Drei gegen den TT - Vergleichstest: Apple Macintosh llsi, Atari TT, Amiga 3000

Der TT ist unbestritten ein sehr leistungsfähiger Computer, jedoch bieten auch andere Hersteller in dieser Preisklasse interessante Geräte. Wie sich Ataris Flaggschiff gegen die Konkurrenz behauptet, mußte es in einem harten Dauertest beweisen. Start frei für AT, Apple, Amiga und Atari.

Als Referenzgerät diente ein voll aufgerüsteter TT mit 8 MByte RAM. Die Kontrahenten wählten wir nach den Kriterien Preis, also etwa 8500 Mark, und Leistung aus. Dabei fällt der neue Macintosh IIsi preislich etwas aus dem Rahmen, jedoch ist ein empfohlener Verkaufspreis von unter 10000 Mark (ohne Monitor) für Apple-Verhältnisse geradezu revolutionär. Da auch der Amiga 3000 ohne Monitor geliefert wird, bewegt er sich als Komplettgerät in der selben Preisregion wie der TT. Ein schneller AT auf 386-Basis läßt sich für 8500 Mark praktisch nach Belieben konfektionieren. Da FSE preiswerte Grundgeräte auf 386er-Basis anbietet, machten wir folgende Vorgabe, um auf etwa 8500 Mark zu kommen: Der AT muß als Server in einem Netzwerk einsetzbar sein.

Atari TT030

Oben: Das TT-Gehäuse bietet leider keinen sicheren Standplatz für den Monitor und ist so klein, daß es zu Platzproblemen mit Erweiterungskarten kommen wird. Mitte: Zusätzlich zu den vom STE bekannten Schnittstellen verfügt der TT über einen SCSI-Port und zwei weitere serielle Anschlüsse. Unten: Nach der Demontage diverser Abschirmbleche hinterläßt die TT-Platine immer noch einen sehr gedrängten und engen Eindruck.

Über das Design des TT-Gehäuses gehen die Meinungen sehr stark auseinander. Da sich über Geschmack bekanntlich nicht streiten läßt, bleibt nur festzustellen, daß es sehr klein ausgefallen ist. Das Zerlegen des Computers gestaltet sich als aufwendige Prozedur, weil Atari die Platine mit diversen Abschirmblechen versah.

Im Inneren des TT verrichtet ein MC 68030 von Motorola, der mit 32 MHz getaktet wird, als Zentralprozessor seinen Dienst. Die restlichen Bausteine müssen sich mit 16 MHz begnügen. Atari griff beim TT also einen Trick auf, den Anbieter von Beschleuniger-Karten für den ST seit längerer Zeit schon praktizieren.

Atari steigerte die Leistungsfähigkeit des TTs, indem serienmäßig ein MC 68882 Mathe-Coprozessor die CPU entlastet. Leider unterstützen die meisten Programme, die derzeit für den TT angeboten werden, den MC 68882 noch nicht.

Beim TT unterscheidet man zwei RAM-Arten: das ST- und ein »alternatives« RAM. Ersteres verhält sich, wie der Name schon vermuten läßt, wie der Speicher in einem ST. Es haben also alle Systemkomponenten wie CPU, Video-Chip und DMA-Sound Zugriff darauf. Das alternative RAM ist ausschließlich dem Prozessor zugänglich, dafür aber wesentlich schneller, da die CPU beim Zugriff keine Waitstates einlegen muß. In der Grundausstattung gibt Atari dem TT 2 MByte ST-RAM mit auf seinen Weg. Mit RAM-Karten rüstet man den Computer bis auf je 4 MByte ST- und alternatives RAM auf.

Um den TT für Hardware-Erweiterungen vorzubereiten, integrierte Atari einen VME-Bus mit einem freien Steckplatz. Dies gewährleistet die Ausbaufähigkeit des TT, da viele Dritthersteller Erweiterungskarten für diesen verbreiteten Bus anbieten. Schade ist, daß der TT nur eine Karte aufnehmen kann. Benötigt man mehrere Karten, so läßt sich dies nur durch eine externe Erweiterungs-Box realisieren. Die TT-Tastatur ist kompatibel zum Keyboard des Mega ST, jedoch im Design an das TT-Gehäuse angepaßt. Sie verfügt über einen festen Anschlag und einen deutlichen Druckpunkt. An ihr findet die zum Lieferumfang gehörende Maus und bei Bedarf auch ein Joystick Anschluß.

An Schnittstellen bietet der TT einiges: Neben allen vom ST her bekannten stattete Atari sein Flaggschiff mit einem SCSI-Port und drei weiteren seriellen Schnittstellen aus. Auch wurde eine Netzwerk-Buchse nicht vergessen, so daß sich der TT in ein lokales Netzwerk integrieren läßt. Leider sind derzeit noch keine geeigneten Treiberprogramme verfügbar.

