Integrierter Arbeitsplatz: Programme richtig kombinieren

Übersichtliche Terminverwaltung, komfortable Schreibfunktionen, vielfältige Zeichenwerkzeuge, schneller Zugriff auf Adressen und automatische Telefonwahl: Geschickt miteinander kombinierte Spezialprogramme verwirklichen jetzt auch auf dem ST den langersehnter Traum vom integrierten Arbeitsplatz.

Auf dem Softwaremarkt des ST fehlt es bislang an Teamgeist-die Einzelkämpferphilosophie dominiert. Kaum ein Programm arbeitet mit einem anderen zusammen. Jedes bietet nur ein kleines Stückchen vom großen Funktionskuchen. Selbst einfachster Datenaustausch gerät meistens zur nervötenden Konvertieraktion.

Den Schaden hat der Anwender, wenn er sich mit diversen Text-, Grafik- und Adressformaten herumschlagen muß oder erst nach mehreren Fehlinvestitionen in diverse Programme feststellt, daß keineswegs alles so kompatibel ist, wie der erste Eindruck einer »professionellen« Werbung glauben macht. Jetzt sind Lichtblicke in diesem Dunkel auszumachen. Mit der Leistungsorientierung an professionellen Vorbildern aus der DOS-Welt oder den Rittern vom angebissenen Apfel zeichnen sich auch im ST-Bereich Lösungen ab, die den Anwender universell unterstützen. Die Vision vom »integrierten Arbeitsplatz« ist greifbar geworden. Betrachten wir die typischen Vorgänge an einem Redaktionsschreibtisch. Die tägliche Arbeit besteht aus telefonieren, notieren, formulieren und schreiben. Man wühlt in Ablagen und tausend Merkzetteln, versucht alle Termine einzuhalten und organisiert grundsätzlich mindestens fünf verschiedene Sachen gleichzeitig. Die klassischen HiIfsmittel sind, neben Telefon und Schreibmaschine, viel Papier, eine breite Pinnwand, Karteikästen für Adressen, große Zettelkästen für Notizen und sehr viel Platz auf dem Fußboden für die vielen Seiten Papier, die man jeden Tag produziert.

Was bietet in diesem Zusammenhang der Computer? An diese Stelle gehören all die klangvollen Argumente wie »elektronische Textverarbeitung, universelle Datenbanken, leistungsfähige Zeichenprogramme« etc. Es stellt sich nur die Frage, ob die für sich genommen sehr guten Lösungen der Hauptanforderung eines solchen Arbeitsablaufs gewachsen sind: dem schnellen und problemlosen Austausch von Arbeitsergebnissen. Dazu einige Beispiele: Schreibe ich einen Brief, möchte ich die benötigte Anschrift mit einem Mausklick oder Tastendruck direkt aus der Datenbank übernehmen. Muß ich die Adresse zuerst auf einem Stück Papier notieren und dann wieder eintippen, weil eine direkte Übergabe der Adresse nicht vorgesehen ist, dann bedeutet das zusätzliche Arbeit und nicht Arbeitsersparnis. Genauso verhält es sich mit der Verbindung Grafik-Textverarbeitung. Kleine Skizzen oder Planzeichnungen, Lagepläne und Illustrationen sind in vielen Briefen oder Texten unverzichtbar. Will man nicht auf dem fertig ausgedruckten Brief herummalen oder umständliche Klebe- und Kopieraktionen starten, ist die direkte Einbindung einer Grafik in die Textverarbeitung unverzichtbar. Diese Kombination von Adressen, Bildern und Texten nützt übrigens nicht nur in einzelnen Briefen sondern auch in Serienbriefen. Dann sind da noch die unvermeidlichen »Termine«.

Ein Terminprogramm auf dem Computer mit Kalendarium und automatischen Warnsignalen bietet in jeder laufenden Applikation erhebliche Vorteile. Sie tragen jeden neuen Termin ein und bestimmen, ob eine Warnung ertönen bzw. erscheinen soll. Zum richtigen Zeitpunkt taucht die Erinnerung im wahrsten Sinne des Wortes vor Ihrer Nase auf, der Termin ist gerettet. Der letzte Gedanke gilt dem Telefonieren. Ich weiß zwar nicht, welches Komforttelefon Sie besitzen, aber hat es eine vollautomatische Wahlwiederholung, die solange wählt, bis die gewünschte Verbindung erreicht ist? In Verbindung mit einem Modem und der entsprechenden Einbindung in die Adressdatei ist das kein Problem.

