Notator von C-Lab in Version 3.0: Die dritte Stufe

Endlich ist es da, das langersehnte Update-Paket zum Notator, dem Sequenzer mit Notendruck. Do sich die Versionsnummer sogar vor dem Punkt auf 3.0 erhöht hat, erwarten die MIDI-Musiker erhebliche Änderungen, Verbesserungen und Erweiterungen.

Eine wichtige Erweiterung findet sich auf der Edit-Page des neuen Notators: das »Hyper-Edit«. Sie rufen den neuen Modus aus der Edit-Page mit dem Buchstaben »J« auf und sehen am Bildschirm bis zu 16 verschiedene MIDI-Events eines Tracks auf einmal. Mit Hyper-Edit editieren Sie z. B. ein komplettes Schlagzeug-Set auf nur einem einzigen Track des Patterns. Dabei stellt dieser Modus alle MIDI-Events wie z.B. Controller-Events oder auch Sys-Ex-Events dar, und erlaubt dadurch auch bequeme Änderungen von Parametern an Effektgeräten in Echtzewit. Das war zwar bisher auch über die »RMG-Page« machbar, doch Hyper-Edit stellt den Verlauf dieser Controller über endlich mehrere Fakte am Bildschirm dar.

Ein komplettes Drumset in nur einem Track »Hyper-Edit« stellt jetzt alle Controller zur Verfügung (linke Seite).

Die Auflösung des Hyper-Editors läßt sich vertikal und horizontal beliebig zoomen. Damit stellt der Editor auch sehr häufig oder sehr selten auftretende MIDI-Events übersichtlich dar. Parallel zu den Hyper-Edit-Spuren ist die Einblendung der Notation vorgesehen, auf Wunsch sogar genau zeitgleich unter die Hyper-Edit-Darstellung, so daß Sie gerade Drum-Tracks übersichtlich editieren können. In Verbindung mit diesen Funktionen ist die Darstellung auf einem Großbildschirm wünschenswert, denn auf dem SM 124 geht es schon recht eng zu. Insgesamt 16 Hyper-Edit Zeilen ergeben ein Set, maximal acht Sets dürfen Sie erzeugen. Genug, um eine komplette Drum-Sektion und noch jede Menge Controller und andere Events unterzubringen. Alle Hyper-Edit-Einstellungen speichern Sie mit den System parametern des Songs auf Diskette oder Festplatte. Die Bedienung des Editors und der Umgang damit sind unkompliziert. Besonders Drum- oder Controller-Spuren sind schnell zusammengestellt, und für das Editieren solcher Spuren will man Hyper-Edit spätestens nach der ersten Benutzung nicht mehr missen.

16 beliebige Zeichensätze

Im Noteneditor hat sich besonders viel getan. Waren bisher die verfügbaren Systemzeichensätze nicht gerade eine Augenweide, so kommen jetzt von einer eigens zu diesem Zweck mitgelieferten Fontdiskette 16 beliebige Zeichensätze zum Einsatz. Die Größe und Art der Attribute sind für Bildschirm, Laser- und Matrixdrucker frei definierbar. Die Fonts lassen sich für alle Beschriftungen und Texte im Notator verwenden, auch für die Taktnumerierung, die Texte und die Tracknamen. Damit werten Sie Ihr Noten bi Id um einiges auf.

Der Notenausdruck selbst war bisher schon sehr gut, man sah jedoch das vollständige Ergebnis erst auf dem Papier. Mit »Page-Preview« stellt der Notator nun eine komplette Druckseite am Bildschirm dar, die sich noch verändern läßt. Sie erzwingen passende Zeilenumbrüche am Bildschirm und verschieben die rechten und linken Ränder. Neu ist auch der Ausdruck nur einer bestimmten Seite der Partitur. Das war bisher nur mit einigem Aufwand realisierbar. Taucht jetzt zum Beispiel in einer sechsseitigen Partitur ein Fehler auf Seite 5 auf, korrigieren Sie die Seite und drucken nur diese eine Seite nochmal neu.

Quintoien, Septolen etc. lassen sich in der neuen Version einfach zeichnen. Dazu fügen Sie eine 1/16-Note auf einer geraden Zählzeit ein, klicken diese doppelt an und bestimmen in einem Dialogfenster den Typ der Note. Der Notator fügt dann die entsprechende Anzahl von Pausen ein, die Sie im nächsten Arbeitsschritt leicht durch Noten ersetzen.

