Harlekin II, erweitertes Multiaccessory von Maxon

Hilfsprogramme, die jederzeit erreichbar im Hintergrund des Computers arbeiten, erfreuen sich steigender Beliebtheit. Nachdem Mortimer eine deutliche Aufwertung erfuhr, steigt jetzt auch Harlekin voll in die zweite Leistungsrunde ein.

Für Anwender, die Harlekin nicht kennen, hier kurz die wichtigsten Eigenschaften: Per Knopfdruck (z.B. <Shift Control Help» oder über den Accessory-Eintrag ruft man sich das Hauptmenü von Harlekin auf. Von dort oder auch direkt gelangt man beispielsweise weiter in den Editor, den Manager, ein Terminalprogramm oder den Monitor (für Speicher und Diskette). Ein Taschenrechner oder eine ASCII-Tabelle steht zur Verfügung. Sie dürfen Dateien und Disketten kopieren, Disketten formatieren und Ordner anlegen, alles aus einem laufenden Programm heraus. Harlekin ersetzt auch das von Atari mitgelieferte Kontrollfeld und erweitert es durch zahlreiche Funktionen. Die Druckeranpassung ist erleichtert, die TOS-eigene Dateiauswahlbox durch eine verbesserte eigene ersetzt, und über den aktuellen Speicherplatz informiert Harlekin ebenfalls jederzeit. Für die Erledigung immer wiederkehrender Funktionen fertigt man Makros an und ruft sie auf Tastendruck wieder ab. Eine nicht mehr wegzudenkende Zierde aller Desktop-Oberflächen stellt die Uhr in der rechten oberen Bildschirmecke dar, die ebenfalls Harlekin liefert, natürlich neben dem eigenen Bildschirmfont. Obligatorisch ist die RAM-Disk, ein Notwendigkeit für alle Nicht-Festplattenbesitzer. Doch das konnte Harlekin schon alles in seiner ersten Version. Harlekin II wartet jetzt mit eindrucksvollen Verbesserungen auf - nicht nur im Detail.

Bild 1a und 1b. Das neue Menüfeld von Harlekin II. Wegen der Funktionsfülle auf zwei Seiten verteilt

Nach der Eingabe der Seriennummer und des Namens erfolgt die beispiellos einfache Installation von Harlekin II. Nach dem Reset und Aufruf von Harlekin II findet man das neue Menüfeld auf dem Bildschirm (Bild 1). Der Funktionsumfang ist so sehr gewachsen, daß eine zweite Seite notwendig wurde. Mit Klick auf den gebogenen Pfeil findet man weitere Harlekinfunktionen als nachladbare Module auf der nächsten Seite.

Einer der Hauptkritikpunkte der alten Version war der notwendige Speicherplatz von etwa 300 KByte. Harlekin II gibt sich trotz gesteigertem Funktionsumfang mit etwa 200 KByte Speicher zufrieden. Verzichtet man gar auf den Manager, so begnügt sich Harlekin sogar mit 150 KByte. Allerdings hieße das, die Suppe ohne Salz zu kochen. Diese deutliche Einsparung erreichen die Programmierer, indem sie nicht mehr jedem Modul eine feste Speichergröße zuweisen, sondern sich die Module je nach Bedarf aus einem gemeinsamen Bereich so viel Speicher holen, wie gerade nötig ist. Das Konzept der nachladbaren Module erspart ebenfalls Speicherplatz. Außerdem ergibt sich dadurch die Möglichkeit, eigene Module für Harlekin zu entwickeln.

Diese Module verhalten sich ähnlich den CPX-Modulen des Kontrollfeldes bei Atari TTs und Mega STEs.

Die Dateiauswahl box von Harlekin ist überarbeitet und wartet mit interessanten neuen Funktionen auf. So gibt es jetzt eine History-Funktion, die häufig benötigte Pfade speichert und per Mausklick abrufbar macht. Befindet sich beispielsweise Ihr »Signum«auf Partition E der Festplatte und die entsprechenden Dokumente auf Partition F, dann wählen Sie per Maus sofort den gewünschten Pfad (Bild 2).