Als Massenspeicher bietet der TT ein 3 1/2-Zoll Diskettenlaufwerk mit einer Kapazität 720 KByte und eine 48 MByte Seagate SCSI-Fest-platte. Sollte die Kapazität von der Harddisk nicht ausreichen, ist sie relativ einfach gegen ein größeres SCSI-Laufwerk auszutauschen. Besonders hervorzuheben ist, daß ST-Peripherie wie Laserdrucker oder Festplatten ohne Probleme am TT ihren Dienst verrichten.

Der TT bietet insgesamt sechs verschiedene Grafikmodi. Die ersten drei Modi entsprechen den ST-Auflösungen (320 x 200 Punkte/16 Farben, 640 x 200 Punkte/4 Farben, 640 x 400 Punkte/2 Farben, nicht Schwarzweiß) und sichern damit die ST-Kompatibilität. Zusammen mit den ersten beiden TT-Auflösungen (320 x 480 Punkte/ 256 Farben, 640 x 480 Punkte/16 Farben) lassen sie sich auf einem VGA-Farbmonitor darstellen. Bei jedem dieser fünf Modi steht - wie beim STE - eine Palette von 4096 Farbtönen bereit.

Der hochauflösende TT-Modus (1280 x 960 Punkte/Schwarzweiß) fällt etwas aus dem Rahmen: Zum einen ist er Schwarzweiß, zum anderen nur auf Großbildschirmen zu bewundern, die nicht serienmässig zum TT gehören.

Im Lieferumfang des TT ist ein 14-Zoll-VGA-Farbmonitor enthalten, der sich jedoch durch eine etwas unscharfe Bildwiedergabe keine Lorbeeren verdient. Auch sollte der mit einem Neig-/Schwenkfuß ausgestattete Bildschirm aus Stabilitäts- und Gewichtsgründen besser nicht auf dem TT-Gehäuse seinen Platz finden.

Die Klangerzeugung des TT ist weitgehend mit der des STE identisch. Neben dem ST-Soundchip produzieren zwei 8 Bit-Digital/ Analog-Wandler qualitativ hochwertigen Ohrenschmaus. Letztere sind in der Lage, digitalisierte Geräusche mit vier verschiedenen Abtastraten wiederzugeben.

Die Klangprodukte stehen entweder an zwei Cinch-Buchsen zur Wiedergabe über die Stereoanlage bereit oder ertönen etwas blechern aus dem im TT-Gehäuse integrierten Lautsprecher.

Als TT-Betriebssystem dient eine überarbeitete und an den neuen Prozessor angepaßte Version 030 des TOS. Leider ist ein Multitasking- oder gar ein Multiuser-Betrieb nicht möglich. Auch befindet sich ein überarbeitetes GEM als grafische Benutzeroberfläche in den ROMs. Diese Version ist nun im Gegensatz zum ST-GEM auch über die Tastatur zu bedienen und bietet einige Erweiterungen wie das Ablegen von Ordnern und Programmen auf dem Desktop. Zwar verfügt der TT über eine Netzwerk-Buchse, doch wird diese zur Zeit weder durch das Betriebssystem noch durch andere Programme unterstützt.

Atari liefert mit dem TT ein neues modulares Kontrollfeld, mit dem man das System konfiguriert und eine neue Version des Festplattentreibers, der nun auch SCSI-Platten unterstützt. Die Dokumentation beschränkt sich im Moment auf eine knappe Loseblatt-Sammlung, da das Handbuch noch nicht fertiggestellt ist.

Emulatoren, die auf dem ST weit verbreitet sind, laufen auf dem TT wegen seines neuen Prozessors nicht. Ein amerikanisches Software-Haus entwickelt jedoch gerade einen Software-AT-Emulator, der bei ersten Vorführungen einen guten Eindruck hinterließ. Als Alternative zum Betriebssystem steht derzeit eine Version von OS/9 bereit. Dieses System ist zwar Multitasking-fähig, jedoch bietet es keine grafische Benutzeroberfläche. An Anwendungsprogrammen findet man für den TT praktisch die meisten ST-Applikationen, da Atari den TT ST-kompatibel entwickelte. Lediglich Programme, die sich nicht an die Programmierrichtlinien halten, verweigern ihren Dienst. Dies führt zu einem reichen Angebot von Programmen aller Art. Diese nutzen aber die Leistungsfähigkeit des TT bei weitem nicht aus, da sie für den älteren ST entwickelt wurden. Das Preisgefüge der Programme ist im Vergleich zu MS-DOS- und Macintosh-Programmen als günstig zu bezeichnen.

