Schlag auf Schlag: Rhythm Crack, das Kompositionsprogramm von Trifolium

Zufallsgesteuerte Kompositionsprogramme für den Atari ST verursachen meist ein mehr oder minder konfuses Klangchaos. Rhythm Crack geht einen anderen Weg. Bibliotheken, Melodieskalen und Häufigkeitswerte sorgen für brauchbare Baß - und Rhythmusfundamente.

Immer wieder ist zu hören, daß bekannte Musiker mit Hilfe von Kompositionsprogrammen den »Superhit« ihres Lebens schreiben. Es bedarf jedoch einer großen Portion Musikalität und kompositorischer Erfahrung, aus den per Software angebotenen Floskeln ein erfolgreiches Musikstück zusammenzustellen. Die meisten Programme dieser Art sind Sequenzer-ähnlich aufgebaut und arbeiten nach vorgegebenen oder veränderbaren Algorithmen. Ihre klanglichen Ergebnisse sind allerdings nur schwer vorhersehbar.

»Rhythm Crack« hebt sich von diesen Konkurrenten deutlich ab. Es ist gedacht für die Entwicklung von Schlagzeugspuren und kurzen Melodiefragmenten zur Baßbegleitung. Dabei bestimmt der Anwender Häufigkeit, Quantisierung und Dauer der Noten innerhalb einer vorgegebenen Anzahl Takte oder wählt aus einer Bibliothek bereits vorgegebene Pattern aus. Das Programm berechnet aus den Angaben ein Pattern und übernimmt es bei Bedarf anschließend in eine Arrangement-Liste.

Nach der Installation des Kopierschutzes, einem Durchgangsstecker für die RS232-Schnittstelle, und dem Start des Programms präsentiert sich eine randvolle Hauptseite von Rhythm Crack. Hier stehen zwölf Spuren zur Verfügung, deren Einstellungen jeweils die gesamte Bildschirmbreite einnehmen. Jede Spur ist in Felder mit verschiedenen Einstellungen unterteilt. Von links nach rechts sind dies die Spurnummer »TRK«, der Name »Name«, der zu sendende MIDI-Kanal »Chan«, die Tonhöhe »Note«, Zufallsfunktion »RND«, Notenzahl pro Takt »Notes«, Quantisierung »Quant«, Tondauer »Length«, Lautstärke »Velocity«, Taktzahl »Bars« und Bibliotheksfunktion »Bib«.

Diese auf den ersten Blick verwirrende Vielfalt erweist sich nach kurzer Zeit als sinnvoll angeordneter und wohl strukturierter Arbeitsplatz. Die linken Seite des Bildschirms zeigt die Einstellungen für die angeschlossenen Instrumente, das »Instrumenten-Setup«. Dies ist meistens ein Drumcomputer oder ein Synthesizer mit Drum-und Baßsounds. Rechts im »Composer-Setup« stehen alle Angaben zum Kompositionsvorgang.

Die allgemeinen Programmfunktionen sind in den Pull-Down-Menüs untergebracht. Hier laden und speichern Sie einzelne Pattern, vollständige Stücke und alle Einstellungen, auf Wunsch auch getrennt für das Instrumenten-und Composer-Setup.

Rhythm Crack speichert seine »Erzeugnisse« auch im MIDI-Standard-File-Format ab, so daß einer weiteren Bearbeitung im Lieblingssequenzer nichts mehr im Wege steht. Auf der Diskette befinden sich einige Setups für gängige Synthesizer und Expander, mit denen Sie schnell zum ersten Klangerfolg kommen.

