat, ist das Programm bereits einsatzbereit. An dieser Stelle ist gleich ein wenig Handbuchschelte fällig. Grundsätzlich ist die Anleitung leicht verständlich und richtig. Mancher Seite hätte jedoch ein Lektor gut getan; er hätte beispielsweise auch den Fehler beim »Programmtest« entdeckt. Geht man dort wie beschrieben vor, findet das Programm nämlich seine Fonts nur dann, wenn sich alle Dateien auf der Oberfläche der Partition befinden. Wer seine Festplatte mit Ordnern aufräumt, der muß zunächst das mitgelieferte Programm »FONTCFG.PRG« benutzen.

Bild 2. Per Menü bestimmen Sie die benötigten Fonts

Zur Arbeit mit Composcript laden Sie alle gewünschten Dateien in eine Druckliste. Sind hier mehrere Dateien vorhanden, wählen Sie per Klick eine Datei als Startdatei aus, oder das Programm verarbeitet die gesamte Liste von Anfang an. Die Befehle »Neu«, »Aufnehmen« und »Löschen« bedürfen in diesem Zusammenhang wohl keiner weiteren Erklärung. Interessanter ist da schon das Ausgabemenü. Die Grafik geben Sie wahlweise auf den Bildschirm, auf den Drucker oder in eine Datei aus. Der Druck in die Datei erfolgt im IMG- oder im TIFF-Format. Dadurch ist eine weitere Verarbeitung der hochwertigen Grafiken, beispielsweise zum Faxen per Modem, oder die Übernahme aus Bildbibliotheken im Postscript-Format gewährleistet.

Neben diesen beiden grundlegenden Funktionsgruppen gibt es eine Reihe von Einstellungen zur Blattgröße, zur Auflösung bei der Bildschirmdarstellung oder für den Druck in die Datei sowie zum verwendeten Drucker. Läuft der Druck, erscheinen im Protokollfenster einige Meldungen zum Arbeitsablauf. Neben diversen Copyright-Meldungen sind das vor allem Angaben zu den verwendeten Fonts sowie Fehlermeldungen. Anhand dieses Protokolls läßt sich später der Verlauf des Drucks gut nachvollziehen, ohne daß man die ganze Zeit vor dem Bildschirm verbringen muß.

Bild 3. Alle Menüs sind frei verschiebbar

Sehr sinnvoll sind die ausführlichen Hinweise des Handbuchs zum Thema »ParameterÜbergabe« beim Anmelden der Applikation im Desktop. Außerdem gibt es eine Reihe von Kommandos, mit denen sich Composcript direkt beim Aufruf per Kommandozeile steuern läßt. Auch die Kontrolle per Dateiliste ist vorgesehen.

Kommen wir zur unvermeidlichen Schlußbetrachtung. Der allgemeine Nutzen des Programms liegt eigentlich auf der Hand. Jeder, der die sehr gute Postscript-Ausgabe ohne entsprechenden Drucker nutzen will, ist mit Composcript gut bedient. (wk)

Compo Software, Ritzstr. 13, 5540 Prüm

WERTUNG

Name: Composcript
Preis: 598 Mark
Hersteller: Compo

Stärken: 600 dpi □ unterstützt viele Drucker □ Ausgabe auch in IMG- und TIFF-Datei □ Kommandosteuerung □ frei wählbare Auflösung für die Bildschirmdarstellung

Schwächen: noch kein integrierter Editor □ hoher Preis

Fazit: Wer PostScript will und keinen passenden Drucker hat, der kommt nicht an Composcript vorbei.
Wolfgang Klemme


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