Flötentöne beigebracht: Die wichtigsten Befehle zur Modem-Programmierung

Ein Modem läßt sich auf zwei Arten nutzen: Entweder man läßt es wie es ist und überträgt einfach nur seine Daten damit, oder man befaßt sich ein bißchen tiefer mit der Materie und programmiert das Gerät nach seinen Bedürfnissen um. Eine Sache, die gar nicht so schwer ist, wie sie aussieht.

Die meiste Arbeit bei der Programmierung des Modems nimmt Ihnen bereits das DFÜ-Programm ab. Das Wählen von Telefonnummern, die automatische Baudratenerkennung und ähnliches bietet heute jede Terminalsoftware. Aber alle Operationen, die Ihr Datenknecht ausführt, lassen sich auch »zu Fuß« erledigen - und darüber-hinaus noch viel mehr. Dazu starten Sie Ihr Terminalprogramm und schalten es in den Online-Modus. Bei Rufus etwa ist dieser Modus direkt nach dem Programmstart bereits aktiviert.

Heute folgen alle gängigen Modems einem Standard, nämlich dem der Firma Hayes. Die Kommandos, mit denen man solche Modems programmiert, sind deshalb genormt. Sie beginnen alle mit der Zeichenkombination <AT>, was hier für »Attention« steht. Danach folgt eine Kombination aus Buchstaben oder Sonderzeichen, sowie schließlich meist noch eine Ziffer. Das klingt dann etwa so: <AT&T3>. Abgeschlossen wird das ganze mit einem herzhaften Return. Es lassen sich auch mehrere Kommandos zusammenfassen: <AT&F&W> bewirkt das selbe wie <AT&F> und <AT&W>. Zwischen Groß- und Kleinschreibung brauchen Sie übrigens nicht zu unterscheiden.

Um mit dem Modem eine Nummer zu wählen, tippen Sie <ATDP>, gefolgt von der Telefonnummer. Ihr Modem baut dann automatisch eine Verbindung auf (natürlich vorausgesetzt, an anderen Ende der Leitung meldet sich auch ein Computer). Das <P> steht für das in Europa gebräuchliche Pulse-Wählverfahren. Amerikaner tippen stattdessen ein <T> für das Touch-Tone-Verfahren.

Bei dieser Gelegenheit sollten Sie auch gleich Ihre Lieblingsnummer fest im Modem speichern: <AT&Z> gefolgt von der entsprechenden Nummer erledigt dies für Sie. Mit <ATDS> wählen Sie diese gespeicherte Nummer später. Einige Modems merken sich auch mehrere Wahlfolgen. In diesem Fall gibt man meistens ein: »AT&Z0=N UMMER«, »AT&Z1 = NUMMER« etc. Um die Nummern abzurufen tippen Sie dann »ATDS ==«, »ATDS=1« etc.

Bild 1. Eine Auswahl der wichtigsten <AT>-Befehle für Hayes-kompatible Modems

Modem passend programmiert

Wenn Sie einen Anruf erwarten, schalten Sie das Modem in den Empfangsmodus. Die Zeile <ATSO =1> genügt dazu. Die <1> gibt dem Gerät an, bereits nach dem ersten Klingeln abzunehmen. Sie können es jedoch auch bis zu 255 mal klingeln lassen, vorausgesetzt, Ihr Anrufer hat soviel Geduld. Befindet sich das Gerät im Empfangsmodus und es kommt wider Erwarten kein Anruf, schalten Sie es durch dreimaliges Drücken der Plustaste zurück in den Online-Modus.

Mit <ATSn=x> allgemein verändern Sie die 28 Register, über die Ihr Modem verfügt. Mit <ATSn?> fragen Sie den Wert des n-ten Registers ab. Meistens handelt es sich bei den Werten um Zeitangaben, mit denen Sie die Reaktionszeit des Gerätes bei bestimmten Vorgängen verändern. Interessant ist dabei das Register 10. Dort steht ein Wert in zehntausendstel Sekunden, nach dem Ihr Gerät bei Carrierverlust auflegt. Bei schlechten Leitungen hilft es manchmal, diesen Wert zu erhöhen.

Viel wichtiger ist da schon die Kontrolle des Lautsprechers. Die meisten DFÜ-Programme verfügen über eine automatische Wahlwiederholung. Dabei wählt das Modem eine besetzte Nummer so oft, bis das Freizeichen zu hören und eine Verbindung errichtet ist. Manchmal erkennen die Geräte aber das Besetztzeichen gar nicht erst. Kein Wunder, denn es gibt allein im bundesdeutschen Fernmeldenetz ca. ein Dutzend verschiedener Besetztzeichen. Die hören sich zwar für das menschliche Ohr alle mehr oder weniger gleich an, unterscheiden sich jedoch für den Computer in Tonfrequenz und Zeitabstand. Eine akustische Kontrolle durch den Benutzer ist deshalb unerläßlich.

Mit <ATM1> sorgen Sie deshalb dafür, daß Sie den Wahlvorgang mithören - solange, bis eine Verbindung aufgebaut wurde. Noch empfehlenswerter ist die Einstellung <ATM3>. Dann hören Sie nur das Besetzt- oder Frei-Zeichen. Um dann bei Rufus das Modem zur Neuwahl zu veranlassen, drücken Sie bei besetzter Leitung einfach die reche Maustaste. Mit

<ATM2> schalten Sie den Lautsprecher immer an (vereinbaren Sie schon mal einen Termin bei Ihrem Ohrenarzt), mit <ATM0> immer aus. Mit <ATLx> bestimmen Sie die Lautstärke des Tons. Für x=1 bleiben die Geräusche leise (sehr zu empfehlen, so schön sind sie ja eh' nicht), für x=2 mittel und für x=3 laut.

Haben Sie hinter das Modem noch Ihr Telefon gehängt, dann ist es gut zu wissen, daß Sie durch <ATHO> das Modem ausblenden können. So wählen und telefonieren Sie ganz normal durch das Telefon. Mit <ATH1> aktivieren Sie danach das Modem wieder.

Damit alle Ihre Änderungen dauerhaft aktiv bleiben, muß das Modem sie in seinen EEPROMS speichern. Das geschieht mit dem Befehl <AT&W>. Auch über einen »Software-Reset« verfügt Ihr Datenwandler. Das Kommando <ATZ> läßt ihn alle Werte wieder zurücksetzen auf den Stand, der das letztemal mit <AT&W> abgespeichert wurde. Um eine Übersicht über alle Parameter zu erlangen, wählen Sie <AT&V>. Dann spuckt das Gerät eine ausführliche Angabe aller Einstellungen aus (vgl. Bild 2).

Blicken Sie durch die geänderten Parameter einmal gar nicht mehr durch, reicht <AT&F>, und das Modem konfiguriert sich wieder auf die Werkseinstellung zurück. Gespeicherte Telefonnummern und ähnliches gehen bei dieser Software-Formatierung aber verloren, also Vorsicht! Auch diese Änderung muß man wieder mit <AT&W> speichern.

Ein Hayeskommando folgt übrigens nicht der <AT>-Schreibweise: Mit <A/> wiederholen Sie das letzte Kommando. Das ist beispielsweise nützlich, wenn man eine besetzte Nummer noch einmal anwählen möchte.

Mit all diesen Kommandos bewaffnet, sollten Sie und Ihr Modem sich in Zukunft noch besser verstehen. (wk)

Bild 2. Mit dem Befehl <AT & V> holen Sie alle internen Parameter des Modems auf den Schirm

Marc Kowalsky
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