Steuerzeichen mit Tempus: Gut gedruckt ist halb gewonnen

Der Editor »Tempus 2.0« eignet sich wegen seiner Geschwindigkeit und seiner komfortablen Bedienung hervorragend dazu, umfangreiche Texte zu erfassen und zu redigieren, um sie dann beispielsweise mit einem DTP-Programm oder mit »Signum« weiterzuverarbeiten. Wer einmal die blitzartigen Reaktionen von Tempus schätzen gelernt hat, wird sich danach mit der nervtötenden Langsamkeit von »1st Word Plus« schwertun. Trotzdem kommt man oft nicht daran vorbei, denn zahlreiche Funktionen einer »richtigen« Textverarbeitung kennt Tempus nicht. Einige davon lassen sich aber mit ein paar kleinen Tricks mühelos nachbauen.

Dabei hilft eine Besonderheit von Tempus: die vergleichsweise kinderleichte Entwicklung eigener Tastatur und Druckertreiber. Um Tempus Kursivschrift, Fettschrift und Unterstreichen beizubringen, suchen Sie sich zunächst geeignete Tastenkombinationen zum Ein- und Ausschalten dieser Funktionen. Ich habe dazu Control/Ziffern blocktasten genommen, aber selbstverständlich sind auch andere Tasten geeignet. Im Tempus Tastaturtreiber legen Sie dann auf diese Tastenkombinationen Zeichen mit hohen ASCII-Nummern, die Sie garantiert nie brauchen, z.B. hebräische. Das sieht in den entsprechenden Zeilen des Tastaturtreibers z.B. so aus:

T77 :=  ' Q'    *Ctrl/? = Kursiv ein
T78 :=  ' S'    *Ctrl/8 = Kursiv aus
T79 :=  ' V'        *Ctrl/9 = Unterstr. aus
T80 :=  ' 1'    *Ctrl/- = Unterstr« ein
T83 :=  ' 0"    *Ctrl/6 = Fettschr, aus
T84 :=  ' n'    *Ctrl/+ = Fettschr. ein

Anschließend suchen Sie im Druckerhandbuch die (hoffentlich dokumentierten) Druckerbefehle für diese Funktionen und ordnen sie im Tempus-Druckertreiber den entsprechenden Zeichen zu. Für den NEC P6+ z.B. enthält der Druckertreiber die Zeilen:

"?" := " "-" 1 * Unterstr. ein
"?" := " "-" 0 * Unterstr. aus
"?" := " "G" * Fettschr.
"?" := " "H" * Fettschr. au
"?" := " "4" * Kursiv ein
"?" := " "5" * Kursiv aus

Nachdem Sie Tempus über die Funktionen »Quelldaten übersetzen« und »Parameter & sichern« mit diesen Treibern installiert haben, stehen Ihnen mit einem Tastendruck Unterstreichen, Kursiv- oder Fettschrift zur Verfügung - allerdings nur im Ausdruck, nicht auf dem Bildschirm. Dort erscheinen (ähnlich wie in »Wordstar«) nur die Steuerzeichen; WYSIWYG gibt's nicht. Das hat aber wiederum den Vorteil, daß sich über »Suchen & Ersetzen« die Steuerzeichen (und damit die besonderen Schriftarten) ganz schnell und leicht wieder aus einem Text entfernen lassen. Beachten Sie: Auf dem Bildschirm rückt das Steuerzeichen den Zeilenrest um eine Spalte nach rechts, im Ausdruck geschieht das natürlich nicht. Diese Diskrepanz stört in normalem Fließtext nicht, muß aber z.B. bei Tabellen oder im Blocksatz berücksichtigt werden. Besonders das Abschreiben fremder Texte geht schneller, wenn Sie nicht jeden Tippfehler sofort korrigieren, sondern zunächst einfach flott drauflos schreiben, ohne den Bildschirm zu beachten, und danach in einem zweiten Durchgang die Korrekturen vornehmen. Dabei »nervt« das Gefummel mit den Cursortasten ebenso, wie ein dauerndes Hin und Her zwischen Maus (zum Anklicken des Fehlers) und Tastatur (zum Korrigieren).