Die Dateiauswahlbox merkt sich auch bei einer größeren Dateienzahl den aktuellen Stand des Schiebers, so daß Sie sich bei einem weiteren Aufruf der Dateiauswahlbox an der gleichen Stelle wiederfinden.

Die Knöpfe für die Laufwerkswahl sind nach meinem Geschmack etwas zu klein geraten. Dies ist aber kein großes Problem, schließlich lassen sich die Laufwerke über und Laufwerksbuchstabe aufrufen.

Der Editor erlaubt nun die Blockmarkierung auch innerhalb von Zeilen und unterstützt dabei die Maus. Blöcke lassen sich im Absatzmodus einrücken, und bei Blockoperationen erfolgt ein automatischer Umbruch. Ob ein Editor auch Blocksatz beherrschen muß, darüber läßt sich trefflich streiten, Harlekin II beherrscht diese Fähigkeit jedenfalls (noch) nicht, auch läßt sich der Editor nicht als Ersatz für das bekannte »Guck«-Accessory verwenden, das heißt man kann nicht vom Desktop aus eine Textoder Bilddatei anklicken und im Editor darstellen. Man denkt allerdings bei Maxon über den Einbau dieser Funktion nach.

Bild 2. Pfadaufruf über die History-Funktion

Der Manager stellt eine komplette Neubearbeitung des alten Personal Planers dar. Inder Entwicklung floß eine große Zahl von Anwenderwünschen ein. In seiner Art ist der Manager ein einzigartiges Werkzeug, das es jedem Tester schwer machen muß, ihn zu beschreiben. Der Manager ist eine Datenbank, in die sich sehr leicht Zeitfunktionen einbauen lassen. So erinnert Sie Harlekin II an Termine. Endlich vergißt ein eifriger Programmierer nicht mehr die wichtigsten Geburtstage oder den Hochzeitstag. Ihre Lieblingsfernsehsendungen tragen sie ein und wiederholen den Termin jede Woche. Gleichzeitig verwalten Sie Ihre Telefonnummern privat oder geschäftlich und planen Ihr Buch in einem Stichwortkasten. Mit Icons am Rand blenden Sie nur die jeweils gewünschten Termingruppen ein und sorgen dafür, daß der Überblick erhalten bleibt. Eine Alarmfunktion erinnert an wichtige Termine (Bild 3).

Durch die Icons am linken Rand bringt man Ordnung in die Daten. Logische Verknüpfungen wie »und/oder« helfen bei der Suche. Ein Klick auf das Tagessymbol informiert über die Termine eines Tages. Wie sich Ihr Monat im Überblick darstellt, an welchen Tagen sich noch Termine unterbringen lassen, zeigt ihnen die Monatsübersicht. Dabei wählt man zwischen zwei verschiedenen Darstellungsformen, als Kalenderübersicht oder in der Tabellenform. Selbst ein ganzes Jahr zeigt Harlekin II in der Übersicht, dabei trägt das Programm die Anzahl der Termine an einem Tag als Zahlen ein (Bild 4).

Eine Reihe von Zusatzfunktionen, wie ein Icon-Editor, erleichtern die individuelle Arbeit mit dem Manager. Vorteilhaft auch: Die Suchfunktion greift auf den gesamten gespeicherten Text zu und nicht nur auf den in der Tabelle sichtbaren Bereich. Um den Manager richtig auszunutzen, bedarf es schon einer längeren Einarbeitung. Dabei kommt einem der Umstand zustatten, daß man nicht wie in einer Datenbank auf eine feste Maske festgelegt ist. Zweifelsohne stellt der Manager das mächtigste Tool von Harlekin II dar, allein dafür ist schon der Kaufpreis gerechtfertigt.

