Und ewig singt das Modem: Kinderleichter Einstieg in DFÜ und Mailbox-Nutzung

Träumen Sie auch insgeheim von Datenreisen an entfernte Bytestrände wo man sich nach einem Bad in der wogenden Datenflut bei einem erfrischenden Z-Modem-Handshake die neueste Sommer-Modem-Collection an sich vorüberflanieren läßt? Unser DFÜ-Bädeker zeigt Ihnen, wie man’s macht.

Doch bevor wir uns auf die Reise begeben, überprüfen Sie noch einmal Ihr »Handgepäck«. Zur erfolgreichen Teilnahme an unserem DFÜ-Einsteiger-Trip benötigen Sie folgende Utensilien: ein Modem nebst Anschlußkabel zum Computer und zur Telefonbuchse, sowie ein Terminalprogramm, beispielsweise »Rufus« auf der TOS-Diskette. Schließen Sie Ihr Modem zunächst an das Telefonnetz an. Das geht am einfachsten, wenn Sie im Fachhandel eine »Doppel-Telefonbuchse« erwerben und diese anstelle der alten Einfach-Ausführung installieren. Keine Angst, es sind hierbei nur zwei Drähte zu verschrauben, Sie brauchen also Ihr handwerkliches Geschick nicht über Gebühr unter Beweis zu stellen. So schließen Sie bequem Telefon und Modem parallel an, ohne sich mit abenteuerlichen Lüsterklemmen-Konstruktionen behelfen zu müssen. Sollte Ihr Modem nicht für den Anschluß an eine deutsche TAE-Buchse vorgesehen sein (das erkennen Sie daran, daß der Stecker partout nicht in die Buchse paßt...), besorgen Sie sich einfach ein entsprechendes Adapterkabel, das Sie wiederum im gut sortierten Fachhandel erhalten. Wenn sie überhaupt keine Schraubarbeiten vornehmen wollen und sowieso eine TAE-Dose der Post Ihre Wand ziert, dann ziehen Sie einfach den Stecker des Telefons aus der Dose und stecken dafür das Anschlußkabel des Modems ein. Mensch und Computer können eh nicht gleichzeitig über dieselbe Leitung telefonieren.

Alles verkabelt? Dann ist es an der Zeit, einen kleinen Systemcheck durchzuführen. Schalten Sie Modem und Computer ein, und laden Sie Rufus. Tippen Sie nun die Zeichenfolge: ATH1 ein, und bestätigen Sie mit der RETURN-Taste. Ihr Modem sollte daraufhin mit einem deutlich hörbaren Klick »den Hörer abheben« und das altbekannte Freizeichen zu Gehör bringen. Ihr Modem gibt die Leitung mit dem Befehl ATH und RETURN wieder frei (»Auflegen«). War unser Check nicht erfolgreich, prüfen Sie bitte zuerst, ob das, was Sie auf der Tastatur eintippen, auch wirklich am Bildschirm erscheint. Nein? In diesem FalI ist entweder Ihr Modem ausgeschaltet (haben Sie das Netzteil auch wirklich angeschlossen?) oder die Verbindung Computer-Modem fehlerhaft. Wenn Sie sehen, was Sie tippen, das Modem nach dem Befehl »ATHI« auch hörbar abnimmt, Sie aber kein Freizeichen hören, liegt vermutlich ein Fehler beim Anschluß an das Telefonnetz vor, oder aber - und das prüfen Sie bitte zuerst... - die Lautstärke Ihres Modems ist heruntergedreht.

Hat Ihr System unseren Test anstandslos gemeistert, sind Sie bestens für die bevorstehende Datenreise gerüstet. Unser Reiseziel: eine Mailbox aus dem »Maus-Netz«.

Info-Bretter

Bei einer Mailbox, so weiß der erfahrene DFÜ-Reiseleiter, handelt es sich gemäß der deutschen Übersetzung um einen »elektronischen Briefkasten«. Die Realisation dieses Briefkastens erfolgt durch einen mit entsprechender »Mail-box«-Software gefütterten Computer, der seinerseits per Modem mit dem Telefonnetz verbunden ist. Sie können nun diese Mailbox mit Ihrem Computer anrufen und dort Nachrichten (im DFÜ-Jargon auch »Messages« genannt) versenden oder abrufen, ähnlich wie an einem »schwarzen Brett«. Moderne Mailboxen bieten jedoch nicht einfach nur eine große »Pinnwand« an, sondern verfügen über diverse »Unterbretter« zu den unterschiedlichsten Themen. So gibt es beispielsweise spezielle UNIX-Bretter, Musik- Sport- oder Kino-Abteilungen. Der Vorteil dieser Brett-Struktur: Sie wählen gezielt aus, was Sie interessiert und müssen sich nicht durch den Wust von für Sie uninteressanten Nachrichten kämpfen. Neben den öffentlichen Diskussionsforen, richten die meisten Mailboxen ihren regelmäßigen Benutzern auch ein »persönliches Postfach« ein, über das Sie unbehelligt von der übrigen Userschar mit einzelnen Teilnehmern kommunizieren.

