STErker denn je - 16 MHz und 48 MByte Festplatte: Erste Einblicke in den Mega STE

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Auf der Comdex in Amerika bestaunte ihn die Menge erstmalig: den Mega STE. Auf einer Pressekonferenz hatten wir Gelegenheit, den Mega ST-Nachfolger einem ersten Test zu unterziehen.

Schnell betrachtet sieht er aus wie ein TT - nur farblich ist er im bekannten Atari-Grau gehalten. Der neue Mega STE ist der offizielle Nachfolger der Mega ST-Reihe. Ein Blick auf die Hauptplatine enthüllt die Leistungsfähigkeit der neuen Hardware: Der schon vom Mega ST bekannte 68000-Prozessor von Motorola tickt im Mega STE wahlweise mit 8 oder 16 MHz (per Software schaltbar), ebenso wie sein Gehilfe für mathematische Berechnungen (M68881). Ein Sockel für dessen problemlosen Einbau ist bereits auf der Platine vorhanden, außerdem verfügen die meisten Bauteile (noch) über einen solchen. Verschwunden ist übrigens das vom TT bekannte Abschirmblech-Dickicht. Störstrahlungen blockiert stattdessen eine auf die Gehäuse-Innenseite aufgesprühte Abschirm-Schicht.

Die Angaben über die Taktfrequenz beziehen sich lediglich auf Prozessor und Coprozessor, der Speicherzugriff läuft weiterhin mit 8 MHz. Dafür ist der Mega STE mit jeweils 16 KByte Cache- und Tag-Speicher ausgerüstet. Diese sorgen in Zusammenarbeit dafür, daß sich im Cache immer der Teil des RAMs befindet, für den im Augenblick der meiste Bedarf besteht. Der Cache-Speicher ist über ein Accessory zu- und abschaltbar.

Der Geschwindigkeitszuwachs ist bei 16 MHz in Verbindung mit dem Cache-Speicher am größten (siehe auch Tabelle 1). Probleme treten lediglich bei mit Dongle geschützter Software auf. Sie arbeitet nur bei abgeschaltetem Cache. Teilweise stören sich Blitter und Cache, was sich negativ auf die Rechenzeit auswirkt.

Der Mega STE ist mit mindestens 1 MByte RAM ausgestattet und erlaubt eine Aufrüstung bis 4 MByte. Das Betriebssystem (im ROM) umfaßt jetzt 256 KByte, ist bei Versionsnummer 2.04 angelangt und verfügt über einen ähnlich leistungsfähigen Desktop wie der TT. Wie auch der TT bietet der Mega STE eine Vielzahl von Schnittstellen (siehe Tabelle 2). Besonders interessant ist der interne SCSI-Bus. Dank diesem läßt sich die eingebaute Platte ohne großen Aufwand gegen eine beliebige andere SCSI-Platte austauschen. Die LAN-Schnittstelle (»Local Area Network«) ist laut Atari zum »AppleTalk« des Macintosh kompatibel und arbeitet mit 1 MBit/s Übertragungsgeschwindigkeit. Für den VME-Bus ist bereits eine Ethernetkarte erhältlich, die vor allem durch die hohe Geschwindigkeit von 10 MBit/s bestechen soll. Leider mußte der bekannte Mega-Bus beim Mega STE entfallen, oder besser, dem VME-Bus weichen. Unverändert vorhanden sind die MIDI-Anschlüsse und die vom Vorgänger 1040 STE bekannten Buchsen für zwei Analog- bzw. vier Digital-Joysticks, sowie der Stereo-Tonausgang. Besitzer eines Farbfernsehers können diesen ebenfalls an den Mega STE anschließen. Auch Liebhaber des Atari Monochrom-Monitors, der seit Jahren als Aushängeschild für die Professionalität des ST gilt, kommen voll auf ihre Kosten. Im Gegensatz zum TT, der keinen Anschluß für den SM 124 bietet, hat Atari beim Mega STE aus Kompatibilitätsgründen auf diese bewährte Schnittstelle zurückgegriffen. Grafik und Sound wurden vollständig vom STE übernommen, zum alten Yamaha-Soundchip gesellt sich also der 8 Bit-Stereo PCM (»Pulse Code Modulation«) DMA-Sound. Ein eingebauter Digital/Analog-Wandler gibt Töne im Bereich zwischen 3 und 25 KHz aus. Auch im Bereich Grafik gibt es keine Überraschungen. Es bleiben die drei Auflösungen 320 x 200 (16 Farben), 640 x 200 (vier Farben) und 640 x 400 Pixel (monochrom) sowie das hardwaremäßig unterstützte Scrolling (horizontal wie vertikal). Eine weitere Auflösung, beispielsweise die mittlere TT-Auflösung mit 640 x 480 Punkten in 16 Farben, hätte dem Mega STE sicherlich nicht geschadet.

