Im Land der aufgehenden Sonne: Informationsbesuch der Oki-Produktionsstätte in Takasaki

Die Oki Systems GmbH machte sich in Deutschland bei Computeranwendern vor allem durch ihre Drucker einen Namen. Daß der japanische Konzern jedoch wesentlich mehr zu bieten hat, zeigte ein Besuch im Oki-Werk in Takasaki.

Gegensätze: Der goldene Tempel Kinkaku (links) und die Entwicklungs- und Produktionsstätte von Oki in Takasaki (unten)

Bereits zum zweitenmal lud Oki Systems Deutschland Ende November Fachjournalisten zu einem Besuch seiner Fertigungs- und Entwicklungsanlagen nach Takasaki ein, das etwa 100 km von Tokio entfernt liegt.

Schon bei der Begrüßung in Takasaki überraschten uns die Gesprächspartner mit der Mitteilung, daß das Werk hier zu einem Verbund von mehreren Entwicklungs- und Produktionsstätten im näheren Umkreis gehört. Zur Takasaki Fabrikationsgruppe zählen nämlich auch noch das Werk Tomioka, die Tohoku Oki Electric Company, die Nagano Oki Electric Company, die Oki Firmware System Company und die Oki Information Systems.

Dabei ist jedes Werk für eine spezielle Aufgabe im Bereich Forschung und Entwicklung ebenso verantwortlich wie für die Produktion. Um diese Aufgabe effektiv zu erfüllen, arbeiten die einzelnen Werke sehr eng zusammen.

Das Werk Takasaki beschäftigt zur Zeit etwa 1350 Angestellte, die überwiegend Vorserien und kleinere Massenprodukte herstellen. Daneben befindet sich hier auch die Entwicklungsabteilung mit weiteren 850 Angestellten. Die zweite größere Produktionsstätte befindet sich in Tomioka. Dort fertigen etwa 800 Angestellte hauptsächlich elektronische Bankautomaten. Mit etwa 1100 Arbeitern und Angestellten stellt die Tohoku Oki Electric Company alle Druckermodelle, Netzteile und Motoren her.

Mit etwa 360 Angestellten produziert das Werk in Nagano Minicomputer, PCs und Workstations. Bei der Oki Firmware Systems programmieren rund 150 Mitarbeiter Software zur Kontrolle von Informationssystemen, während die Oki Informations Systems mit 80 Angestellten die dazu nötige Hardware entwickelt. Bereits die Aufgliederung in die verschiedenen Firmen macht deutlich, daß sich Oki nicht nur auf die Entwicklung und Produktion von Druckern beschränkt. Neben den Bankautomaten nimmt die Entwicklung und Fertigung von Computern, also PCs, Laptops, Workstations bis hin zu Minicomputern, einen breiten Raum ein. Doch damit nicht genug: Auch im Bereich der Telekommunikation ist das japanische Unternehmen sehr aktiv. Hinter dem Kürzel ODIN (Oki Digital Information System) verbirgt sich eine Produktpalette, die alles zur schnellen und sichereren Kommunikation nötige bietet. Dazu zählen unter anderem Funktelefone und -faxgeräte, ISDN-Terminals oder Übersetzungssysteme. Aber auch zum Thema Drucker war Interessantes zu erfahren. Oki hat sich zum Ziel gesetzt, schonend mit den natürlichen Rohstoffen im Druckerbereich umzugehen. Ein Ansatz ist hier zum einen die Verminderung des Gewichts und der Ausmaße bei den Geräten. Das Ergebnis dieser Forschung war die Entwicklung von nachfüllbaren Farbbändern bei Nadeldruckern und von LED-Druckwerken bei den Laserprintern. Neben der Tatsache, daß bei den Oki-Nadlern ein schwaches Farbband nicht komplett ausgetauscht, sondern neu mit Tinte gefüllt wird, reduzierten die japanischen Ingenieure das Gewicht der Farbbänder auch von 85 g auf gerade noch 20 g.

