Gut gemixt ist halb gewonnen: Cubase MIDI-Manager in der Anwendung, Teil 2

Nachdem Sie im ersten Teil mit einer Ausnahme alle Parameter der Cubase MIDI-Manager-Seite kennengelernt haben, geht es diesmal um die korrekte Behandlung system-exklusiver Daten.

Was sind nun eigentlich system-exklusive Daten? Da die Klangarchitektur aller Synthesizer unterschiedlich ist, wirkt sich das auch auf die Anzahl und Art der klangbeeinflussenden Parameter aus. Jedes Syntheseverfahren, ob FM, PD, LA usw., besitzt unterschiedliche Einstellungen zur Bestimmung des Sounds und meist auch eine unterschiedliche Anzahl an Parametern. Es ist daher nur schwer vorstellbar, daß ein herstellerübergreifendes Datenformat für system-exklusive Daten existiert.

Jeder angesprochene Synthesizer muß aber erkennen können, ob er systemspezifische Daten erhält und wie er diese zu verarbeiten hat. Deshalb gibt es im MIDI-System ein genormtes Rahmenprotokoll zur Übertragungsystem-exklusiver Daten. Der allgemeine Aufbau sieht in hexadezimaler Schreibweise so aus:

$F0, ID,…,$F7

Das erste Byte ist das Status-Byte für system-exklusive Daten. Im zweiten Byte des Datenblocks findet sich eine sogenannte Identifikationsnummer (ID) der verschiedenen Hersteller. Anhand dieser von der IMA (International MIDI Association) vergebenen Nummer erkennt jedes Gerät, ob die folgenden Daten von seinem Hersteller stammen. Dieser Zahl folgt meist noch einen Geräte-Spezifikation, da fast jeder Hersteller mehrere Geräte mit unterschiedlichen Parametern auf dem Markt hat. Die folgenden Daten sind dann die spezifischen Informationen. Als Abschluß des Datenblocks finden Sie immer die Ziffer »$F7«, das »EOX«-Byte (End Of system exclusive).

SysEx eröffnet die Übertragung
So legen Sie die Übertragungsart fest
Achtung: Der Computer zählt die MIDI-Kanäle von 0 bis 15
Das Abschluß-Byte $F7 muß immer gesetzt sein
Kawai K4: Leicht zu programmieren
Hier die Einstellung für »Cutoff«

Rufen Sie nun die MIDI-Manager-Seite in »Cubase« auf und konstruieren Sie ein Objekt. Mit den einzelnen Parametern derObjekt-Definition-Box sollten Sie ja bereits vertraut sein. Rufen Sie nun in der Status-Box den Eintrag »SysEx« auf, so erscheint in der Befehlszeile ein systemexklusiver Datenblock aus hexadezimalen Einträgen. Die Infozeile erläutert Ihnen mit den Kürzeln »SysEx« und »EOX« diese Zeile (vgl. Bild 1).

Die Zeichen »xx« in der Befehlszeile stehen stellvertretend für den von Ihrem Objekt, Regler oder ähnliches eingestellten Wert. Die »Extra«-Box bestimmt nun die Art der Datenübergabe für das mit »xx« bezeichnete Byte (vgl. Bild 2). Da manche Synthesizer einen größeren Wertebereich als die durch ein MIDI-Byte vorgegebenen 128 Schritte benötigen, besteht die Möglichkeit, die volle Information in mehreren Bytes zu senden. Wichtig ist für solche Fälle, nach dem variablen Byte noch Null-Bytes anzufügen, die Platz für die konvertierte Darstellung schaffen. Bei neueren Korg-Geräten erfolgt z.B. eine Umrechnung in 14-Bit-Variablen, also zwei Datenbytes, so daß Sie ein Null-Byte anfügen müssen, um das Abschlußbyte nicht zu überschreiben. So ermöglicht die Firma Korg die bipolare Darstellung, wobei die Minimalwerte im zweiten Byte, die Maximalwerte im ersten Byte stehen. Die Nullstellung ist also der Wert 6xx44 auf dem Cubase-Regler. In der 2-Nibble-Darstellung zerlegt das Programm ein MIDI-Byte in zwei 4-Bit-Päckchen. »7 Bit + MSB« bedeutet, daß im ersten Byte das höchstwertige Bit, das MSB, steht und im folgenden Byte der Rest des Wertes.