Neben den Dateioperationen gibt es im Rhythm Crack einige Grundeinstellungen für die MIDI-Kommunikation und mehrere Abspielparameter. Dazu zählen z. B. das Abspieltempo und ein »Shuffle«-Wert, der das Grundmetrum in Prozentwerten beeinflußt. Die Manipulationsbreite liegt zwischen Null und 100 Prozent triolisch. Schließlich bietet das Programm eine »Easy Page«, über die Sie auf die vier wichtigsten Werte schnellen Zugriff haben. Es sind die Anzahl der Noten in drei Stufen zu bestimmen, eine feste Quantisierung und Länge einzustellen, sowie die Lautstärke fest oder variabel ebenfalls in drei Stufen festzulegen. Die Werte der Easy Page wirken sich auf alle Spuren aus, die im Composer bei »Rnd« auf »on« stehen. So stellen sich gezielt bestimmte Kanäle ein. Differenziertere Einstellungen erreichen Sie durch geschickte Kombination von Instrumenten- und Composer-Setup. Bemerkenswert ist die Bandbreite der vorgegebenen Variationen. So stehen im Instrumenten-Setup mit der Funktion »Note« sechs verschiedene Modi zur Auswahl. Neben einer fest gewählten Note und dem zufälligen Wechsel zwischen zwei verschiedenen Noten sind vier Tonskalen (chromatisch, Dur, Moll und pentatonisch) verfügbar. Sie eignen sich für Melodielinien wie Baß-Grooves oder Synthi-Sequenzen. Damit nicht nur der Zufall komponiert, sondern Sie bestimmte musikalische Vorstellungen auch direkt verwirklichen, verfügt Rhythm Crack über eine Bibliotheksfunktion.

Hier stehen in drei Bänken (»Sechzehntel, Achtel und HiHat«) insgesamt 72 Pattern zur freien Auswahl. Sie stellen die wichtigsten und gebräuchlichsten Rock- und Poprhythmen direkt zur Verfügung. Ist auf einer Spur die Funktion »Bib« angewählt, erscheint ein kleines Fenster, in dem Sie die Bibliotheksbank bestimmen. Jetzt geben Sie an, welches bzw. welche Pattern Sie wünschen, und schon ist der »Phil Collins Groove« fertig.

Diese Bibliothek erleichtert das Zusammenstellen typischer Drum-Patterns. Eine Entsprechung für Baßriffs ist derzeit noch nicht implementiert. Man denkt aber nach Aussage von Trifolium bereits darüber nach.

Sehr praktisch ist der Übungsmodus von Rhythm Crack. Das Programm spielt ein Pattern und legt danach eine bestimmte Anzahl Takte Pause ein. In Verbindung mit der Funktion »Cycle Play« findet sich hier schnell ein geduldiger »Schlagzeuglehrer«. Allerdings muß der Schüler schon einiges können, um mit diesem »Lehrer« mitzuhalten.

Rhythm Crack ist eine praktische Hilfe und große Arbeitserleichterung für alle, die sich viel mit der Entwicklung von Rhythmus- und Baßpatterns befassen. Die vielfältigen Formen der Erzeugung und Manipulation bieten reiche »Materialauswahl«. Die Arrange-Seite erlaubt eine einfache Zusammenstellung längerer Sequenzen, und das MIDI-Datei-Format sorgt für Kompatibilität mit den meisten Sequenzern zur weiteren Bearbeitung und Verwendung. Doch nicht nur für MIDI-Profis, sondern auch für Einsteiger in die Welt des Rhythmus ist Rhythm Crack ein ausgezeichnetes Werkzeug.

Trifolium, Grassweg 14,3500 Kassel

Bild 1. Die Hauptseite von Rhythm Crack, gegliedert in Instrumenten-und Composer-Einstellungen
Bild 2. Der Arrange-Modus erlaubt das einfache Zusammenstellen eines Songs aus maximal 18 verschiedenen Pattern
Bild 3. Bei 100 Prozent Shuttle zwingt das Programm die Achtel in ein triolisches Raster

WERTUNG

Name: Rhythm Crack
Preis: 149 Mark
Hersteller; Trifolium

Stärken: Einfache Bedienung □ Bibliotheksfunktionen □ flexible Kompositionsaiten □ Shuffle-Modus □ Setups getrennt speicherbar □ MIDI-File-Format

Schwächen: Keine Veränderung der Einstellungen bei laufendem Pattern □ im Arrange-Modus keine Pattern-Liste kopierbar

Fazit: Eine sehr brauchbare und preiswerte Ergänzung für jeden Sequenzer.


Wolfgang Klemme
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