Von der Karteikarte zur Präsentation: Hypertext und Volltextretrieval mit »1st Card«, Teil 2

In der letzten Ausgabe zeigten wir, was sich hinter dem Hypertextlconzept verbirgt und wie sich Hypertext sinnvoll einsetzen läßt. Dazu dienten Beispiele aus dem studentischen Alltag, die wir diesmal noch erweitern wollen.

Erinnern Sie sich an das Beispiel der letzten Ausgabe: Dort war von einem elektronischen Karteikasten die Rede, durch den sich das geballte Wissen aufbereiten läßt, mit dem sich jeder Student auseinandersetzen muß. Er bietet Vorteile, die den traditionellen Zettelkasten antiquiert erscheinen lassen. Das schnelle Auffinden von Informationen oder die leichte Aktualisierung der Karteikarten, die dabei stets leserlich bleiben, waren einige dieser Vorteile.

Was machen aber all jene, die das geduldige Papier nicht missen wollen? Bevorzugen Sie zum Lernen Ihrer Karteikarten den Stadtpark anstelle des heimischen Schreibtisches, fehlt natürlich die Steckdose für den ST. Sie drucken daher Ihr Tagespensum einfach vor Ihrem Arbeitsspaziergang aus. Dazu nutzen Sie die Funktion »Protokolle ausgeben«. Über die Volltextsuche lassen Sie sich nach und nach die interessanten Karten anzeigen. So erzwingen Sie ein Protokoll, in dem genau die Karten verzeichnet sind, die Sie mitnehmen wollen. Nach dem Ausdruck der Kartentexte lernen Sie diese in gewohnter Weise.

Die Funktion »Protokolle ausgeben« erweist sich auch in einem anderen Umfeld als sehr nützlich. Spätestens kurz vor Abschluß des Studiums muß jeder Student eine wissenschaftliche Arbeit, Examens- oder Diplomarbeit verfassen, deren Bearbeitungszeit meist knapp bemessen ist. Vor dem eigentlichen Formulieren des Textes steht erst einmal die Recherche und Aufarbeitung wissenschaftlicher Literatur. Fortschrittlichere Studenten bedienen sich konventioneller Datenbankprogramme, um die Literatur wenigstens formal zu verwalten. Deren inhaltliche Verwaltung, also Zitate, Anmerkungen oder Querverweise, erweist sich aufgrund der starren Eingabemasken dieser Programme jedoch schnell als zu unflexibel.

Dieses Problem löst »1st Card« durch seine frei gestaltbaren Karten. Während des Erarbeitens der Literatur legen Sie für alles, was Ihnen wichtig erscheint, Karten an und stellen durch die Verwendung von Buttons Verbindungen untereinander her. Durch die Volltextsuche erfahren Sie außerdem schnell, ob und in welchem Zusammenhang Sie bereits Informationen zu einem Aspekt gesammelt haben und wo Ihnen noch Informationen fehlen.

Ist die Recherche abgeschlossen, gilt es, aus dem Hypertextnetzwerk einen Text zu machen. Genauso wie für den Arbeitsspaziergang erzeugen Sie sich ein Protokoll und geben es aus. 1st Card legt die Texte daraufhin in einer zusammenhängenden ASCIl-Datei ab, um sie mit einer Textverarbeitung weiterzuverarbeiten. Denn meist ist es einfacher, ehemalige Kartentexte umzuformulieren, als sie völlig neu zu schreiben und einzutippen.

Skeptikern ist sicher noch in Erinnerung, daß wir als maximale Größe der Karten in 1st Card-Stapeln noch den Inhalt eines Bildschirms genannt haben. Es stellt sich also die Frage, wie man umfangreichere Texte verwaltet. Diese Texte auf mehrere Karten zu verteilen und durch Buttons miteinander zu verbinden, ist ein Weg. Genügt Ihnen das nicht, bietet sich noch eine andere Vorgehensweise an. Sie verfassen auf der Karteikarte in 1st Card eine Inhaltsangabe des Dokuments und legen einen Button für einen Programmaufruf an. Reicht Ihnen später die Zusammenfassung nicht aus, klicken Sie auf den Button. 1st Card startet Ihre Textverarbeitung und lädt automatisch das entsprechende Dokument. Natürlich ist diese Funktion nicht auf Textverarbeitungen beschränkt, so daß sich Programme aller Softwarekategorien von 1 st Card aus starten lassen. Einziges Kriterium hierbei ist, wie so oft, die Sauberkeit der Programmierung (Übergabe von TOS-Parametern). Wir haben in diesem Zusammenhang festgestellt, daß die Zusammenarbeit mit 1 st Card sowohl von der Programmversion des zu startenden Programms, als auch von der individuellen Installation (Pfade der Dateien) abhängt.