Nun zeigt die Erfahrung, daß man infolge der allzu weichen Tastatur des ST beim Tippen häufiger einen Buchstaben zu viel als einen zu wenig erwischt. Fehlende Buchstaben sind daher als Tippfehler selten. Häufig sind dagegen drei andere Typen: Buchstabe zuviel, zwei Buchstaben vertauscht, klein statt groß (oder umgekehrt). Um sich das Korrigieren zu erleichtern, legen Sie die Funktionen zur Korrektur dieser Fehler auf die Tasten Alt/A, Alt/Y und Alt/<. Beim Durchgehen des Textes halten Sie ständig den linken Daumen auf der Alternate-Taste, Zeige- und Mittelfinger auf A und auf Y bzw. < und nehmen die rechte Hand nur noch von der Maus, wenn ein Buchstabe einzufügen ist.

Kenner von Tempus wundern sich jetzt vielleicht, denn die Funktionen »Buchstabe löschen« und »Groß/Kleinbuchstaben vertauschen« sind zwar in Tempus enthalten (auf < DELETE> und <CTRL/G>), nicht aber die Funktion »Buchstaben vertauschen«. Die »programmieren« wir uns einfach selbst - in Form eines Tastaturmakros, das folgende Befehlskette auslöst: Cursor nach rechts, Blockanfang setzen, Cursor nach rechts, Blockende setzen, Cursor zwei Stellen nach links, Block verschieben, Blockmarken löschen. Dank der atemberaubenden Geschwindigkeit von Tempus geht das immer noch schneller als die manuelle Korrektur.

Die entsprechenden Zeilen für den Tastaturtreiber lauten dazu:

T221 := 16678 *Alt/A wandelt Klein- in Großbuchstaben und umgekehrt
T233 := 16598,16470,16598,16472,16600, 16600, 16392,16388 *Alt/< vertauscht     Buchstaben unter den Cursor nit den nachfolgenden Zeichen
T234 := 16586 *Alt/Y löscht Zeichen unter den Cursor

Nicht nur die Korrektur, auch die Eingabe von Texten beschleunigt sich, wenn man die häufigsten Wörter der deutschen Sprache auf Tastaturkürzel legt, so daß z.B. Alt/n im Text das Wort »nicht« erzeugt. Leider haben die allerhäufigsten Wörter im Deutschen nicht mehr als drei Buchstaben, und um einen einzigen Tastendruck zu sparen (zwei statt drei), lohnt der Aufwand nicht. Recht wirkungsvoll ist es aber bei Wörtern wie »nicht, eine (auch in keine, meine, seine, einen usw.!), werden, haben, diese, sich, aber, auch, durch, nach, unter, wenn, noch« - das sind die statistisch häufigsten deutschen Wörter mit mehr als drei Buchstaben. Wer wissenschaftliche Arbeiten schreibt und viel zitieren muß, ist auch für das Auslassungszeichen [...] dankbar. Für die Funktionen, die im Original auf den entsprechenden Tastenkombinationen lagen, müssen Sie sich natürlich andere Tastaturcodes suchen - sofern Sie sie überhaupt benötigen. Hier wieder eine Beispielzeile für den Tastaturtreiber:

T239 := ' n', ' i', ' c', ' h', ' t' 
*Alt/n schreibt das Mort ‘nicht'

Noch wirkungsvoller ist es, wenn Sie sich Ihren Text vor dem (Ab-)schreiben auf gehäuft vorkommende Wörter hin ansehen und mit der Alt/Esc-Funktion für den momentanen Programmlauf statt dieser Wörter Tastaturkürzel definieren. Wenn Sie zum Beispiel einen Kommentar zur aktuellen Lage in der UdSSR verfassen und die Wörter »sowjetisch, Sowjetunion, Gorbatschow und Perestroika« nicht jedesmal ausschreiben brauchen, haben Sie schon viel unnötige Arbeit gespart. Für solche Ad-hoc-Belegungen sollten Sie sich immer eine Reihe von Tastenkombinationen freihalten. (wk)


Klaus Bailly
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