Zeit für das Wesentliche: Der ST/TT übernimmt Routinearbeiten

Heute geht im Büro ohne Computer fast nichts mehr. Ausgereifte Software und hohe Rentabilität sichern den Atari Computern ein festes Standbein in mittelständischen Betrieben.

Noch vor nicht allzu langer Zeit verfügten nur Großunternehmen über die finanziellen Mittel, in ihrer Verwaltung eine leistungsfähige EDV einzusetzen. Erst Anfang der 80er Jahre begannen Personal Computer, kurz PC genannt, die Büros zu erobern.

Als Atari 1985 den ST vorstellte, überzeugte dieser Computer mit einem fortschrittlichen Motorola MC68000 Prozessor, GEM als ausgereifte grafische Benutzeroberfläche und vor allem mit einem konkurrenzlos günstigen Preis. Doch das damalige Image von Atari als Hersteller von Spielekonsolen und der bei der Einführung eines neuen Systems typische Programmangel erschwerte zunächst die Akzeptanz im Büro.

Doch spätesten als Atari den Mega ST vorstellte, der im Gegensatz zu den »kleinen« 260, 520 und 1040 STs mit einer abgesetzten Tastatur eines Markenherstellers ausgestattet war, sichtete man STs vermehrt in Büros. Auch die Softwarehäuser reagierten und boten nicht nur Programme der drei klassischen Aufgabenfelder Textverarbeitung, Datenbank und Tabellenkalkulation für den ST an. Fast unüberschaubar ist inzwischen die Anzahl oft sehr spezieller Branchenlösungen.

Diese ST-Programme brauchen den direkten Vergleich mit ihren Pendants aus der IBM-Welt nicht zu scheuen. Ihr Funktionsumfang steht den MS-DOS Lösungen nicht nach. Nicht zuletzt dank der bedienungsfreundlichen grafischen Oberfläche GEM findet sich der Anwender aber auch ohne zeit-und kostenintensives »Einführungsseminar« meist sofort im Programm zurecht. Hinzu kommt, daß auch heute, trotz der Preiseinbrüche in der MS-DOS Welt, eine Büro-Lösung auf ST-Basis den Preisvergleich meist für sich entscheidet.

Daß die Anwenderschaft trotz der widrigen Umstände zur Zeit der Markteinführung des STs schon früh das professionelle Potential des Atari-Systems erkannte, beweist Thomas Kniepert, Inhaber eines am Münchner Ostbahnhof gelegenen Studios für Fotografie. Schon früh setzte Kniepert auf Computerhilfe bei der anfallenden Büroarbeit. Der Einstieg war mit einem Atari XL geschafft. Mit dem frühen 8 Bit-System erledigte er die Buchführung, die Adressverwaltung und die Korrespondenz seines Studios.

Selbst die umfangreiche Diplomarbeit seiner Ehefrau bewältigten die Knieperts damals mit dem guten alten Atari XL. Mit etwas Stolz in der Stimme erzählt Thomas Kniepert, daß es zwar etwas umständlich war, die Arbeit in mehrere Dateien aufzuteilen, da der Arbeitsspeicher für den gesamten Text nicht ausreichte. Aber die Mühen lohnten sich allemal. Spätestens der Vergleich mit einer Arbeit, die in der damals üblichen »Klebe-Kopier-Methode« entstand, führte klar die Vorteile des Computereinsatzes vor Augen.

Etwa Ende 1986 bewältigte der XL die anfallenden Arbeiten nicht mehr in angemessener Zeit. Zudem erschien Herrn Kniepert die Bedienung zu umständlich. Deshalb mußte ein neueres, leistungsfähigeres und vor allem schnelleres System her. Ein MS-DOS-Gerät kam wegen des Kommando-orientierten Betriebssystem nicht in Frage, beim Macintosh von Apple stimmte das Preis/Leistungsverhältnis nicht.

Als XL-Veteran entging Kniepert selbstverständlich nicht Ataris Neuentwicklung ST. Programme für den Büroeinsatz waren knapp zwei Jahre nach der Markteinführung bereits in ausreichendem Maße verfügbar, so daß er sich zum Kaufeines 1040 ST entschied. Programme wie 1st Word plus, Adimens ST und FibuMAN gehörten zu seiner Grundausstattung.

Der Aufstieg vom XL zum ST klappte ohne Probleme, die Bedienung der neuen Programme war dank GEM schnell erlernt. Als besonders wichtig erwies sich die Serienbrief-Funktion von Adi-mens, denn im Durchschnitt versendet das Studio etwa 100 Schreiben pro Woche an Interessenten und Kunden. Wegen der komfortablen Adimens-Schnittstelle zu 1st Word plus erledigt »Kollege ST« selbst diese umfangreiche Korrespondenz in einem vertretbaren Zeitrahmen. Sowohl die Textverarbeitung als auch die Dateiverwaltung erledigte der ST zur vollen Zufriedenheit. Auch mit dem Leistungsumfang von FibuMAN ist Thomas Kniepert zufrieden. Einzig eine Kostenstellenverwaltung zur besseren Übersicht wünscht er sich.

