Computer gekauft, Auto geleast, PD-Software kopiert: Grundausstattung

Nachdem die Anschaffung eines Computersystems samt Drucker oft den gesetzten Finanzrahmen für einige Zeit überstrapaziert, bleibt praktisch kein Geld für Software übrig. Es gibt aber außer dem Raubkopieren der Programme auch einen legalen Weg, an gute Software zu kommen: Public Domain und Shareware! Kombiniert man PD-Programme, ergänzen sie sich oft so gut, daß manche kommerzielle Software das Nachsehen hat.

Die Minitext-Formatierfunktion gliedert den Text erst nachträglich

Die Textverarbeitung mit Public Domain-Status für den Atari ist wohl »Minitext« von Heinrich Möller. Das einfach zu bedienende Programm verzichtet auf den GEM-Standard, ist aber wahlweise per Menüleiste oder Tastaturkürzel zu bedienen. Die sonst obligatorischen Fensterelemente der grafischen Benutzeroberfläche entfallen hier. In Textverarbeitungen erscheint uns das durchaus sinnvoll, da nur so volle 80 Zeichen pro Zeile zur Verfügung stehen.

Das Programm verarbeitet bis zu 6000 Zeilen in einem Dokument. Es kommt also erst bei Dokumenten in Bedrängnis, die etwa 100 Druckseiten umfassen.

Minitext ist mehr als ein einfacher Texteditor. Die eingebaute Word-Wrap-Funktion bricht am eingestellten Zeilenende alle überlangen Zeilen um. Das Programm kennt nur unproportionale Zeichen. Trotzdem ist Blocksatz möglich, der auch einfachen Ansprüchen genügt. Die Software füllt in diesem Modus die Zwischenräume der Wörter mit normalen Space-Zeichen auf. Aufgrund des PD-Status toleriert man, daß Minitext die einzelnen Dokumente nicht ständig anpaßt, sondern erst nach Aktivierung des entsprechenden Menü punkts.

Die Scrollgeschwindigkeit kommt zwar nicht ganz an die der Editoren Tempus oder Edison heran, reicht aber zum flüssigen Arbeiten.

Wie es sich für eine gute Textverarbeitung gehört, stehen viele Textattribute zur Verfügung. Die Möglichkeiten reichen von breiten, schmalen und fetten bis hin zum kursiven Ausdruck der Zeichen. Minitext stellt kein Attribut direkt auf dem Bildschirm dar, sondern fügt in die normale Textdarstellung nur die Steuerzeichen für den Drucker ein. Um vor dem Ausdruck das Dokument noch einmal kontrollieren zu können, gibt es die Funktion »Drucke auf den Bildschirm«. Eventuelle Korrekturen lassen sich aber nur im normalen Editmodus vornehmen.

Das Programm lädt auch Dokumente im 1st Word plus-Format und übernimmt dabei natürlich die Textattribute. Die Software läßt sich an jeden Drucker speziell anpassen. Der gut kommentierte mitgelieferte Druckertreiber ist beliebig veränder- oder erweiterbar. Eine Anleitung gibt's leider nicht. Die erhalten Sie gegen Einsendung von 20 Mark inklusive der neuesten Programmversion vom Autor. Zu einem professionell gestalteten Brief gehört heutzutage auch eine kleine Grafik oder Clipart. Da Minitext keine Grafiken ausdrucken kann, suchten wir nach einem Programm, das hier aushilft.

Doppelter Nutzen durch Kombination

Printing Press druckt ansprechende Briefköpfe

»Printing Press« zählt zu den bekanntesten Druckprogrammen auf dem ST. Das Programm bedruckt Disketten- und Adreßetiketten, Poster und Banner. Uns interessiert jedoch in erster Linie die Funktion »Briefkopf«. Damit gestallten Sie einen Briefkopf mit bis zu zwei Cliparts oder selbstgemalten Bildern und Ihrer Adresse. Um die Anschrift vom Text ein wenig abzusetzen, stehen vier mitgelieferte GEM-Fonts zur Verfügung. Auch hier kann man die gängigen Textattribute benutzen.

Die Software unterstützt Matrixdrucker mit 9 oder 24 Nadeln sowie Laserjet und Deskjet aus dem Hause Hewlett Packard. Printing Press erschien vor kurzem in der abschließenden Version 3.60. Diese Version ist Shareware. Gegen Einsendung von 40 Mark erhalten Sie die den registrierten Benutzern vorbehaltene Version 4.0 inklusive Handbuch und vielen Zusatzprogrammen. Die Weiterentwicklung Printing Press Professional 1.1 hat inzwischen den Wandel zur kommerziellen Software vollzogen.

Unser Rat: kombinieren Sie die beiden Programme. Drucken Sie den Briefkopf mit Printing Press und den eigentlichen Text mit Minitext. Dann gelingen sogar mit einem einfachen 9-Nadler und einem minimalen Software-Budget ansprechende Briefe.

Das einfach bedienbare Programm verzichtet auf GEM

Computer sind oft verschrieen als Kreativitätskiller. Zu unrecht, wie wir meinen. Mit einem guten Malprogramm fördern sie im Gegenteil künstlerische Begabungen. Auf dem Atari dominiert hier das Programm »Little Painter«. Dieses Programm ist auch für Einsteiger sehr einfach zu bedienen.