Die überwiegende Zahl der Mailboxen besitzt weiterhin einen Programmteil, der aktuelle PD-Programme oder Shareware für Sie zum Abruf bereithält. Gewissenhafte Mailbox-Benutzer »saugen« jedoch nicht nur, sondern bereichern ihrerseits den Software-Pool ihrer Mailbox gelegentlich mit neuen Programmen.

Um ihren Benutzern ein Optimum an Informationsfülle bei einem Minimum an Telefongebühren zu bieten, haben sich viele Boxen zu sogenannten Netzwerken zusammengeschlossen. In Netzen organisierte Mailboxen tauschen täglich ihren Datenbestand untereinander aus, so daß Sie im günstigsten Falle zum Ortstarif mit Mailbox-Benutzern am anderen Ende der Bundesrepublik diskutieren. Bekannte und weitverzweigte Netze sind zum Beispiel das Mausoder auch Fido-Net.

Elektronisches Postfach

Doch genug der langen Vorrede, es wird Zeit, die letzten Reisevorbereitung zu treffen. Vor Ihrem Reiseantritt konfigurieren Sie bitte Rufus anhand unserer Hardcopy in Bild 1. Die Dialogfenster stammen aus den Menüs »Parameter/RS232«, »Parameter/Terminal« und »Parameter/Modem«. Besitzen Sie kein 2400-Baud-Modem, stellen Sie bitte die für Sie zutreffende Übertragungsgeschwindigkeit ein. Sollten Sie zu einem Telefonnetz gehören, das bereits mit dem Mehr-Frequenz-Wahlverfahren arbeitet (dann piepst es beim Wählen und rattert nicht), müssen Sie bei »Modem wählen:« hinter dem ATD ein T einfügen.

Jetzt ist es soweit! Aktivieren Sie die Telefon liste (entweder im Menü »Fenster/Wählen« oder mit Alternate und W und selektieren Sie eine Maus in Ihrer Nähe per Mausklick. Wenn Sie jetzt auf das zweite Icon von oben klicken (oder Control und R drücken), wählt Rufus solange die Maus an, bis eine Verbindung zustande kommt. Nachdem die Maus abgenommen hat, prüft sie zunächst kurz die gemeinsame Übertragungsgeschwindigkeit Ihres Modems (Sie hören das an den hektischen Pfeif-Geräuschen) und beginnt dann mit der »Log-In«-Sequenz. Das Login stellt sozusagen eine elektronische Vorzimmerdame da, die prüft, wer Einlaß in das System begehrt.

Nach einem mehr oder weniger langen Vorspann, der sich wie alle anderen Texte auch mit Control + C abbrechen läßt, erkundet die Maus zunächst, ob Sie bereits eingetragener Benutzer sind. Diese Frage verneinen Sie durch Eingabe eines n. Nun gibt Ihnen die Mailbox die Gelegenheit, sich als Benutzer einzutragen. Zwar gestatten »Mäuse« auch den Zugriff von Gästen, doch ist es natürlich nicht möglich, als anonymer Gast Post zu empfangen oder sich an privaten Brettern zu beteiligen, so daß sich der Eintrag in jedem Fall lohnt. Im folgenden erfragt die Maus einige Angaben zu Ihrer Person, die Sie unbesorgt beantworten dürfen, da es Sysops (so nennt man Mailbox-Betreiber) mit der Datensicherheit äußerst genau nehmen. Um zu gewährleisten, daß niemand außer Ihnen unter Ihrem Namen die Maus benutzt und dabei vielleicht sogar Ihre persönliche Post liest, müssen Sie zusätzlich noch ein Passwort eingeben, das die Maus bei späteren Log-Ins zusammen mit Ihrem Namen abfragt. Merken Sie sich dieses Passwort gut, denn nur, wenn der User-Name und das Paßwort stimmen, läßt Sie die Maus herein. Stellen Sie also auch sicher, daß niemand unbefugt Ihr Paßwort in Erfahrung bringt.

Im Laufeder Registrierungs-Prozedur möchte die Maus auch wissen, welche »Umlaute« Sie wünschen. Geben Sie A wie Atari an, dann erfolgt im folgenden eine korrekte Ausgabe des deutschen Zeichensatzes. Wählen Sie für den Anfang die Menü-Darstellung »Lang«, so vermeiden Sie Unklarheiten bei der weiteren Benutzerführung. Nach geglückter Registrierung präsentiert Ihnen die Maus noch eine Kurzleitung (per Control und S halten Sie Texte an, mit Control und Q geht's weiter) und Sie befinden sich im Hauptmenü.