Bild 3. Der Manager unterstützt ihre Planung und arbeitet besser als manche Datenbank

Das Terminaltool wurde um das Y-Modem-Protokoll erweitert. Im Kontrollfeld fallen besonders die neuen Funktionen des Fonteditors und zur Tastaturbelegung auf. So läßt sich jetzt ganz einfach aus der deutschen Tastatur eine Tastatur mit französichen Sonderzeichen oder dänischen Sonderzeichen anfertigen (Bild 5). Die Datei-Utili-ties kopieren jetzt auch ganze Ordner und Dateien. Im Zusammenhang mit den Makros ein guter Weg, ein Backup der wichtigsten Daten eines Tages einfach zu bewerkstelligen.

Die RAM-Disk erfuhr ebenfalls eine Verbesserung. Sie läßt sich nun in der Größe verändern, ohne daß der Inhalt verloren geht. Zwar paßt sie sich immer noch nicht automatisch den Erfordernissen an, dafür arbeitet sie mit allen Kopierfunktionen des Desktop problemlos zusammen; ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Der Spooler hingegen ist dynamisch angelegt. Bei der Druckerausgabe belegt er soviel Speicherplatz, wie für die Druckerausgabe nötig ist. Eine Umlenkung der Spoolerausgabe auf den Bildschirm ist vorgesehen und hilft, eine Menge Druckerpapier zu sparen, wenn man sich zunächst das Druckergebnis auf dem Bildschirm ansieht. Die ganzen Einstellungen, die man in Harlekin II vornimmt, lassen sich jederzeit komplett speichern, indem man im Menü das Diskettensymbol anklickt.

Bild 4 a und 4b. Im Detail und en gros: Tagesplanung und Jahresübersicht mit Harlekin

In unserem Test erwies sich Harlekin II als ein sehr zuverlässiger Helfer. Das Programm ist sauber nach dem GEM-Richtlinien programmiert und läuft auf allen STs und TTs, unterstützt alle Erweiterungsboards und Grafikmodi, bis auf die 320 mal 200 Farbauflösung.

Harlekin II klinkt sich allerdings nicht so gnadenlos in das System ein wie Mortimer. Deshalb kommt Harlekin bei unsaubereren Programmen beziehungsweise Nicht-GEM-Programmen wie »STAD« im 2-D-Teil, bei »Signum«, im »GFA-Basic-Editor« oder mit dem Schachprogramm »Tartan« etc. nicht zum Vorschein. Doch mit »1st Word Plus«, »LDW-Powercalc« oder »K-SPREAD 4« klappt die Zusammenarbeit problemlos, selbst unter »KAOS« oder »Gemini« gibt es keine Schwierigkeiten.

Sogar im Betrieb neben Mortimer zeigten sich keine Probleme, wenn sich nicht einige Tastenfunktionen gegenseitig behindern. Harlekin II steht die Überarbeitung gut zu Gesicht. Ein leichter GEM-Jongleur mit einer großen Zahl an Fähigkeiten, mit denen sich fast spielerisch umgehen läßt, hat man sich nur erst einmal eingearbeitet. Der Manager steht dabei sicher ganz vorne im Rampenlicht. Für 159 Mark erhält der Anwender eine Vielzahl an Funktionen, die schon fast vergessen lassen, daß Harlekin eigentlich »nur« ein Accessory ist. (wk)

Maxon Computer, Schwa bacher Str 52, 6236 Eschborn

WERTUNG

Name: Harlekin II
Preis: 159 Mark
Hersteller: Maxon Computer

Stärken: Leistungsstarker Manager □ saubere Programmierung □ sehr hoher Funktionsumfang □ nachladbare Module

Schwächen: Editor ohne Blocksatz □ kein automatischer Aufruf des Editors beim Anklicken einer Text- beziehungsweise Bilddatei

Fazit: Ein überaus leistungsstarkes Accessory zu einem sehr guten Preis

Bild 5. Das Harlekin-II-Kontrollfeld weist Neuerungen bei der Tastaturbelegung auf


Christian Opel


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