Die Tops & Flops ’90 im Jahresrückblick: Produkte, Personen und Pointen

Wir wissen nicht, was uns die Neunziger Jahre noch so alles bescheren - aber eines steht fest: Im Auftakt-Jahr zum letzten Jahrzehnt dieses Jahrtausends gab es bereits jede Menge Stars und Stuß, Prächtiges und Peinliches, Geniales und Grausames, Freudiges und Fürchterliches: Kurzum, hier sind sie - die Tops und Flops 1990.

TOPS

Video-Würze

Echtzeit/Echtfarb-Digitizer, Genlock, 65536 Farben und hohe Auflösung: Die programmierbare Video-Effektkarte »Chili« ist mit edelstem Grafik-Pfeffer scharf gewürzt. Zu scharf sogar für vergleichbare Erweiterungs-Karten zu Commodores Amiga, dessen meilenweiter Vorsprung auf den Atari ST im Video-Sektor damit entscheidend schrumpft. Diese feine Gewürzmischung wird zwar mit knapp 4000 Mark nicht gerade unter Preis verkauft, enthält dafür aber auch ein hochwertiges Software-Paket mit Titelgenerator, Malprogramm und beeindruckenden Video-Spezialeffekten. (ts)

Das hohe C

Der C-Compiler von Borland hat zu Beginn des letzten Jahres Zuwachs bekommen: den »Turbo Debugger«. Im Zusammenspiel ist es für den Programmierer ein Leichtes, Software für den Atari ST oder TT zu entwickeln. Der erzeugte Code ist sehr kompakt und bringt selbst bei komplizierten Strukturen bis zu etwa 80 Prozent Leistung verglichen mit reinem Assembler. Auf der Suche nach Fehlern steht Ihnen der Turbo Debugger mit seiner großen Anzahl an Funktionen zur Seite. Da bleibt keine Variable unbeobachtet, keine Speicherstelle unverändert. Die umfangreiche Online-Hilfe des Turbo C-Editors erspart langwieriges Blättern in Handbüchern. Turbo C 2.0 Pro ist der Standard-Compiler für C-Programmierer. (ah)

Mega-STarke Evolution

Ataris Neuer bietet gegenüber seinem Vorgänger eine Reihe von Vorteilen, die eine Entscheidung wirklich leicht machen. Applaus: Der gute alte SM 124 Monochrom-Monitor darf nach der kurzen TT-Pause wieder seinen Dienst verrichten. Nicht zuletzt ist der Preis von etwa 3000 Mark für die Attraktivität des Mega ST-Nachfolgers verantwortlich. Der Käufer erhält das Gerät mit 4 MByte Speicher, einer 48 MByte SCSI-Platte und dem bewährten und beliebten SM124-Monitor. Atari ist mit dem Mega STE seinem Motto »Wir machen Spitzentechnologie preiswert« treu geblieben. (ah)

Kreativ und druckvoll

Das Update zur Version 2.0 des MIDI-Recording-Systems »Cubase« war in programmiertechnischer wie in finanzieller Hinsicht ein Hit. Die Verbesserungen wie algorithmische Kompositionen mittels »Interactive Phrase Synthesizer« (IPS) im Sequenzerteil sowie die langer wartete Fähigkeit zum Notendruck erhielten registrierte Anwender für 60 Mark, angesichts der Neuerungen und Verbesserungen fast schon ein Spottprejs. (tb)

Austauschmotor

Jeder Auto-Typ wird üblicherweise mit mehreren Motor-Varianten an-geboten - nur die ST-Modelle nicht. Doch im vergangenen Jahr erlebten Hardware-Beschleuniger-Zusätze, kurz Turbo-Karten oder noch kürzer Speeder genannt, einen beispiellosen Boom. Der Konkurrenzdruck trieb zwar leider die Preise noch nicht in den Keller, dafür aber die Leistung in beachtliche Höhen. Vom einfachen 16 MHz-68000er bis hin zum 68030/ 68881 -Board mit 25 MHz Prozessor- und bis zu 32 MHz-Coprozessortakt buhlen die unterschiedlichsten Austausch-Motoren um die Gunst, den ST in ungeahnte Geschwindigkeitsregionen zu katapultieren. (ts)

