Editorial: Echte und falsche Megahertz

Computer als Mogelpackung

Nach unserer Berichterstattung über den Atari TT erreichten uns eine Menge Briefe. Atari gibt die Taktfrequenz des TT mit 32 MHz an. Aber nur die Prozessoren arbeiten mit 32 MHz, alle anderen Bauteile auf der Platine mit 16 MHz. Die Kommentare reichen von Verwunderung bis zu »Vorspiegelung falscher Tatsachen«.

Allerdings stammen solche geschönten Angaben nicht nur von Atari, sondern auch von anderen, renommierten Computerfirmen wie beispielsweise Apple. Das macht sie natürlich nicht richtiger.

Manche Briefschreiber plädierten für die Angabe von 16 MHz, weil die Mehrzahl der Bauelemente mit dieser Taktfrequenz arbeitet. Im ersten Moment ist dieser Vorschlag plausibel, allerdings nicht mehr praxisgerecht, wenn man den Geschwindigkeitszuwachs zwischen der ersten TT-Version mit 16 MHz und der jetzigen Version betrachtet. Der Anwender bekommt nun mehr für sein Geld. Wir plädieren für die Angabe beider Taktfrequenzen, wenn zwischen den Prozessoren und der Hauptplatine Unterschiede bestehen.

Bei aller Kritik sollte aber niemand vergessen, daß die Angabe der Taktfrequenz nur bedingt aussagefähig ist. Vieles, wie beispielsweise die Zugriffszeit der Festplatte und die Übertragungsrate des Festplatten-Controllers, wirkt sich maßgeblich auf die Leistung des ganzen Systems aus.

Aber ganz nebenbei: Eine interessante Frage bleibt offen. Welche Formulierung verwendet Atari, falls der TT einmal ausschließlich mit 32 MHz arbeiten sollte? Spricht der Hersteller dann von »jetzt echten« 32 MHz? Das Gegenteil wären »vorher falsche« 32 MHz.

Herzlichst,
Ihr Horst Brandl, Chefredakteur


Horst Brandl
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