Amerikanische Wertarbeit: Der neue Desktop

Die Benutzeroberfläche des 1040 STE ist mittlerweile bis auf geringfügige Details fehlerfrei, der Ruf nach mehr Bedienkomfort blieb von Ataris Entwicklungsabteilung jedoch lange Zeit ungehört. Im TT und Mega STE steckt ein neues Betriebssystem mit einem benutzerfreundlichen Desktop.

Schalten Sie Ihren Mega STE zum ersten Mal ein, erscheint die von den kleinen STs gewohnte Desktop-Oberfläche. Kommt der Mauspfeil in den Menütitel »Desk«, klappt ein Auswahlmenü mit dem obligatorischen Desktop-Info und einem Eintrag des neuen Kontrollfelds herunter. Das Kontrollfeld des Mega STEs. belegt mehr als 77 KByte Speicher, was allerdings bei einem Speicherausbau von 4 MByte leicht zu verschmerzen ist. Für besonders speicherhungrige Applikationen läßt sich »XControl« auch abschalten. Die Besonderheit des Accessorys ist der modulare Aufbau. Das heißt, es steht je ein Modul für Sound, Farbpalette, Drucker- und Modemkonfiguration und ähnliches zur Verfügung. Es ist möglich, daß Entwickler von Erweiterungskarten eigene Module zur Voreinstellung ihrer Hardware entwerfen. Im »Datei«-Menü hat sich schon mehr geändert. Neben den bekannten Menüpunkten gibt es fünf neue. Außer einer Funktion zum Suchen einer Datei ist auch das Setzen einer Maske für das aktuelle Desktop-Fenster vorgesehen. Somit erscheinen nur noch die Dateien mit einer bestimmten Extension, also zum Beispiel alle PRG- oder TXT-Dateien.

Im Desktop dürfen bis zu sieben Fenster gleichzeitig offen sein. Mit »Fenster wechseln« blättert man die Fenster der Reihe nach durch. Im Vergleich zur TOS-Version 1.06, dem Betriebssystem des 1040 STE, wurde die Diskettenkopier und -formatier-Box nicht wesentlich geändert. Neu ist lediglich der Formatierbefehl »Hohe Schreibdichte«, mit dem Atari für den Einbau eines High-Density-Diskettenlaufwerks vorgesorgt hat. Ohne entsprechendem Laufwerk ist dieser Auswahlpunkt jedoch nicht aktivierbar.

Im Index-Menü veranlaßt der Anwender, daß die Fenster immer nur soviele Dateisymbole anzeigen, wie ohne Scrollen nebeneinander sichtbar sind. Die Dateien erscheinen auf Wunsch auch unsortiert, das heißt in der Reihenfolge, wie sie auf der Diskette oder Festplatte gespeichert sind.

Eher überflüssig ist die Einstellmöglichkeit des Bild- und Fensterhintergrunds. Sie haben die Wahl zwischen acht verschiedenen Mustern und allen verfügbaren Farben. Aber unserer Erfahrung nach ist die voreingestellte Kombination zum Arbeiten am besten geeignet.

Für alle weiteren Befehle ist das »Extras«-Menü zuständig. Hier meldet man Desktop- und Fenster-Icons an. Desktop-Icons sind kleine Piktogramme für Laufwerke, Papierkorb und Drucker, während Fenster-Icons Symbole für Dateien darstellen. Um einen Text auszudrucken genügt es, die Datei mit der Maus auf das Drucker-Icon zu verschieben. Zur individuellen Gestaltung der Benutzeroberfläche sind 35 verschiedene Symbole verfügbar. Reichen diese nicht, können Sie mit einem »Resource Construction Kit« neue entwerfen. Früher ärgerte man sich bei der Benutzung einer RAM-Disk über das umständliche Einrichten von neuen Laufwerken. Im Mega STE-TOS klicken Sie nur noch auf den Menüpunkt »Laufwerke anmelden«. Daraufhin stellt das Betriebssystem für jedes installierte Lauf werk ein Icon bereit.

Ebenso einfach entfernt man überflüssige Laufwerkssymbole. Sie selektieren zunächst alle störenden Piktogramme und wählen dann »Ikonen entfernen«.

Alle Menüpunkte erreicht man auch per Tastatur. Die Tastenbelegung ist dabei nicht starr organisiert. Der Anwender darf sie verändern und damit den eigenen Bedürfnissen anpassen. Die »Desktop Konfiguration« steuert auch die Belegung der Funktionstasten. Diesen dürfen Sie je ein Programm zuordnen. Beim Druck auf eine Funktionstaste startet das Betriebssystem automatisch das jeweilige Programm.

Neu ist auch das Ablegen von Piktogrammen auf dem Desktop. Man muß sich nicht mehr umständlich durch mehrere Ordner graben, sondern klickt auf das betreffende Symbol. Dieses erzeugen Sie, indem Sie ein Programm-Icon auf die freie Desktopfläche ziehen. Klicken Sie einen Text an, können Sie ihn entweder drucken oder ansehen. Wie bei den alten TOS-Versionen scrollt der Text zeilenweise beim Drücken von , während eine ganze Bildschirmseite bei Betätigung der -Taste durchläuft. Neu ist, daß die Textdatei auch beim Druck auf die linke Maustaste eine Seite weiterläuft. Ein Klick auf die rechte Taste der Maus bricht den Anzeige-Modus ab. Diese beiden Funktionen sind übrigens schon im Betriebssystem des 1040 STE integriert.

Unserer Meinung nach ist das TOS des Mega STE und TT schon so benutzerfreundlich und komfortabel, daß der Anwender auf Betriebssystemerweiterungen und alternative Desktops wie »Gemini« oder »Neodesk« verzichten kann. Atari verkauft den Mega STE als Arbeitsmaschine für Anwender, die nicht die geballte Rechenleistung eines TT brauchen. Für den Preis von etwa 3000 Mark erhält der Käufer einen Computer mit einem fantastischen Betriebssystem. Bis auf die Multitaskingfähigkeit vermißt der Anwender nichts. Aber auch in diesem Punkt hat Atari schon Abhilfe angekündigt. (tb)

Atari verkauft den Mega STE seit kurzer Zeit nur noch mit 2 MByte Speicher und einem Diskettenlaufwerk. Dadurch sinkt der Preis des Geräts entsprechend. Möchten Sie Ihr Gerät mit mehr Speicher und einer Festplatte ausrüsten, bietet Atari Erweiterungssätze an. Obwohl das Gehäuse versiegelt ist, hat das Öffnen des Computers und der Einbau von Speicherbausteinen oder Festplatte keine Auswirkungen auf die Garantie.

Bild 1. Das neue Kontrollfeld besteht aus einzelnen Modulen
Bild 2. Eine Dateimaske hat keine Wirkung auf Ordner
Bild 3. Dateien und Ordner dürfen ein entsprechendes Icon erhalten
Bild 4. Im Konfigurationsmenü stellen Sie die Tastaturbelegung der einzelnen Funktionen ein

Gerhard Bauer
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