Präsentation à la Carte: Wie Sie mit »SciGraph« Ihre Zahlen richtig ins Bild setzen, Teil 1

Daß ein Bild mehr als 1000 Werte sagt, ist spätestens bekannt, seitdem der Softwaremarkt auch für Präsentationen leistungsfähige Programme bereitstellt. Auch auf dem ST stellen Sie Zahlenmaterial mit wenig Aufwand anschaulich dar, beispielsweise mit dem Programm »SciGraph«. Wir zeigen Ihnen in unserem dreiteiligen Kurs, worauf Sie dabei achten müssen.

Die Datenerfassung erledigen Sie für SciGraph auf zwei Arten: Zum einen bietet das Programm einen Tabelleneditor, den Sie mit »Datei/Neu/Tabelle« erreichen. Er gliedert sich in Spalten und Zeilen. Hier geben Sie Ihre Werte ein. Wer einmal mit einer Tabellenkalkulation gearbeitet hat, kommt damit schnell zurecht. Wichtig ist dabei, daß SciGraph spaltenorientiert arbeitet. Das bedeutet für Sie, daß Werte, die später zusammengehörig dargestellt werden sollen (also Datenreihen), untereinander angeordnet sein müssen. Haben Sie diese Regel einmal nicht beachtet und Ihre Werte zeilenweise eingegeben, sorgt die Funktion »Bearbeiten/Tauschen« dafür, daß doch noch alles an die richtige Stelle kommt.

Der Spalten- und Zeilenumfang der Tabelle wächst kontinuierlich mit, sobald Sie einmal Zahlen eingeben. Eine besondere Bedeutung für die spätere Grafik haben jeweils die Zeile 0 und die Spalte 0. Hier steht nämlich die Legende, d.h. die Beschriftung, die SciGraph unter den jeweiligen Wert in der Grafik setzt. Geben Sie dort nichts ein, macht das Programm automatisch "Zeile x" und "Spalte y" daraus.

Wichtig ist die Möglichkeit, nachträglich eine Zelle einzufügen, wenn Sie etwa einen Wert vergessen haben. Ein Druck auf Shift F4 schafft hier etwas Platz. Möchten Sie eine ganze Zeile (über sämtliche Spalten hinweg) einfügen, hilft Shift+Insert, bei Spaltenmangel wirkt Control+Insert. Das Entfernen funktioniert analog mit Delete. Wenn Ihnen bei den Daten einmal ein Wert fehlen sollte, setzen Sie einfach »—« in die entsprechende Zelle und SciGraph ignoriert sie. In der dazugehörigen Grafik ist dieser fehlende Wert dann allerdings mit einer Fußnote hervorzuheben, damit das Publikum nicht zu einer Fehlinterpretation kommt.

Die andere Art, SciGraph mit Zahlen zu versorgen, ist der Import aus einer Tabellenkalkulation oder einem Statistikprogramm. Dies ist schon bei Datenreihen mittleren Umfangs der Direkteingabe vorzuziehen, da Sie eventuelle Berechnungen besser dem jeweiligen Spezialprogramm überlassen. SciGraph verträgt die Formate DIF, WKS und CSV. Abgesehen von »Vip« und »Mastercalc« unterstützen alle Tabellenkalkulationen auf dem ST mindestens eines dieser Formate im Export. Aber auch der Austausch mit MS-DOS-Systemen ist so möglich. Sie setzen dazu einfach den Cursor an die Position, ab der der Datenstrom in die Tabelle einfließen soll, und wählen »Datei/Import«. Möchten Sie eine Legende mit importieren, muß der Cursor logischerweise auf Position (0,0) stehen; außerdem müssen sich die Beschriftungen in Spalte 0 und Zeile 0 der geladenen Tabelle befinden.

Wir benutzen für unser erstes Beispiel aber den Editor von SciGraph. Geben Sie bitte die Tabelle aus Bild 1 ein. Für Interessierte: Es handelt sich dabei um die Entwicklung des Bruttosozialprodukts der Bundesrepublik Deutschland 1980-1990, nominal sowie real bewertet zu den Preisen von 1980 (Quelle: Statistisches Bundesamt). Haben Sie alle Werte richtig eingetippt, basteln wir uns auch schon den ersten Graphen. Klicken Sie nacheinander die beiden Spaltenköpfe an. Es erscheinen dort Y1 und Y2 als Kennzeichen, da Sie markiert wurden. Die Spalte mit den größeren Werten (hier nominal) sollte dabei Y2 sein, sonst überdeckt Sie später den zweiten Grafen. Schließlich wählen Sie »Linien/Bänder«.

Was Sie jetzt sehen, ist eine Auswahl von acht verschiedenen Linien- bzw. Bänderdiagrammen. Grundsätzlich eignen sich Liniendiagramme besonders gut für die Darstellung größerer Datenmengen. Auch Trendentwicklungen lassen sich daran gut ersehen. Haben Sie mehrere Datenreihen zu verdeutlichen, legen Sie einfach mehrere Linien (möglichst in verschiedenen Farben oder Mustern) übereinander. Mehr als vier oder fünf sollten es allerdings nicht sein, sonst gleicht das ganze einem Spaghetti teil er. Wir wählen für unser Beispiel den zweiten Diagrammtyp. »Die gemeinste Lüge ist die Statistik«, heißt es zuweilen und diese Weisheit trifft auch hier zu. Wenn Sie sich das Ergebnis anschauen, sehen Sie nämlich, daß die Y-Achse erst bei ca. 1470 beginnt; es fehlt also ein großer Teil. Demzufolge ist die Steigung deutlich überhöht - so toll ging es der deutschen Wirtschaft auch wieder nicht. Den Fehler ändern Sie mit einem Doppelklick auf die Y-Achse. Geben Sie als Startwert 0 und als Endwert 2500 ein, dann ergibt sich schon ein ganz anderes (und realistischeres) Bild. Über die Länge der Achsen vergrößern oder verkleinern Sie das Diagramm.