Angenehme Armut

In Amerika sind Katalysator-Autos schon lange Standard - Deutschland hinkte etliche Jahre hinter diesem guten und wichtigen Beispiel her. In Schweden hat jeder Hersteller einen schweren Stand, der Monitore anbietet, die nicht den strengen schwedischen Richtlinien für Strahlungsarmut entsprechen. Nur bei uns darf jede Computer-Flimmerkiste strahlen wie der Kern im Reaktor. 1990 beginnen auch wir, zaghaft aus dem unheilvollen Dornröschenschlaf zu erwachen. JVC paßte beispielsweise seine komplette Farbmonitorpalette an die schwedischen Richtlinien an, und Protar plant, einen strahlungsarmen Monochrom-Großbildschirm für den TT anzubieten. Dies ist der Anfang eines vorbeugenden Gesundheitsbewußtseins, das nicht erst darauf wartet, bis die Schädlichkeit der vielfältigen Monitor-Strahlungsarten bewiesen ist - denn dann ist es zu spät. (ts)

Kleiner ganz groß

Mit dem »SLM 605« stellte Atari auf der Düsseldorfer Hausmesse einen Laserdrucker für den ST und TT vor, der zu einem geringeren Preis ein Deutliches mehr an Leistung bietet als der bekannte SLM 804. Trotz neuer Mechanik ist Ataris jüngster Laser SLM 804-kompatibel. Lediglich die Druckgeschwindigkeit verringerte sich beim SLM 605 von nominellen acht auf nominelle sechs DIN-A4 Seiten pro Minute. Tatsächlich erledigt der »Kleine« aber seine Aufgabe dank der durchdachten Papierführung schneller als der SLM 804.

Neben der besseren Funktionalität bietet Atari mit dem SLM 605 endlich einen Laser an, der Rücksicht auf die strapazierten Nerven der Anwender nimmt. Nach einem kurzen »Röhren« während der Aufwärm-Phase bemerkt man den Drucker nicht, da er im Stand by-Betrieb durch Ruhe glänzt.

Bleibt zu hoffen, daß Atari das Beispiel »mehr Leistung für weniger Geld« in Zukunft noch öfter aufgreift. (uh)

Die dritte Stufe

C-Lab steht Steinberg in nichts nach: Auf vier Disketten gibt's die neue Version 3.0 des bewährten Sequenzer-/Notendruckprogramms »Notator« inklusive Zeichensätzen, Network-Datei und diversen Demo-Songs.

Die Nachbearbeitung im Sequenzerteil erleichtert eine Hyper-Edit-Funktion, Makros beschleunigen häufig wiederkehrende Bedienvorgänge. Der Clou ist jedoch das komplett neue und im Gegensatz zum Vorgänger erheblich übersichtlichere Handbuch. Und das alles zum Preis von 80 Mark, mit dem C-Lab gerade mal die Unkosten der Update-Aktion abdecken dürfte. (tb)

Siegreicher Streiter

Application Systems Heidelberg gelang es mit »Script II«, der trotz bekannter Fehler im ST-Bereich am weitesten verbreiteten Textverarbeitung 1st Word plus Paroli zu bieten. Bei genauerem Betrachten schlägt der Aufsteiger den Altmeister sogar im Funktionsumfang. Dabei ist die Handhabung mindestens ebenso einfach wie bei 1st Word plus.

Alles in allem steht mit Script II eine leistungsstarke Textverarbeitung zur Verfügung, die mit 298 Mark erschwinglich ist und die sich im Einsatz als sehr zuverlässig und absturzsicher erwies. (uh)

Klein, schwarz, stark

Leistungsstark, kompakt und preiswert sind die beiden »Potato«-ROM-Port-Expander der Schweizer Marvin AG, die Sie mit drei oder vier Steckplätzen erhalten. Das Umschalten zwischen den Dongles erfolgt schnell und komfortabel über ein Accessory. Angesichts der Tatsache, daß das Preisniveau der bis vor kurzem ohnehin sehr wenigen ROM-Port-Expander bei knapp 300 Mark begann, darf man Marvins schwarze Kartoffeln mit 119 Mark für die Drei-Steckplätze-Version und 188 Mark für die Ausgabe mit vier Steckplätzen als kleine Sensation werten. (tb)

Designer-Editor

Die Bezeichnung »Editor« ist eigentlich untertrieben. »Edison« aus dem Hause Kniss Soft bietet eine ausgereifte Arbeitsumgebung für Vielschreiber - vom Autor bis hin zum Programmierer. Die reichhaltige Auswahl an Funktionen in Verbindung mit dem nötigen Komfort befriedigt auch höchste Ansprüche. Und dazu ist er noch schnell. Ob Atari ST oder TT, Standardauflösungen oder deren Derivate - Edison meldet sich zum Dienst. Fazit: Referenzklasse. (ah)

Datenfluß en masse

Wer viel kopiert, verschiebt und löscht, ist auf gute Produkte angewiesen. Großmeister im Kopieren ist der »Fast Filemover«. Dieses Utility verschiebt in Windeseile Daten zwischen zwei Drehscheiben, die sich wahlweise mit 300 oder bis zu 3600 Umdrehungen pro Minute bewegen dürfen.

