MIDI in der Box: Sounds und Songs tauschen mit DFÜ

Mailboxen entwickeln sich in immer stärkerem Maße zur Tauschbörse für alle Arten von Informationen. Klar, daß auch die Musiker hier nicht nachstehen wollen und eine Reihe von Mailboxen mit speziellen MIDI-Bereichen den Tausch von Sounds, Songs, Pattern und News ankurbeln.

Was benötigt der Musiker, um in den Genuß dieser Datenpools zu kommen? Zunächst einen Akustikkoppler oder ein Modem, mit dem sich der Computer und die Telefonleitung verbinden lassen. Dazu kommt die entsprechende Software, die für den Datenaustausch sorgt. Generell ist es erlaubt, Akustikkoppler und Modems, die ein Postprüfzeichen tragen, an das Telefonnetz anzuschließen. Bei Akustikkopplern ist das fast immer der Fall, sie sind dazu mit 150 bis 250 Mark noch günstig. Aber die Übertragungsgeschwindigkeit läßt häufig zu wünschen übrig, denn in der Regel findet man Akustikkoppler mit 300 oder 1200 Baud Übertragungsgeschwindigkeit, und dieses Tempo geht bei der Übertragung großer Datenmengen ganz schön ins Geld.

Also wählt man das Telefonmodem, das - mit Postzulassung - mit rund 600 bis 700 Mark zu Buche schlägt. Diese Modems erreichen Übertragungsgeschwindigkeiten von 2400, 4800 oder noch mehr Baud, wobei der Standard der meisten Mailboxen bei 2400 Baud liegt. Es gibt 2400 Baud Modems schon für rund 300 Mark, aber ohne die Postzulassung ist der Anschluß an das Telefonnetz nicht zulässig.

DFÜ-Software ist in den unterschiedlichsten Preisklassen verfügbar. »Rufus«, das Terminalprogramm von Michael Bernards, hat sich zum Standard unter den DFÜ-Anhängern entwickelt. Es ist von hohem Bedienungskomfort und als Shareware für 50 Mark Gebühr äußerst preisgünstig zu bekommen. Mit diesem Material ausgerüstet, steht der DFÜ nichts mehr im Weg. Stellen Sie in dem Programm die passenden Parameter für das Modem oder für den Akustikkoppler ein und suchen sich eine Mailbox ganz in der Nähe (der Geldbeutel wird's würdigen), die für Musiker interessant sein kann.

Es gibt in Deutschland einige Mailboxen, die sogenannte MIDI-Bretter oder MIDI-Gruppen anbieten. Manche, wie zum Beispiel das Maus-Net, sind untereinander vernetzt - der Name sagt es schon. Das heißt, daß man über eine Box des Maus-Nets im Nahbereich sogar mit Usern aus der ganzen Bundesrepublik kommunizieren kann. Die Mailbox meldet sich mit einer Begrüßungsmeldung und fordert Sie eventuell auf, Ihr Passwort einzugeben. Bei Erstbenutzung geben Sie in dem Fall einfach das Wort »Gast« ein und beantworten die nachfolgenden Fragen. Sie dürfen sich dann eine Weile in der Box umsehen und eine Reihe von Funktionen ausprobieren.