Als Fazit bleibt festzuhalten, daß der TT mit seiner ausgereiften Hardware durchaus überzeugen konnte. Schade ist allerdings, daß die gebotene Leistung zur Zeit noch nicht genutzt wird. Erst wenn das zur CeBIT '91 angekündigte UNIX zur Verfügung steht, kann der TT mit Workstations ernsthaft konkurrieren, da er jetzt ohne Multitasking und ohne Multiuser-Betrieb nur als Einzelplatzrechner einzusetzen ist.

Positiv ist zu bewerten, daß Software-Entwickler bereits eifrig an speziellen TT-Versionen ihrer Produkte arbeiten, die dann z. B. den Coprozessor unterstützen.

Der TT scheint vor allem für ST-Besitzer, die bereits eine umfangreiche Software-Bibliothek besitzen und die Leistungsgrenze des ST erreicht haben, das ideale Aufstiegsgerät zu sein. Die Begründung: Der Aufstieg erfolgt ohne Daten- und Programmverlust. Auch entfällt das Einarbeiten in ein neues System. Ist das angekündigte UNIX verfügbar, wird jeder, der einen günstigen Computer in der Workstation-Klasse sucht, auch den TT in die engere Wahl mit einbeziehen müssen.

Apple Macintosh IIsi

Apple überraschte uns mit dem neuen Macintosh IIsi. Wie man auf dem Bild auf der ersten Seite erkennt, planten wir ursprünglich den Macintosh IIfx im Rahmen unseres Vergleichstests genauer unter die Lupe zu nehmen. Da der si preislich näher am TT liegt und auch leistungsmäßig dem TT nicht nachsteht, entschlossen wir uns, den seit der Orgatec lieferbaren si ins Labor zu holen.

Das erste, was am si auffällt, ist sein sehr kompaktes Gehäuse, das nur 100 x 310 x 372 mm (Höhe x Breite x Tiefe) mißt. Trotz dieser geringen Abmessungen bleibt im Inneren genügend Platz für Erweiterungskarten. Auch ist zum Öffnen des Gehäuses lediglich eine einzige Schraube zu lösen.

Auch im si kommt ein MC 68030 zum Einsatz. Allerdings beträgt der Systemtakt »nur« 20 MHz. Da jedoch alle Systemkomponenten mit diesem Takt getrieben werden, steht der si dem TT in puncto Geschwindigkeit nicht nach. Weiter verfügte unser Testkandidat über einen MC 68882 Mathe-Coprozessor, der aber ebenfalls nicht zur Grundausstattung gehört. Der 450 Mark teure Coprozessor findet seinen Platz in einem NuBus-Adapter. Befindet sich dieser im Rechner, steht einem Ausbau des si mit einer der zahlreichen NuBus-Karten nichts mehr im Weg. Zu diesen Erweiterungskarten ist zu bemerken, daß sie wegen ihrer Eigenintelligenz im Verrgleich mit AT- oder VME-Karten relativ teuer sind.

In der Grundausstattung versieht Apple den si mit 2 MByte RAM, das sich auf bis zu 17 MByte ausbauen läßt. Unser Testgerät war mit 5 MByte ausgerüstet.

An der Mac-Tastatur, die über zwölf Funktionstasten und einen Ziffernblock verfügt, findet die Eintasten-Maus Anschluß. Die Tastatur vermittelt mit ihrem klar definierten Druckpunkt ein sehr angenehmes Schreibgefühl.

An Schnittstellen bietet der si einen ADB- (Apple Desktop Bus für Tastatur etc.), einen Video-, zwei serielle RS-232/RS-422-Anschlüsse, eine SCSI-Schnittstelle und eine für ein externes Diskettenlaufwerk sowie zwei Buchsen für ein Mikrofon und die Sound-Wiedergabe über eine Stereoanlage. Serienmäßig und vor allem bereits durch das Betriebssystem unterstützt läßt sich eine der beiden seriellen Schnittstellen als Anschluß zum Apple-Talk-Netzwerk verwenden. So ist sichergestellt, daß der si ohne Schwierigkeiten in bereits vorhandene Netzwerke integriert werden kann. Sehr witzig ist, daß Apple den si mit einem Mikrofon liefert, mit dem Sie Dokumente mit einem gesprochenen Kommentar versehen oder ihre eigenen akustischen Warnmeldungen aufnehmen.

Oben: Um das Mac-Gehäuse zu öffnen, ist lediglich die Sicherungsschraube herauszudrehen. Unten: Der Apple 13 Zoll-RGB-Monitor steht sicher auf dem si.