Bild 1[a+b]: So sollten Sie »Rufus« vor der ersten Datenreise konfigurieren
Bild 2. Der erste Log-In: machen Sie sich mit der Maus bekannt
Bild 3. So schnell kommen Sie ins Hauptmenü, wenn die Maus Sie kennt

Jetzt wollen Sie bestimmt wissen, was Sie in Ihrer Maus so alles erwartet. Geben Sie dazu a wie »Mitteilung abrufen« ein. Die darauffolgende Auswahl beantworten Sie mit g wie Gruppe. Gruppen sind die »Unterbretter« der Maus. Lassen Sie sich jetzt mit l eine Liste aller verfügbaren Gruppen ausgeben, und wählen Sie eine beliebige aus. Es kann Ihnen passieren, daß Sie an eine »private Gruppe« geraten sind, dann haben Sie die Möglichkeit, beim jeweiligen Gruppenchef um Mitgliedschaft nachzusuchen. Haben Sie sich jedoch für eine öffentliche Gruppe entschieden, sollte Ihnen der nun folgende Dialog eigentlich keine Schwierigkeiten mehr bereiten. Nachrichten brechen Sie mit Control und C ab, zum Menü gelangen Sie mit Control und O.

Sie möchten eine persönliche Nachricht verschicken? Kein Problem. Kehren Sie zum Hauptmenü zurück «z» und tippen Sie e wie »Mitteilung eingeben«, dann p für »persönliche Mitteilungen«. Jetzt haben Sie nach Angabe des Empfängers Gelegenheit, in einem simplen Editor eine Nachricht zu verfassen (Achtung: einmal mit Return bestätigte Zeilen lassen sich nicht mehr korrigieren). Haben Sie Ihre Mitteilung fertig getippt, verlassen Sie den Editor, indem Sie in die nächste Zeile einen Punkt eingeben und dann Return drücken, jetzt besteht die Möglichkeit, Ihren Text noch einmal anzusehen, neu einzugeben oder aber abzuschicken. Falls Sie übrigens nicht wissen, wem Sie schreiben sollen, geben Sie einfach als Empfänger: »Kai Schwirzke @OS« an, der Autor dieses Artikels freut sich über Ihre Resonanz.

Um Programme zu empfangen oder zu senden, begeben Sie sich vom Hauptmenü in den Programmteil. Wählen Sie den öffentlichen Programmteil und die Option »Programmliste Ausführlich«

Die Telefonrechnung steigt

an. Nun grenzen Sie die Liste noch durch Wahl »Betriebssystems: TOS« ein und lassen sich die Liste ausgeben. Haben Sie etwas Passendes gefunden? Fein, dann tippen Sie jetzt e wie »Programme empfangen«, und wählen als Übertragungsprotokoll z für »Z-Modem«. Daraufhin beginnt die Maus, Ihr Wunschprogramm zu senden. Sie müssen dann nur noch mit Alternate und E Rufus mit-teilen, daß nun die Übertragung einer Datei beginnt. Den Rest übernimmt Rufus für Sie. Mittlerweile haben Sie sicher das Konzept der Mäuse so gut verstanden, daß Sie sich selbstständig an die Erkundung des Terrains wagen möchten. Haben Sie nur Mut, Sie können nichts kaputt machen. Das schlimmste, das Ihnen eventuell widerfahren kann, ist eine Rausschmiß aus der Maus wegen Zeitüberziehung. Jeder Benutzer darf nämlich nur eine bestimmte Zeit dort verweilen, und muß dann für den nächsten Anrufer das Feld räumen. Mehr Online-Zeit erhalten Sie allerdings, wenn Sie einen jährlichen Obulus von 30 Mark zum Unterhalt der Mailbox entrichten. So haben Sie als Datenreisender das ganze Jahr über Hauptsaison. Ach ja, der elegantere Weg, die Maus zu verlassen ist natürlich der Menüpunkt »Schluß«.

Hat Ihnen unsere kleine Datenreise gefallen? Dann gehören Sie bestimmt auch bald zu den Menschen, die ihre monatliche Telefonrechnung nur unter Bangen öffnen. Denn abends ist das Telefonieren zwar billiger, aber tagsüber sind die meisten Mailboxen dementsprechend weniger frequentiert. Ein Tip zum Schluß: Speichern sie in jedem Fall den Puffer, in dem Rufus Ihre Sitzungen protokolliert. (wk)


Kai Schwirzke
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