Des Megas neue Kleider: Grafikkarten von Maxon und Matrix im Vergleich

Moderne Anwendungen brauchen mehr Auflösung und mehr Farben. Ein Fall für Grafikkarten.

Als sich der Atari ST vor fünf Jahren zum ersten Mal in die Öffentlichkeit wagte, ging ein Aufschrei des Entzückens durch die Reihen der grafikbegeisterten Computerianer. 640 mal 400 Punkte einfarbig, 640 oder 320 mal 200 Pixel in vier oder sogar 16 Farben aus einer 512 Farbtöne umfassenden Palette - das war damals auf dem gehobenen Heimcomputermarkt der letzte Schrei. Doch wer bleibt heute noch staunend stehen, wenn der grün-weiße GEM-Desktop in einem Schaufenster flimmert?

Zwei Grafikkarten, die »MGE« von Maxon und die »C32« der Firma Matrix schicken sich an, den ST mit der aktuellen Grafikmode auszustaffieren. Vor allem Bildbearbeitungs- und Businessgrafik-Software, Desktop-Publishing- und Kompositions- Programme sowie CAD- und Video-Anwendungen dürsten nach erweiterter Auflösung, mehr Farben und höheren Bildwiederholraten.

Bei beiden Geräten handelt es sich um makellos aufgebaute Platinen, gedacht zum Einbau in Mega STs, die mit TOS 1.4 (oder neuer) sowie dem Blitter ausgestattet sein sollten. Die mechanische Installation ist ohne Löten durchführbar: Computergehäuse öffnen, Abschirmblech und rückwärtige Erweiterungsabdeckung entfernen, Grafikkarte auf den Mega-ST-Bus setzen, Stromversorgungskabel einstecken, Abschirmblech und Gehäuse wieder aufsetzen - fertig. Für versierte Bastler sollte es auch nicht allzu schwierig sein, die Karten an STs ohne Mega-ST-Bus anzukoppeln, wenngleich sie dafür zunächst nicht gedacht sind.

Die Grafikkarten blockieren nun natürlich den Mega-Bus. Ein Durchschleifen des Busses ist sinnlos, da kaum mehr Platz zwischen der Grafikplatine und dem Oberteil des Computer-Gehäuses frei ist. Allerdings haben die Entwickler beider Karten an die Freunde von Arithmetik-Coprozessoren gedacht und einen Sok-kel für den 68881-Ma-the-Chip auf der Platine integriert.

Name: C32/1MB (C32/1MB * EG & Super Mono)
Preis: 1748 Mark (2548 Mark)
Hersteller: Matrix Datensysteme

Typische Grafik-Grundmodi der C32/1MB:

Bandbreite Auflösung Bildfrequenz Farben
32 MHz 640 x 480 | 77 Hz non int. | 256
32 MHz 864 x 688 | 85 Hz interl. | 256
16 MHz 928 x 600 | 50 Hz interl. | 256

Name: MGE
Preis: 2398 Mark
Hersteller: Maxon Computer

Typische Grafik-Grundmodi der MGE:

Bandbreite Auflösung Bildfrequenz Farben
13,75 MHz 800 x 600 50 Hz interl. 256
27,50 MHz 640 x 480 66 Hz non int 256
55,00 MHz 896 x 688 67 Hz non int 16
110,00 MHz 1280 x 960 60 Hz non int mono
110,00 MHz 1664 x 1200 50 Hz non int mono

Auf der Rückseite des Megas sind nun die neuen Monitorbuchsen zugänglich. Die hohen und in weiten Bereichen variablen Grafikauflösungen erfordern bei beiden Karten auch einen hochauflösenden und anpassungsfähigen Monitor - die Atari-eigene Monitor-Flotte ist diesen Anforderungen nicht mehr gewachsen. Für Schwarzweiß-Anwendungen sind monochrome Großbildschirme mit 19 bis 21 Zoll Bildschirmdiagonale bestens geeignet, für die Farbgrafik empfehlen sich 14- oder 16-Zoll-Farbmonitore.