Apple stattet den si serienmäßig mit einem SuperDrive 1,4 MByte HD-Diskettenlaufwerk und einer 40 MByte-SCSI-Platte als Massenspeicher aus. Das Diskettenlaufwerk liest auch HD-Disketten im MS-DOS-Format, so daß einem Datenaustausch über diese Systemgrenze hinweg nichts im Wege steht. Neben der 40 MByte-Platte bietet Apple auch noch eine 80 MByte-Harddisk für den internen Ausbau an. Weitere Platten sind als externe Subsysteme auf SCSI-Basis auch von Drittherstellern zu erwerben.

Als Bildschirm läßt sich Apples hochauflösender Schwarzweiß-, der Macintosh 12-Zoll Schwarzweiß-, der Mac 12-Zoll RGB-, der AppleColor hochauflösende RGB-oder der Apple Porträt-Monitor anschließen. Zum Test setzten wir den 12-Zoll RGB-Monitor ein. Der eingebaute Video-Adapter belegt einen Teil des Hauptspeichers. Wie jeder Mac versteht auch der si, mit digitalisierten Klängen umzugehen und sie bei Bedarf über einen D/A-Wandler über eine Stereoanlage auszugeben. Ist keine Stereoanlage angeschlossen, so ertönen die Klänge in Mono aus dem System-Lautsprecher.

Als Betriebssystem dient auch beim si der bekannte Finder oder alternativ der zum Lieferumfang gehörende Multi-Finder. Letzterer erlaubt es, zwischen gestarteten Anwendungen hin- und herzuschalten. Echtes Multitasking unterstützt der Finder erst ab Version 7.0, die bereits von Apple angekündigt wurde.

Bereits der erste Apple Macintosh aus dem Jahre 1984 zeichnete sich durch eine grafische Benutzeroberfläche aus.

Als Emulatoren bietet Apple eine Karte, die einen Apple II im si nachbildet. Dem Datenaustausch mit MS-DOS steht durch das SuperDrive nichts im Wege. Apple liefert mit dem si sogar Konvertierprogramme, die DOS-Dateien ins rechte Macintosh-Format bringen. Für den Macintosh reicht die Palette der Software-Angebote von einfachen Utilities bis zu sehr komplexen Speziallösungen. Für Aufgaben aus allen Bürobereichen stehen zum Teil sehr leistungsfähige Programme bereit. Besonders erwähnenswert ist, daß es durch die sehr strengen Apple-Programmierrichtlinien genügt, die Bedienung nur einer Anwendung zu erlernen. Danach findet man sich in allen anderen Programmen zurecht. Sein bedeutendstes Einsatzgebiet findet der Mac im grafischen Bereich und in der Bildverarbeitung. Außerdem gilt er als der klassische DTP-Computer. Kommerzielle Programme unterscheiden sich im Preisgefüge kaum von dem des MS-DOS-Bereichs. Was ihre Leistung betrifft, so brauchen sie sich insbesondere wegen ihrer durchgängigen grafischen Benutzerführung nicht vor denen anderer Business-Computer verstecken.

Nach dem Abnehmen des Gehäuseoberteils haben Sie beim Macintosh IIsi freien Zugang zur Platine.

Mit 8810 Mark für das Basisgerät und den preisgünstigsten Monitor ist der Macintosh IIsi auch heute noch nicht der günstigste Computer dieser Leistungsklasse. Unser Testgerät kommt mit dem RGB-Monitor, den zusätzlichen 3 MByte RAM, auf die man wegen der Arbeitsgeschwindigkeit nicht verzichten sollte, und dem NuBus-Adapter mit dem MC 68882 als Coprozessor sogar auf 11990 Mark. Als Vorzüge bietet der si wie jeder Macintosh eine sehr gute Benutzeroberfläche und eine durchgängige Benutzerführung in den Anwendungsprogrammen. Durch den NuBus öffnete Apple das System, und Schwierigkeiten bei einer System-Erweiterung gehören beim si der Vergangenheit an. Ein letzter nicht zu unterschätzender Punkt für den Mac ist, daß Apple auch bei Hardware-Erweiterungen sehr streng darauf achtet, daß die Spezifikationen eingehalten werden. Daher erweist sich ein Ausbau auf alle Fälle einfacher als der eines zum Industriestandard Kompatiblen. Bei diesen stellte sich schon häufiger heraus, daß die Karte X und die Karte Y zum AT kompatibel sind, gleichzeitig eingebaut jedoch beide beharrlich ihre Dienste verweigerten. Besonders interessant erscheint der si für den Bereich Bildverarbeitung, da für den Mac Programme angeboten werden, die man in dieser Qualität auf anderen Systemen vergebens sucht.

