Easybase, die Datenbank von Omikron: Karteikarte ade

Frau Müller, bitte holen Sie mir einmal alle Kundinnen mit Konfektionsgröße 44 aus dem PLZ-Gebiet 5000. Sofort Chef! Sofort, heißt in einer traditionellen Kartei bei einem Adressenstamm von 2000 Kunden im besten Fall eine Stunde. Mit Easybase und dem Atari ST geht das in weniger als einer Sekunde. Ist doch nichts Neues werden Sie sagen, Datenbanken sind ein alter Hut.

Richtig, doch »Easybase« ist ein neuer Typ von Datenbank. Es ist die konsequente Umsetzung der altbewährten Karteikarte. Flexibel, beliebig ergänzbar und trotzdem blitzschnell im Zugriff auf jeden einzelnen Eintrag. Im Gegensatz zu bisher bekannten Datenbanken gibt es hier keine festgelegte Maske mit genau definierter Länge der Eingabefelder. Sie haben lediglich ein »Blatt Papier« vor sich und tragen darauf, ganz nach Belieben, alle Informationen ein, die Sie für wichtig halten. Die Anordnung und Länge der einzelnen Datensätze bleibt Ihnen überlassen. Ebenso leicht ergänzen oder streichen Sie nachträglich Daten. Easybase läßt sich wahlweise als Accessory oder als Programm starten. Beides hat Vor- und Nachteile. Besonders auf Computern mit wenig Speicherplatz wird es leicht eng, wenn neben dem Accessory noch eine Textverarbeitung mit mehreren Dokumenten läuft. Steht genügend freier Speicher zur Verfügung, oder gehen die Datenbestände nicht gleich in die Tausende, ist der direkte Zugriff über das Accessory sehr praktisch. Die Oberfläche von Easybase ist wohlgeordnet und voll in GEM eingebunden. In der unteren Reihe stehen Menü-Icons, wahlweise über Maus oder Tastatur zu bedienen. Am rechten Bildschirmrand warten neun frei belegbare »Funktionsknöpfe« auf ihren Einsatz. Den übrigen Teil des Bildes bedecken zwei gestapelte Fenster sowie darüber eine Kommando- und eine Statuszeile. Das eine Fenster zeigt die aktuelle Liste der z. Z. gewählten Datensätze, das andere ist ein Kontrollfenster, in dem die letzten Arbeitsschritte und Meldungen des Programms stehen. In diesem Zusammenhang sei auch die »History« der Eingabezeile erwähnt. Da sich die meisten Funktionen über diese Zeile steuern lassen, ist die History bei längerem Arbeiten mit der Datenbank sehr praktisch. Durch Pfeil nach oben und unten erreichen Sie die maximal 100 letzten Einträge und übernehmen das gewählte Kommando mit Return. Ist eine Datenbank geladen, erscheinen die Datensätze als jeweils eine Zeile in der Liste. Über Suchbefehle, Aufzählungen der verlangten Merkmale oder Ausschluß mit einer Nicht-Verknüpfung wählen Sie die gewünschten Daten aus. Easybase hält die komplette Datenbank im Speicher, so daß bei der Suche keine Zeit mit Disketten- oder Plattenzugriffen verloren geht.

40000 Datensätze

Durch die flexible Speicherung der Daten nutzt das Programm den verfügbaren Speicherplatz optimal aus. Omikron gibt die Obergrenze der derzeit verwaltbaren Datensätze mit den Einträgen Name, Straße, Ort, Telefon auf einem Mega ST4 mit etwa 40000 an. Es gibt nur wenige Anwendungen, die auch bei größeren Datensätzen und entsprechend weniger Einträgen damit nicht auskommen. Für eine spätere Version ist der Datenwechsel über Massenspeicher vorgesehen, doch mal ehrlich, wer braucht so viel?

Mortimer hilft mit

Per Mausklick wählen Sie einen oder mehrere Datensätze aus und ziehen sie auf das Editor-Symbol. Ein Doppelklick auf einen Datensatz öffnet sofort den Editor. Hier finden wir einen guten Bekannten: Mortimer, unser englischer Butler aus der letzten Ausgabe, spendierte seinen Texteditor. Ein wenig umgebaut, aber mit den gleichen beeindruckenden Leistungsmerkmalen hinsichtlich Textgrößen und Bearbeitungsgeschwindigkeit tut der jetzt in Easybase seinen Dienst.