Nun wollen wir uns doch mal Interessantes aus der MIDI-Welt ansehen. Wählen Sie in einer Maus-Mailbox den Menüpunkt »Mitteilungen abrufen«, indem Sie ein »a« eintippen. Da Sie wahrscheinlich zuerst nur die MIDI-Nachrichten lesen möchten, tippen Sie »g« und dann »MIDI«, um in die Gruppe »MIDI« zu gelangen. Nun können Sie sich alle Nachrichten aus dem MIDI-Bereich an-zeigen lassen, anderen Usern Fragen stellen oder selbst Antworten geben. Dazu fordert Sie die Mailbox im Dialog auf. Weitere Hilfen entnehmen Sie bitte der Bedienungsanleitung zu dieser Mailbox. Zu jeder Gruppe gehört im Maus-Net auch ein Programmteil. Im Programmteil »MIDI« finden Sie Programme und Sounds aus dem gesamten MIDI-Bereich - natürlich nur PD-Software. Diese holen Sie mit dem Menüpunkt »Empfangen« in Ihren eigenen Computer. Dabei ist die Übertragungsgeschwindigkeit ihres Modems oder Akustikkopplers wichtig, denn je höher die Baud-Rate, umso schneller und damit preiswerter ist die Datenübertragung. Gerade Pattern oder Songs für die bekannten MIDI-Sequenzer, die man auch in diesen Brettern findet, haben eine gewisse Länge, bei der sich geringere Kosten durch höhere Geschwindigkeit schnell bemerkbar machen. Auch eigene PD-Software, Songs oder Sounds kann man über diese Bretter verbreiten. Einige Firmen bieten zu ihren Software-Sequenzern Hotlines über Mailboxen an, bei denen der Anwender Fragen zur Software direkt den Programmierern stellen kann. Eine dieser Boxen ist die Box des »Music-Mail-Services« in Hamburg, die Sie unter der Nummer 0 40 / 78 25 50 erreichen. Hier findet der MIDIaner jede Menge News und Informationen. Im Kölner Raum war vor allem die »MIDIMAIL« aus Troisdorf (0 22 41 / 40 44 03) ein Begriff für den Musiker, aber diese Box wird noch bis Ende des Jahres außer Betrieb sein, da fast keiner der Benutzer seinen geringen Jahresbeitrag gezahlt hat. Manche Mailboxen erlauben den Zugriff auf Nachrichten und Programme nur, wenn ein Beitrag bezahlt wurde. Dieser Beitrag ist meist sehr gering und soll nur die Unkosten des Betreibers decken, denn er muß ja die Daten über Nacht mit den anderen Boxen des jeweiligen Netzes austauschen, und das kostet Geld. Ich halte einen Jahresbeitrag von 20 Mark für eine Box, in der man jeden Tag mit neuen Informationen versorgt wird, für absolut angemessen.

Zu guter Letzt sei noch das private Verschicken von Nachrichten, Sounds oder Software an andere Benutzer erwähnt. Damit senden Sie Ihre Daten direkt in den elektronischen Briefkasten des gewünschten Empfängers. Niemand anderes als dieser Empfänger kann diese Meldungen lesen oder die Programme empfangen. Via Netzverbindung ist so auch der preiswerte Datenaustausch über mehrere hundert Kilometer möglich.

Die Datenfernübertragung zwischen Computern wird auch in Zukunft immer weiter Verbreitung finden. Es haben sich schon manche neuen Kontakte zwischen MIDI-Anwendern ergeben, die sich sonst wahrscheinlich nie getroffen hätten. Wenn Sie ein bestimmtes Hilfsprogramm für Ihr Keyboard suchen, oder auch nur eigene Sounds tauschen wollen - deponieren Sie einfach eine Meldung in dem passenden Brett, und es finden sich bestimmt einige gleichgesinnte MIDI-Fans. Spezielle Fragen zur MIDI-Programmierung stellen Sie wirklich kompetenten Programmier-Profis. Dazu erfahren Sie jede Menge Neuigkeiten aus dem MIDI-Bereich. Als Fazit ergibt sich: DFÜ - eine gute Sache, mit der man sich auf jeden Fall einmal befassen sollte. (wk)

In der Box des Music-Mail-Services finden MIDIaner jede Menge Informationen

Bei Fragen über MIDI und DFÜ erreichen Sie den Autor des Artikels in der Maus Königswinter: Frank Schorb über Maus@SU oder durch andere Mäuse mit Message an Frank Schorb@SU.

Rufus, das Terminalprogramm, ist zu beziehen über den Programmteil der Mäuse oder vom Autor selbst: Michael Bernards@SU. Weitere Boxen des Maus-Nets:
Maus Bonn: 0228/254020
Maus München: 0 89 / 65 47 08
Maus Berlin: 030/3956092
Weitere Telefonnummern von Mailboxen sind in jeder Mausbox abzurufen, eine Liste fast aller Mausnummern steht auch in der TOS Ausgabe 11/90 in unserem DFÜ-Kurs.


Frank Schorb
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