Commodore Amiga 3000

Das 3000er-Modell der Amiga-Familie ist ein Gerät, in das Commodores langjährige Erfahrung sowohl mit PCs als auch mit den verschiedenen Amiga-Modellen eingeflossen ist. Das Metall-Gehäuse ist mit einer ansprechenden Kunststoff-Frontblende versehen, hinter der wahlweise ein oder zwei 3,5-Zoll-Laufwerke zugänglich sind. Das Basisgerät ist trotz der kompakten Abmessungen groß und stabil genug, um auch einem schwergewichtigen Monitor als Untersatz zu dienen. Der Netzschalter befindet sich an der Vorderseite des Computers und ist damit erfreulich leicht zu erreichen.

Selbst der schwergewichtige Taxan-Farbmonitor von Tridis ist für den Amiga 3000 ohne weiteres trag- und ansteuerbar. An der Rückseite sind der Lüfter, die Schnittstellen sowie die Aussparungen für die Erweiterungskarten zu erkennen. Nach dem Entfernen des Oberteils kommen Innenleben und Steckplätze des A3000 zum Vorschein.

Nach dem Lösen von fünf Schrauben können Sie den Gehäusedeckel komplett abheben und zusätzliche Laufwerke anschließen oder Erweiterungskarten einstecken. Ein leiser Lüfter kühlt das kräftig dimensionierte Netzteil, das in der Lage ist, sowohl Computer, Festplatte als auch diverse Einbau-Erweiterungen mit Strom zu versorgen. Vom 3000er existieren drei Modell-Varianten, die sich durch ihren Systemtakt und die Festplattenkapazität unterscheiden - und natürlich durch ihre Preise: Der Amiga 3000 16/50 (16 MHz Systemtakt/50 MByte Festplatte) kostet 7366 Mark, der A3000 25/50 kommt auf 8681 Mark, und für den A3000 25/ 100 sind stolze 9996 Mark auf den Tisch zu legen. Die empfohlenen Verkaufspreise verstehen sich ohne Monitor.

In allen Modellen bestimmt der 68030-Prozessor von Motorola das Geschehen. Er arbeitet entweder mit 16 oder mit 25 MHz Taktfrequenz. Auch das 32 Bit breit organisierte Gesamt-Bussystem läuft mit diesen Taktraten, mit Ausnahme der Grafikchips, die dem PAL-kompatiblen 7,14-MHz-Takt gehorchen und über einen 16 Bit-Bus kommunizieren.

Im 16-MHz-Amiga unterstützt der 68881-Arithmetik-Coprozessor die CPU, die beiden 25-MHz-Maschinen verfügen serienmäßig über den 68882-Mathe-Coprozessor. In allen drei Modellen arbeiten die Mathe-Helferlein mit dem jeweiligen Prozessor-Takt.

In der Grundausstattung verfügen die 3000er-Amigas über 1 MByte Chip-RAM (darauf greifen alle Coprozessoren und der 68030 zu) sowie über 1 MByte Fast-RAM (dieses ist nur für den 68030 zugänglich). Das Chip-RAM läßt sich auf maximal 2 MByte erweitern, das Fast-RAM auf bis zu 16 MByte. Die Sockel für die dazu notwendigen Chips sind bereits auf der Hauptplatine vorhanden.

Für den Einbau unterschiedlichster Erweiterungskarten stehen jede Menge Steckplätze bereit. Auf der Hauptplatine befindet sich der 200 Pin-CPU-Slot, der in erster Linie dafür gedacht ist, künftige Prozessoren (zum Beispiel den 68040) nachzurüsten. Senkrecht in der Hauptplatine steckt eine Karte, die ihrerseits das Einstecken von bis zu vier (waagrecht liegenden) Erweiterungskarten erlaubt. In Reihe zu den vier Amiga-Steckplätzen befinden sich zwei AT-Slots und eine Buchse, an der alle Video-Signale anliegen. Die AT-Slots werden erst durch Einstecken einer AT-Emulator-Karte aktiviert, während der Video-Slot unentbehrlich für Genlock- und Videoeffekt-Karten ist. Alle vier Karten können bis zur Amiga-Rückwand reichen und dort über eigene Anschlüsse mit der Außenwelt in Verbindung treten - der PC stand Pate.

Ein Vorbild an Ergonomie sind sowohl die Commodore-Maus, die rechts am A3000 angesteckt wird, als auch die Tastatur. Diese verfügt über einen unaufdringlichen Druckpunkt und abgesetzte Funktions-, Ziffern- und Cursor-Tasten. Der Amiga 3000 bietet alle Standard-Schnittstellen für die Tastatur, Mäuse, Joysticks, Paddles, Lichtgriffel, Modems (RS-232), Drucker (Centronics), Fest- und Wechselplatten (SCSI 25polig), bis zu drei 880-KByte-Diskettenlaufwerke, Stereo-Anlage (zwei Cinch-Buchsen), RGB-Analog-Monitor (23poliger Anschluß) und VGA-Monitor 05polige Buchse). Lediglich einen serienmäßigen Netzwerkanschluß vermißt man, hier müssen Sie auf Erweiterungskarten (zum Beispiel Ethernet-Boards) zurückgreifen.

