Im Laserlicht besehen: Laserdrucker richtig nutzen

Laserdrucker liefern die besten Ergebnisse. Dennoch ist der Umgang mit ihnen nicht immer einfach und besonders am Anfang häufig von Problemen begleitet. Man sollte wissen, was in dieser Kiste passiert, denn der Unterschied zur guten alten Schreibmaschine ist gewaltig.

Die Probleme fangen meist schon beim Auspacken und Zusammenbauen an. Konnte man den letzten Matrixdrucker noch einfach an den Centronics-Port anschließen und losdrucken, so muß man sich beim Laser schon mit etwas mehr Technik befassen. Entwicklereinheit, Tonerkassette, Zählwerk, Papierschacht - ja sind wir denn in einem Copyshop oder was?

Gar kein schlechter Vergleich. Prinzipiell laufen im Laserdrucker beim Drucken ähnliche Vorgänge ab, wie bei Fotokopierern und entfernt wie beim Entwickeln von Fotos. Experten, die bereits den Blick für das Wesentliche verloren haben, mögen mir diese brutale Simplifizierung verzeihen, aber es ist tatsächlich so.

Betrachten wir kurz den Ablauf während eines Druckvorgangs. Die im Drucker enthaltene Elektronik baut aus den Steuerdaten ein komplettes Abbild der zu druckenden Seite auf. Dazu benötigt sie Speicherplatz, ein Grund für den relativ hohen Preis der Drucker. Bei der Zusammenarbeit mit Atari-Lasern übernimmt der ST diese Aufgabe, der Laser selbst enthält kein RAM und ist deshalb auch preiswerter. Entsprechend sind für die Arbeit mit Atari-Laserdruckern bei vielen Programmen mindestens 2 MByte RAM erforderlich. Der Drucker lädt in seinem Inneren eine sogenannte Bildtrommel mit sehr hoher Spannung (ca. 900 Volt) auf. Diese Bildtrommel ist mit lichtempfindlichem Material beschichtet und wird anschließend über ein kompliziertes System von Spiegeln mit dem Laserstrahl belichtet. Dabei liefert die Elektronik anhand der aufgebauten Druckseite die nötigen Steuerbefehle. Je nachdem, ob ein Punkt gedruckt wird oder nicht, verringert die Belichtung an dieser Stelle die Spannung auf der Bildtrommel auf ca. 150 Volt. So entsteht ein spiegelverkehrtes Abbild der zu druckenden Seite, die vollständig auf der Bildtrommel abgebildet ist. Im nächsten Schritt gelangt der Toner auf die Trommel. Durch elektrische Aufladung bleibt er an Stellen mit niedriger Spannung hängen.

Jetzt erst erfolgt der Druck. Das Papier wird an der Bildtrommel vorbeigeführt und übernimmt den Toner in der Form, wie er auf der Bildtrommel sitzt. Das Papier ist in diesem Moment mit einer sehr hohen Spannung von etwa 4500 Volt aufgeladen und hält den Toner dadurch fest. Durch eine Kombination von Druck und Hitze brennen die Tonerpartikel danach fest auf dem Papier ein, der Druck ist beendet. Nachdem die Seite gedruckt ist, reinigt sich die Bildtrommel durch Entladung und ist für die nächste Seite bereit. Will man die gleiche Seite mehrfach drucken, geht das relativ schnell, weil der gesamte Aufbau nur einmal stattfindet. Kommt eine neue Seite, beginnt der Durchlauf von vorne. Dementsprechend schaffen Laserdrucker kaum mehr als sechs bis acht Seiten in der Minute, wenn man einen fortlaufenden Text druckt. Bei der mehrfachen Ausgabe einer Seite erreichen manche Drucker allerdings schon das Tempo eines Fotokopierers.

Sie bemerken übrigens einige Auswirkungen dieses Druckverfahrens, wenn Sie sich eine frisch gedruckte Seite zur Hand nehmen. Kommt die Seite gerade aus dem Drucker, ist sie vom Einbrennen des Toners noch richtig warm. Hat man auf glattes Papier gedruckt, kann man leicht mit dem Fingernagel etwas von dem Ausdruck wieder vom Papier kratzen. Die Langlebigkeit des schönen Druckergebnisses hängt also von der Papierqualität ab. Besonders mit gedruckten Overheadfolien sollte man sehr vorsichtig umgehen.

Zur allgemeinen Verwirrung jetzt noch etwas Zahlenspielerei. Laserdrucker arbeiten mit einer Auflösung von 300 dpi, also 300 Druckpunkte pro Inch. 24-Nadeldrucker schaffen 360 dpi, liefern aber ein schlechteres Druckbild. Verkehrte Welt? Nein, halbe Wahrheit, denn die 360 Punkte der 24-Nadeldrucker überlappen sich teilweise und verschmieren dadurch den Ausdruck. Die 300 Punkte des Laserdruckers sitzen exakt nebeneinander und ergeben dadurch ein sauberes Druckbild. Das ist auch der Grund, warum mancher Anwender einer Textverarbeitung mit grafischen Fonts zunächst ungläubig auf die Laserseiten schaut. Die Buchstaben des vertrauten Zeichensatzes sehen plötzlich magerer aus als gewohnt. Der Druck ist exakter, Feinheiten in Rundungen und dünne Linien kommen deutlicher zum Vorschein als beim 24-Nadeldrucker.

