Verwalten und gestalten: Portrait - Anwender berichten über ihren Computereinsatz

Erfahrungsaustausch ist wichtig. Berichte über Anwendungen und Ausstattungen helfen bei der eigenen Planung. TOS stellt Ihnen daher ab dieser Ausgabe in loser Reihenfolge Anwender vor, die über ihre Hard- und Softwarekonfiguration und ihre Arbeit mit dem Computer informieren.

Zur Person:

Name: Norbert Dalmeyer
geb.: 10. Juni 1950
Abschlüsse: Dipl. Sozialwirt, Betriebswirt grad.
Beruf: Geschäftsführer der Arbeitslosen-Abgabe Osnabrück e.V. [Kultur- und Sozialprojekte, Verwaltungsservice, Existenzgründungsberatung]

Der Weg zu Atari war lang und von Mißverständnissen geprägt. Wie viele, die heute am Computer arbeiten, habe ich vor etlichen Jahren, eher aus Neugierde, mit einem Commodore C 64 begonnen. Als jemand, der sich von der elektronischen Datenverarbeitung konkrete Anwendung und Arbeitserleichterung verspricht, war dieses Gerät - C-64-Fans mögen mir verzeihen - bald als nettes Spielzeug ausgemacht, mit dem sich nur sehr unkomfortabel arbeiten ließ.

Von diesem Eindruck geprägt entschied ich mich drei Jahre später bei der Ausstattung unseres Büros für etwas »Solides« und »Professionelles«. Von Atari hatte man zu dieser Zeit lediglich als einem Spielecomputer gehört, ein Image, das ihm noch heute anhängt und nicht zuletzt durch die unrühmliche PR-Arbeit von Atari geprägt ist. Vom verlockenden Apfel über die berühmten drei Buchstaben bis zu einigen Exoten bemühten sich unterschiedliche Verkäufer, uns von den Vorteilen eines praxisgerechten Einsatzes der EDV mit ihrer Hard- und Software zu überzeugen.

Drei Bereiche wollten wir so effektiv wie möglich bearbeiten: eine Lohn- und Gehaltsverwaltung, eine mandantenfähige Finanzbuchhaltung und eine Textverarbeitung. Die Wahl fiel auf einen IBM-kompati-blen Computer (Victor) mit 30 MByte Festplatte und entsprechender Software. Inklusive eines Epson-LQ-850-Druckers plus Druckertisch und Bürostuhl waren ca. 26000 Mark zu entrichten. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten schien die Praxis unsere Entscheidung zu rechtfertigen.

Zweifel an ihrer Richtigkeit stellten sich erst ca. 1 1/2 Jahre später ein. Für den genannten Preis hätten wir bei Atari eine leistungsfähige DTP-Workstation einschließlich der oben genannten anderen Programme erhalten. Um es gleich vorweg zu nehmen: In einem Punkt haben wir diesen Kauf bis heute nicht bereut. Es handelt sich hierbei um die Lohn- und Gehaltsverwaltung, deren sensationell einfache Bedienung und effektive Arbeitsweise unserem Buchhalter noch heute Achtung abverlangt. Hier, und das muß man leider deutlich sagen, fehlt es der Atari-Software gelegentlich an Professionalität und Praxistauglichkeit.

Nachdem der Einsatz des Computers am Arbeitsplatz selbstverständlich war, offenbarten sich die Mängel des Systems. Die vorhandene Hard- und Software wurde den gestiegenen Bedürfnissen in vielen Bereichen nicht mehr gerecht. Für die private Investition in einen Computer machten mich Freunde auf Atari aufmerksam. Der unterschätzte »Spielecomputer« entpuppte sich in der Form eines Mega ST 2 zu einer Multifunktionsmaschine, deren Fähigkeiten schier unerschöpflich waren.

Um einen unproblematischen Austausch zwischen den Computern zu gewährleisten, ließ ich den Mega ST mit MS-DOS-Emulator PC-Speed ausrüsten. Heute arbeite ich mit folgender Konstellation: Mega ST 2 mit dem 4 MByte RAM, Festplatte SH 205 (in Zukunft Megafile 60), zweites 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk und ein Epson LQ 500 Drucker. Bei qualitativ hochwertigen Ausdrucken greife ich auf die Angebote der Belichtungsstudios zurück.