Nehmen wir an, Sie haben auf Ihrem Tagesterminkalender sieben Anruftermine stehen. Entweder Sie wählen sich einen wunden Zeigefinger, oder Sie verzweigen über die Adressdatei zur entsprechenden Telefonnummer und lassen Ihr Modem wählen.

Bei Freizeichen abheben, bei Besetztzeichen auf Wahlwiederholung schalten oder die nächste Nummer wählen lassen. Diese Methode schont die Fingerkuppen. Die geschickte Kombination von Programmen und Accessoires ergibt auf dem ST eine Reihe solch funktionaler integrierter Arbeitsplätze. Ein erster Schritt in dieser Richtung ist die »That's«-Serie der Firma Compo. Mit »That's Write« liegt eine sehr gute Textverarbeitung vor. Um die typischen Anforderungen Ihrer Anwender zu unterstützen, entwickelte Compo dazu passend das Accessory »That's Address« zur Adressverwaltung mit direkter Übernahme der Daten in That's Write. Diese Adressverwaltung unterstützt Steuerdateien für beliebige Druckformate, so daß Sie z.B. einen Briefkopf mit Absender und Empfänger bereits im richtigen Format auf das Papier drucken und dann in That's Write den Brief direkt anfügen. Genauso sieht es mit der Einbindung von Bildern aus. Ursprünglich als reine Ergänzung zu That's Write geplant, entwickelte sich das Grafiktool »That's Pixel« zu einem leistungsfähigen Hilfsmittel für einfache grafische Aufgabenstellungen. Vor allem einige Neuerungen in puncto Bedienung und natürlich die einheitliche Bedienung zu That's Write machen diese Programme zu einem leistungsfähigen Gespann. Besonders für Vielschreiber interessant: Das in einer der letzten Ausgaben vorgestellte Synonymlexikon »Lexothek« wird voraussichtlich zur Atari-Messe eine enge Symbiose mit That's Write eingehen. Die direkte Übernahme eines als Block markierten Wortes als Suchbegriff ist geplant, die Übernahme des ausgewählten Synonyms per Mausklick funktioniert bereits jetzt. Die Verbindung mit der neuen Langenscheidt-Rechtschreibkorrektur von That's Write macht manchen Griff zum »Duden« oderzum »Textor«überflüssig. Leider gibt es noch kein »That's Time« als passenden Terminkalender. Doch hier springen zwei andere Kandidaten in die Bresche. Problemlos funktioniert die Zusammenarbeit mit »Harlekin«, der als Accessory immer bereitsteht. Sein ausgefeilter Terminkalender und der zusätzliche Texteditor nehmen alle Informationen auf, die »nebenbei« anfallen. Zusätzlich bietet er eine Reihe weiterer nützlicher Funktionen wie Makroprozessor oder erweiterte Diskettenfunktionen. Leider versieht er die Termine noch nicht mit einer automatischen Alarmfunktion, so daß man selbst nachschauen muß, ob etwas ansteht. Harlekin ist jedoch mehr als ein Terminprogramm. Seine vielen Funktionen machen ihn für die unterschiedlichsten Anwendungen interessant, auch wenn es nicht immer um einen integrierten Arbeitsplatz geht. Ein anderes Konzept verfolgt der »TopManager«. Erstellt eine Art Shell dar, von der aus Sie andere Programme aufrufen. Ausgehend von dem Gedanken, daß die Grundlage der täglichen Arbeit der Terminkalender ist, verzweigen Sie von hier aus in die Textverarbeitung, das Grafikprogramm, die Datenbank oder das DTP-Programm. Der TopManager ist die Umsetzung der üblichen Chef-Terminkalender wie »Chef Dater« oder »Time System«. Leider war in der vorliegenden ersten Version dieses Programms noch keine Alarmfunktion in weitere Applikationen durchgeschleift. Eine entsprechende Erweiterung ist bereits in Arbeit. Ist auch die angekündigte Modemwählfunktion integriert, dann bietet der TopManager eine gute Plattform für den voll integrierten Arbeitsplatz. Eine Reihe weiterer Kombinationen sind denkbar. So bieten »1st Adress« oder »Easybase« interessante Datenbankkonzepte, die sich leicht mit anderen Programmen verknüpfen lassen. Auch das Grafik-Accessory »GrafStar« fügt sich organisch in den Programmreigen ein. Wir stellen in Zukunft in loser Folge solche integrierten Arbeitsplätze vor. Hier sind Sie aufgerufen. Schreiben Sie uns, welche Programmkombinationen Sie verwenden und welche Aufgaben Sie damit bewältigen. Schildern Sie Ihre Erfahrungen, positive und negative, denn Ihre Erfahrung verhilft anderen Anwendern zu effektiver Arbeit.


Wolfgang Klemme
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