Akzentzeichen und Dynamikzeichen hatten bisher keinen Einfluß auf die MIDI-Ausgabe. Mit »MIDI-Meaning« bestimmen Sie nun, welche Funktionen die einzelnen Zeichen auf den Datenstrom ausüben sollen. Der Staccato-Punkt kürzt beispielsweise die Note um die Hälfte. Änderungen lassen sich aber nicht nur auf die Länge der Noten sondern auch auf die Velocity übertragen.

Vorschlagnoten sind jetzt durch die Miniaturisierung von Einzelnoten realisierbar. Außerdem gibt es in der »Partbox 2« einige neue Zeichen, Notenkopfformen und Symbole. Notenhälse oder auch Notenköpfe können Sie bei Bedarf verstecken.

Beim normalen Groove-Design »verswingt« das Programm Triolen in einem Swing-Groove zum Teil gnadenlos. »Adaptive Groove Design« versucht, die interne Struktur eines Tracks zu erkennen und die passende Quantisierung anzuwenden. Dazu läßt sich ein Track mit bis zu acht verschiedenen Quantisierungsarten gleichzeitig quantisieren, je nach Struktur der eingespielten Noten. So erkennt der Notator nun auch Triolen innerhalb eines Swing-Grooves und quantisiert sie entsprechend als Triolen. Das ganze Spiel gestaltet sich dadurch wesentlich lebendiger. Insgesamt sind acht Preset-Grooves über die Main-Page mit den Trackparametern abrufbar und lassen sich beliebig verändern.

Die »Page Preview«-Funktion stellt eine komplette Seite der Partitur vor dem Ausdruck auf dem Bildschirm dar

Gruppen-Fader und Makros

Die »RMG-Page« verfügt in der »P-User«-Ebene jetzt über beliebig definierbare digitale Ziffern und Schalter. Mit den »RMG-Fadern« lassen sich nun Gruppen bilden. Bewegen Sie einen Fader der aktuellen Gruppe, regeln automatisch alle anderen Gruppenfader nach. Der Wertebereich der Fader läßt sich außerdem eingrenzen. In den Snapshot-Feldern registrieren Sie alle Reglerstellungen oder nur die Regler einer Gruppe. So fügen Sie gezielt Controller- oder Program-Change-Events ein. Das Löschen eines bestimmten Faders aus einem Track ist ebenfalls sehr einfach. Nur den Fader auswählen und das Feld »Delete Movements« mit der Maus anklicken.

Der Notator kennt nun eine »Key-Makro«-Funktion. Beliebige, häufig wiederkehrende Tastaturkommandos oder auch Mausbewegungen speichern Sie und rufen diese mit einer beliebigen Tasten kom bi na-tion wieder ab. startet die Aufnahme der Key-Makro-Funktion. Danach wählen Sie die Tastenkombination, die das Makro aufrufen soll, führen die Kommandos aus, und nach erneutem ist das Tastaturmakro registriert. Das Programm hat außerdem neue Tastenfunktionen gelernt und nimmt der Maus wieder einige Arbeit ab. Der Notator hat in den letzten Jahren durch die Fülle seiner Updates zahlreiche Veränderungen erfahren. So war es kein Wunder, daß das Handbuch immer dicker und unübersichtlicher wurde. Deshalb ist es für die Anwender wahrscheinlich der größte Vorteil, daß zu diesem Update ein komplett neu überarbeitetes Handbuch gehört. Es ist übersichtlich gestaltet und enthält viele Bilder und Beispiele. Für den Fortgeschrittenen informativ, führt es den Laien behutsam in die Fähigkeiten des Notators ein.

Noch ein Wort zum Update-Preis, der mit 80 Mark im Vergleich zu den vorherigen Updates relativ hoch ausfällt. Er ist jedoch gerechtfertigt, immerhin bekommt man ein völlig überarbeitetes Handbuch sowie vier Disketten mit Programm, Zeichensätzen, Demo-Songs und Network-Datei. Und die neuen Funktionen des Programms lohnen den Tausch allemal. (wk)
Frank Schorb


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