Noch beeindruckender sind die Ergebnisse beim Vergleich herkömmlicher Laserdrucker mit den Oki LED-Printern. Ein typischer Laser weist ein Volumen von etwa 51 Litern auf und besteht aus über 1000 Einzelteilen. Die japanische Firma reduzierte das Volumen ihrer LED-Drucker um 39 Prozent auf 31 Liter. Auch bestehen diese Geräte nur noch aus etwa 400 Einzelteilen. Dies entspricht einer Reduzierung um etwa 60 Prozent. Bei diesen Zahlen wird klar, daß bei Oki der Umweltaspekt nicht nur aus leeren Worten besteht. Das zweite große Schlagwort im Umweltbereich heißt Recycling. Hier entwickelte Oki bei den LED-Druckern recyclingfähige Druckwerke und außerdem die Möglichkeit, mit dem Laser auf Umweltpapier zu drucken.

Bei herkömmlichen Laserprintern gilt das Druckwerk als normales Verschleißteil, das üblicherweise nach einer gewissen Anzahl von Ausdrucken im Sondermüll landet. Oki Systems entwickelte seine LED-Druckwerke so, daß sie sich ohne großen Aufwand beim Hersteller überholen lassen. Danach kommen diese Druckwerke als Austauschteile zurück in den Handel. Als nächstes Ziel arbeitet Oki an Druckwerken, die bei den Händlern wieder in einen einsatzfähigen Zustand versetzt werden können.

Umweltschutz senkt Kosten

Ein schöner Nebeneffekt dieser Entwicklungen ist, daß die durchschnittlichen Kosten pro Seite bei den Oki-LED-Druckern gegenüber herkömmlichen Laserprintern deutlich gesenkt werden konnten. Dies kommt nicht zuletzt daher, daß für 15000 Seiten bei den Geräten der OL-Serien neben einem Druckwerk nur sechs Toner nachzukaufen sind. Bei einem Laser laufen in diesem Zeitraum die Kosten von 3,75 (Drucker mit 8 Seiten/Minute) bis 4,3 (4 Seiten/ Minute) Druckwerken auf.

Neben diesen Umweltweltaspekten arbeiten die Entwicklungsingenieure aber auch an der prinzipiellen Weiterentwicklung der Laser-Technologie. Auf der CeBIT92 stellt Oki einen neuen Drucker vor, der durch eine wesentlich höhere Auflösung überzeugt.

Da bei Europäern oft diffuse Ängste aufkommen, wenn es um den Wirtschaftsgiganten Japan geht, schloß sich an den Informationsbesuch im Werk Takasaki eine Tour durch Tokio und Kyoto an. Hier bot sich die Gelegenheit, die alte Kultur Japans kennenzulernen und einen kleinen Einblick in die Mentalität seiner Bewohner zu erhalten. Als Resümee des zweiten Teils der Informationsreise läßt sich feststellen, daß Nippon wohl jeden Europäer mit seiner alten Kultur sehr beeindruckt. Wer in Japan lediglich eine Nation begnadeter Kopierer westlicher Techniken sieht, irrt sich gewaltig. Diese Ansicht mochte wohl eine gewisse Zeit nach dem 2. Weltkrieg zutreffen, doch heute ist sie überholt. Japanische Ingenieure beeindrucken durchaus mit richtungsweisenden Neuentwicklungen. Die wirtschaftliche Stärke Japans beruht sicher auch auf der Tatsache, daß japanische Angestellte ein anderes Verhältnis zu ihrem Arbeitgeber haben als europäische. Sie verstehen eine Firma nämlich eher als ihre Familie. Dementsprechend ist ihr Einsatz und ihre Loyalität der Firma gegenüber. Doch wurde während der Reise auch klar, daß für Europa kein Grund besteht, vor der japanischen Wirtschaft in Ehrfurcht zu erstarren. Denn auch dort wird nur mit Wasser gekocht.

Japaner erholen sich gerne in den Gärten alter Paläste

Ulrich Hofner
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