Auch unter dem Aspekt der Datensicherung (Backups) und aufgrund des niedrigen Preises von 59 Mark ist der »Fast Filemover« uneingeschränkt jedem zu empfehlen, der viel und oft mit großen Datenmengen jonglieren muß. (ah)

Fliegender Wechsel

Die anfangs noch für den Verbraucher-Geldbeutel unerschwinglichen Wechselplatten erfreuen sich in letzter Zeit immer größerer Beliebtheit. Für weit unter 2000 Mark sind bereits Laufwerke dieser Klasse erhältlich. Besonders wichtig in der neuen Entwicklung: Trotz der verschiedenen Hersteller hat sich ein Standard etabliert. Die Kapazität von 44 MByte ist mehr als ausreichend, ebenso die schnelle Zugriffszeit von etwa 28 ms und -nicht zu vergessen - die trotz Wechselmedium verblüffend hohe Datensicherheit. (ah)

FLOPS

Paradepferd

Ataris Sorgenkind ist der nordamerikanische Markt. Er bringt den Umsatz eines kleinen europäischen Landes. Blamabel für eine amerikanische Company, kein Tor beim Heimspiel zu ergattern. Generationen von Verkaufsteams haben sich daran versucht und scheiterten kläglich. Jetzt setzt man den besten Mann auf den weltweiten Markt an, also auch auf den lädierten nordamerikanischen.

Mit anderen Worten liest es sich so: Operation gelungen, Patient tot, und jetzt wird ein bewährter Herz-Chirurg angesetzt, der den Patienten wiederbeleben soll. Verlangt man von dem bewährten Dr. Barnard die zweifelhaften Qualitäten eines Dr. Frankenstein? (hb)

Taktlos

Wenn eine Stereo-Anlage im Schaufenster mit »100 Watt« angepriesen wird, dann kann das im günstigsten Fall 100 Watt Dauerleistung pro Kanal - schlimmstenfalls aber auch 2x50 Watt kurzzeitige Spitzenleistung bedeuten. Wenn ein Computer (nennen wir ihn einmal Atari TT) mit »32 MHz« angepriesen wird, dann heißt das selbstverständlich, daß nur die Prozessoren mit diesem Takt arbeiten, während sich die anderen Computer-Komponenten mit 16 MHz begnügen müssen. Was haben Sie denn erwartet? Etwa eine durchgehende 32 MHz-Architektur? Eile mit Weile - das kommt schon noch, irgendwann.

Zugegeben - auch andere Computer-Hersteller preisen ihre Produkte mit blendenden Megahertz-Zahlen an, die sich beim näheren Hin(ein)sehen als Augenwischerei mit Leuchtziffern erweist. Aber man muß ja schließlich nicht die schlechten Manieren anderer übernehmen. (ts)

Versions-Roulette

Tolles Konzept, pfiffige Programmierer, riesige Funktionsvielfalt, alles Punkte für einen Erfolg. Die Atari-Gemeinde jubelt, mit Recht! Mit »Calamus« scheint sich ein Programm anzukündigen, welches das weite Feld Desktop Publishing professionell öffnet. Erste Berichte sind euphorisch, leider zu euphorisch. Einem so umfangreichen Programm gesteht man in der Anfangsphase Fehler zu.

Aber was passiert dann? Keine konsequente Fehlerbereinigung, sondern undurchsichtiges Versionsverwirrspiel mit den Kunden lassen viele abspringen. Beispielsweise Version 1.09N, Jobversion. Über Version 1.10 erschien ein Buch, aber nie die Software. Zur Zeit propagiert die Versionen: Calamus S, SL und SLC (SL - Soon Launched?). Aber die geschickte Kombination aus Buchstaben und Zahlen läßt noch vieles offen. (hb)