Nächstes Problem für stolze Laser-Neulinge: Wo ist der passende Druckertreiber? Treiber für Atari-Laser gehören fast zu jedem Programm, schwieriger sieht es mit den anderen Kandidaten aus. Weit verbreitet sind Treiber für Star-Laser. Ansonsten verwenden Sie einen HP-Lasertreiber und schalten Ihren Laserdrucker in die entsprechende Emulation. Wie das geht, verrät das Druckerhandbuch. Daß es geht, dafür sorgt der gute Name von Hewlett Packard, denn die haben mit ihren »Laserjets« einen so verbreiteten Standard für Laserdrucker geschaffen, daß praktisch alle Anbieter eine HP-Emulation in ihre Geräte einbauen.

Besitzer eines Atari-Laserdruckers finden im Lieferumfang noch einige Disketten mit Software. Darunter befinden sich GDOS-Fonts und die Programme »Diabolo« und »Laserbrain«. Zum Thema GDOS verweise ich auf die entsprechenden Artikel in dieser Ausgabe. Die beiden anderen Programme sind Accessories, die man zum Betrieb des Lasers benötigt. Der Atari-Laserdrucker ist ja nicht wie die anderen Geräte am Centronics-, sondern am DMA-Port anzuschließen. Genauer, die Steuereinheit mit der Elektronik und daran kommt der Drucker.

Durch die Besonderheiten des DMA-Busses ist es für den ST nicht möglich, einen angeschlossenen Drucker ohne Programmhilfe zu erkennen. Es muß also eines der beiden Programme für den Betrieb des Lasers gestartet sein. Im Normalfall genügt der Diabolo-Treiber. Er teilt dem Computer mit, daß ein Atari-Laserdrucker angeschlossen ist. Der Treiber »Diabolo.PRG« gehört in den Auto-Ordner auf die Bootdiskette oder Bootpartition. In das Wurzelverzeichnis kommen »Setup630.ACC« und gleichnamige RSC-Datei sowie die mitgelieferten Fonts (alle Dateien mit der Endung *.FNT). Beim Booten lädt der Computer zunächst den Treiber und alle vorhandenen Fonts. Die stehen dann für den Ausdruck quasi als Drucker-interne Fonts zur Verfügung. Wenn man mit grafischen Zeichensätzen arbeitet, haben sie keine Wirkung. Das Setup-Programm bietet noch einige Einstellungen für den Drucker. Näheres erläutert eine Textdatei auf der Diskette. Man braucht sich aber zunächst gar nicht um dieses Programm kümmern.

Ein anderer Treiber für den Laserdrucker ist »Laserbrain«. Dieses Accessory emuliert einen Epson-Standard auf dem Atari-Laserdrucker. Es stammt von DMC und liegt jedem Atari-Laserdrucker bei. Beim Drucken übernimmt Laserbrain zunächst die ankommenden Daten in einen einstellbaren Puffer und gibt dann im wählbaren Font, mit den entsprechenden Attributen versehen, Text und Bilder an den Drucker weiter. Für Programme, die selbst einen Laserdruckertreiber haben, ist dieses Accessory nicht nötig, aber beim Drucken vom Desktop oder beispielsweise aus einem Texteditor bietet es einige schöne Gestaltungsmöglichkeiten. Die meisten Felder auf dem Bild erklären sich von selbst, nur der Hardcopy-Faktor ist nicht gleich verständlich. Laserbrain kontrolliert auch die bekannte Tastenkombination für eine Hardcopy auf dem Laser. Mit diesem Faktor bestimmen Sie die Ausgabegröße.

Ansonsten ist für Laserbrain noch der Hinweis auf die Datei »Las-brain.BAT« wichtig. Diese Datei enthält die Angaben, wie groß der für Laserbrain reservierte Speicherbereich ist, welcher Hardcopy-Faktor voreingestellt wurde, und auf welchem Pfad das Accessory seine Fonts sucht. Diese Batch-Datei gehört, ebenso wie das Accessory »Laser_d.ACC«, auf die Bootdiskette oder das Bootlaufwerk. Den Ordner mit den Fonts stellen Sie am besten einfach dazu. Nach dem ersten Starten laden Sie einmal die Fonts, dann merkt sich das Programm den Pfad für die Zukunft.

Laserbrain emuliert auf dem Atari-Laser den Epson-Standard

Wolfgang Klemme
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