Im Gespräch: Konstantinos Lavassas, der Entwickler von Lavadraw

Marathon-Man

Arbeitssitzungen von 20 Stunden Länge sind bei ihm keine Seltenheit. Konstantinos Lavassas ist Programmierer aus Leidenschaft.

Programmierer ist für ihn ein Traumberuf. Seit vier Jahren arbeitet er an einem Projekt, dem 1989 der Durchbruch gelang: Konstantinos Lavassas (28) ist der Entwickler von »Lavadraw«. Was der angehende Bauingenieur damals zum Zeichnen und Ausdruck von Bewährungsplänen für den Eigenbedarf programmierte, entwickelte sich in kurzer Zeit zum etablierten Grafikwerkzeug. Zur Zeit arbeitet Konstantinos an einem sehr viel größeren Projekt: »Wir wollen ein Programm für alles« ist die Zielsetzung des Pakets, in dem die neue Version von Lavadraw nicht viel mehr als ein Programm-Modul ist. »Graffiti« ist für STs ab 2 MByte Arbeitsspeicher konzipiert und bezeichnet eine Shell mit zahlreichen Anwendungsmodulen und durchgehender Benutzerführung. Doch auch ein so begabter Kopf wie Lavassas hat früher einmal kleinere Brötchen gebacken. Nicht nur beim ST gehört er seit 1985 zu den Programmierern der ersten Stunde. Schon drei Jahre vorher blättert er stolze 2000 Mark für einen der ersten C 64 Heimcomputer mit »Datasette«, einem Kassettenrecorder, hin.

Computer-Know-how bringt er sich selbst so gut bei, daß er während seines Studiums in Gießen schon mal den Informatik-Professor vertritt. Die Begeisterung für das Programmieren (O-Ton »Das ist wie Urlaub«) veranlaßte ihn, Lavadraw bis zur Marktreife zu entwickeln. Was sich in der ersten Version am technischen Zeichnen orientiert, stimmt Lavassas im Laufe der Jahre auf die Bedürfnisse des DTP ab. In heißen Programmierphasen sitzt er selten weniger als zwölf Stunden vor seinem Mega ST 2, gelegentlich sind es bis zu 20. Auch wenn ein Programm »nie richtig fertig wird« stellt Lavassas drei Grundkriterien an jedes Pixelgrafik-Programm: hohe Auflösung (der Bildschirm zeigt nur einen Ausschnitt des Bildes), alle Funktionen arbeiten über den Bildschirm hinaus und Datenkompatibilität zu allen Grafikformaten. Am schwierigsten findet er die Programmierung von Grafik-Effekten.

Die überwiegende Verwendung von GFA-Basic und C erleichtert ihm dafür die Implementierung der Benutzeroberfläche. Ihr widmet er sein besonderes Augenmerk. Im Gegensatz zu seinen Programmen entwirft er neue Oberflächen zunächst sorgsam auf Papier und zeichnet sie mit Lavadraw auf dem ST. Graffiti richtet sich an den schlichten Serien-ST. Von Grafikkarten oder dem TT hält Lavassas nicht besonders viel: »Für jede Grafikkarte müßte ich eine spezielle Version schreiben. Bei den derzeitigen Stückzahlen ist das aber uninteressant. Als ich mir einen Großmonitor einmal näher ansah, grauste mir vor dem langsamen Grafikaufbau. Flimmernde Bildschirme: Sowas will ich nicht.« Den TT hält Konstantinos für einen »Joghurtbecher, in dem Gehäuse stellt sich das kein Profi hin«. Den relativ niedrigen Takt von 16 MHz hält er schlicht für eine »Frechheit«.

Bei all dem schwingt die Leidenschaft eines genialen Programmierers mit, der sich mit seinem Job voll identifiziert: »Ich könnte mein Studium jetzt endlich fertigmachen, aber das kann ich meinen Anwendern nicht antun. Es ist einfach toll, wenn sich viele Leute auf der Messe für Lavadraw begeistern. Das Gefühl kann mir niemand nehmen und kein Geld ersetzen.«


Tarik Ahmia
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