Im Editor haben Sie die Wahl zwischen der völlig freien Eingabe oder einer Eingabemaske. Diese Maske ist über das Menü »Einstellungen F4« und »Neue Vorgaben« zu bestimmen. Im Editor bringt ein Druck auf F10 die Maske auf den Bildschirm, und Sie tragen dort Ihre Daten ein. Es ist auch zulässig, beliebige Texte als Datensätze zu übernehmen oder Datensätze als Texte zu speichern.

Seine besonderen Fähigkeiten zeigt Easybase bei der konkreten Arbeit. Nehmen wir z.B. die Such-Funktion.

Welche Datenbank ist in der Lage, die Einträge »Peter Müller« und »Müller, Peter« als identisch zu erkennen? Easybase verwirklicht dies durch wortweise Suche. Sehr angenehm auch die Ähnlichkeitssuche, die vergleichbare Wörter nach der Anzahl der identischen Buchstabenpaare auflistet.

Durch die Vergabe von »Kategorie«-Namen ist die Suche noch weiter zu beschleunigen. Über Pointer, die das Programm automatisch vergibt, findet Easybase einen Begriff unter dem Eintrag »Name« in ca. einer Sekunde pro 1 MByte Daten. Natürlich sind auch Joker in der Suche zugelassen.

Die Menüs tauchen immer an der Mausspitze auf. Leider gibt es neben dieser traditionellen Form noch andere Erscheinungsbilder.
Die typische Arbeitsoberfläche von Easybase. Das Kontrollfenster zeigt die letzten Aktionen.
Aus einer selektierten Liste sind vier Datensätze angewählt. Die Maus bringt GEM-gewohnt die Umrisse zur Editor-Taste F5.

Integrierter Arbeitsplatz

Eine Reihe weiterer Funktionen machen Easybase zu einem universellen Datenverwalter. So gibt es eine statistische Auswertung der Daten, Sortieren nach verschiedenen Kriterien oder die Funktionsknöpfe, auf denen Sie häufig benötigte Sortier- und Suchfunktionen ablegen. Auch der Export und Import von Fremddateien gestaltet sich durch einstellbare Datensatztrenner problemlos. Last not least die Rundschreibefunktion, die eine komfortable Einbindung der Daten in Briefe, Etiketten oder Listenausdrucke bietet. Hier lassen sich auf Wunsch auch nur Teile eines Feldes übernehmen. Easybase ist ein eindeutiger Schritt in Richtung integrierter Arbeitsplatz. In Verbindung mit einer Textverarbeitung bietet das Programm bereits jetzt fast alles, was ich von einer Datenbank verlange. Natürlich gibt es einige Kritikpunkte, mit denen man aber leben kann. So störte mich z.B. die unterschiedliche Form der Menüs. Einige erscheinen in bekannter Form, andere bedecken als Dialogbox fast den gesamten Bildschirm und bringen dazu unnötige Erklärungen. Auch eine Bedienung der wichtigsten Knöpfe in allen Dialogboxen und eine Übernahme des letzten Datensatzes bei der Eingabe wären in vielen Fällen hilfreich.

Die Zielgruppe dieses Programms ist klar. Alle, die eine leistungsfähige Datenbank brauchen, nicht auf Codierung von Datenteilmengen angewiesen sind und weniger als 30000 bis 40000 Datensätze haben: die Mehrheit aller ST-Anwender also.

Omikron, Erlachstr. 15 b, 7534 Birkenfeld 2

WERTUNG

Name: Easybase
Preis: 248 Mark
Hersteller: Omikron

Stärken: Textorientierte Datenbank □ völlig freie Eingabe und Gestaltung der Datensätze □ variable Speicherung der Datensätze □ auch als Accessory □ statistische Auswertung □ sehr schnell

Schwächen: Keine einheitlichen Menüs □ teilweise unpraktischer Wechsel von Tastatur zur Maus nötig □ keine Übernahme des letzten Datensatzes Fazit: Eine Datenbank, die den Bedürfnissen der meisten ST-Anwender, Profis wie Hobbyisten, gerecht wird.

Die Daten im Editor. Auch hier stehen Befehle in Icon-Form bereit.

Wolfgang Klemme
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