Nun geben Sie das zweite Byte, die Herstellerkennung, in die Befehlszeile ein. Falls Ihnen diese Zahl unbekannt ist, werfen Sie einen Blick in die MIDI-Beschreibung Ihres Gerätes, die sich meist am Ende der Anleitung befindet. Lassen Sie sich von den vielen Zahlen nicht beeindrucken. Es ist einfacher als Sie momentan noch vermuten. Als erstes fahnden Sie nun nach der Hersteller-ID Ihres Synthesizers und geben diese als zweites Byte im Cubase MIDI-Manager ein. In der Infozeile sollte nun der richtige Hersteller im Klartext erscheinen.

Die weitere Beschreibung beziehe ich nun auf den Yamaha TG-33. Jedoch ist die Vorgehensweise für alle anderen Synthesizer, mit Ausnahme von Roland-Geräten, leicht nachzuvollziehen. Den Roland-Geräten widmen wir uns dann im nächsten Teil des Kurses. Treffen Sie am TG-33 folgende Voreinstellungen, damit das Gerät auch versteht, was Sie von ihm wollen: UTILITY - UM MIDI BULK auf on schalten DEVICE NUMMER 1 oder all Nun schalten Sie in den VOICE EDIT-MODE, um die Veränderungen gleich am Gerät zu verfolgen. Da der MIDI-Kanal (bzw. die Device Nummer) im Cubase sich nicht auf system-exklusive Daten auswirkt, addieren Sie diese zu dem dritten Parameter. Beachten Sie dabei, daß der MIDI-Kanal 1 durch die Zahl Null dargestellt ist, Sie für diesen Fall also keine Veränderungen vornehmen müssen (vgl. Bild 3).

Als erstes Beispiel wählen wir den Parameter EFFECT TYPE im VOICE COMMON Parameter Change. In der Beschreibung finden Sie dazu die vollständige einzugebende Sequenz in hexadezimaler Form mit fünf Variablen, die den zu verändernden Parameter bestimmen. In unserem Fall soll dies der EFFECT TYPE sein. Die beiden Parameter VI und V2 sind nun die Größen, die mit dem Regler im Cubase zu verändern sind. Der Abbildung sind nochmals die einzugebenden Hexadezimalzahlen zu entnehmen, wobei zu beachten ist, daß Sie unter EXTRAS die Darstellung »7 Bit plus MSB« wählen. Da Cubase dieses Format für uns generiert, erhält die Variable VI den Wert null und für V2 schreiben wir »xx«. Falls unter »Extra« ein falsches Datenformat eingestellt ist, sind keine oder nur geringfügige Veränderungen um ein paar Schritte im Display zu erkennen. In jedem Fall sollte das Display bei Werteänderungen - wenn auch sehr schnell - blinken. So sind Sie sicher, die richtige Sequenz eingegeben zu haben.

Geben Sie nun noch dem Regler eine Bezeichnung und stellen Sie die Grenzen ein. Dann verlassen Sie die Object-Definition-Box und verändern mit der rechten Maustaste den Mauszeiger in die Zeigehand, so daß der Regler zu bedienen ist. Jegliche Veränderung wirkt sich nun sofort sichtbar im Display des TG-33 aus. Falls Sie erneut in die Object-Definition-Box gehen, ist das Abschlußbyte $F7 überschrieben. Sie müssen dieses wieder eingeben, sonst ist die Box nicht mit 'OK' zu verlassen (vgl. Bild 4).

Kopieren Sie nun mit gedrückter Alternate-Taste das Objekt, um mit geringfügigen Änderungen einen Regler für das Volume im Element A zu bekommen. In der Befehlszeile steht hierfür die dem Handbuch oder der Abbildung zu entnehmende Sequenz. Wenn Sie nun mit der Zeigehand den Regler bewegen - einmal kurz die rechte Maustaste zum Umschalten des Mauszeigers klicken - ändert der TG-33 automatisch das Display und zeigt die Volume-Veränderungen an. Beachten Sie, daß die im Regler angezeigten Werte nicht denen im Display des TG-33 entsprechen. Der Synthesizer stellt das Volume auf 0, wenn er über MIDI den Wert 127, und auf 99, wenn er den Wert 0 über die MIDI-Sequenz erhält. Cubase zeigt natürlich im Regler die wirklich gesendeten Werte an. Versuchen Sie doch, für alle vier Elemente Regler zu basteln und einem Masterregler zuzuordnen, so daß z.B. die Lautstärke aller Objekte zugleich veränderbar ist. (wk)

Kursübersicht

Teil 1: Der Cubase MIDI-Manager □ MIDI-Controller

Teil 2: Weitere Manager-Elemente □ allgemeine systemexklusive Daten

Teil 3: Noch mehr Praxis □ Besonderheiten bei Roland-Instrumenten


Dietmar Lorenz
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