Little Painter zeigt immer nur einen Teil der Grafikseite

Bei dieser Software finden die GEM-Oberfläche und ein schnell bedienbares Auswahlfeld Verwendung. Darum steht für das eigentliche Bild nur ein Teil des Bildschirms zur Verfügung. In der kleinen Anzeige rechts unten sehen Sie, welchen Bildausschnitt Little Painter anzeigt. Eine schnelle UNDO-Funktion, die leider nur einen Zeichen-Vorgang widerruft, und die vorbildliche Lupenfunktion zur Bearbeitung feiner Details ermöglichen auch ungeübten Anwendern die Verwirklichung ihrer Ideen. Das Programm verfügt ungeachtet etwaiger Speichererweiterungen nur über drei Arbeitsbildschirme. Als Besonderheit verbindet Little Painter die ersten beiden Zeichenflächen zu einem 640 x 800 Bildpunkte großen Bild. Leider versagt Little Painter beim Ausdruck auf einem Laserdrucker. Mit 24-Nadel-Druckern, die zum NEC P6 kompatibel sind, erzielten wir aber beste Ergebnisse.

Der Autor verlangt als Sharegebühr 20 Mark. Zum Testen gibt's für 10 Mark die aktuellste Version des Programms.

Die übersichtliche Anordnung der Werkzeuge erleichtert die Arbeit mit PAD

Eher für technische Zeichnungen geeignet ist PAD. Dieses Programm verzichtet auf die einheitliche GEM-Oberfläche und ist weniger übersichtlich. Die obere Hälfte des Bildschirms nehmen die 48 Symbole für Zeichen- oder Dateifunktionen ein.

Besonderen Wert legte der Autor auf Funktionen zum Zeichnen geometrischer Objekte. Dreiecke und Polygone in 3D-Darstellung sowie sehr gute Bezierkurven mit vier nachträglich veränderbaren Stützpunkten erleichtern dem Anwender die Arbeit.

Die horizontalen und vertikalen Bemaßungen arbeiten wahlweise mit Pixelanzahlen oder echten Maßeinheiten. Diese sind frei einstellbar, so daß auch die richtige Beschriftung von großen Maßstäben möglich ist.

PD-Programme für den Spezialeinsatz

Sehr gut gefällt uns, daß PAD in der Lage ist, viele verscheidene Bildformate zu laden. Es lädt unter anderem Grafiken im Degas-, Neo-, Stad- und VDI-Format. Eventuelle Anpassungen für Bilder der niedrigen oder mittleren Auflösung vollzieht die Software sehr schnell. Speichern kann das Programm nur in monochromen Grafikformaten. Das Zeichenprogramm für den monochromen Monitor ist Shareware. Möchten Sie das Programm nach einer Testphase weiter benutzen, müssen Sie 30 Mark an den Autor zahlen.

Die beiden angegebenen Zeichenprogramme besitzen eingebaute Druckfunktionen. Diese sind für unseren Geschmack zu unflexibel aufgebaut. Daher empfehlen wir zum Drucken »Power Hardcopy«. Es druckt Grafiken im 32000-Byte-Format (PIC, DOO,...) und kennt außerdem die PI3-, PAC- und IMG-Standards. Die Besonderheit dieses Druckprogramms ist die fertige Anpassung an praktisch jeden auf dem Markt erhältlichen Drucker. Power Hardcopy bedient 9- und 24-Nadel-Drucker genauso wie HP-kompatible Laser- und Tintenstrahldrucker. Lediglich die originalen Atari-Laserdrucker unterstützt die Software nicht.


Power Hardcopy 3 5 arbeitet mit allen heute erhältlichen Druckern

Dafür haben Sie die Möglichkeit, die Grafiken in verschiedenen Größen auszudrucken. Stellt Ihr Ausgabegerät die Bilder zu hell oder zu dunkel dar, stehen vielfältige Funktionen zum Manipulieren der Bilder zur Verfügung. Meist erkennt man kleine Fehler erst nach dem Ausdruck. Das Programm verfügt darum auch über eine gute Lupenfunktion, mit deren Hilfe Sie eventuelle Unschönheiten leicht beseitigen.

Auch dieses Programm ist Shareware. Die Registrierungsgebühr beträgt jedoch vergleichsweise niedrige 15 Mark. Schicken Sie eine formatierte Diskette und Rückporto mit, erhalten Sie automatisch die neueste Version dieser Software. Außerdem haben Sie dann Anspruch auf eine Beratung per Hotline. Wie Sie sehen, brauche sich PD-Programme nicht hinter kommerzieller Software verstecken. (uh)

Alle Programme laufen auf Systemen mit Monochrommonitor. Einige benötigen aber einen Arbeitsspeicher von 1 MByte. Die Programme erhalten Sie direkt be den unten angegebenen Autoren oder allen guten PD-Versendern Bezugsadressen:

Minitext: Heinrich Möller, Untere Dorfstraße 16a. 3200 Hildesheim beziehungsweise TOS-Diskette 4/91

Printing Press: Delta Labs Software, Bernhard Artz Rem-brandtstraße 1 5600 Wuppertal 11

Little Painter: Markus Dheus, Hirtenstraße 9, 8139 Bernried

PAD: Heiko Gemmel, Kormoranweg 33, 4230 Wesel beziehungsweise TOS-Diskette 8/91

Power Hardcopy: CSR-Software, Sascha Roth. Postfach 91 09 28, 3000 Hannover 91


Gerhard Bauer
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