Bei der Wahl des Monitors ist unbedingt darauf zu achten, daß er nicht nur über die passenden Signaleingänge und Anschlußkabel verfügt, sondern sich vor allem auch auf die erhöhten Zeilen- und Bildwiederholfrequenzen einstellen kann. In den Tabellen finden Sie die wichtigsten Daten zu den verschiedenen Modi der beiden Grafikkarten. Dabei sind die Spalten »Bandbreite« und »Bildfrequenz« entscheidend. Die Bandbreite des Monitors sollte mindestens so groß wie in der Tabelle sein, und seine Bildwiederholfrequenz muß sich an die des jeweiligen Grafikmodus anpassen. Vergleichen Sie die Angaben aus Monitor-Prospekten mit diesen Werten, um schon einmal eine Vorauswahl zu treffen. Versichern Sie sich aber in jedem Fall beim Grafikkarten-Hersteller oder Ihrem Fachhändler, ob sich die jeweilige Karte auch wirklich mit Ihrem Wunsch-Monitor verträgt - sonst segeln im Nu einige Tausender zum Fenster hinaus.

Für unseren Test standen der Eizo 9070S-Farbmonitor (16 Zoll Bilddiagonale, 50-80 Hz Bildwiederholfrequenz, 50 MHz Bandbreite) sowie der Eizo 6500-Monochrom-GroßbiIdschirm (21 Zoll Diagonale, 55-80 Hz Wiederholfrequenz, 120 MHz Bandbreite) zur Verfügung. Die MGE bietet serienmäßig sowohl Farb- als auch hohe Monochrom-Auflösungen und ist mit 1 MByte Video-RAM ausgestattet.

Die C32-Karte ist zunächst nur für Farbgrafiken gedacht und in drei Speicher-Ausbaustufen erhältlich (256 KByte, 512 KByte und 1 MByte Video-RAM), wobei mehr RAM gleichbedeutend mit höheren Auflösungen und mehr gleichzeitig darstellbaren Farben ist. Für hochauflösende Monochrom-Grafiken ist neben 1 MByte Video-RAM noch der »EG/Super-Mo-no«-Zusatz erforderlich.

Je nach Modus sind die Grafikkarten in der Lage, zwischen zwei und 256 Farben gleichzeitig darzustellen. Beim Belegen jedes der bis zu 256 Farbregister haben Sie die Auswahl aus 262144 Farbtönen.

Sie erreichen damit Farbverläufe, deren Abstufung (Übergang von einem Farbton zum nächsten) das Auge nicht mehr erkennt.

Das Herzstück beider Karten stellt der Intel 82768-Grafik-Coprozessor dar. Dieser Tausendsassa ist nicht nur in der Lage, die unterschiedlichsten Auflösungsstufen mit variabler Farbanzahl darzustellen, sondern verfügt zudem über ein enormes Potential an Befehlen zur Verwaltung und schnellen Bearbeitung von Grafiken im Video-RAM.

Ein Eldorado für alle programmierenden Grafik-Enthusiasten, zumal technische Informationen zum 82768 gut erhältlich sind.

Von oben nach unten: Das MGE-Kontrollfeld erlaubt die Einstellung aller 256 Farbregister; Ansprechende Farbdiagramme mit Scigraph; Cranach bearbeitet auch mehrere IFF-Grafiken gleichzeitig

Damit aber auch der Bit-unkundige Anwender in den Genuß flimmerfreier, farbenprächtiger und feinstauflösender Grafik- und Textanzeige kommt, liefern sowohl Maxon als auch Matrix spezielle Treiberprogramme mit, die alle Bildschirmausgaben des Betriebssystems in die Grafikkarte und damit auf den zweiten Monitor umleiten. Jede Software, die sich der Betriebssystem-Routinen zur Grafikausgabe korrekt bedient, läuft damit auf Anhieb in der neuen Grafikumgebung.

