Druckertreiber als hilfreiches Werkzeug

Die nationale Frage

Sind Druckertreiber ein notwendiges Übel oder hilfreiche Werkzeuge?

Textverarbeitung könnte so schön sein, gäbe es nicht das leidige Problem, die wohlformulierten Gedanken zu Papier zu bringen. Schon Faust mußte lernen: Was Du schwarz auf weiß besitzt, kannst Du getrost nach Hause tragen. Doch wie, bei Mephisto, kriege ich das aufs Papier, was ich haben will?

Wir wissen nicht, was Goethe empfohlen hätte, immerhin benutzte er noch Feder und Tinte, nicht Computer und Drucker. Wir raten zu ausgewähltem Lesen des Druckerhandbuchs. Diese verständlicherweise äußerst ungeliebte Tätigkeit hilft in den meisten Fällen weiter. Es kommt jedoch darauf an, sich nicht durch hunderttausend unwichtige Kleinigkeiten aus dem Konzept bringen zu lassen. Druckerhandbücher sind häufig ein Musterbeispiel an Unverständlichkeit und Unbrauchbarkeit. Sie nennen zwar alle Einstellungen des Druckers und beschreiben genau die Steuerung und Programmierung jedes Befehls. Auf endlosen Seiten finden sich dazu Beispielprogramme in diversen Basic-Dialekten. Doch welchen Anwender einer Textverarbeitung, Datenbank oder Grafiksoftware interessiert Basic? Ich jedenfalls konnte in etlichen Jahren Computeranwendung sehr gut auf 95% aller Druckerhandbuchseiten verzichten, die über meinen Schreibtisch gewandert sind.

center Seite aus einem fiktionalen Druckerhandbuch: Über DIP—Schalter wählen Sie die Grundeinstellungen des Gerätes.

Die programmtechnische Ansteuerung des Druckers erledigt in den meisten Fällen ein Druckertreiber. Er übersetzt die Informationen aus dem jeweiligen Anwendungsprogramm in eine dem Drucker verständliche Zahlenfolge. Die gewünschten Zeichen oder Grafiken erscheinen je nach Druckertyp genadelt, getintenstrahlt oder gelasert auf dem Papier. Jedes Programm, das solche Druckertreiber verwendet, enthält in seinem Lieferumfang eine Reihe von fertigen Treibern für die gängigsten Drucker. Sollte sich Ihr spezieller Drucker nicht darunter befinden, besteht noch lange kein Grund zur Sorge. In den meisten Fällen ist Ihr Drucker in der Lage, eine Reihe verschiedener Treiber richtig zu interpretieren. Zwar verfügt jeder Drucker über einen eigenen, ganz speziellen Befehlsvorrat, der ihn auszeichnet, doch unterstützen alle modernen Drucker auch eine oder zwei »Emulationen«: Befehlssätze von weit verbreiteten Druckern, die sich im Laufe der Zeit als Standard etabliert haben. Jede Software unterstützt diese Standard-Emulationen, so daß ein vernünftiger Ausdruck eigentlich immer zu erreichen ist.

center Der »Citizen Swift 24« kennt zahlreiche nationale Zeichensätze mit teilweise starken Abweichungen.

Auf dem Atari gibt es für Nadeldrucker drei verbreitete Emulationen, die Epson-, die NEC- und die IBM-Proprinter-Emulation. Bei Laserdruckern ist neben dem Atari-eigenen Laserdrucker die HP-Laserjet-Emulation führend. Verfügt Ihr Drucker über eine dieser Emulationen, dann ist ein relativ problemloser Betrieb am Atari ST zu erwarten.

