Editorial: Jedem Spezialisten sein Spezialprogramm?

»Jedem Spezialisten sein Spezial-programm?«

DIE SUCHE NACH VERSTÄNDLICHER SOFTWARE

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"Software muß benutzerfreundlicher werden. Darüber sind sich alle einig und arbeiten hart daran. Auswüchse bei der Anwendung grafischer Benutzeroberflächen, die beispielsweise in ausschließlich mit der Maus bedienbaren Programmen gipfelten, gehören der Vergangenheit an.

Allerdings machte mich ein zufällig aufgeschnapptes Gespräch nachdenklich. Ein junger Computerfreak, zirka 10 Jahre alt, stand mit einem älteren Herrn vor einem Atari ST. »Mit diesem Computer kann jeder umgehen«, sagte der Junge und griff zur Maus. Eine Dialogbox erschien auf dem Bildschirm, gefolgt von dem Kommentar des Jugendlichen, »siehst Du, der Computer sagt Dir alles<. Die Anwort des Älteren verblüffte: »Was ist Ohkah?«. Der Junge erwiderte: »Das heißt okay, also richtig oder einverstanden. Aber Du sprichst doch auch ein bißchen englisch«. »Ja, okay kenne ich« meinte der ältere Herr, »aber warum schreiben die OK und nicht okay?« Eine berechtigte Frage, wie ich finde, allerdings nur der Gipfel eines Eisberges. Einige Auswüchse bei Bezeichnungen zeigen noch viel mehr Schwierigkeiten in dieser Richtung. Einfacher und verständlicher beschreiben ließe sich »Existenzquantor« oder »Allquantor«, auch schwer lesbare Wortschlangen wie »Blocksatzausgleichszeichen« sind vermeidbar. Die Beispiele stammen aus dem Editor Tempus. Zweifellos argumentieren jetzt Kritiker: Mit einem Editor wie Tempus arbeiten ausschließlich Programmierer, und die hätten damit keine Probleme. Ich meine: Der Slogan »Jedem Spezialisten sein Spezialprogramm« ist nicht der richtige und damit zukunftsweisende Weg, um die Schwellenangst vor dem Computer abzubauen."


Herzlichst,

Ihr Horst Brandl,
Chefredakteur


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