In der Praxis sieht es allerdings zum einen so aus, daß das Übertragen aller Betriebssystem-Funktionen, die etwas mit der Bildschirmverwaltung zu tun haben, ein sehr langwieriges und fehlerträchtiges Unterfangen ist. Das heißt, daß die Treiber-Programme zur C32 und zur MGE einem permanenten Wachstums- und Reifungsprozess unterliegen. Läuft ein ST-Programm nicht korrekt auf einer der beiden Karten, kann dies mit dem nächsten Treiber-Update vielleicht schon behoben sein.

Zum anderen - und das ist das größere Problem - hält sich längst nicht jedes kommerzielle Software-Produkt an die strengen Regeln des Betriebssystems oder braut sich gar irgendwo in den Tiefen des RAMs sein eigenes Grafik-Süppchen.

Das zu finden und richtig auszulöffeln ist selbst für den besten Grafikkarten-Treiber ein Ding der Unmöglichkeit.

Aus diesen Gründen macht es wenig Sinn, eine Liste mit bekannten Software-Produkten aufzustellen und die Prädikate »läuft«, »läuft fehlerhaft« und »läuft nicht« zu vergeben. Denn schon mit der nächsten Version der Treiber oder der Software kann sich das Urteil ins Gegenteil verkehren.

Ich empfehle jedem, der die Anschaffung einer Grafikkarte plant, sich vorher genau zu überlegen, welche Software er darauf einsetzen will. Vergewissern Sie sich sodann im Computer-Fachgeschäft oder schriftlich bei den Software-und Grafikkarten-Herstellern, ob die Programme mit der Karte harmonieren. Vergessen Sie nicht, die aktuellen Versionsnummern zu erfragen und beim Kauf der Soft- und Hardware darauf zu achten, daß Sie keine älteren Versionen bekommen.

Das Handbuch der Maxon-Grafik-Erweiterung MGE enthält alle zur Installation notwendigen Hinweise sowie eine umfangreiche Beschreibung des GDOS-VDI-Treibers, der Programmierung des Hardware-Treibers, des Grafik-Formats sowie der Grafikprozessor-Kommandos. Leider läßt es gerade den Einsteiger bei der nicht unproblematischen Treiber-Installation ziemlich alleine.

Zu der Software gehören neben den Treibern ein Monitor-Justage-Programm, Grafik-Bibliotheken in C und GFA-Basic, ein Apfelmännchenprogramm, eine Dia-show sowie ein neues Kontrollfeld, das die Einstellung von bis zu 256 Farben sowie die Definition eines virtuellen Desktop (bis zu 1664 x 1200 Punkte) erlaubt. Übersteigen die Desk-top-Ausmaße das tatsächliche Bildschirmformat, scrollen Sie einfach mit der Maus zu den verdeckten Regionen. Art und Umfang der Software und des Handbuchs zur C32-Karte von Matrix steht noch nicht endgültig fest.

Die Programmierer sollten aber versuchen, etwas an der Geschwindigkeit des Treibers zu feilen, da beispielsweise die Drop-Down-Menüs merklich langsamer als im Original-Desktop oder beim MGE-Treiber herunterklappen.

An Erweiterungen zu ihren Grafikkarten tüfteln beide Firmen bereits mit Hochdruck. Bei Maxon heißen die Schlagworte Genlock und eine Palette von 16,7 Millionen Farben, im Hause Matrix ist unter anderem eine 3D-Brille und auch ein Echtfarben-Zusatz in Vorbereitung.

Zusätzliche Grafikmodi der C32+EG/Super-Mono:****

Bandbreite Auflösung Bildfrequenz Farben
50 MHz 800x600 70 Hz non int. 256
50 MHz 1280x960 62 Hz interl. 16
50 MHz 1280x1024 58 Hz interl. 16
110 MHz 1280x960 66 Hz non int. mono
160 MHz 1280 x1024 70 Hz non int. mono
160 MHz 1660x1200 60 Hz non int. mono

Toni Schwaiger
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