Gründlich analysiert: Datenbank Phoenix - Der Wundervogel (Teil 2)

Im ersten Teil des Testberichts beschäftigten wir uns mit der Funktionalität und der Mensch-Maschine-Schnittstelle von Phoenix. Nun betrachten wir das Programm während des praktischen Einsatzes. Dabei stellen wir einen Geschwindigkeitsvergleich zwischen Phoenix und Adimens ST Plus an.

Import/Export

Wenn Sie bereits Datenbestände haben, dann nutzen Sie normalerweise als erstes die Import-Funktion von Phoenix. Dem ausgiebigen Datenaustausch sind kaum Grenzen gesetzt, weil auch dieser Programmteil sehr flexibel ausgelegt ist. Die Parameter reichen vom Datums- und Dezimalpunktformat bis zum Feld- oder Datensatz-Trennzeichen.

Ebenso wichtig für einen schnellen Import sind diverse Einstellungen, die Sie bereits beim Öffnen der Datenbank machen müssen. Da ist zunächst der Index-Cache. Er sollte großzügig dimensioniert sein, damit alle neuen Schlüssel sofort in ihm Platz finden und sie der Computer nicht während des Importierens auf dem Massenspeicher ablegen muß.

Diese Arbeitsweise setzt voraus, daß die Funktion »Autoflush« beim Öffnen nicht angewählt ist. Sonst bringt Phoenix nach jedem Datensatz die Indexdatei auf den neuesten Stand, egal ob der Cache 1 KByte oder 1 MByte groß ist. Mit optimalen Rahmenbedingungen erzielen Sie dann auch ordentliche Zeiten für den Datenimport. Die folgende Tabelle verdeutlicht den Vergleich zu Adimens (alle Zeiten sind in Minuten angegeben).

Diese Werte sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da hier noch andere Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Die Anzahl der Schlüssel pro Tabelle und der Füllungsgrad pro Datensatz sind zum Beispiel nicht unerheblich. Anwender mit langsamen Festplatten erzielen noch größere Geschwindigkeitsvorteile. Die Cacheverwaltung von Phoenix spart kostbare Zeit, die sonst die Festplatte verschlingen würde.

Beim Exportieren von Daten nehmen sich die beiden Kontrahenten nichts. Hierbei erzeugen Datenbank-Programme aber auch keine Indextabellen oder dergleichen, sondern reine ASCII-Dateien, so daß dies nicht weiter verwundert.

Als letzte Bemerkung zum Thema Import/Export ist noch zu erwähnen, daß Phoenix diese Funktionen als Prozeß verwaltet. Somit sind Sie in Ihrer weiteren Arbeit nicht behindert und können sich anderen Dingen widmen.

Zugriffsgeschwindigkeit

Datensätze / Größe Adimens Phoenix Faktor
410 / je 806 Byte 12:28 2:11 5,7
424 / je 102 Byte 4:16 1:45 2,4
220 / je 72Byte 1:18 0:36 2,2
1475 / je 734 Byte 15:53 5:58 2,7
51 / je 438 Byte 0:23 0:09 2,6
51 / je 948 Byte 0:48 0:12 4,0

Wer Adimens kennt, ist von den Suchzeiten bereits verwöhnt. Die Zeit, bis ein Datensatz über den Schlüsselbegriff gefunden wurde, bewegte sich bereits bei diesem System im kaum meßbaren Bereich, doch Phoenix steht dem in nichts nach. Da Adimens jedoch vom Grundsatz her nicht für eine grafische Benutzeroberfläche entwickelt wurde (UNIX war die Ursprungsplattform), gibt es ein paar Schwächen beim fensterorientierten Arbeiten.

Nehmen wir an, Sie haben in Adimens eine Datei geöffnet und sehen das Listenfenster vor sich. Wenn Sie nun den Scrollbalken nehmen und ihn in die Mitte des Fensters ziehen, so dauert es - je nach Anzahl der Datensätze - schon mal ein paar Sekunden (bis zu einigen Minuten), bis Sie die gewünschten Datensätze erhalten. Phoenix hat hier durch seinen Schlüssel-Cache eindeutig die besseren Karten. Es vergehen nur wenige Augenblicke, und das Fenster baut sich mit den neuen Datensätzen auf. Hier zeigt sich ganz deutlich die Orientierung von Phoenix im Sektor der grafischen Oberflächen.

Bild 1. Die vielfältigen Import/Export-Parameter bei Phoenix
Bild 2. Beispiel Exportieren: So sehen Prozeß-Fenster aus.
Bild 3. Hier definieren Sie Ihre Rechnungen in Phoenix
Bild 4. Die kontextbezogene Hilfefunktion steht immer bereit

Abfragen

Auch Adimens beherrscht seit langem die Funktion, nur einen Bruchteil des gesamten Datenbestandes auszugeben. Die entsprechenden Vorgaben legen Sie in einer sogenannten Wahldefinition fest. Seit der Version 3.1 gibt es auch hier die Möglichkeit, QBE-Abfragen zu gestalten. Wie im ersten Teil unseres Testberichts zu lesen war, realisiert Phoenix seine Abfragen ebenfalls über QBE. Phoenix bietet hier allerdings eine bessere Handhabung über seine Systemtabellen.