Auch in puncto Laufwerk bleibt alles beim alten. Eine 720 KByte-Diskette ist das höchste der Gefühle. Wann liefert Atari endlich ein HD-Laufwerk in Serie? Im Gegensatz dazu ist man mit der 48 MByte Festplatte (Seagate ST-157N), die eine mittlere Zugriffszeit von weniger als 28 ms (Herstellerangabe) aufweist, gut bedient.

Bild 1. Die Platine hat sich im Vergleich zum Mega ST sehr gewandelt [links]
Bild 2. Über die Vielzahl der Schnittstellen findet der Mega STE überall Anschluß

Natürlich ist ein Computer nur so gut wie seine Software. Stichproben ergaben fast keine Probleme bezüglich der Lauffähigkeit der Programme (siehe Tabelle 3). Lediglich »Rufus« und der »Turbo Assembler« verweigerten den Dienst. Sogar Problemkind »Calamus« ließ sich zumindest starten. Beim Preis-Poker steigt Atari diesmal (man erinnere sich an die Einführung des TT) erfreulich niedrig ein: Für etwa 3000 Mark erhält der Käufer den Mega STE mit 4 MByte RAM inklusive Festplatte und Monochrom-Monitor. Die Version mit 1 MByte RAM schlägt sogar mit nur rund 2000 Mark zu Buche.

14-Zoll Monitor

Zusammen mit dem neuen Computer stellte Atari den Farbmonitor »SC 1435« vor. Wie die Typenbezeichnung vermuten läßt, mißt die Bildschirmdiagonale 14 Zoll. Wie beim Vorgänger »SC 1224« ist die Bildröhre nicht entspiegelt. Dieses Manko hebt die gute Bilddarstellung auf. Trotz der in zunehmenden Maße voranschreitenden Entwicklung zum strahlungsarmen Monitor entspricht der »SC 1435« leider nicht dieser Norm.

Bild 3. Im Inneren des Mega STE findet sich ein vollwertiges SCSI-Interface. Damit lassen sich ohne Probleme andere Laufwerke anschließen.
Taktrate 8 MHz 16 MHz 16 MHz & Cache
CPU
Memory 100% (100%) 100% (100%) 164% (164%)
Register 100% (100%) 100% (100%) 204% (204%)
Divide 100% (100%) 182% (182%) 203% (203%)
Shifts 100% (100%) 178% (178%) 207% (207%)
TOS-Funktionen
Text 97% (107%) 104% (112%) 165% (119%!)
String 98% (104%) 103% (108%) 160% (122%!)
Scroll 100% (132%) 100% (133%) 114% (134%)
Dialog 105% (142%) 110% (146%) 172% (171%)

Die Angaben in Klammern beziehen sich auf die Ergebnisse bei aktiviertem Blitter

Tabelle 1. Die Geschwindigkeit des Mega STE wurde mit »Quick Index« ermittelt. Die Zahlen geben die Geschwindigkeit des Mega STE im Verhältnis zu einem ST mit TOS 1.4 an.

Die Schnittstellen des Mega STE

Schnittstelle Anzahl
Parallel 1
Seriell 3
MIDI In/Out
ACSI 1
SCSI Intern
Externes Laufwerk 1
Modulport 1
Audio-Ausgang Stereo
Maus 1
Joystick bis 6
LAN, 1 MBits 1
Ethernet, 10 MBit/s optional
VME-Bus 1

Tabelle 2. Die große Anzahl der Schnittstellen ist einer der Vorteile des neuen Mega STE

Standardsoftware auf dem Mega STE

Programmname mit Cache ohne Cache
Adimens 3.1 + +
Calamus 1.09N + +
GFA-Assembler + +
LDW Power-Calc + +
Megapaint 2.20 + +
Rufus - -
Script 2 + +
Synthworks DX/TX - +
Tempus 2.0 + +
Turbo Assembler - -
Turbo C 2.03 + +

Tabelle 3. Wie kompatibel ist der Mega STE? Hier eine Auswahl getesteter Programme (»+« = lauffähig)


Armin Hierstetter
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