Editorial: CALAMUS SL - Wer neunmal lügt

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie arbeiten täglich mit dem Atari ST oder TT. Benutzen ein Programm, das noch einige Macken enthält. Leider gibt es keine Alternative. Die neue Version soll wesentlich schneller, funktionsreicher sein. Und Sie warten auf die neue Version. Die neue Version wurde offiziell angekündigt, wie Ihnen Ihr Computerhändler durch ein Schreiben des Herstellers beweist. Die Auslieferung verzögert sich aber, wie man es von Software schon fast gewohnt ist. Aber auf einer Messe sehen Sie die neue Version, und der freundliche Herr verspricht die baldige Auslieferung. Leider verschiebt sich der Termin immer weiter. Immer neue Ankündigungen folgen, gehalten wird nichts. Ihre Skepsis wächst immer mehr. Wenn das Produkt erhältlich ist, werden Sie sich vor der neuen Investition detailliert informieren.

Gemeint ist das Desktop-Publishing-Programm »Calamus«. In 1 1/2 Jahren kündigte der Hersteller DMC neunmal per Schreiben an die Händler die neue Calamus-Version an. Endlich wird es ausgeliefert. Zeitgleich erreicht uns ein Fax von DMC, das nicht nur dies bestätigt, sondern auch meldet, daß ein Rezensionsexemplar unterwegs ist. Ebenso wie wir warten andere kritische Fachzeitschriften bis heute vergebens. Wird hier mit voller Absicht die Presse hingehalten, der Kunde um eine objektive Berichterstattung betrogen? Soll man dieses Programm überhaupt noch testen? Jeder muß sich selbst sein Urteil bilden, ob er nach solchem Taktieren DMC ein zehntes Mal glauben soll.

Herzlichst,
Ihr Horst Brandl,
Chefredakteur


Horst Brandl
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