Edel-Outfit: Resource Construction Set »Interface«

Durch zahlreiche Beta-Releases angekündigt, präsentierte die Firma Shift auf der Atari-Messe in Düsseldorf ihr neues Resource Construction Set »Interface«.

Das Design der grafischen Oberfläche ist heute ein fester Bestandteil jeder Programm-Entwicklung. Um nun aber nicht jede Koordinate eines Rechtecks einzeln eingeben zu müssen, bedient man sich auf dem Atari eines Resource Construction Sets. Mit ihm lassen sich auf einfache Art und Weise Menüs, Dialogboxen und Icons entwerfen.

So fällt nach dem Start von »Interface« auch gleich angenehm auf, daß sich mit diesem nicht nur eine schöne Oberfläche entwickeln läßt, sondern das Programm auch über eine solche zu bedienen ist. Wie beim Atari-Desktop sind zuerst nur die Laufwerkssymbole, der Papierkorb und die Menüzeile zu sehen. So ist die Vermutung auch richtig, daß ein Doppelklick auf eines der Laufwerke ein Fenster öffnet und sinnvollerweise nur die Ordner und die Resource-Dateien anzeigt. Ein weiterer Doppelklick auf ein Datei-Symbol lädt diese in den Speicher und öffnet ein Fenster, in dem die Objektbäume als Icons dargestellt sind.

Der nächste Doppelklick auf ein Icon öffnet ein weiteres Fenster, in dem der Objektbaum zu sehen ist. Insgesamt gibt es vier Fenster-Ebenen, von denen sich jeweils beliebig viele öffnen lassen. Nur durch das GEM eingeschränkt, können sich maximal acht davon um die Gunst des Anwenders prügeln. Das heißt, daß sich auch mehrere Resource-Dateien oder Objektbäume parallel bearbeiten lassen.

So gestaltet sich die Arbeit beim Design einer neuen Dialogbox völlig unterschiedlich zu anderen Resource-Editoren. Zunächst holen Sie sich eine fertige Dialogbox, die mit der zukünftigen Box bereits Ähnlichkeit besitzt. Dazu eignen sich zum Beispiel die Dialogboxen von Interface. Kopieren Sie anschließend alle benötigten Objekte der Beispiel-Dialogbox in die eigene. Dabei lassen sich die Objektnamen (bis zu 16 Zeichen) wahlweise mitkopieren. Das Fehlen eines Clipboards ist somit leicht zu verschmerzen. Unangenehmer ist dagegen die Tatsache, daß bei der Darstellung eines Objektbaums nicht hervorgeht, zu welcher Datei er gehört. Dabei wäre es bestimmt einfach gewesen - wie schon auf der Datei-Ebene - den Pfad- und Dateinamen in der Titelzeile des Fensters anzuzeigen.

Gut gelungen ist das Editieren der Objekte. In einer einzigen Dialogbox, nach Objekt-Typen getrennt, lassen sich alle spezifischen Parameter einstellen. Pop-Up Menüs helfen, die Vielzahl der Objektdaten auch in einem Dialog unterzubringen (Bild 1). Das erhöht die Bedienungs-Sicherheit, ein Doppelklick auf das Objekt führt in jedem Fall zum Ziel.

Ohne nun in die Details zu gehen, sei dennoch erwähnt, daß sich zum einen noch zwei freie »ob_flags« markieren lassen und zum anderen die Textlänge (wie bei »G_STRING«-Objekten) durch ein zweizeiliges Feld auch mehr als 80 Zeichen betragen darf. Natürlich beherrscht Interface auch so elementare Funktionen wie Objekte kopieren, verschieben oder sortieren. Mit dem Duo Maus und Control sprechen Sie ein Elternobjekt direkt an.

Bild 1. Alle Objektparameter auf einen Blick

Icon-Editor

Paradepferd von Interface ist der eingebaute Icon-Editor (Bild 2). Hier bekommt man fast den Eindruck, vor einem Grafikprogramm zu sitzen. So gehören Linie, Kreis oder Kreisausschnitt genauso zum Funktionsumfang, wie das automatische Erzeugen einer Icon-Maske. Außerdem verblüfft der Editor durch seine hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit. Selbstverständlich dürfen die Objekte beliebige Ausmaße annehmen. Bei einem Programm dieser Güteklasse ist es aber unverständlich, wieso es nur eine Im- und Export-Funktion bietet, die lediglich das Image-Format unterstützt.