Einige Kommilitonen kommen nicht umhin, ihre Arbeit auch zu präsentieren. Zur optischen Unterstützung des Vortrags bedient man sich häufig eines Tageslichtprojektors und entsprechender Folien. Da Sie ja sämtliche Informationen schon in Ihrem Netzwerk haben, brauchen Sie sie jetzt nur noch in eine optisch ansprechende Form zu bringen. Dazu reduzieren Sieden Inhalt der Karten auf die wesentlichen Aussagen.

Nach dem Motto »ein Bild sagt mehr als tausend Worte« nehmen Sie Grafiken aus Ihrem Malprogramm in die 1 st Card Bilder-Bibliothek auf und positionieren diese dann frei auf den Karten. Sollen Ihre Bilder auch Textinformationen enthalten, bietet sich das folgende Verfahren an. Positionieren Sie als erstes den Text auf der Karte und machen Sie anschließend einen Snapshot des Bildschirms (z.B. unter Verwendung von 1 st— Card.ACC). Bearbeiten Sie den Snapshot in Ihrem Malprogramm, indem Sie die Grafik um den Text herum anlegen. Entfernen Sie die Textbestandteile und machen Sie erneut einen Snapshot von der Grafik. Die Grafik fügt sich nun passgenau auf Ihrer Karte ein, und die Volltextsuche berücksichtigt alle Textbestandteile. Drucken Sie die Karten aus, und schon haben Sie Vorlagen für Ihre Folien.

Noch praktischer ist es, wenn Ihnen für Ihre Präsentation ein Panel zur Verfügung steht. So projizieren Sie den Karteninhalt direkt an die Wand. Die Sequenz der Karten, mit deren Hilfe Sie Ihren Vortrag optisch auflockern wollen, legen Sie vorher in einem Protokoll fest. Das Protokoll bildet für Ihren Vortrag den roten Faden, den Sie auf diese Weise wohl nur schwer verlieren. Zur Unterstützung Ihrer Antworten auf Zwischenfragen oder in einer Diskussion bedienen Sie sich wiederum der Volltextsuche. So ergänzen und belegen Sie Ihre Ausführungen schnell durch geeignete Karten. (wk)

Kontaktpflege

Der Dialog zwischen Anwender und Programmautor gestaltet sich bei 1st Card besonders produktiv. Gerhard Oppenhorst, der Autor von 1st Card, nimmt Anregungen oder Fehlerbeschreibungen gern auf. Beachtlich ist die Geschwindigkeit, mit der man auf die Initiative von Anwendern reagiert. So »lernte« 1st Card während der Vorbereitungen für diesen Artikel die Funktion »Protokolle ausgeben« und die Erzeugung eines Protokolls bei Hypertextanwendungen. Auch hinsichtlich der Bedienerfreudlichkeit versucht das Programm, Maßstäbe zu setzen: In Dialog- und Alarmboxen ist in der Regel ein Kommando mit der -Taste gekoppelt. Diese Voreinstellungen lassen sich in 1st Card ändern, indem Sie beim Anklicken des Kommandos, das als Default gelten soll, die -Taste drücken. So erreichen Sie die Anpassung an Ihre Bedürfnisse und damit eine Vereinfachung der Programmhandhabung.

Bild 1. Die Ausgabe von Protokollen erspart Kleinarbeit
Bild 2. Die Voreinstellung der Dialogboxen läßt sich leicht ändern
Bild 3. Verwenden Sie für die Textbestandteile Ihrer Grafiken den programmeigenen Editor, berücksichtigt 1st Card diese bei der Volltextsuche

Thomas Schnieders
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