Ab Werk wird der Amiga 3000 mit einem integrierten 880 KByte-3,5 Zoll-Diskettenlaufwerk ausgeliefert, das mit entsprechender Software auch in der Lage ist, MS-DOS- und Atari ST/TT-Disketten zu lesen und zu beschreiben. Daneben ist Platz für ein Zweitlaufwerk oder eine 3,5-Zoll-Festplatte. Neben das Netzteil kuschelt sich die 3,5-Zoll-Festplatte, die eine hohe Geschwindigkeit und entweder 50 oder 100 MByte Speicherkapazität aufweist.

Das Amiga-Grafiksystem ist mit einem Blitter (der schnelle Blockverschiebungen erlaubt) und einem Bildgenerator mit programmierbarer Auflösung und Sprite-Controller hervorragend ausgestattet. Die Bildwiederholfrequenz beträgt entweder 50 oder 60 Hertz. Die Auflösungen reichen von minimal 320 x 256 bis maximal 1280 x 512 Pixel. Der »Overscan«-Modus vergrößert in den meisten Modi die Grafikauflösung noch weiter und läßt damit bei Videoanwendungen die Bildränder verschwinden.

In der höchsten Auflösung sind immer noch bis zu vier Farben (aus einer Palette von 4096 Farbtönen) gleichzeitig darstellbar. In den niedrigeren Auflösungsstufen sehen Sie bis zu 32 oder sogar 4096 Farben gleichzeitig auf dem Bildschirm, letzteres allerdings mit Einschränkungen.

Um die Kompatibilität zu den Amiga-Vorgängermodellen zu wahren, stehen unter anderem alle vier Standard-Amiga-Grafikmodi bereit, um über die bekannte 23polige-Monitor-Buchse auf einem RGB-Analog-Monitor mit 15 KHz Zeilenfrequenz zu erscheinen. Wer hingegen glücklicher Besitzer eines Multisync-Monitors ist, der 31 KHz-Zeilenfrequenz verarbeitet, kommt in den Genuß einer hochwertigeren Bilddarstellung.

Ein unter der Bezeichnung »Flicker Fixer« bekannter und im A3000 serienmäßig integrierter Spezialchip eliminiert dann sowohl das berüchtigte Interlace-Flimmern als auch die störenden dunklen Zeilenzwischenräume in den niedrigen Grafikauflösungen. Zudem stehen Ihnen bei Verwendung eines solchen Monitors noch einige weitere sehr interessante Grafikmodi zur Verfügung, zum Beispiel 640 x 480 Pixel mit 60 Hertz Bildwiederholfrequenz - zu Recht »Productivity Mode« genannt.

Den bekannt guten Amiga-Sound produzieren vier DMA-Tongeneratoren, die beliebige, gesampelte Wellenformen mit variabler Abtastrate an den zwei Cinch-Buchsen und an dem 23poligen Monitoranschluß ausgeben. Der Tiefpaßfilter ist zur Steigerung der Tonqualität softwaremäßig abschaltbar. Einen integrierten Lautsprecher besitzt der Amiga 3000 leider nicht.

Das Software-Regiment führt im A3000 wahlweise die Version 1.3 oder 2.0 des viel diskutierten Betriebssystems »AmigaDOS« sowie die »Intuition« genannte Benutzeroberfläche.

Umstritten sind AmigaDOS und Intuition deshalb, weil sie zum einen schwierig zu programmieren, zum anderen außergewöhnlich leistungsfähig sind. Das Amiga-Betriebssystem ist voll multitaskingfähig und erlaubt die Bedienung des Computers sowohl über eine grafische Benutzeroberfläche mit (auch mehrfarbigen) Icons und Maussteuerung, als auch per Kommandozeilen-Interpreter. Die Version 2.0 bietet neben erweiterten und überarbeiteten Kommandos auch einen neu gestalteten Desktop. Für Menüs, Icon-Namen und Textausgaben wählen Sie verschiedene Zeichensätze und -großen. Commodore arbeitet außerdem gerade an einem alternativen Betriebssystem: Amiga-UNIX, basierend auf dem AT&T UNIX Version 4.0. Geplanter Verkaufstermin ist März/April 1991.

Seit geraumer Zeit sind leistungsstarke AT-Emulator-Karten für den Amiga 2000 erhältlich, die auch auf dem A3000 ihren Dienst klaglos verrichten dürften (zumindest sollten Anpassungen nicht lange auf sich warten lassen). Nach dem Einstecken dieser Karte haben Sie einen (langen) AT-Slot für PC/AT-Erweiterungskarten zur Verfügung. In Kürze dürfte auch der ST-Emulator »Medusa« in einer Amiga 3000-Version erscheinen.