Jetzt wollen wir noch die Achsenunterteilung ändern, nämlich von Tausenderstellen auf Hunderter. Dazu schalten Sie die Automatik im gleichen Dialog aus und ändern die Unterteilung auf 25. Die Subunterteilung verträgt dann natürlich keine fünf mehr und wird folgerichtig auf zwei reduziert. Den Rest lassen wir unverändert.

Für statistische Meßreihen mit großen Spannbreiten ist die logarithmische Achsenaufteilung interessant. Damit zwängen Sie auch extrem auseinanderliegende Daten noch in ein relativ kleines Diagramm. Allerdings darf dafür der Startwert nicht 0 sein, da log 0 nicht definiert ist.

So weit, so gut. Völlig befriedigend ist unser Diagramm aber noch nicht. Deswegen können Sie mit dem Grafikeditor noch etwas nachhelfen. Dieser funktioniert wie bei einem objektorientierten Zeichenprogramm, d.h. Sie selektieren eine Grafik oder einen Teil davon mit einfachem Mausklick. Dann dürfen Sie es beliebig verschieben oder durch Ziehen an den Rändern in seiner Größe ändern (Vorsicht - es gibt keine Undo-Funktion !). Mehrere Objekte auf einmal manipulieren Sie, indem Sie sie zu einer Gruppe zusammenfassen. Das sollten Sie am besten gleich mit allen Einzelbestandteilen des Diagramms machen. So verhindern Sie, daß Sie beim Editieren die Objekte auseinanderreißen. Auch mit dem Menü »Lage/Sperren« sichern Sie Ihr Werk gegen versehentliches Beschädigen - dann können Sie es aber nicht einmal mehr als Ganzes bewegen, bis Sie es wieder entsperren. Die Legende ist übrigens von Anfang an gesperrt.

Details der Grafik schauen Sie sich mittels der Lupe an. Sie befindet sich in der Werkzeugleiste am linken Fensterrand. Zurück in die normale Ansicht gelangen Sie mit »Seite/Normale Größe«. Über die Werkzeugleiste setzen Sie auch Kreise, Kurven, Linien und ähnliches in die Grafik. Wir wollen unser Diagramm noch beschriften. Auch dies geht über die Werkzeugleiste. Vorher stellt man sich aber unter »Attribute/Text« den richtigen Font ein - hier dürfen Sie alles nehmen, was Sie unter GDOS installiert haben. Achten Sie aber darauf, daß Sie auch für den Ausdruck die entsprechenden Fontdateien besitzen. Scigraph liefert einen kompletten Swiss- und einen Dutch Zeichensatz gleich mit. Für die Überschrift empfiehlt sich natürlich ein etwas größerer Font (ca. 16-20 Punkt).

Jetzt kommt noch ein Rahmen um den Schriftzug. Dazu dient das Viereckssymbol in der Werkzeugkiste. Diesem müssen wir aber noch mit »Attribute/Muster« die Füllung abgewöhnen, ebenso wie einen eventuell voreingestellten Grauverlauf. Dazu dient das unterste Tool der Werkzeugleiste. Die Schriftzüge positionieren wir etwa in der Mitte oberhalb des Diagramms. Zur genauen Plazierung dient die Funktion »Lage/Anordnen«. Vorher müssen Sie mehrere Objekte markieren (Achtung - eine Gruppe zählt hier nur als ein Objekt!), dann richtet SciGraph die Teile aneinander aus. In diesem Fall müssen Sie also die Diagrammgruppe sowie die beiden Schriftzugzeilen plus Rahmen umspannen. Dann wählen Sie Zentrieren.

Das triste Schwarz als Füllmuster gefällt uns nicht, deswegen klicken wir doppelt auf die rechte Legende (Nominal) und wählen dort eines der 99 zur Verfügung stehenden Raster - beispielsweise die Nummer 39. Zur Kontrasterhöhung schalten Sie das andere Muster auf Nr. 89. Dazu basteln Sie eine Achsenbeschriftung mit Text. Diese darf in keinem Diagramm fehlen, wenn nicht völlig klar ist, worum es sich bei den Zahlen handelt (hier die Jahreszahlen auf der x-Achse). Auch die Quellenangabe unten rechts gehört dazu. Letzter Schritt: Doppelklicken Sie auf den Linienzug und entfernen Sie den Rahmen des Diagramms. Das war's dann auch schon. (wk)

Übersicht

Teil 1: Eingabe und Import von Daten □ Punkte- und Liniendiagramme □ Achsenmanipulationen □ Nachbearbeitung mit dem Grafikeditor □ Attributfunktionen

Teil 2: Balken-, Säulen und Tortendiagramme □ Flächendiagramme □ Skalierungen □ 3D-Effekte

Teil 3: Tabellen □ Verwendung von Farben □ Grafikexport □ Diashows

Bild 1. SciGraph liefert ein ansprechendes Diagramm

Marc Kowalsky
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