Im Reich der Sterne: Skyplot Plus Version 3

Durch die Jahrhunderte hinweg betrachtete der Mensch mit Staunen den Kosmos. Der Reiz des mit kleinen Lichtpünktchen und leuchtenden Nebelfäden bedeckten Nachthimmels läßt auch in der modernen Zeit nicht nach.

Die zunehmende Besiedelung der Erde macht es immer schwieriger, die Sterne gegen die Glut des durch die Atmosphäre verstreuten » Erdlichts« zu sehen. Trotzdem ist das Interesse an der Astronomie groß, nicht nur unter den professionellen, sondern besonders unter den Amateurastronomen. So erschienen in Laufe der Zeit für fast alle Heimcomputer Astronomieprogramme, oft gedacht als Hilfen bei der nächtlichen Beobachtung.

Ein aktiver Amateurastronom ist Frank Thielen aus Viersen-Dülken, der 1980 auf einem Sharp PC-1211 Taschencomputer die erste Version seines Programms »Skyplot« schrieb. Das Programm zeigte den Sternenhimmel mit dem aktuellen Stand der Planeten für beliebige Erdpositionen und Zeiten. Bis 1985 entstanden erweiterte Versionen für eine Reihe von Heimcomputern. Ab 1986 stürzte sich der Autor auf eine Version für den Atari ST, die vollständig in der Programmiersprache C entstand. Ende 1987 lag mit »Skyplot Plus 2« ein vollständig unter GEM laufendes Programm vor, dessen Umfang, Geschwindigkeit, Genauigkeit und Flexibilität kein anderes Astronomieprogramm erreichte. Es erstaunt nicht, daß der 520 ST nicht mehr ausreichte - 1 MByte RAM ist inzwischen Voraussetzung für den Betrieb. Der Autor entwickelte das Programm ständig weiter, wobei ihm sowohl seine Berufsausbildung und sein Hobby als auch zahlreiche Reaktionen von Anwendern Anregungen lieferten. Inzwischen liegt Skyplot in der Version 3 vor. Alle Merkmale des Programms auch nur aufzuzählen, würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen. Daher beschränke ich mich auf einige ausgewählte Punkte, die stellvertretend für die Leistungsfähigkeit des gesamten Programms stehen.

Das Hauptprogramm »Skyplus« ist etwa 390 KByte groß, das Datenfile in komprimierter Form 330 KByte. Die Daten repräsentieren eine Fülle an Informationen über alle Planeten unseres Sonnensystems, einschließlich der kleinen Planeten, Asteroiden und mehreren Kometen sowie über 613 Sterne und 1055 Nebel. Von allen diesen Objekten sind neben den Himmelskoordinaten und der Helligkeit weitere Eigenschaften in der Datei aufgenommen. Eine Zusatzdatei enthält die Basisdaten (Position und Helligkeit) von 15384 weiteren Sternen. Diese Dateien liegen auch in unkomprimierter Form (ASCII) bei und lassen sich mit einem beliebigen Editor bearbeiten oder erweitern.

Nehmen wir an, Sie wollen eine Vorschau auf den Sternenhimmel der kommenden Nacht nehmen. Was Sie zu einer bestimmten Zeit sehen, hängt von Ihrer Position auf der Erde ab. Durch Anklicken in der GEM-Menüleiste oder direkt auf dem bildschirmfüllenden Einstellungstableau (einfacher und schneller) stellen Sie Position, Da-tum und Zeit sowie die Arten der Himmelsobjekte (Sterne, Nebel, Planeten und Unterklassen dieser Kategorien) ein. Wenn Sie Ihre genaue Erdposition nicht kennen, versuchen Sie, ob die nächste Stadt in der eingebauten Liste steht. Ist das nicht der Fall, bestimmen Sie Ihre Position auf einer schrittweise zu vergrößernden Landkarte, und das Programm errechnet die geografische Länge und Breite.

Dieses Beispiel verdeutlicht die in diesem Programm konsequent durchgeführten Methode, durch Vergrößerung des Bildschirmausschnitts die Information über die im Abschnitt liegenden Objekte zu vergrößern.