Im Softwarebereich verwende ich heute nach langen Tests im wesentlichen: »That's Write« als Textverarbeitung, »That's Address« als dazu passende Adreßverwaltung und Multitalent beim Ausdruck von Etiketten und Formularen sowie das hervorragende aber leider gelegentlich auch absturzträchtige »Calamus« für DTP-Arbeiten. »Outline-Art« und »PKS-Write« unterstützen die Arbeit mit Calamus.

Der Einsatz von Textverarbeitung und Adreßverwaltung bedarf keiner Erläuterung, mit Calamus entstehen bei mir z. B. Programmhefte für künstlerische Kursangebote und Präsentationen, Logos oder Köpfe für Geschäfts- und Briefpapier.

Jeder Einsteiger auf Calamus sollte sich jedoch klar machen, daß hier einiges an Einarbeitung auf ihn zukommt, und die Arbeit mit einem DTP-System nicht die Erfahrung und Sachkenntnis eines Grafikers oder Schriftsetzers ersetzt. Wer schnell brauchbare Ergebnisse will, muß Erfahrung mitbringen.

In Osnabrück verwaltet der ST mehrere Sozialprojekte

Am häufigsten nutze ich am Computer die Textverarbeitung - von der täglichen Korrespondenz über komplexe Texte einschließlich Fuß- und Endnoten, Inhalts- und Stichwortverzeichnis. Meine Wahl fiel auf That's Write, die meines Erachtens beste Textverarbeitung auf dem ST. Einige Schlagworte sollen diese Einschätzung belegen: Flexible Absatz- und Seitenlayouts, die kaum einen Wunsch offen lassen, Online-Korrektur mit 3 Millionen Wörtern (ab der neuen Version 1.5), das Einbinden von Grafiken, vielfältige Gestaltungsvarianten, die Verwendung von Signum-Fonts, genial einfache Makroprogrammierung, bis zu 20 Fonts in einem Text, automatisches Erzeugen von Inhalts- und Stichwortverzeichnissen und die Zusammenarbeit mit anderen Programmen bzw. Accessories wie That's Address. Mit einem schnell geschriebenen Makro läßt sich z.B. folgender Ablauf realisieren: Sie schreiben den Absender passend für ein Fensterbriefformular und wechseln in die Adreßverwaltung. Nach der Eingabe eines Namens oder Suchwortes übergibt That's Address die entsprechenden Daten in die Textverarbeitung. That's Write schreibt das Datum an die vorgesehene Stelle, wechselt in ein Layout für Briefpapier oder eine Rechnung, schreibt die Anrede usw. Nur den Brief müssen Sie noch selbst schreiben.

Eine sinnvolle Ergänzung und Abrundung der Softwarekonstellation bietet die Gemini-Shell.

Von einigen Schmankerln für Programmierer einmal abgesehen, hält sie für den Anwender so sinnvolle Dinge wie eine Unterteilung des Papierkorbs in »Trash« (auch bei der verwendeten Symbolik läßt Apple grüßen) und »Reißwolf« bereit. Alle Dateien, Programme etc. lassen sich auf dem Desktop ablegen und ersparen so das lange Suchen in Partitionen und Ordnern. Nach Ablage auf dem Desktop und Wahl eines entsprechenden Symbols, Namensgebung, Wahl des Zeichensatzes usw., läßt sich der Zustand des Desktops speichern. Künftig reicht ein Doppelklick auf eines der Symbole, um ein Programm zu starten. Für meine Belange habe ich in der dargestellten Form eine erprobte und funktionelle Gestaltung des Arbeitsplatzes gefunden, die neuerdings noch um das Multiaccessory »Harlekin« ergänzt ist (vgl. Test auf Seite 92). (wk)

Mit Calamus entstehen Präsentationen für kulturelle Veranstaltungen

Norbert Dalmeyer
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