Teures Mittelmaß

Ataris Wahlspruch war: Wir verkaufen Spitzentechnologie preiswert. WordPerfects Wahlspruch zu. ihrer Textverarbeitung Version 4.1: Wir verkaufen ein mittelmäßiges Programm teuer. Der Qualitätsanspruch der ST-Gemeinde wurde falsch eingeschätzt, und ein bekannter Name allein ist zwar ein Bonus, aber kein Garant für Erfolg. Ohne grafische Benutzeroberfläche, weniger Funktionen als das MS-DOS-Vorbild und total überteuert war »WordPerfect 4.1« ein Flop. (hb)

Wohnung gesucht

Wenn Ataris beengtes Flaggschiff eine Kleinanzeige aufgeben könnte, würde diese wahrscheinlich folgendermaßen lauten: »Freiheitsliebendes Paar, Er Computer, Sie Festplatte, sucht neues, geräumiges Zuhause (bevorzugt Turmwohnung) zum schnellstmöglichen Einzug wegen akutem Platzmangel. Wohnhaft derzeit zur Untermiete bei einem Blechverhau. Dachgarten zum Mattscheiben-Aufstellen ungeeignet. Zukünftiger VaMiliEn-Nachwuchs nicht ausgeschlossen.« (ts)

Mittlere Reife

Als Anfang letzten Jahres der langerwartete CCD-Nachwuchs »Tempus Word« in limitierter Auflage und als 0.9-Beta-Version auf den Markt kommt, wissen die rund 500 Adoptiveltern noch nicht, wie lange die Erziehung der Textverarbeitung durch CCD noch dauern wird. Auf den ersten Blick erweckt Tempus Word zwar einen reifen Eindruck, innerlich aber steckt das Programm noch tief in den Kinderschuhen. Keine Druckroutine, die meisten Funktionen sind nicht anwählbar. Mehrmals kündigt CCD die Volljährigkeit an, zuletzt für die Atari-Messe Düsseldorf im August 1990, doch vergeblich warten die Anwender auf die endgültige Version. Mittlerweile ist Tempus Word 1.0-Beta-Jahre alt geworden und noch immer ist nicht klar, wann CCDs Sorgenkind Nummer Eins endlich erwachsen wird, (tb)

Das Delta im Bermuda-Dreieck

Daß Atari, was Ankündigungen betrifft, nicht gerade als Vorbild gilt, ist trotz oftmaliger Besserungsbeteuerungen allgemein bekannt. Dennoch scheinen immer wieder Firmen allen Ehrgeiz daranzulegen, Atari auf diesem Gebiet zu übertreffen. Exemplarisch sei hier die Omega Computer Systeme GmbH aus Hannover mit ihrem »Delta Modul« genannt.

Ende 1989 machten erste Gerüchte über einen AT-Emulator auf 80386SX-Basis die Runde. Da damals nur PC-Emulatoren zur Verfügung standen, versprachen die Leistungsdaten des Delta Moduls wahre Wunder zu einem sehr günstigen Preis. Im Gespräch waren neben dem schnelleren Prozessor, der mit 16 MHz getaktet sein sollte, auch ein echter 16-Bit AT-Slot, beispielsweise für eine VGA-Karte. Auf Nachfrage bestätigte Omega, daß man an diesem Emulator arbeite und daß er in Hannover während der CeBIT bei der Firma in Augenschein zu nehmen sei. Leider wurde im März nichts aus dem Ortstermin. Als Grund nannte Omega Schwierigkeiten bei der Entwicklung.

Das nächste Lebenszeichen des Delta Moduls entdeckten wir in Düsseldorf auf der Atari-Messe. Auf einem Stand präsentierte Omega eine handgefädelte Entwicklerplatine in der Glasvitrine. Ob das Modul tatsächlich lief, ließ sich leider nicht feststellen. Jedoch gab Omega neben den genauen Leistungsdaten und den Preisen bekannt, daß im Oktober die ersten Vorseriengeräte auf einer Pressekonferenz zu sehen seien. Diese Konferenz wurde allerdings wegen Schwierigkeiten mit einem großen Konzern, der die Herstellung des Delta Moduls übernahm, endgültig für den 17. November in Hannover festgesetzt.

Am 14.11. erreichte ein Schreiben von Omega die Redaktion, daß die Pressekonferenz mangels Interesse abgesagt wird. Dieser Mangel an Interesse resultierte aus der Tatsache, daß Omega nicht verbindlich zusagen konnte, jeder Redaktion auf der Konferenz ein Testgerät mitzugeben.