Das Software-Angebot wurde bislang von den Stärken und Schwächen der Amiga-Modelle 500, 1000 und 2000 bestimmt: Viele Malprogramme, RayTracing- und Animations-Software, Musikprogramme und vor allem unzählige Spiele beherrschen derzeit den Amiga-Markt. Die Qualität dieser Produkte hat ein hohes Niveau bei vernünftigen Preisen erreicht, was nicht zuletzt der großen Vielfalt zu verdanken ist.

Textverarbeitungen, Datenbanken, Tabellenkalkulationen, CAD- oder Desktop-Publishing-Software ist noch dünn gesät und qualitativ nicht brillant. Mit dem Amiga 3000 wird sich dieses Mißverhältnis aller Wahrscheinlichkeit nach etwas verschieben, da die nunmehr wesentlich professionellere Hardware - vor allem im Bereich der Bildschirmdarstellung - zum Beispiel dem PC/AT- Standard in nichts nachsteht. MIDI-Software wird aber auch auf dem Amiga 3000 nicht so recht auf die Beine kommen, da Commodore sich nicht dazu durchringen konnte, serienmäßig MIDI-Schnittstellen zu implementieren.

Das Commodore-Flaggschiff Amiga 3000 ist ein Computer, bei dem Mechanik, Elektronik und Software einem hohen Qualitätsstandard aufweisen. Das Gerät ist trotz elegant-funktionellem Styling leicht zu warten und auszubauen. Art und Menge der möglichen Erweiterungen lassen keine Wünsche offen. Die Bilddarstellung genügt im semiprofessionellen Bereich auch gehobenen Ansprüchen und gewährleistet (erstmals in der Amiga-Geschichte) mit dem Productivity-Modus ein augenschonendes und ermüdungsfreies Arbeiten.

Für den kreativen Audio-, Video-und Grafik-Bereich gibt es derzeit keine Alternative mit einem derart reichhaltigen Software-Angebot. Im Zuge der Verbreitung des Amiga 3000 ist auch professionelle Anwendungs-Software zu erwarten. Wer darauf nicht warten oder vertrauen will, dem empfiehlt sich die Anschaffung des AT-Emulators. Im MIDI- und DTP-Profilager wird der A3000 nur schwer Fuß fassen, dafür fehlt ihm zum einen die nötige MIDI-Software, zum anderen der Anschluß für einen monochromen Großbildschirm und eine dazu passende Grafikauflösung (512 Pixel vertikal sind zu wenig). Fazit: Der Amiga 3000 ist ein leistungsstarker und moderner Computer mit einem Übergewicht an Kreativ-Software, der sich für Individualisten mit Hang zu avantgardistischer, aber solider Technik empfiehlt.

FSE Trinology AT/386

Ganz oben: Der offene AT mit den Erweiterungskarten. Oben: Die Stromversorgung des Monitors übernimmt der AT. Unten: Der VGA-Monitor des AT steht sicher auf dem Gehäuse.

Als einziges Gerät, das nicht auf einem Prozessor von Motorola basiert, nahmen wir einen 80386-AT in unser Quartett auf. Da die drei anderen Kandidaten als Tischgeräte konzipiert sind, wählten wir auch beim AT diese Gehäuseform. Das Trinogy-AT-System wird mit 33 MHz getaktet. Kommt ein Programm mit diesem hohen Takt nicht zurecht, so läßt sich der AT mit einem Schalter an der Front auf 8 MHz zurückschalten.

Als Motherboard dient bei unserem Testkandidaten eine CACHE-32-A-Platine der Firma Elitegroup und ist mit dem CS8230 Chipsatz der Firma Chip & Technologies aufgebaut. Eine Besonderheit dieser Systemplatine ist, daß sie über einen Cache-Controller verfügt, der den Hauptprozessor ohne Waitstates aus einem 32 KByte-Cache bedient. Für einen Arithmetik-Coprozessor findet man einen Sockel, der bei unserem AT aber nicht bestückt war.

Als Träger für die RAM-Bausteine bietet FSE drei Speicherkarten mit 4, 8 und 16 MByte an. Unser Testgerät war mit der letzteren Variante ausgestattet, jedoch nur mit 8 MByte RAM bestückt. Hardwareerweiterungen bedeuten bei einem AT prinzipiell kein Problem, da er über acht Steckplätze verfügt. Diese teilen sich in drei 8-Bit-, vier 16-Bit- und einen 32-Bit Speichererweiterungsslot auf.

