Ordnung ist das halbe Leben: Datenorganisation

Nur wenn eine Festplatte richtig organisiert ist, kommen ihre Stärken zur Geltung. TOS gibt Anregungen und Tips, die den Umgang mit den harten Scheiben erleichtern.

Gemessen an der Speicherkapazität und Arbeitsgeschwindigkeit von Disketten sind Festplatten wahre Leistungsgiganten. Fast unendlich erscheinen 20, 30 oder gar 60 MByte Speicherplatz. Alles, was bisher auf diversen Disketten verteilt war, findet jetzt bequem Platz und steht blitzartig zur Verfügung. Ein schöner Traum, denn die Realität sieht leider häufig anders aus. Zunächst gilt: Eine Festplatte ist kein Ersatz für den Diskettenkästen. Sie dient nicht als Sammelstelle für jedes erreichbare Progrämmchen. Auf einer Festplatte sind die Programme und Daten gespeichert, die man sehr häufig benötigt, oder die zu einer gerade aktuellen Arbeit gehören. Normalerweise benötigt ein Anwender oder ein Programmierer drei bis fünf verschiedene Programmtypen wie beispielsweise Textverarbeitung, Datenbank, Grafiksoftware und eine Programmiersprache. In jedem Bereich sind die Hauptprogramme, diverse Tools und Utilities und natürlich die Datenbestände vorhanden. Diese Überlegungen sind bereits vor dem Kauf einer Festplatte dringend erforderlich, denn nur so läßt sich die tatsächlich benötigte Größe der geplanten Festplatte ausrechnen. Machen Sie sich diese Gedanken nicht, schieben Sie schneller wieder Disketten, als Ihnen lieb ist.

Bild 1. So sieht eine gute Ordnerstruktur aus. Alle Daten sind leicht wiederzufinden. Die »Klickwege« für die Maus bleiben kurz.

Ich verdeutliche diese Rechnung an meiner eigenen Festplatte. Meine Hauptarbeit am Computer besteht aus dem Testen von Software und der anschließenden Berichterstattung. Zum Schreiben brauche ich eine Textverarbeitung und außerdem ein Grafikprogramm, damit die Artikel nicht zur Bleiwüste verflachen. Außerdem muß der Testkandidat Platz finden. Zur Organisation benütze ich eine Datenbank für Adressen und einen flexiblen Terminkalender. Der Platz bedarf für die einzelnen Programmbereiche ergibt sich aus gewissen Erfahrungswerten sowie aus der Größe der Programme und bereits vorhandenen Datenbeständen. Ich habe mich für eine 20 MByte Festplatte entschieden. Für die Textverarbeitung und die Datenbank benötige ich jeweils ca. 3 MByte, für die Grafik 4 MByte, und die diversen kleinen Helferlein begnügen sich mit 2 MByte. Bleiben für die wechselnden Testkandidaten etwa 8 MByte Platz. Um hier den Durchblick zu behalten, ist die Festplatte in verschiedene logische Bereiche eingeteilt, die Partitionen. Der Computer behandelt diese Partitionen wie unterschiedliche Laufwerke. Sie haben jeweils ein eigenes Symbol (Icon) auf dem Desktop, besitzen einen eigenen Kennbuchstaben und eine frei gewählte Bezeichnung (vgl. Bild 2). Insgesamt sind auf dieser Festplatte vier Partitionen mit unterschiedlicher Größe vorhanden. Sie tragen die Kennbuchstaben »C«bis »F«. Partition C heißt »Boot«, hier finden sich alle Accessories und der Auto-Ordner, den der Computer nach dem Ein-schalten automatisch abarbeitet, d. h., alle darin befindlichen Programme startet. Auf dieser Partition befinden sich auch die »Desktop.Inf«-Datei mit den Informationen über das Aussehen des Desktops und weitere Hilfsprogramme. 2 MByte genügen für diese kleinen Programme völlig. Partition D nennt sich »Texte« und enthält die Textverarbeitung, die Datenbank sowie alle nötigen Dateien. Ihre Größe liegt gemäß der oben aufgestellten Rechnung bei etwa 6 MByte. Partition E heißt »Anwendung« und nimmt jeweils wechselndeTestkandidaten auf. Die letzte Partition F nennt sich »Grafik« und was da drin ist, dürfte klar sein. Selbstverständlich ist die Reihenfolge, in der Sie Ihre Partitionen benennen und belegen völlig gleichgültig. Wichtig ist später nur die Anordnung der Icons auf dem Desktop, damit Sie häufige »Mauswege« rasch zurücklegen. Ich habe die in Bild 1 erkennbare Aufteilung gewählt, weil sie meinen Arbeitsgängen am besten entspricht. Wie Ihr Schreibtisch aussieht, ist schließlich Ihre eigene Sache. Das Einrichten einer Festplatte mit der Anzahl der Partitionen und ihrer jeweiligen Größe geschieht mit der entsprechenden Treibersoftware, die jeder Platte beiliegt. Die genaue Vorgehensweise steht im Handbuch. Grundsätzlich gilt folgender Weg: Zunächst die Platte komplett »formatieren« und dann »partitionieren«. Dabei geben Sie normalerweise mit Hilfe der Maus ein, wieviele Partitionen sie haben möchten, und wie groß diese sein sollen. Danach bieten die meisten Installationsprogramme einen »Mark Bad«-Befehl, der schadhafte Sektoren der Platte markiert und gewissermaßen aussondert. Der letzte Schritt ist das »bootfähig machen« der Platte. Wollen Sie von der Festplatte booten und nicht mehr ihre Accessories von der Diskette laden, dann wählen Sie den entsprechenden Befehl oder Menüpunkt. Bei mehreren Festplatten ist nur eine bootfähig. Nachdem die Platte vorbereitet ist, kommt das fröhliche Füllen. Doch halt, ein letztes Mal müssen Sie noch nachdenken. Nehmen wir die oben beschriebene Partition D. Textverarbeitung, Datenbank, diverse Dateien, schon wieder droht das Datenchaos. Ordner schaffen heißt jetzt die Devise. Legen Sie für jeden Programmtyp einen Ordner an und kopieren Sie alle Dateien der Textverarbeitung beispielsweise in den Ordner »Text« und die Datenbank in den Ordner »D-Bank«. Strukturieren Sie auch innerhalb dieser Ordner wieder. In der Textverarbeitung gibt es vielleicht »P-Briefe«, »G-Briefe«, »Artikel.790«, »Artikel.890«, »Buch« usw. Ein Nachteil dieser starren Ordnerstruktur ist der lange Weg vom Desktop-Icon der Partition bis zum Programm. Eine Lösung sehen Sie in Bild 1.

In der obersten Ebene der Ordnerstruktur, dem Wurzelverzeichnis, stehen nicht die Ordner für Text und Datenbank, sondern ein Ordner »Datenbank« mit allen entsprechenden Daten, ein Ordner »Textver.arb« für die private Textverarbeitung, diverse Ordner mit Artikeln und die Hauptprogramme »Schreib.PRG« und »Daten.PRG«. Von hier aus rufe ich direkt die Textverarbeitung »Schreib« und die Datenbank »Daten« auf. Anstelle von »Schreib« und »Daten« stehen Ihre jeweiligen Programme. Damit sind die »Klickwege« für die Maus sehr kurz, trotzdem ist eine übersichtliche Struktur aufgebaut, in der so schnell kein Datenchaos ausbricht.

Bild 2. Die Festplatte ist in vier Partitionen eingeteilt. In jeder Partition finden sich Ordner zur weiteren Strukturierung.

Wolfgang Klemme
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