In längeren Telefonaten kam unsere Redaktion mit Omega überein, daß mit dem Eintreffen der ersten Seriengeräte umgehend ein Testexemplar nach Vaterstetten geschickt werden würde. Als Termin nannte Omega spätestens Ende November. Bis heute - wir schreiben den 31.12.1990 - warten wir ohne weitere Nachricht von Omega leider vergebens auf das zugesagte Delta Modul. Vielleicht klappt es ja zur CeBIT'91. (uh)

Das Chaos um KAOS

Clevere Programmierer zerbröseln das TOS, backen es neu und vergessen auch nicht, ein paar neue Rosinen mit hinein zu tun. Heraus kommt ein hübscher Kuchen, den man Atari als Hochzeitstorte präsentieren will. Aber nach bester Slapstick-Manier trampelt ein Tolpatsch mitten drauf und läßt damit die Vermählung platzen.

KAOS selbst, ein überarbeitetes TOS, ist toll - das Chaos um KAOS ein Flop. Da versuchte jemand etwas herbeizureden, was selbst die Entwickler nicht wollten, und zerstörte die Chance, daß Atari vielleicht anders reagieren konnte, daß die Firma in einem neuen TOS die Ideen übernimmt und die ganze ST-Gemeinde profitiert. (hb)

Teurer Fuchs

Noch heute kämpft Atari gegen das Image, ein Hersteller von Spielekonsolen zu sein. Zugegebenermaßen wurde Atari durch diese Art von Computern groß. Aber spätestens 1985, seit der Einführung des STs, paßte dieses Image nicht mehr zu Atari, wenngleich die Firma auch heute noch einen nicht zu verachtenden Umsatz im Consumer-Bereich erzielt.

Da Atari oft darauf hinwies, daß der Firma das Spielecomputer-image zu Unrecht nachgesagt wird, war die Überraschung groß, als Sam Tramiel auf der CES 1989 mit »Lynx.« eine Sensation bei den tragbaren Videospielen ankündigte. Die Leistungsmerkmale dieser 500 Gramm leichten Konsole beeindrucken: 3 1/2-Zoll Farb-LC-Display, das hintergrundbeleuchtet ist, realistischer Vier-Kanal-Sound, der über einen Walkman-Kopfhörer voll zur Geltung kommt, und die Möglichkeit, bis zu acht Konsolen zu vernetzen. Es gab und gibt bis heute kein tragbares Arcadespiel, das an die Fähigkeiten von Lynx heranreicht.

Lynx hätte sich 1990 zum absoluten Renner entwickeln können, wäre Atari dem bekannten Motto »power without the price« treu geblieben. Der Preis von 399 Mark schreckt viele potentielle Käufer ab. Sie entscheiden sich für die leistungsschwächere Konkurrenz und sparen damit etwa 200 Mark. Bleibt nur zu hoffen, daß sich Atari wieder auf seine alten Tugenden besinnt und die »Power«, über die Lynx zweifelsohne verfügt, »without the price« anbietet. (uh)

Langwieriger Luxus

Ach welch' Glücksgefühl mußte Electronic Arts durchströmen, gelang dieser innovativen amerikanischen Firma doch mit dem Amiga-Malprogramm »Deluxe Paint« ein einzigartiger Volltreffer. EA-Boß Trip Hawkins konnte sich zufrieden zurücklehnen - denn durch den guten Namen und den frühen Erscheinungstermin der Amiga-Version war ein ähnlich durchschlagender Erfolg auch für eine Atari ST-Umsetzung vorprogrammiert.

Geschickt verstand es die Firma, die Spannung dadurch zu steigern, daß man sich für die Übertragung über vier Jahre Zeit ließ. In dieser Periode packten die Programmierer Routine über Routine, Funktion über Funktion in die ST-Version und vergaßen auch nicht, die 4096 Farben des STE zu unterstützen. So ist Deluxe Paint heute, wenige Monate nach der Auslieferung, ein Malprogramm, das jeder ST-Konkurrenz erfolgreich trotzt und auch STE-Fans begeistert. Aber - oh wei - da ist doch tatsächlich das durchdachte, erfolgreiche Bedienungskonzept des Amiga-Vorgängers im Meer der Malfunktionen untergegangen. Auch der von diesem bekannte und vor allem von Spieleprogrammierern geschätzte virtuelle Bildschirm, rund ein Quadrat-Kilopixel groß, fiel der Block-Lösch-Funktion im Editor des ST-Quellcodes zum Opfer.

Sicher: Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten. Aber in vier Jahren hätte man bestimmt mehr Licht ins Dunkel bringen können. (ts)



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