Diese Systemtabellen sind prinzipiell genauso organisiert wie die eigenen Datenbanktabellen. In diesen verwaltet Phoenix unter anderem auch die Abfrageliste. Diese Liste bietet dem Anwender einen bequemen Weg, seine nun gewünschten Abfragen auszuwählen. Wenn Sie eine Abfrage starten, erzeugt Phoenix wieder einen Prozeß, der nun einen Auszug der Originaldatenbank erzeugt. Starten Sie eine Abfrage über einen Schlüsselbegiff, so haben Sie innerhalb weniger Sekunden (je nach Umfang der Datenbank) Ihre selektierten Daten parat.

Dies funktioniert bei Adimens mittlerweile zwar ähnlich, jedoch liest das Programm immer bis zum Ende der Datenbank, was den Vorgang erheblich verzögert. Verwenden Sie für die Abfrage einen Nicht-Schlüsselbegriff, so lesen beide Systeme über die ganze Datenbank. Hier hilft Phoenix auch der Index-Cache nichts. Die Suchzeiten der beiden Programme sind hier deshalb ähnlich.

Ein von Phoenix erzeugter Auszug ist nun wie eine neue Tabelle zu behandeln. Die Rede ist hier von Tabellen-Klemmbrettern. Diese Klemmbretter können Sie in Sinnbilder verwandeln, was der Übersichtlichkeit auf dem Desktop zugute kommt. Mit diesen Klemmbrettern arbeiten Sie nun innerhalb von Phoenix weiter. Formatierte Reports und Kalkulationen sind nur zwei Beispiele.

Rechnen

Die integrierte Rechenmaschine von Phoenix wurde im ersten Teil auch schon kurz erwähnt. Hier deshalb nur noch ein paar interessante Details. Genauso wie Abfragen und Reports verwaltet Phoenix die Rechendefinitionen in Systemtabellen. Die praktische Handhabung ist somit überall gleich, was wiederum den Einarbeitungsaufwand verkürzt. Neben den Grundrechenarten sowie Datums- und Zeitberechnungen beherrscht Phoenix auch Stringoperationen -zum Beispiel Zusammenfügen und Ersetzen von Teilstrings.

Eine definierte Rechnung aktivieren Sie auf zwei unterschiedliche Arten in der Datenbank. Entweder Sie führen die Rechnung ganz normal aus, dann schreibt das Programm jeden Datensatz korrigiert in die Datenbank zurück.

Als zweiten Weg bietet Phoenix den Befehl »Rechnung zuweisen« an. Hiermit lassen Sie zwar die Formel auf die Datensätze einwirken, jedoch nimmt dieser Vorgang keine physikalischen Änderungen in der Datenbank vor. So läßt sich leicht überprüfen, ob eine beabsichtigte Korrektur-Rechnung auch die gewünschten Werte liefert, bevor man sie dann endgültig ausführt. Oder Sie definieren in der Datenbank reine Anzeigefelder, die für solche Rechenzuweisungen zu gebrauchen sind.

Reorganisation

Phoenix enthält auch ein Modul zum Reorganisieren der Datenbank. Ein Reorganisationslauf ist notwendig, wenn folgende Fälle eingetreten sind:

Der Reorganizer nutzt ebenfalls kräftig den Index-Cache, was die Operationen erheblich beschleunigt. Auch hier gilt: vor dem Reorganisieren den Cache größtmöglich definieren - für alle Fälle. Wenn Sie es sich speichermäßig leisten können, dann können Sie Phoenix sogar als Accessory starten. Somit haben Sie aus allen GEM-Programmen heraus einen Zugriff auf Ihre Daten.

Achtung Programmierer: In der neuesten Auflage des Buchs »Vom Anfänger zum GEM-Profi« wird die neue Version des GEM-Toolkits der Geiß-Brüder verfügbar sein. Wer das Buch schon sein Eigen nennt, sollte sich mit dem Verlag in Verbindung setzen, um ein Update der Diskette zu erhalten. Sämtliche GEM-Funktionen aus Phoenix sind in der neuen Version enthalten. Die Datenbank-Software Phoenix überzeugt in ihrer Performance voll und ganz. Wer mit seiner alten Datenbank mehr Kaffeepausen einlegt, als produktiv zu arbeiten, der sollte sich Phoenix ansehen (zum Beispiel die Demo-Version auf der TOS-Diskette zu dieser Ausgabe). Nicht nur der Geschwindigkeitsvorteil durch den Index-Cache, sondern auch die Multitasking-Umgebung machen die Anwendung von Phoenix zu einem effektiven Arbeits-Vergnügen - von den vielen neuen Datentypen und deren gelungener Einbindung in das Gesamtsystem ganz zu schweigen. (ts)

WERTUNG

Name: Phoenix 1.0
Preis: 398 Mark
Hersteller: ASH

Stärken: Benutzeroberfläche □ Hilfesystem □ Multitasking □ Geschwindigkeit □ Abfragen/Reports/Rechnungen □ Maskeneditor □ Netzwerk vorbereitet □ Übersicht □ Handbuch

Schwächen: Nicht programmierbar

Fazit: Die neue Referenz-Datenbank auf dem Atari ST/TT

Application Systems Heidelberg, Englerstr. 3. 6900 Heidelberg 1
Literaturhinweise: Dieter & Jürgen Geiß. »Vom Anfänger zum GEM-Profi«, Hüthig Verlag, 1990


Carsten Reinhardt
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