Schwierigkeiten beim Ausdruck sind neben der falschen Emulation noch auf drei weitere Dinge zurückzuführen. Probleme allgemeiner Art wie z.B. falsche oder fehlende Zeilenvorschübe und fehlerhafte Randeinstellungen liegen häufig an einer verkehrten Grundeinstellung des Druckers. Bei den meisten Geräten nehmen Sie diese Einstellungen per DIP-Schalter vor. Das sind kleine Umschalter, meist in Bänken mit mehreren Schaltern angeordnet. Man nennt Sie ihrer Größe wegen auch »Mäuseklavier«. Seit etwa einem Jahr verzichten immer mehr Hersteller auf die DIP-Schalter und rüsten die Drucker statt des sen mit Software aus, die über Multifunktionstasten an der Vorderseite der Ge räte eine Einstellung aller Parameter erlaubt. Ein großes Problem ist der unterschiedliche Zeichenvorrat der einzelnen Länder. Deutsche oder skandinavische Umlaute, französische Akzente, spanische Betonungszeichen, amerikanische Sonderzeichen -neben den gleichen Buch staben, Satzzeichen und Zahlen gibt es sehr viele nationale Unterschiede. Ein Zeichensatz umfaßt maximal 256 Zeichen -viel zu wenig, um alle Nationen zu berücksichtigen. Zum Glück ist der Betrieb aller Zeichen nie erforderlich. Es genügt, den am häufigsten benötigten nationalen Zeichensatz einzustellen. Auch dies geschieht häufig über mehrere DIP-Schalter, deren Kombination den entsprechenden nationalen Zeichensatz bestimmt. Alle Drucker erlauben im Betrieb das Umstellen dieser Zeichensätze bzw. die gezielte Auswahl einzelner Zeichen. Dazu senden die Druckertreiber eine entsprechen de Zahlenfolge. Ein Beispiel: Mein Drucker ist auf den nationalen Zeichensatz »England« eingestellt.

Nicht aus politischen sondern aus rein praktischen Gründe, wie Sie gleich erkennen werden. Sobald ich einen deutschen Umlaut drucken möchte, schaltet der Druckertreiber auf den deutschen Zeichensatz um, druckt den Umlaut und schaltet wieder in den englischen Zeichensatz zurück. Da ich mehr englische als deutsche Sonderzeichen benötige, geht es schneller, nur für »ä,ö,ü,Ä,Ö,Ü, und ß« umzuschalten, als für alle anderen Zeichen. Die Umschaltung erfolgt über Steuerbefehle des Druckers, die sog. »Escape«-Sequenzen. Womit wir bereits beim dritten Problempunkt angelangt sind. Es ist häufig wünschenswert, die besonderen Fähigkeiten des Druckers auszunutzen. Die jeweilige Emulation z.B. des Epson-, oder NEC-Befehlssatzes unterstützt niemals die volle Leistungsvielfalt des Druckers. Über die Druckertreiber der jeweiligen Anwendersoftware haben Sie jedoch darauf Zugriff. Dazu bedarf es der Anpassung durch die genannten Escape-Sequenzen. Definieren Sie dazu Steuerzeichen mit Zeichen, die Sie niemals benötigen. Ich verwende z.B. in »Tempus« die Computerziffern für verschiedene Schriftarten. Im Treiber steht das jeweilige Zeichen, danach die Befehlsfolge für den Drucker, die verschiedene Druckerschriften aufruft.

center Auszug aus einem Druckertreiber für Tempus. Die Escape-Sequenzen sorgen für verschiedene Schriftarten beim Ausdruck.

Im Bild sehen Sie einen Teil meines Druckertreibers mit entsprechenden Erläuterungen. Erscheint jetzt beim Druck ein so definiertes Zeichen, interpretiert der Drucker es richtig und schaltet die gewünschte Schriftart ein. Auf diese Art lassen sich z.B. Fett-, Breitdruck oder Unterstreichung einschalten.

Wir veröffentlichen in unserer Rubrik »Anwendung« immer wieder Tips zu Druckertreibern. Haben Sie Druckerprobleme gelöst, schreiben Sie uns und helfen Sie damit anderen Anwendern.


Wolfgang Klemme
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