Den Himmel stellt Skyplot in weissen Symbolen auf schwarzem Hintergrund dar. Für Hardcopies ist eine Invertierung vorgesehen. Einen schnellen Überblick auf dem Himmel bietet die Wahl »sichtbarer Himmel«. Die Zeit und Position des Beobachters lassen sich hierbei in unterschiedlichen Schritten ändern, und die angepaßte Sternkarte erscheint sofort auf dem Bildschirm.

Durch Anklicken eines Sterns liefert das Programm eine Box mit Daten über dem angewählten Objekt. Die Daten sind genau und ausführlich. Sie bilden die Grundlage für einen lehrreichen und professionellen Einsatz von Skyplot. Das zum angewählten Stern gehörende Sternbild zeichnen Sie per Rechtsklick, man kann die Sternbilder auch vorab einstellen und sie alle betrachten.

Weitere Darstellungen liefern die Übersichtskarten, wobei äquatoriale, galaktische oder ekliptische Koordinaten wählbar sind. Diese Karten lassen sich beliebig vergrössern und erlauben somit eine detaillierte Untersuchung des gewählten Himmelsausschnitts. Zum Vergleich mit direkter Beobachtung des Himmels ist die Horizontkarte geeignet. Sie zeigt den sichtbaren Himmel vom Standort des Beobachters in den vier Hauptrichtungen Nord, Süd, Ost und West. Künftige Weltall-Touristen, die auf Mars Station machen wollen, haben Gelegenheit, sich schon jetzt den Himmel vom Mars oder jedem beliebigen Planeten aus zu betrachten. Sogar eine 3D-Darstellung der Sterne in unserer näheren Umgebung ist vorgesehen.

Für viele Amateurastronomen gehört die Beobachtung der Planeten und der Kometen zu ihren intensivsten Aktivitäten. Zur Planung und Durchführung solcher Beobachtungen bietet Skyplot eine Fülle von Hilfsmittel. Die Ephemeriden (Liste der Planetenposition als Funktion derZeit) berechnetes mit so hoher Genauigkeit, daß ich sie im professionellen Bereich nutze. Skyplot erlaubt dem Anwender, die Sichtbarkeit und Bewegung darzustellen und, wie bei allen Bilder dieses Programms, in Hardcopies festzuhalten. Die Bahnelemente von Kometen, und im Prinzip auch von künstlichen Satelliten, können eingegeben und die Bahnen gezeichnet werden. Oppositionen (Zeitpunkt, wo zwei Objekte sehr nahe aneinander am Himmel stehen) berechnet das Programm ebenso wie Sonnen- und Mondfinsternisse.

Durch den hervorragenden Aufbau und die Vielfalt der Funktionen zusammen mit genauen aber doch schnellen Berechnungen eignet Skyplot sich ausnehmend gut für didaktische Zwecke. Es könnte beispielsweise der Ausgangspunkt eines Gymnasialkurses für Astronomie sein. Das etwa 300 Seiten dicke Handbuch bietet neben der ausführlichen Bedienungsanleitung sehr viel grundsätzliches Wissen über Astronomie.

Skyplot ist eines der besten Programme, die ich je benutzt habe. Die faszinierende Welt der Astronomie öffnet sich mit einer Bedienungsleichtigkeit und trotzdem mit einer Schönheit, Vollständigkeit und Genauigkeit, die von anderen Astronomie-Programmen schwer zu überbieten ist. Der ernsthafte Amateurastronom kann auf die meisten seiner Handbücher und Tabellen verzichten, Skyplot liefert ihm alles, was er braucht. (wk)

Dr. J. W. M.Baars, ist Leiter der Abteilung Millimetertechnologie im Radioastronomischen Institut Bonn der Max-Planck-Gesellschaft und verwendet das Programm Skyplot unter anderem für die Vorbereitung von Himmelsbeobachtungen mit Radioteleskopen in der Bundesrepublik und in Spanien.


Dr. J. W. M. Baars
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