Besonders lobt Kniepert den Support durch Atari und die Hersteller der von ihm eingesetzten Programme. Bei Problemen half man ihm stets schnell und unbürokratisch weiter. Daß dies in der Computerbranche nicht selbstverständlich ist, weiß Herr Kniepert aus zahlreichen Gesprächen.

Mit der Zeit nahmen auch bei Thomas Kniepert die Ansprüche an das Computersystem zu und so steht seit letztem Jahr ein Atari TT im Mittelpunkt seines Computer-Systems. Er wechselte also zu einer höherwertigen Hardware, ohne auf die vorhandenen Datenbestände verzichten zu müssen.

Erst der ST/TT-Einsatz im Büro verschafft Herrn Kniepert genügend Zeit, sich voll der Fotografie zu widmen

Doch nicht nur bei der Hardware vollziehen sich im Augenblick rasche Verbesserungen. Heute arbeitet sich der Fotograf gerade in Calamus ein, um Prospekte und Broschüren mit diesem DTP-Programm selbst zu gestalten. Auch die Entscheidung für eine leistungsfähigere Textverarbeitung ist bereits gefallen: Tempus Word wurde schon gekauft, lediglich die Zeit, sich in dieses Programm einzuarbeiten, fehlte bis jetzt.

Doch Thomas Kniepert hat mit dem TT noch weit mehr vor. Das Schlagwort heißt »EBV«, also elektronische Bildverarbeitung. Zwar unterhält er selbst kein Bildarchiv, doch wünschen sich viele seiner Kunden die Fotos auch gescannt auf einem Datenträger. So ist der Kunde oder die Agentur in der Lage, die Vorlage sofort auf seinem Computer weiterzuverarbeiten. Da sich die Softwarehäuser hier bereits frühzeitig auf einheitliche Datenformate geeinigt haben, ist selbst der Austausch über System-Grenzen hinweg problemlos.

Heute, nach über vier Jahren ST/TT-Einsatz, würde sich Thomas Kniepert wieder für diesen Computer entscheiden, denn der ST erleichtert ihm die Büroarbeit wesentlich. Vor allem hält ihm der TT den Rücken frei, um sich seiner eigentlichen Arbeit, der Fotografie, voll zu widmen. Spielen auch Sie mit dem Gedanken, einen Computer im Büro einzusetzen, dann sollten Sie den ST/TT durchaus in die engere Wahl ziehen. Dabei sollten Sie sich vor allem klar darüber sein, welche Aufgaben der Computer übernehmen soll. Erst dann beginnt die entscheidende Suche nach den für Sie am besten geeigneten Programmen.

Bei der Wahl der Software sollten Sie zunächst auf ganz allgemeine Qualitätskriterien achten. Jedes Programm für den betrieblichen Einsatz muß zuverlässig und fehlerfrei arbeiten. Fehler sollte es bereits bei der Eingabe abfangen, Zweifel an der Datensicherheit dürfen erst gar nicht aufkommen. Wichtig ist auch, daß Routine-Vorgänge schnell und bedienerfreundlich vonstatten gehen. Das Programm muß durch einen sinnvollen Aufbau seiner Menüs und eine logische und konsistente Bedienerführung bestechen. Eine »On-line«-Hilfe, also Hilfstexte auf dem Bildschirm, ist heute Standard. Antworten auf diese Fragen erhalten Sie zunächst bei einer Vorführung Ihres Computerhändlers oder auch direkt beim Softwarehaus. Erkundigen Sie sich bei dieser Gelegenheit auch gleich nach einer Telefon-Hotline und nach regelmäßigen Updates. Haben Sie keine Hemmungen, sich nach Referenz-Adressen zu erkundigen. Dabei handelt es sich um Kunden, die bereit sind, ihre Erfahrungen mit der betreffenden Software an Interessenten weiterzugeben. Generell ist ein Gespräch mit anderen Anwendern eine sehr gute Informationsquelle.

Haben Sie diese Fragen im Vorfeld geklärt, wissen Sie bereits eine ganze Menge. Last not least berichten wir regelmäßig über neue und interessante Programme. Auch die Schnupperversionen auf der TOS-Disk sind nützlich, sich ein Bild von der Leistungsfähigkeit einer Software zu machen. Sollte das Programm Ihrer Wahl noch nicht auf einer TOS-Disk erschienen sein, fragen Sie beim Hersteller nach. Oft bieten auch die Softwarehäuser Demos oder Handbücher zum Selbstkostenpreis an. Der fällige Betrag wird bei einem späteren Kauf meist angerechnet. Ist das System erst einmal in Ihre alltäglichen Arbeiten integriert, werden auch Sie feststellen, daß Ihnen plötzlich mehr Zeit für das Wesentliche bleibt.


Ulrich Hofner
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