Portabilität groß geschrieben

Was allerdings das Laden und Speichern der Resource-Dateien betrifft, zeigt sich Interface von seiner besten Seite (Bild 3). Neben dem alten und neuen Format der vom Digital Research Editor erzeugten Dateien zur Verwaltung der Objektnamen (».DEF« und ».DFN«), liest und schreibt Interface auch »WERCS«-Dateien (vom Lattice C Entwicklungspaket). Dieses Format mit der Dateierweiterung »RSD« hat den großen Vorteil, daß Objekt-Namen bis zu 16 Zeichen lang sein dürfen (8 Zeichen bei Digital Research).

Höhepunkt des Ganzen ist die Prozessor-Wahl: Über einen Schalter legen Sie fest, ob die Resource-Dateien im Intel- oder Motorola-Format vorliegen. Damit lassen sich Resourcen ohne Konvertierung auf MS-DOS-Systemen, natürlich unter GEM, einsetzen.

Für die Ausgabe der Objektnamen als Variablen in den verschiedenen Computersprachen ist auch gesorgt. Auf Wunsch generiert Interface die Resourcen als C-Quelltext-Datei, die man nicht mehr relozieren muß.

Bild 3. »Interface« beherrscht alle Sprachen verwenden sie schon), zumindest was das Erscheinungsbild betrifft.

»My« oder »Fly«

Was den Resource Editor von seinen Konkurrenten abhebt, ist die ausgezeichnete Unterstützung der erweiterten Objekt-Typen.

Zusammen mit einer »Fly-Dials« kompatiblen Bibliothek (Shift nennt diese »My-Dials«), profitiert der Interface-Anwender von den »GEM-USERDEFS« ohne damit direkt in Berührung zu kommen. Übrigens macht Interface auch regen Gebrauch von dieser Bibliothek. Ihre Funktionen übernehmen unter anderem die Relozierung der Resource-Datei, das Zeichnen der neuen Objekt-Typen (etwa runde Radio-Buttons) und das Übersetzen vorher definierter Tastaturkürzel in entsprechende Button-Klicks.

Leider sind diese Bibliotheksfunktionen weder im Quelltext vorhanden noch im sonst ordentlichen Handbuch beschrieben, und die kleine Anleitung auf der Diskette nimmt eher eine Alibi-Funktion ein. Das Fehlen einer ausreichenden Dokumentation ist besonders ärgerlich, da einiges dafür spricht, daß sich die Fly-Dials zum Standard mausern (diverse Programme

Ausführlicher beschrieben ist dagegen die interne Objektverwaltung mit ihren Strukturen. So lassen sich eigene Accessories schreiben, die über eine von den Autoren definierte Schnittstelle Zugang zu der kompletten Datenstruktur der im Editor befindlichen Resourcen haben. Ein solches Accessory ist zum Beispiel in der Lage, die Objektdaten im Quelltext einer bevorzugten Sprache zu speichern.

Auf einen Nenner gebracht

Heute ist es selbstverständlich, Anwenderprogramme in eine grafische Oberfläche zu verpacken. Um das ganze aber noch mit einem Schleifchen zu verzieren, dazu ist erst Interface in der Lage. Zu einem sehr günstigen Preis zeigt die Firma Shift mit ihrem Programm auch gleich noch, was Benutzerfreundlichkeit wirklich heißt. (ah)

Bild 2. Schon ein Programm im Programm: Der Iconeditor von »Interface«

WERTUNG

Name: Interface
Vertrieb: Shift
Preis: 98 Mark

Stärken: Durchdachte Benutzerführung □ schneller, leistungsfähiger Icon-Editor □ My-Dials-Bibliothek □ unterstützt alle Resource-Dateiformate □ gutes Preis/Leistungsverhältnis □ alle Funktionen über Tastatur zugänglich

Schwächen: Nur ein Im- und Exportformat für Grafiken □ knappe Anleitung der My-Dials-Bibliothek

Fazit: Bestes Resource Construction Set für Atari ST/TT

Shift, Unterer Lautrupweg 8, 2390 Flensburg


Jürgen Lietzow
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