Einen kurzen Steckplatz belegt der Floppy- und Harddisk-Controller, der bei unserem Testgerät ein 1,4 MByte 3 1 /2-Zoll-, ein 1,2 MByte 5 1/4-Zoll-Diskettenlaufwerk und eine sehr schnelle 105 MByte Quantum SCSI-Festplatte verwaltet. Der Controller ist Bestandteil einer Multi-Funktionskarte. Als Keyboard liefert FSE eine Standard AT-Markentastatur von Cherry, mit der sogar Vielschreiber nicht so schnell ermüden. Als weiteres Eingabegerät dient eine Genius-Maus. Über zwei serielle und zwei parallele Schnittstellen tritt der AT mit der Außenwelt in Verbindung. Auch wurde ein Game-Port nicht vergessen. Einen Netzwerk-Anschluß sucht man vergebens. Ist ein Netzwerk notwendig, so realisiert man dies mit einer eigenen Steckkarte. Ein bekannter Vertreter dieser Netzwerke für ATs ist beispielsweise Novell-Net.

Als Grafik-Adapter verrichtet eine Optima Mega-VGA-Video-Karte im AT ihre Dienste. Diese Karte ist mit 1 MByte schnellem Video-RAM bestückt, so daß der Systemspeicher den Anwendungsprogrammen Vorbehalten bleibt. Die höchste unterstützte Auflösung beträgt 1024 x 768 Punkte bei 256 Farben. Als Bildschirm lieferte FSE einen Super VGA-Monitor mit 14 Zoll Bilddiagonale. Das Arbeiten mit der höchsten Auflösung ermüdet sehr schnell, da Schriften nur noch sehr klein erscheinen. Bleibt man in der normalen VGA-Auflösung, konnte dieser Monitor durchaus überzeugen.

Die Sound-Fähigkeiten eines ATs beschränken sich ohne zusätzliche Hardware auf bloße »Beeps«. In dieser Hinsicht ist ein »normaler« AT den drei anderen Testkandidaten unterlegen.

Seine ATs liefert FSE gegen Aufpreis mit MS-DOS Version 4.01 als Betriebssystem. Da MS-DOS weder multitaskingfähig ist noch über eine grafische Benutzeroberfläche verfügt, installierten wir Microsofts Windows Version 3.0 auf unserem Testgerät. Diese Oberfläche konnte bei der darunterliegenden Hardware durchaus überzeugen. Läßt man sie aber auf einem mit 8 MHz getakteten AT 286 laufen, sehnt man sich sehr schnell nach der Geschwindigkeit des ST-GEM. Mit Windows ist der AT auch multitaskingfähig. Die einzelnen Tasks laufen bei Bedarf in eigenen Fenstern. Leider nutzen die meisten AT-Programme die Fähigkeiten von Windows noch nicht. Selbstverständlich sind für einen AT auch UNIX oder OS/9 verfügbar. Dank der leistungsfähigen Hardware stellen diese Systeme unseren Testkandidaten vor keine Probleme.

Der MS-DOS-Bereich bietet das umfassendste Programmangebot. Mittlerweile gibt es für jede Problemstellung mehrere Alternativen. Da sich MS-DOS vor allem in den Büros etabliert hat, ist das Preisgefüge relativ hoch. Die Leistung der Software ist aber meist professionell.

Mit der gebotenen Leistung braucht sich ein AT heute nicht mehr hinter Systemen verstecken, die auf dem MC 680X0 basieren. Positiv fiel auf, daß es für praktisch jedes Problem Programme und gegebenenfalls auch Hardware-Erweiterungen gibt. Da FSE den 386-33C mit 42 MByte Festplatte, VGA-Karte und SW-Monitor, Cherry-Tastatur und zwei seriellen und einem parallelen Port für 5998 Mark anbietet, ist der AT zur Zeit der Testkandidat mit dem günstigsten Preis-/Leistungsverhältnis. Mit der SuperVGA-Karte mit Farbmonitor und dem 3 1/2-Zoll-Diskettenlaufwerk wird der AT um weitere 998 Mark teurer. Unsere Testkonfiguration kostet 8287 Mark. Benötigt man »nur« 25 MHz, reduziert sich der Einstandspreis um 1000 Mark.

Ein wesentlicher Vorteil des ATs ist seine modulare Bauweise. Diese erlaubt es, relativ preisgünstig einzusteigen und das System erst nach und nach zu seiner vollen Leistungsfähigkeit auszubauen. Daher ist der AT allen mit etwas schmälerer Brieftasche sehr zu empfehlen.

Für die freundliche Unterstützung mit Leihgeräten bedanken wir uns herzlich bei den Firmen Atari. Raunheim, Commodore, Frankfurt, FSE, Kaiserslautern, Ludwig Citystudio. München, PC Neue Medien, Regensburg und Tridis, München.
Toni Schwaiger, Ulrich Hofner


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